Der Drachenlord geht als iranisches Medienoberhaupt in den USA viral

"Wie fühlt es sich an, wenn die Welt von am Sonderschüler vorgeführt wird?"

Drachenlord Tweet
Das offensichtliche Meme ist außerhalb der Bubble wohl doch nicht so offensichtlich ein Meme. | © Twitter / Demon

Rainer Winkler war schon vieles: YouTuber, Metaller, Profi-Streamer, Kampfkünstler, Joker1510 und der Drachenlord – das meiste davon ist durch eine Vielzahl von Videos von ihm oder anderen dokumentiert. Was bisher aber nur die wenigsten gewusst haben dürften ist, dass er auch Leiter der Medienabteilung des Irans war und beim gemeinsamen Angriff von USA und Israel ums Leben kam...

Zumindest, wenn man mehreren tausend Amerikanern im Internet glauben darf.

Der Tod von Rāyān Vinklapor

Denn wer sich aktuell auf Twitter bewegt und dort Hashtags wie “Iran”, “USA” oder “Airstrikes” aktuell nicht blockiert hat, dem ist eventuell ein Post begegnet, der inzwischen mehr als 700 Kommentare, fast 2.500 Retweets und knapp 23.000 Likes hat – und darüber hinaus ganze 11,5 Millionen mal gesehen wurde.

Der Post stammt von Drachenlord-Hater Demon, zeigt Winkler, per KI oder Photoshop in die Robe eines iranischen Würdenträgers gekleidet mit der Bildbeschreibung:

Breaking, Rāyān Vinklapor, Head of Media in Iran, was eliminated.

Was zunächst wohl nur in der Drachenbubble umherging und als Fortführung eines recht makaberen Memes gilt, bei welchem, wann immer auf der Welt Anschläge verübt werden, verschiedene Hater-Bilder und Clips von Winkler an Medienanstalten schicken und behaupten, dass es sich um den Täter handeln würde, wuchs aber zu etwas weitaus Größerem.

Drachenlord-Fakenews gehen viral

Denn plötzlich stießen viele internationale, Drachengame-ferne User auf den Tweet. Während die einen ihn aber nur als Meme abtaten, welches sie einfach nicht verstünden, gab es auch immer mehr Leser, die wirklich an den Tod eines gewissen Vinklapor glaubten, der Head of Media in Iran gewesen sein sollte.

Kritische Kommentare darüber, dass der Leiter der Medien ja ein Journalist wäre und dies einem Kriegsverbrechen gleichkäme, fanden sich neben "Etz’allah!"-Sprüchen wieder, während die einen behaupteten, Trump hätte "a Fedde Bombe neigschmaßt," fragten andere bei Grok nach, ob es sich hier um eine tatsächliche Nachricht handeln würde. Auch diese Retweets wurden tausendfach geliked, kommentiert und weiterverbreitet.

Der Post ging viral und weitere – mal mehr, mal weniger seriöse – Accounts aus der ganzen Welt verbreiteten das Meme als vermeintliche News von geopolitischer Relevanz.

Zwischen Memekult und Wahrheit

Und während es für die einen nur das kurze Aufflammen des eigentlich schon dahinsterbenden Drachengames darstellt, ist der Post gleichzeitig Beweis dafür, wie einfach Fake-Botschaften in einer Zeit verbreitet werden, in der Menschen aufgrund zahlloser Propaganda-Bots, Hassnachrichten und AI-basierten Manipulationen nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge, einem Internet-Meme und einer tatsächlichen Information unterscheiden könne.

Die Gefahr, die von einem solchen Post ausgehen können, wenn sie aus böser Absicht statt als schlechter Scherz getwittert werden macht klar, dass es heute wichtiger denn je ist, dass Menschen selbst im Internet recherchieren und Informationen kritisch prüfen. In einer Zeit, in der sich Nachrichten – egal ob wahr oder falsch – in Sekunden verbreiten können, reicht es nicht mehr aus, Inhalte einfach zu glauben, nur weil sie oft geteilt werden oder überzeugend klingen.

Wer mehrere Quellen vergleicht, den Ursprung einer Meldung überprüft und sich bewusst mit Fakten auseinandersetzt, trägt dazu bei, Desinformation und Fake News weniger Raum zu geben. Kritisches Denken und eigenständige Recherche sind deshalb zentrale Fähigkeiten für eine informierte und verantwortungsbewusste Gesellschaft.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....