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Teilnehmer aus deutschen Casting-Shows, aus denen tatsächlich etwas geworden ist

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Tanja Haimerl Tanja Haimerl
Entertainment - Mai 27th 2026, 07:00 MESZ
Castingleute dies zu was gebracht haben tn

Bevor wir anfangen...

Castingshows haben in Deutschland einen zweifelhaften Ruf. Für jeden großen Moment gab es gefühlt zehn Siegerinnen und Sieger, deren Namen schon beim nächsten Staffelstart wieder verblasst waren. Nummer-eins-Single, Tränenfinale, Blumenstrauß, ein natürlich superwitziger Dieter-Bohlen-Spruch, danach Funkstille. So ungefähr lautet das Klischee. Ganz falsch ist es nicht, aber eben auch nicht ganz richtig.

Denn zwischen all den vergessenen Gewinnerballaden, überproduzierten Debütsingles und viel zu schnell gedrehten Reality-Karrieren gibt es sie: die Menschen, die aus einem Castingformat mehr gemacht haben als nur fünfzehn Minuten Ruhm. Manche wurden echte Popstars, andere Fernsehgesichter, Musicalgrößen, Unternehmerinnen oder Dauerbrenner im Schlager. Einige haben gewonnen, ohne ihr ursprüngliches Finale auf Platz 1 verlassen zu haben. | © RTL, ARD, ProSieben

Max mutzke

Max Mutzke

Max Mutzke ist der Gegenentwurf zum klassischen Castingshow-Klischee. Kein greller Skandal, kein Reality-Overkill, kein künstlich verlängertes Promileben. 2004 gewann er Stefan Raabs kurios betiteltes ESC-Casting „SSDSGPS“, trat anschließend mit „Can’t Wait Until Tonight“ für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Istanbul an und erreichte Platz acht (für deutsche Verhältnisse eigentlich sehr solide). Für viele wäre das die komplette Karriere gewesen, doch bei Mutzke war es eher der Startpunkt. Er entwickelte sich weg vom Raab-Schützling und hin zu einem Musiker, der Pop, Soul, Funk und Jazz glaubwürdig miteinander verbindet. Über die Jahre veröffentlichte er mehrere Studio- und Livealben, arbeitete mit der SWR Big Band, gewann ein Publikum, das nicht nur aus Castingnostalgikern besteht, und blieb auch im Fernsehen präsent, etwa durch Formate wie „The Masked Singer“. 2024 veröffentlichte er mit „XX“ ein Album zum zwanzigjährigen Karrierejubiläum, 2026 stehen weitere Live-Termine an, darunter Konzerte mit eigener Band und Projekte mit der SWR Big Band. Max Mutzke ist vielleicht nicht der Name, der jede Boulevard-Schlagzeile dominiert, aber genau darin liegt seine Qualität. Er ist geblieben, weil er singen kann, weil er musikalisch erwachsen wurde und weil seine Karriere nie nur von der Castingshow lebte. | © Max Mutzke via Spotify

Stefanie Giesinger GNTM 2014

Stefanie Giesinger

Stefanie Giesinger gewann 2014 „Germany’s Next Topmodel“, aber ihre Karriere erzählt eigentlich mehr über die Zeit nach dem klassischen Model-TV als über die Show selbst. Als sie gewann, war Instagram schon auf dem Weg, wichtiger zu sein als analoges TV, und Giesinger verstand früh, dass Sichtbarkeit nicht mehr nur über Laufstege und Magazincover entsteht. Sie wurde Model, Influencerin, Markenbotschafterin, Unternehmerin und später auch Podcasterin. Ihr Erfolg besteht nicht darin, dass sie jeden großen Catwalk der Welt dominierte, sondern darin, dass sie sich als Persönlichkeit etablierte. Sie sprach öffentlich über Gesundheit, Körperbilder, mentale Belastung und die Mechanismen der Modebranche. In ihrem Podcast „G Spot“ behandelt sie Themen wie Feminismus, mentale Gesundheit, Liebe, Business und Fashion, also genau jene Mischung aus Intimität und Haltung, die für moderne Prominenz wichtig geworden ist. 2026 sorgte sie erneut für Aufmerksamkeit, als sie im Podcast über Schönheitsideale in der Modelbranche sprach und erzählte, wegen ihres Körpers abgelehnt worden zu sein. Das macht sie zu einer anderen Art Casting-Erfolg als frühere GNTM-Gewinnerinnen: Giesinger ist weniger lineares TV-Gesicht, mehr digitale Marke mit Meinung. | © ProSieben

