Aaron Paul verdankt seine Karriere wohl nicht nur Jessie Pinkman – die Rolle verdankt ihr Überleben auch dem Schauspieler.
Ohne Jesse Pinkman wäre Breaking Bad kaum vorstellbar. Aus dem ehemaligen Schüler von Walter White wurde über fünf Staffeln einer der wichtigsten Charaktere der Serie – und aus Aaron Paul ein internationaler Star. Dabei hätte diese Karriere beinahe schon nach wenigen Episoden eine völlig andere Richtung genommen: Jesse sollte ursprünglich noch in der ersten Staffel sterben.
Zum Glück änderte Serienschöpfer Vince Gilligan seine Meinung. Paul blieb, gewann für die Rolle gleich drei Emmys und spielte Jesse über ein Jahrzehnt später noch immer. Doch auch abseits von Albuquerque hat der Schauspieler eine ungewöhnliche Karriere hinter sich: vom Pastorensohn aus Idaho über Werbespots und Musikvideos bis zu Westworld, BoJack Horseman und demnächst Fallout.
Am heutigen 27. August 2026 feiert Aaron Paul seinen 47. Geburtstag.
Vom Pastorensohn aus Idaho nach Hollywood
Aaron Paul wurde am 27. August 1979 als Aaron Paul Sturtevant im kleinen Ort Emmett im US-Bundesstaat Idaho geboren. Sein Vater Robert war Baptistenpastor und Paul kam bereits als Kind durch Aufführungen in der Kirche mit der Schauspielerei in Berührung.
Schon als Jugendlicher stand für ihn fest, dass er Schauspieler werden wollte. Nach seinem Schulabschluss zog er mit gerade einmal 17 Jahren nach Los Angeles. Viel Sicherheit gab es dabei nicht: Paul hatte einige Tausend Dollar zusammengespart und fuhr gemeinsam mit seiner Mutter in einem alten Toyota Corolla nach Kalifornien.
Der große Durchbruch wartete dort allerdings nicht sofort auf ihn. Wie viele angehende Schauspieler hielt sich Paul zunächst mit kleineren Jobs, Werbespots und Castings über Wasser. Unter anderem war er in Werbungen für Corn Pops, Juicy Fruit und Vanilla Coke zu sehen.
Eine seiner kurioseren frühen Fernsehstationen hatte mit Schauspielerei überhaupt nichts zu tun. Paul nahm als Kandidat an der US-Gameshow The Price Is Right teil. Besonders erfolgreich verlief sein Ausflug ins Fernsehen allerdings nicht: Er verlor sein Spiel und überbot beim finalen Showcase den tatsächlichen Preis.
Bevor Jesse Pinkman kam, spielte Aaron Paul in Musikvideos und kleinen TV-Rollen
In den folgenden Jahren sammelte Paul zahlreiche kleinere Rollen. Musikfans könnten ihn beispielsweise aus dem Video zum Korn-Song Thoughtless kennen. Außerdem spielte er im Musikvideo zu Everlasts White Trash Beautiful mit.
Auch seine Liste an frühen Serienauftritten ist rückblickend erstaunlich lang. Paul war unter anderem in Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI, CSI: Den Tätern auf der Spur, Emergency Room – Die Notaufnahme, Veronica Mars, Criminal Minds und Bones – Die Knochenjägerin zu sehen.
Auf der Kinoleinwand folgten kleinere Parts in Filmen wie K-PAX – Alles ist möglich, Party Animals – Wilder geht’s nicht! und Mission: Impossible III.
Eine seiner ersten größeren wiederkehrenden Fernsehrollen bekam Paul schließlich in Big Love. Doch 2008 folgte das Casting, das seine Karriere komplett verändern sollte.
Jesse Pinkman sollte eigentlich schon in Staffel 1 sterben
In Breaking Bad übernahm Paul die Rolle von Jesse Pinkman, einem ehemaligen Schüler des Chemielehrers Walter White. Nachdem Walter an Krebs erkrankt, beginnt er gemeinsam mit Jesse Methamphetamin herzustellen und zu verkaufen.
Heute ist die Beziehung zwischen Walter und Jesse das emotionale Zentrum der Serie. Ursprünglich hatte Vince Gilligan für Jesse jedoch eine wesentlich kürzere Zukunft vorgesehen.
Jesse sollte noch während der ersten Staffel sterben.
