Wie tief steckst du im Wired? – Das Serial-Experiments-Lain-Quiz
Wie tief steckst du im Wired?
Ganze Musikalben, ein fast vergessenes PlayStation-1-Spiel und ein legendärer Anime: Serial Experiments Lain von 1998 gilt als eines der rätselhaftesten Multimedia-Projekte überhaupt. Wir zeigen dir 12 Details, die man leicht übersieht. Für jedes, das du schon kanntest, gibt es einen Punkt. Sei ehrlich, das Wired merkt es sowieso. Vor der Auswertung wartet noch ein Bonus-Layer, das nicht zählt. Am Ende verrät dir dein Score, in welchem Layer du gelandet bist.
EarlyGame drückt dir die Daumen! | © Triangle Staff / Pioneer LDC
1. Buchstabensalat
Fällt dir etwas am Episodentitel auf? Er klingt verdächtig vertraut. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Buchstabensalat
„WEIRD“ ist ein Anagramm von Wired, dem allumspannenden Netz in der Serie. Zwar ist nicht belegt, ob die erste Episode nur deshalb so benannt wurde, allerdings ist es bei der Detaildichte in Lain wenig verwunderlich, über ein derartiges Wortspiel zu stolpern. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
2. Die mysteriöse Flüsterstimme
Der Titel jeder Episode, sprich jedes Layer, wird von einer seltsamen Stimme angesagt. Kannst du sie zuordnen? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Die mysteriöse Flüsterstimme
Bei der Stimme handelt es sich nicht etwa um einen echten Sprecher oder gar einen Charakter aus der Serie, sondern schlicht und einfach um Plaintalk - die 1993 eingeführte Sprachsynthese von Apple.
Jetzt wirst du zum Hacker: Trotz ihres Alters lässt sich die Stimme nämlich problemlos auf neueren Apple-Geräten nutzen. Gehe einfach in das Terminal und setzte diesen Befehl ein:
say -v Whisper "Hello, this is the PlainTalk Whisper voice."
Den Satz in Anführungszeichen kannst du beliebig ersetzen. Vielleicht fallen dir eigene gruselige Episodentitel ein. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
3. Seltsam vertraute Computer
Erkennst du, an welche echten Geräte die Navis von Alice und Lain erinnern sollen? Eine Nennung reicht für den Punkt. Vielleicht errätst du auch, an welche Firma Tachibana Industries angelehnt ist. Kinder der 90er haben bei dieser Frage einen entscheidenden Vorteil. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Seltsam vertraute Computer
Die Firma Tachibana Industries, benannt nach der japanischen Mandarinensorte, soll mit ihren Modellen des „Knowledge Navigators“ an Apple erinnern. Konkret ist Lain's altes Navi einem Twentieth Anniversary Macintosh nachempfunden, während Alice einen Apple iMac G3 mitsamt eines Bildschirmhintergrunds hat, der an den später aufkommenden Frutiger Aero-Stil erinnert. Die HandiNAVIs von beiden erinnern dabei an den Apple Newton - und die Benutzeroberfläche borgt sich mit Copland OS den Namen eines echten eingestampften Apple-Projekts. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
4. Plötzliche Schleichwerbung
Mitten in Layer 11: Infornography taucht für einen Sekundenbruchteil eine unterschwellige Werbebotschaft auf. Erkennst du an welchem echten Slogan sie sich orientiert und was verändert wurde? Das beworbene Produkt dürfte dir ebenfalls bekannt vorkommen. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Plötzliche Schleichwerbung
Wieder einmal haben die Macher hier eine kleine Referenz zu Apple eingestreut. Der Slogan heißt eigentlich „Think different“ und sollte im Jahr 1997 der damals strauchelnden Firma neuen Schwung verleihen, nachdem Steve Jobs zurückgekehrt war. In Lain wurde das Wörtchen „Up“ ergänzt. Auf dem Bild sieht man außerdem erneut den iMac G3. | © Wikipedia