Sarah engels

Sarah Engels

Bei Sarah Engels lohnt sich ein zweiter Blick, weil ihre Karriere nicht nur aus einem großen Moment besteht. 2011 wurde sie bei DSDS Zweite, direkt hinter Pietro Lombardi, mit dem sie später auch privat zur öffentlichen Geschichte wurde. Am Anfang war sie für viele „die Stimme“ in dieser DSDS-Staffel: technisch stärker, kontrollierter, vielleicht weniger spontan als Pietro, aber musikalisch ernstzunehmender. Nach der Show kamen Singles, TV-Auftritte, Duette, Hochzeit, Trennung, Mutterrolle, neue Ehe, Social Media, Tanzshows, Schauspieljobs und immer wieder Musik. Sarah Engels hat sich über die Jahre nicht als eine Sache festnageln lassen. Sie ist Sängerin, Influencerin, Familienmensch, Reality-erfahrenes TV-Gesicht und jemand, der das Publikum erstaunlich lange begleitet. 2026 rückte sie noch einmal in einen ganz anderen Fokus: Mit „Fire“ vertrat sie Deutschland beim Eurovision Song Contest in Wien. Das Ergebnis, Platz 23 von 25, war ernüchternd, aber man muss ihr lassen: ihr Auftritt war nicht schlecht, die deutsche ESC-Geschichte spricht jedoch für sich selbst. Aber: Fünfzehn Jahre nach DSDS stand Sarah Engels wieder auf einer der größten europäischen Bühnen, und das schaffen nur wenige Castingshow-Teilnehmerinnen. | © ARD

Pietro lombardi dsds

Pietro Lombardi

Pietro Lombardi ist einer dieser Fälle, bei denen man kaum zwischen Karriere, Persönlichkeit und Dauerpräsenz trennen kann. 2011 gewann er DSDS, damals noch als etwas verpeilter, sympathischer Underdog mit Baseballcap, breitem Grinsen und einer Stimme, die nicht nach perfekter Musikschule klang, aber nach Wiedererkennungswert. Seine damalige Beziehung und spätere Ehe mit Sarah Engels machte ihn zusätzlich zur Reality-Figur, sein Hit „Call My Name“ setzte den erwartbaren DSDS-Siegerstempel. Danach kam keine schnurgerade Popkarriere, sondern ein sehr modernes Promi-Leben: Musik, Social Media, Familiengeschichten, Trennungen, Comebacks, öffentliche Krisen, neue Beziehungen, Juryjobs, und das von mir bis heute vielzitierte Meme "Weil mein Ruf kaputt geht, nicht deiner!" Gerade diese Mischung hielt ihn im Gespräch. Pietro wurde später selbst DSDS-Juror und saß mehrere Staffeln neben Dieter Bohlen am Pult, also dort, wo seine eigene Geschichte begonnen hatte. Für 2026 wurde die DSDS-Jury neu besetzt, Pietro war nicht mehr dabei, was wiederum selbst Nachrichten produzierte. Das sagt viel über seinen Status: Selbst seine Abwesenheit ist noch eine Meldung. Musikalisch mag man diskutieren, wie groß sein bleibender Einfluss ist. Als Castingfigur im kollektiven Gedächtnis aber ist Pietro Lombardi gesetzt. Er ist nicht nur ein Gewinner von damals, sondern ein Promi, der das Reality-Zeitalter ziemlich gut verstanden hat. | © RTL