Gilligans ursprüngliche Idee sah vor, Jesse infolge eines schiefgelaufenen Drogendeals ums Leben kommen zu lassen. Sein Tod sollte vor allem Walter treffen und ihm vor Augen führen, welche Konsequenzen seine Entscheidung für ein Leben im Drogengeschäft hat. Jesse war zunächst also hauptsächlich als Figur gedacht, die Walter den Einstieg in die kriminelle Welt ermöglicht und anschließend durch ihren Tod dessen Geschichte vorantreibt.
Doch dann sah Gilligan Aaron Paul spielen.
Bereits sehr früh während der Produktion wurde ihm klar, dass es ein gewaltiger Fehler wäre, Jesse aus der Serie zu schreiben. Neben Pauls Darstellung spielte vor allem die Chemie zwischen ihm und Bryan Cranston eine entscheidende Rolle. Aus einer ursprünglich zeitlich begrenzten Nebenfigur wurde einer der beiden zentralen Charaktere von Breaking Bad.
Hat der Autorenstreik Jesse Pinkman das Leben gerettet?
Rund um diese Geschichte hält sich bis heute ein weiterer interessanter Mythos. Häufig heißt es, dass allein der große Autorenstreik von 2007 und 2008 Jesse Pinkmans Leben gerettet habe.
Die erste Staffel von Breaking Bad musste wegen des Streiks früher als ursprünglich geplant beendet werden und bestand letztlich nur aus sieben Episoden. Dadurch wurden mehrere geplante Geschichten zunächst nicht umgesetzt. Das gab den Verantwortlichen zusätzliche Zeit, ihre ursprünglichen Pläne zu überdenken.
Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings nicht.
Gilligan erklärte später, dass ihm bereits ungefähr bei der zweiten Episode klar geworden sei, wie gut Aaron Paul in der Rolle funktionierte. Jesse zu töten bezeichnete er rückblickend sinngemäß als einen gewaltigen Fehler. Der Streik half also dabei, dass die ursprünglich geplante Handlung nicht wie vorgesehen umgesetzt wurde – Aaron Pauls Darstellung hatte Gilligan aber ohnehin bereits davon überzeugt, Jesse am Leben zu lassen.
Die verbreitete Aussage, der Autorenstreik habe Jesse Pinkman im Alleingang gerettet, ist damit nur die halbe Wahrheit.
Aus einer geplanten Nebenfigur wurde das Herz von Breaking Bad
Dass Jesse blieb, sollte sich als eine der wichtigsten Entscheidungen der gesamten Serie herausstellen. Während Walter White im Verlauf der Handlung immer skrupelloser wird, entwickelt sich Jesse zunehmend in die entgegengesetzte Richtung.
Hinter seinem anfangs großspurigen Auftreten zeigt sich ein extrem emotionaler Charakter, der immer stärker unter den Folgen seines gemeinsamen Geschäfts mit Walter leidet. Schuld, Verlust, Sucht und Manipulation bestimmen einen großen Teil seiner Geschichte.
Damit wurde Jesse über die Jahre zu einer Art moralischem Gegenpol zu Walter White. Selbst Vince Gilligan beschrieb ihn später als moralisches Zentrum innerhalb der kriminellen Welt der Serie.
Für Aaron Paul bedeutete die Rolle den internationalen Durchbruch. Er gewann für Jesse Pinkman dreimal den Primetime Emmy als bester Nebendarsteller einer Dramaserie – 2010, 2012 und 2014.
Eine Figur, die ursprünglich nicht einmal die erste Staffel überleben sollte, machte Aaron Paul damit zu einem der bekanntesten Fernsehschauspieler seiner Generation.
Nach Breaking Bad kam Hollywood
Mit dem Ende von Breaking Bad im Jahr 2013 musste sich Paul erstmals der Frage stellen, die fast jeden Schauspieler nach einer derart ikonischen Rolle begleitet: Wie geht es weiter, wenn das Publikum einen eigentlich nur noch als Jesse Pinkman sieht?
2014 übernahm er die Hauptrolle in der Videospielverfilmung Need for Speed. Im selben Jahr war er außerdem neben Christian Bale in Ridley Scotts Monumentalfilm Exodus: Götter und Könige sowie in A Long Way Down zu sehen.
Weitere Filmrollen folgten unter anderem in Eye in the Sky, Triple 9 und Central Intelligence.
Seine interessantesten Projekte fand Paul in den folgenden Jahren allerdings häufig wieder im Fernsehen.
