Aaron Carter: Vier Jahre nach dem Tod des einstigen Kinderstars

Vom Kinderstar-Olymp zum freien Fall in den Abgrund.

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Vom Kinderstar-Olymp zum freien Fall in den Abgrund. | © YouTube

Mit neun Jahren veröffentlichte Aaron Carter sein erstes Album, wenig später gehörte er zu den bekanntesten Kinderstars der Popmusik. Am 5. November 2026 jährt sich sein Tod zum vierten Mal. Er wurde nur 34 Jahre alt. Seine Geschichte handelt von frühem Erfolg, schwierigen Comebackversuchen und persönlichen Krisen – darunter ein Familienkonflikt, der seinen Bruder Nick dazu brachte, ein gerichtliches Kontaktverbot zu erwirken.

Der kleine Bruder wird selbst zum Star

Aaron Charles Carter wurde am 7. Dezember 1987 in Tampa, Florida, geboren. Sein älterer Bruder Nick wurde als Mitglied der Backstreet Boys weltberühmt. Aaron begann ebenfalls früh aufzutreten und veröffentlichte 1997 sein selbstbetiteltes Debütalbum. Mit seiner Version von Crush on You erreichte er auch außerhalb der USA ein großes Publikum.

Die Verbindung zu den Backstreet Boys öffnete Türen. Aaron war dennoch mehr als ein gelegentlich auftretender kleiner Bruder: Mit Gesang, Tanz und einer auf junge Fans zugeschnittenen Mischung aus Pop und Rap entwickelte er eine eigene Karriere. Sein zweites Album Aaron’s Party (Come Get It) von 2000 wurde in den USA dreifach mit Platin ausgezeichnet. Songs wie I Want Candy und That’s How I Beat Shaq machten ihn zu einem vertrauten Gesicht der damaligen Jugendkultur.

Es folgten Oh Aaron und Another Earthquake!, Fernsehauftritte und Tourneen. Carter arbeitete bereits in einem Alter vor großem Publikum, in dem andere Kinder erst herausfinden, welche Interessen sie länger verfolgen möchten. Sein öffentliches Bild war früh festgelegt: blond, energiegeladen und möglichst unbeschwert.

Das schwierige Erwachsenwerden nach dem frühen Ruhm

Der Übergang zum erwachsenen Künstler gelang ihm nur teilweise. Carter blieb auf Bühnen und im Fernsehen präsent, trat bei Dancing with the Stars an und arbeitete im Musicalbereich. Die Aufmerksamkeit seiner frühen Erfolgsjahre ließ sich jedoch nicht dauerhaft wiederholen.

2018 veröffentlichte er mit Løvë wieder ein Studioalbum. Es war der Versuch, musikalisch als Erwachsener wahrgenommen zu werden. In der öffentlichen Berichterstattung standen allerdings zunehmend seine finanziellen Schwierigkeiten, Behandlungen wegen Abhängigkeit und familiären Auseinandersetzungen im Mittelpunkt. 2013 hatte er Insolvenz angemeldet.

Seine Probleme wurden häufig wie weitere Episoden einer Unterhaltungsgeschichte behandelt. Gerade bei ehemaligen Kinderstars entsteht daraus ein ungerechtes Muster: Das Publikum erwartet zunächst dauerhafte Jugendlichkeit und betrachtet später jede sichtbare Krise als persönlichen Absturz. Bei Carter geriet seine musikalische Arbeit darüber immer weiter in den Hintergrund.

Warum Nick Carter ein Kontaktverbot erwirkte

Im September 2019 eskalierte der Konflikt zwischen den Brüdern. Nick Carter erklärte, Aaron habe Gedanken und Absichten geäußert, Nicks damals schwangere Ehefrau und ihr ungeborenes Kind zu töten. Zusammen mit einem aus seiner Sicht zunehmend beunruhigenden Verhalten sei dies der Grund gewesen, gerichtlichen Schutz zu suchen. Nick betonte zugleich, er liebe seinen Bruder und hoffe, dass dieser Hilfe erhalte.