Beatrice egli dsds

Beatrice Egli

Bei Beatrice Egli kann man wunderbar sehen, was passiert, wenn Castingshow und Genre perfekt zusammenpassen. 2013 gewann sie „Deutschland sucht den Superstar“, und anders als viele DSDS-Siegerinnen musste sie danach nicht erst mühsam eine Identität suchen. Sie hatte sie schon: Schlager, gute Laune, Schweizer Herzlichkeit, große Refrains. Mit „Mein Herz“ gelang ihr direkt der Durchbruch, aber der eigentliche Erfolg liegt darin, dass sie nicht bei diesem einen Moment stehen blieb. Egli arbeitete sich konsequent in den deutschsprachigen Schlagerbetrieb hinein, veröffentlichte Alben, ging auf Tour, sammelte Gold- und Platin-Auszeichnungen und wurde vom DSDS-Gewächs zur festen Größe in einem Markt, der Loyalität belohnt. Inzwischen moderiert sie mit „Die Beatrice Egli Show“ ihre eigene Samstagabend-Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: von der Kandidatin, die Dieter Bohlen überzeugen musste, zur Gastgeberin, die selbst Stars empfängt. 2026 steht außerdem ihre Tour „Tanzen, Lachen, Leben“ an, mit rund 20 Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beatrice Egli ist damit vielleicht nicht der coolste Name dieser Liste, aber einer der stabilsten. Ihr Erfolg ist kein Hype, sondern ein Betriebssystem. | © RTL

Alexander klaws dsds

Alexander Klaws

Es gibt Castingkarrieren, die laut anfangen und leise enden. Bei Alexander Klaws war es fast umgekehrt. 2003 gewann er die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, und natürlich war er damals der Prototyp des deutschen TV-Castinglieblings: nett, sauber, massentauglich, mit Siegerballade und Teenie-Faktor. Nach einigen Popjahren hätte seine Geschichte dort enden können. Stattdessen wechselte Klaws die Disziplin und wurde einer der erfolgreichsten Musicaldarsteller, die aus einer deutschen Castingshow hervorgegangen sind. Besonders seine Rolle als Tarzan wurde zur zweiten Karrieregeburt. 2010 stand er erstmals in Hamburg in der Rolle auf der Bühne, später kehrte er immer wieder zu ihr zurück. 2025 feierte er in Hamburg erneut ein Musical-Comeback als Tarzan, und der Auftritt bekam eine private Note, als auch sein Sohn Lenny in die Rolle des jungen Tarzan schlüpfte. Parallel blieb Klaws als Moderator, Schauspieler und Bühnenmensch präsent. Alexander Klaws ist vielleicht nicht mehr der dauernd skandalisierte Boulevardname, aber genau das macht ihn stark: Er hat aus DSDS keinen Promi-Zirkus gebaut, sondern ein solides Handwerk. | © RTL

Monrose

Monrose

Monrose kamen 2006 aus der fünften „Popstars“-Staffel und wirkten von Anfang an wie die etwas spätere, glattere, internationaler gedachte Antwort auf die No Angels. Mandy Capristo, Senna Gammour und Bahar Kizil waren keine Zufallstruppe, sondern ein präzise gebautes Popprodukt. Der Unterschied: Dieses Produkt funktionierte. „Shame“ wurde ein riesiger Einstieg, „Hot Summer“ ein Song, der bis heute sofort Bilder von 2000er-Musikfernsehen, knappen Choreografien und überhitzten Chartshows auslöst (Wo bleibt eigentlich das TikTok-Revival von Hot Summer? Kommt schon!). Monrose hatten mehrere erfolgreiche Alben, blieben bis 2011 aktiv und trennten sich, bevor der komplette Absturz kam. Das hilft ihrem Nachruhm: In der Erinnerung sind sie nicht die Band, die ewig weitergemacht hat, sondern die, die eine bestimmte Popphase ziemlich perfekt verkörperte. Nach dem Ende gingen die drei Mitglieder unterschiedliche Wege: Mandy blieb als Sängerin und Promi-Gesicht präsent, Senna wurde zur Comedy- und Social-Media-Personality, Bahar arbeitete weiter musikalisch, wenn auch leiser. | © ProSieben