Jesse Pinkman kehrte trotzdem noch zweimal zurück
Ganz von Jesse Pinkman verabschieden musste sich Paul nach dem Ende von Breaking Bad allerdings nicht.
2019 erschien mit El Camino: Ein Breaking-Bad-Film eine direkte Fortsetzung der Serie. Der Film setzt unmittelbar nach Jesses Flucht im Serienfinale ein und zeigt, was nach seiner Gefangenschaft mit ihm passiert.
Für Paul bedeutete das sechs Jahre nach dem Ende der Serie die Rückkehr zu einer Figur, die einen erheblichen Teil seiner Karriere geprägt hatte.
2022 stand er schließlich noch einmal als Jesse vor der Kamera. Gemeinsam mit Bryan Cranston tauchte Paul in der finalen Staffel von Better Call Saul auf. Damit war Jesse in allen drei großen Produktionen des Breaking Bad-Universums vertreten.
Von Jesse Pinkman zum Videospielhelden
2025 begann für Paul noch einmal ein neues Kapitel. Im Videospiel Dispatch übernahm er die Hauptrolle des Robert Robertson, eines ehemaligen Superhelden, der nach dem Verlust seines Kampfanzugs plötzlich nicht mehr selbst die Welt retten kann, sondern andere Helden koordinieren muss.
Für Paul war es die erste große Schauspielrolle direkt in einem Videospiel. Nach eigener Aussage hatte er bereits länger Interesse an dem Medium, zuvor aber nie ein Projekt gefunden, das sich für ihn richtig angefühlt hatte.
Im selben Jahr war er außerdem im Science-Fiction-Horrorfilm Ash zu sehen und sprach in der dritten Staffel von Invincible den Charakter Powerplex.
2026 wartet ausgerechnet Fallout
Auch mit 47 Jahren bleibt Paul auffällig nah an Videospielwelten. Im Mai 2026 wurde bekannt gegeben, dass er zur dritten Staffel von Fallout stößt.
Welche Figur er spielen wird, wurde bislang nicht offiziell verraten. Die Besetzung führt ihn allerdings erneut mit Produzent Jonathan Nolan zusammen, mit dem Paul bereits bei Westworld gearbeitet hatte. Die Produktion der dritten Staffel startete im Sommer 2026.
Damit landet ein Schauspieler, der bereits die Hauptrolle in Need for Speed spielte und mit Dispatch selbst Teil eines Videospiels wurde, nun in einer der aktuell größten Videospieladaptionen überhaupt.
2026 gehörte außerdem der Actionthriller Bear Country zu seinen Projekten. Darin spielt Paul an der Seite von Russell Crowe, Luke Evans und Nina Dobrev einen unscheinbaren Community-College-Lehrer, der in den Raubüberfall eines korrupten Polizisten hineingezogen wird.
Bryan Cranston wurde vom Serienpartner zum engen Freund
Eine der langlebigsten Verbindungen aus Breaking Bad existiert auch abseits der Kamera. Aaron Paul und Bryan Cranston sind seit den Dreharbeiten eng befreundet.
Nach dem Ende der Serie gründeten die beiden gemeinsam die Mezcal-Marke Dos Hombres und treten regelmäßig zusammen auf. Cranston hat mittlerweile sogar eine besondere Rolle innerhalb von Pauls Familie: Er ist der Patenonkel von dessen Sohn Ryden.
Die Beziehung zwischen den Schauspielern ist damit wesentlich harmonischer als die ihrer beiden berühmtesten Figuren.
Aus Aaron Paul Sturtevant wurde offiziell Aaron Paul
Auch sein Name veränderte sich im Laufe seiner Karriere. Geboren wurde der Schauspieler als Aaron Paul Sturtevant, vor der Kamera verwendete er jedoch schon lange nur Aaron Paul.
2022 machte er daraus schließlich auch rechtlich seinen Namen. Paul ließ seinen Nachnamen offiziell von Sturtevant in Paul ändern. Seine Frau und seine Kinder tragen ebenfalls den Familiennamen Paul.
Anders als bei Macaulay Macaulay Culkin Culkin steckte dahinter allerdings kein jahrelang vorbereiteter Witz, sondern der Wunsch nach einem gemeinsamen Familiennamen.