Aaron bestritt die Anschuldigungen. Er erklärte öffentlich, niemandem schaden zu wollen, insbesondere seiner Familie nicht. Die behaupteten Drohungen müssen deshalb als Vorwürfe Nicks wiedergegeben werden und dürfen nicht nachträglich zu unbestrittenen Tatsachen werden.

Auf eine zunächst vorläufige Schutzanordnung folgte im November 2019 ein auf ein Jahr angelegtes Kontaktverbot zugunsten Nicks. Auch Aarons Zwillingsschwester Angel erhielt eine eigene Schutzanordnung, nachdem sie ebenfalls Bedrohungen geschildert hatte. Es handelte sich somit um mehrere gerichtliche Schutzmaßnahmen innerhalb eines schweren Familienkonflikts.

Die Existenz dieser Anordnungen ist belegt. Sie sollte jedoch nicht mit einer strafrechtlichen Verurteilung wegen eines versuchten Tötungsdelikts verwechselt werden. Ebenso wenig lässt sich aus der öffentlichen Auseinandersetzung abschließend beurteilen, was zwischen den Geschwistern außerhalb der bekannten Aussagen geschah.

Abhängigkeit und psychische Belastungen vor laufenden Kameras

Carter sprach wiederholt öffentlich über seinen Substanzkonsum, Behandlungen und psychische Beschwerden. In Fernsehinterviews berichtete er auch von verschiedenen Diagnosen. Diese Selbstauskünfte sind keine öffentlich überprüfbare Krankenakte. Sie zeigen aber, wie eng seine gesundheitlichen Probleme mit seiner Medienpräsenz verbunden waren: Selbst sehr persönliche Fragen wurden vor einem großen Publikum verhandelt.

Seine Lebensgeschichte wirft deshalb auch Fragen nach der Verantwortung des Umfelds und der Unterhaltungsindustrie auf. Ein Kind kann mit seiner Arbeit Millionenumsätze ermöglichen, ohne selbst ausreichend über Geld, Verträge und Belastungsgrenzen bestimmen zu können. Damit ist nicht jede spätere Krise erklärt. Der frühe Ruhm war jedoch ein wesentlicher Teil der Bedingungen, unter denen Carter erwachsen werden musste.

Ein mysteriöser Tod

Am Morgen des 5. November 2022 wurde Aaron Carter in der Badewanne seines Hauses im kalifornischen Lancaster gefunden. Rettungskräfte konnten ihn nicht mehr retten. Im April 2023 veröffentlichte die zuständige Gerichtsmedizin des Los Angeles County ihre Feststellungen: Carter war unter dem Einfluss von Difluorethan und Alprazolam ertrunken. Die Todesart wurde als Unfall eingestuft.

Alprazolam ist unter anderem unter dem Handelsnamen Xanax bekannt; Difluorethan wird als Treibgas verwendet. Die amtliche Untersuchung liefert damit eine konkrete Erklärung für seinen Tod. Sie stellte keinen Suizid fest. Carter hinterließ seinen Sohn Prince, der im November 2021 geboren worden war.

Trauer trotz einer zerbrochenen Beziehung

Nach Aarons Tod veröffentlichte Nick Carter eine persönliche Abschiedsbotschaft. Er räumte die schwierige Beziehung ein und betonte zugleich, seine Liebe zu seinem Bruder sei nie verschwunden. Er habe weiter gehofft, Aaron werde Hilfe finden und einen gesünderen Weg einschlagen. Die Botschaft machte deutlich, dass familiäre Distanz, Schutzbedürfnis und Zuneigung nebeneinander bestehen können.

Vier Jahre nach seinem Tod bleibt Aaron Carter für viele Menschen die Stimme eines Abschnitts ihrer Kindheit. Ein angemessener Rückblick muss auch den Erwachsenen sehen, dessen Versuche, wieder Halt zu finden, öffentlich verfolgt wurden. Seine Krisen gehören zu dieser Geschichte. Sie sollten aber nicht alles überdecken, was er zuvor geleistet hatte – und auch nicht zum nachträglichen Unterhaltungsmaterial werden

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....