No angels beste band der welt

No Angels

Die No Angels sind nicht einfach eine Castingband. Sie sind für viele der Soundtrack zu einer bestimmten deutschen Pop-Ära (oder angetrunkenen Abenden, an denen man uralte Playlists wieder durchstöbert und plötzlich denkt, tanzen zu können). 2000 aus der ersten deutschen „Popstars“-Staffel hervorgegangen, starteten Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls mit „Daylight in Your Eyes“ so groß, dass der Begriff „Castingstar“ kurzzeitig nicht nach Verlegenheitslösung klang, sondern nach Popindustrie auf Hochtouren. Danach kamen Nummer-eins-Hits, Millionenverkäufe, Bravo-Poster, Trennungen, Comebacks, private Dramen und immer wieder diese Frage: Wie viel Nostalgie verträgt Pop? Bei den No Angels lautet die Antwort offenbar: sehr viel, wenn die Songs stimmen. Nach ihrem Comeback in den 2020ern zeigte sich, dass die Band nicht nur ein Retro-Gag ist. 2025 feierten sie eine erfolgreiche Sommertour, 2026 folgt zum 25-jährigen Jubiläum die „TwentyFive Live“-Tour. Dass erst kürzlich einige Termine wegen Sandy Möllings Gesundheit abgesagt werden mussten, änderte nichts daran, wie präsent der Act wieder ist. Die No Angels sind heute weniger Teenie-Phänomen als Erinnerungsmaschine mit erstaunlich stabiler Fanbasis. Ihr Platz in dieser Liste ist unantastbar, weil sie bewiesen haben, dass Castingpop altern, brechen, zurückkommen und trotzdem noch berühren kann. Außerdem wurde Lucy zwischendurch 2024 zur Dschungelkönigin gewählt – deutlich verdienter als andere, aber das nur nebenbei.| © ProSieben

Brosis

Bro'Sis

Bro’Sis sind heute weniger als Band präsent als über zwei ihrer bekanntesten Mitglieder: Giovanni Zarrella und Ross Antony. Beide wurden 2001 in der zweiten deutschen Staffel von „Popstars“ Teil der Gruppe, die mit „I Believe“ direkt auf Platz eins schoss und Anfang der 2000er zu den großen Casting-Pop-Phänomenen gehörte. Bro’Sis waren lauter, internationaler und stärker auf R&B und Dance-Pop gebürstet als die No Angels, auch wenn die Band als Einheit nicht ganz denselben Nostalgie-Glanz entwickelt hat. Der Langzeiteffekt zeigt sich eher in den Einzelkarrieren. Giovanni Zarrella arbeitete sich nach der Bandauflösung durch Musik, Moderation und Reality-Formate, bevor ihm als deutsch-italienischer Schlager-Entertainer der große zweite Durchbruch gelang. Heute moderiert er im ZDF seine eigene Samstagabendshow und ist einer der verlässlichsten Gastgeber im deutschen Musikfernsehen. Ross Antony ging einen anderen, aber ähnlich erfolgreichen Weg: Musical, Dschungelcamp, Schlager, Familienunterhaltung, immer mit dieser Mischung aus britischem Überschwang und deutscher TV-Verlässlichkeit. Als gemeinsamer Eintrag stehen Bro’Sis deshalb für eine Castinggeschichte, die nicht als Band unsterblich wurde, aber zwei erstaunlich langlebige Entertainer hervorgebracht hat. | © ProSieben