5. Seltsame Farbtupfer
Ein „to be continued“ Schriftzug ist bei Anime absolut nichts Außergewöhnliches. Allerdings wirkt es schon äußerst speziell, dass das Wort „Be“ aus einem blauen „B“ und roten „e“ zusammengesetzt ist. Erkennst du, auf welches Logo hier angespielt wird? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Seltsame Farbtupfer
Bei dem Logo handelt es sich um das 1990 von Jean-Louis Gassée gegründete Unternehmen Be Incorporated. Gassée war zuvor ein hochrangiger Mitarbeiter bei Apple und konkurrierte direkt mit dem veraltenden Macintosh-System. Apple wollte das Unternehmen wegen seines modernen Betriebssystems zunächst aufkaufen, doch in einem so genannten „bake-off“ machte Steve Jobs mit seiner eigenen Firma NeXT das Rennen. | © Wikipedia
6. Seltsamer Code
In Layer 07: Society ist auf Lains Navi ein seltsam anmutender Code zu sehen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Kauderwelsch, sondern um einen Teil eines echten Programms. Errätst du, welche Programmiersprache hier verwendet wurde und zu welchem Programm die Codezeilen gehören? Auch hier reicht eine Nennung. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Seltsamer Code
Der Code stammt vom CMU AI Repository, einem historischen KI-Code-Archiv der Carnegie Mellon University. Es handelt sich dabei um eine einfache Form von John Conways mathematischem zellulären Automaten names Spiel des Lebens, geschrieben in Common Lisp. Das Spiel ist dabei eine Simulation von Zellen, die sich teilen, absterben und neu hinzukommen. Im Bild ist eine moderne, auf Python aufbauende Version zu sehen. | © Aiyana Brooks
7. Cyberia als Anspielung
Der angesagte Techno-Club Cyberia, in dem sich die Teenager in der Serie treffen, ist kein Eigenname: Er hat einen sehr realen, literarischen Hintergrund. Welcher ist das? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Cyberia als Anspielung
Der Name und das Konzept stammen direkt von dem berühmten Sachbuch Cyberia von 1994, geschrieben vom Medienwissenschaftler Douglas Rushkoff. Das Werk beschreibt die aufkommende Cyberpunk- und Netzkultur der 90er-Jahre und diente den Machern als eine der Hauptinspirationen für die gesamte Serie. Fun Fact: Passenderweise hieß auch eines der allerersten Internetcafés der Welt in London - und später in Tokio - Cyberia! | © PublishedPage.com / Harpercollins
8. Mit Kalkül
Die Hackergruppe Knights of the Eastern Calculus hat einen ziemlich kryptischen, geradezu sperrigen Namen verpasst bekommen. Natürlich haben die Macher hier mal wieder nichts dem Zufall überlassen. Weißt du, auf welche halbfiktionale Hackergruppe des MITs hier angespielt wird? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Mit Kalkül
Die echte Gruppierung nennt sich Knights of the Lambda Calculus und entstand ursprünglich am MIT als Verband aus Hacker- und Programmier-Enthusiasten. Da es sich um eine westliche Gruppe handelt, hat das Studio Triangle Staff als kleines Wortspiel im fiktiven Pendant das „Eastern“ eingebaut. Der Name bezieht sich im Übrigen auf das Lambda-Kalkül, ein formales System zur Untersuchung von Funktionen. Da es die Basis für funktionale Programmiersprachen wie Lisp bildet, schlägt es wieder den Bogen zu den vorherigen Quizfragen. Oder wie Lain stets sagt: „Jeder ist immer verbunden“. | © mug1wara (https://mug1wara26.itch.io/kni...)