Rebecca mir gntm

Rebecca Mir

Rebecca Mir hat GNTM nicht gewonnen, aber sie hat etwas geschafft, das vielleicht noch wertvoller ist: Sie hat aus einem zweiten Platz eine echte Fernsehkarriere gebaut. 2011 wurde sie bei „Germany’s Next Topmodel“ Zweite, und schon damals war klar, dass sie nicht nur gut aussah, sondern auch vor der Kamera funktionierte. Modeljobs, rote Teppiche und Lifestyle-Formate kamen schnell, doch der entscheidende Schritt war ihre Arbeit als Moderatorin. Ab 2012 gehörte sie über Jahre zu „taff“ bei ProSieben und wurde damit für ein junges Publikum zu einem vertrauten Gesicht am Nachmittag. Während andere GNTM-Kandidatinnen im Influencer-Kosmos landeten, blieb Mir im klassischen Fernsehen sichtbar. Dazu kamen Auftritte bei „Let’s Dance“, Schauspielrollen und eine öffentliche Liebesgeschichte mit Profitänzer Massimo Sinató, die dem Boulevard natürlich ebenfalls gefiel. Ende 2025 verabschiedete sie sich nach 13 Jahren von „taff“, Anfang 2026 wechselte sie zu RTL und wurde Teil des Moderatorinnenteams von „Exclusiv“ an der Seite von Frauke Ludowig und Kena Amoa. Das ist kein Abstieg in die Promi-Resterampe, sondern ein ziemlich sauberer Senderwechsel. Rebecca Mir zeigt, dass Castingshows nicht nur Gewinnerinnen produzieren, sondern manchmal die bessere Karriere auf Platz zwei sitzt. | © ProSieben

Lena gercke gntm

Lena Gercke

Bei Lena Gercke war früh zu sehen, dass da mehr passierte als nur ein Model-Casting. 2006 gewann sie die erste Staffel von „Germany’s Next Topmodel“, und damit begann eine Karriere, die für das Format fast schon unverschämt gut alterte. Viele GNTM-Siegerinnen verschwanden nach ein paar Kampagnen wieder aus dem Blickfeld, Gercke aber blieb. Erst als Model, dann als Moderatorin, später immer stärker als Unternehmerin. Sie moderierte Shows, stand für große Marken vor der Kamera, war auf roten Teppichen ebenso selbstverständlich zu Hause wie in Werbekampagnen und baute mit LeGer eine eigene Fashionbrand auf. Interessant ist: Ihr Erfolg hängt heute gar nicht mehr an Heidi Klum. GNTM ist die Herkunftsgeschichte, nicht mehr die Hauptüberschrift. 2024 lief sie für L’Oréal auf der Paris Fashion Week, 2025 war sie erneut als Gastjurorin bei GNTM zu sehen, und auch die wirtschaftlichen Debatten um ihr Label zeigen letztlich, dass Gercke längst in einer anderen Liga spielt. Man berichtet über sie nicht mehr nur als Ex-Castingshow-Gewinnerin, sondern als Unternehmerin, deren Entscheidungen Business-News auslösen. Sie ist bis heute eine der wenigen deutschen Castingfiguren, die es geschafft haben, sich glaubhaft von der Show zu lösen und trotzdem von deren Mythos zu profitieren. | © ProSieben

Lena esc

Lena Meyer-Landrut

Manchmal reicht ein Fernsehauftritt, und plötzlich verschiebt sich die Poplandschaft. Bei Lena Meyer-Landrut war es 2010 genau so. Die damals 18-Jährige trat bei Stefan Raabs ESC-Casting „Unser Star für Oslo“ an und wirkte dort nicht wie die typische Castingshow-Kandidatin, sondern eher wie jemand, der zufällig auf eine Bühne geraten war und dort sofort alle Regeln durcheinanderbrachte. Kein großes Pathos, keine Diva-Geste, dafür norddeutscher, schlaksiger Charme und eine Art, englische Popzeilen zu singen, die sofort hängen blieb. Mit „Satellite“ gewann sie erst den Vorentscheid und dann den Eurovision Song Contest 2010. Das war nicht nur ein TV-Moment, sondern ein nationales Popereignis. Danach hätte Lena leicht in der ESC-Erinnerungskiste landen können, aber sie blieb präsent. Sie veröffentlichte mehrere Alben, wurde Coach bei „The Voice Kids“, baute eine enorme Social-Media-Präsenz auf und blieb auch dann im Gespräch, wenn sie sich bewusst rarer machte. Heute ist Lena weniger die pausenlos sichtbare Popmaschine als vielmehr eine Figur, die jeder kennt: ESC-Siegerin, Popstar, Stilvorbild, gelegentliche Kommentatorin des ESC-Zirkus und bis heute der Maßstab dafür, was aus einem deutschen Castingformat maximal werden kann. | © ARD

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