9. Nur ein Tippfehler
In der ersten Episode tippt Lains Vater beim Einloggen in das Netzwerk seines Navis ein kryptisches Passwort ein: „Think Bule Count One To“. Der Tippfehler ist offensichtlich - doch auf welches amerikanische Science-Fiction-Werk der 60er Jahre wollte er eigentlich anspielen? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Nur ein Tippfehler
Das Passwort sollte eigentlich Think Blue, Count Two oder zu deutsch Denk blau, zähl bis zwei heißen. Es handelt sich dabei um den Titel einer berühmten Science-Fiction-Erzählung von Cordwainer Smith aus seinem Instrumentality of Mankind-Zyklus. Die Geschichte handelt unter anderem von virtuellen Personen, die durch mentale Projektion in den Köpfen anderer wie real erscheinen. Das spiegelt das psychologische Kernthema der Serie perfekt wider und zeigt, wie tief Triangle Staff in klassischer Science-Fiction verwurzelt ist. | © Good Press
10. Madeleines zum Tee
In einer Szene aus Layer 13: Ego erwähnt Lains Vater beiläufig, dass zum Tee Madeleines schön wären. Auf welchen berühmten französischen Autor und sein Werk über die Natur der Erinnerung wird hier angespielt? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Madeleines zum Tee
Es handelt sich um eine direkte Anspielung auf Marcel Proust und sein monumentales Werk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In dem Roman löst der Geschmack einer in Tee getunkten Madeleine unkontrollierbare, lebendige Kindheitserinnerungen aus. In Serial Experiments Lain ist dies ein cleveres Vorbote des Kernthemas der Serie: die Zerbrechlichkeit von Erinnerungen und die Frage, was überhaupt real ist. So bricht klassische Literatur elegant in die sonst so techniklastige Cyberpunk-Welt ein | © Gallimard
11. Recycling von Charakteren
Lains Schulfreundinnen Alice, Juri und Reika wurden von Drehbuchautor Chiaki J. Konaka nicht völlig neu erfunden. Aus welchem früheren Cyberpunk-Medienprojekt von 1996, für das er das Skript schrieb, übernahm er das Trio? | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Auflösung: Recycling von Charakteren
Alice, Juri und Reika, beziehungsweise Rena, stammen ursprünglich aus Alice in Cyberland - ein Medienprojekt von 1996 mitsamt PlayStation-Spiel. Wie eingangs erwähnt, hat Drehbuchautor Chiaki J. Konaka für dieses Spiel das Skript geschrieben, in dem sich ebenfalls Teenager-Mädchen in eine virtuelle Welt einloggen. Konaka gefiel die Dynamik der drei Charaktere so gut, dass er sie kurzerhand für Serial Experiments Lain recycelte. Das ist auch der Grund für ein ganz bestimmtes Easter Egg: Exakt in dem Moment, in dem sich Lains Vater in Folge 1 an seinem Navi einloggt, flimmern im Hintergrund japanische Textübersetzungen aus Lewis Carrolls Literaturklassiker Alice im Wunderland über die Monitore. | © Vega Entertainment Co., Ltd
12. Evangelion als Inspirationsquelle?
Wegen ihrer düsteren Atmosphäre und den psychologischen, sowie philosophischen Themen wird Serial Experiments Lain bis heute ständig mit Neon Genesis Evangelion verglichen. Stimmt es, dass der Drehbuchautor Chiaki J. Konaka von Evangelion zu der Serie inspiriert wurde? | © Triangle Staff / Pioneer LDC / Gainax
Auflösung: Evangelion als Inspirationsquelle?
Nein, das stimmt nicht! Obwohl die Ähnlichkeiten in der düsteren Tonalität verblüffend sind, hat Chiaki J. Konaka jeglichen Einfluss von Evangelion offiziell bestritten. Er sah die Serie erst, als die Drehbücher zu Lain bereits weit fortgeschritten waren. Während Evangelion das Thema Isolation psychologisch und metaphysisch ergründet, stellt Lain die damals brandneue Kultur des Internets und der digitalen Vernetzung in den Fokus. Beide Serien trafen unabhängig voneinander den Nerv einer Generation, nutzten dafür aber völlig unterschiedliche Ansätze. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Bonus: Drei Beobachtungen
Vor der Auswertung wird es ein wenig spekulativ, denn die enorme Tiefe, die der Anime mit seinen gerade einmal 13 Episoden erreicht, lädt zu allerhand Beobachtungen ein - du kannst sie teilen, musst es aber nicht.
Passion: Lains Weg lässt sich als Passion lesen, ähnlich wie es in der Bibel beschrieben wird - eine Figur, die sich für das Wohl der Menschheit aufgibt und danach anders weiterexistiert.
Eiri: Sein Status erinnert an eine niedere Gottheit und seine Schminke weckt Assoziationen an Kabuki, was Eiri wie einen Kami wirken lässt - einen Geist aus dem japanischen Shinto.
Present day, present time: Den schadenfroh vorgetragenen Satz lesen viele Fans als Beschreibung unserer Gegenwart. | © Triangle Staff / Pioneer LDC
Dein Score
0-3 Punkte: - Layer 01: Weird - Willkommen im Wired. Deine Reise beginnt erst.
4–7 Punkte: - Layer 04: Religion - Du hast angefangen zu zweifeln und zu suchen.
8–10 Punkte: - Layer 09: Protocol - Du kennst die Regeln des Netzes in- und auswendig.
11–12 Punkte: - Layer 13: Ego - Du bist im Wired angekommen. Vielleicht warst du nie weg.
Wie hast du beim Quiz über diesen Anime-Klassiker abgeschnitten? Hinterlasse gern einen Kommentar!
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