Mit Lauren Parsekian hat Aaron Paul zwei Kinder
Seine Frau Lauren Parsekian lernte Paul 2010 beim Coachella Festival kennen. Ein Jahr später trafen sie sich dort erneut und wurden ein Paar. Ende 2011 beziehungsweise zum Jahreswechsel 2012 machte Paul ihr in Paris einen Heiratsantrag.
2013 heirateten die beiden in Malibu. Ihre Tochter Story Annabelle kam 2018 zur Welt, Sohn Ryden Caspian folgte 2022.
Paris spielt mittlerweile wieder eine größere Rolle im Leben der Familie. Nach den schweren Waldbränden rund um Los Angeles Anfang 2025 entschlossen sich Paul und Parsekian, ihr Haus in Los Angeles zu verkaufen und gemeinsam mit ihren Kindern nach Paris zu ziehen. Paul erklärte später, dass sie ohnehin schon lange davon geträumt hätten, eine Zeit lang im Ausland zu leben und ihren Kindern eine andere Kultur sowie eine neue Sprache näherzubringen.
Fast zwei Millionen Dollar gegen Mobbing
Parsekians Arbeit ist auch eng mit einem der wichtigsten sozialen Engagements ihres Mannes verbunden. Sie gründete 2009 gemeinsam mit Molly Thompson die Kind Campaign, eine gemeinnützige Organisation, die sich gegen Mobbing unter Mädchen und jungen Frauen einsetzt.
Aaron Paul nutzte seine enorme Reichweite während der Hochphase von Breaking Bad, um das Projekt zu unterstützen. Rund um das Serienfinale organisierte er 2013 gemeinsam mit Omaze eine Spendenaktion, bei der Fans unter anderem die Möglichkeit hatten, eine Reise zur großen Finale-Vorführung zu gewinnen.
Die Aktion brachte der Kind Campaign letztlich fast 1,8 Millionen US-Dollar ein.
Ein Jahr später nutzte Paul sogar seine Emmy-Dankesrede, um auf die Organisation seiner Frau aufmerksam zu machen. Der plötzliche Ansturm auf deren Website war anschließend so groß, dass die Seite zeitweise zusammenbrach.
Aaron Paul setzte sich auch öffentlich gegen Rassismus ein
Politisch positioniert sich Paul nicht permanent, hat sich bei einzelnen gesellschaftlichen Themen aber öffentlich geäußert.
2020 beteiligte er sich beispielsweise an der gemeinsam mit der NAACP veröffentlichten Kampagne I Take Responsibility. Darin verpflichteten sich verschiedene Hollywood-Stars dazu, Rassismus nicht länger stillschweigend hinzunehmen und sich mit dem eigenen Verhalten sowie struktureller Diskriminierung auseinanderzusetzen.
Die Kampagne erhielt allerdings auch deutliche Kritik. In sozialen Netzwerken wurde der prominent besetzte Schwarz-Weiß-Clip von vielen Nutzern als zu inszeniert und performativ wahrgenommen.
Paul hat sich darüber hinaus besonders positiv über die Repräsentation asexueller Menschen durch Todd Chavez in BoJack Horseman geäußert. Fans hätten ihm berichtet, dass ihnen Todds Geschichte geholfen habe, ihre eigene Sexualität besser zu verstehen. Paul bezeichnete es als etwas, auf das er sehr stolz sei.
Jesse Pinkman hätte Aaron Paul beinahe nie zum Star gemacht
Aaron Pauls Karriere gehört zu den besten Beispielen dafür, wie sehr eine einzige Entscheidung den Verlauf einer gesamten Serie und gleichzeitig das Leben eines Schauspielers verändern kann.
Wäre Vince Gilligan bei seinem ursprünglichen Plan geblieben, hätte Jesse Pinkman die erste Staffel von Breaking Bad nicht überlebt. Es hätte keine drei Emmys für Aaron Paul gegeben, keine spätere Entwicklung Jesses zum emotionalen Gegenpol von Walter White und vermutlich auch keinen El Camino: Ein Breaking-Bad-Film in seiner heutigen Form.
Stattdessen wurde aus einer Figur, die ursprünglich vor allem als Werkzeug für Walter Whites Geschichte gedacht war, einer der beliebtesten Charaktere der gesamten Serie.
18 Jahre nach dem Start von Breaking Bad wird Aaron Paul noch immer sofort mit Jesse Pinkman verbunden. Seine Karriere ist dort allerdings längst nicht stehen geblieben: von BoJack Horseman über Westworld und Black Mirror bis zu Fallout hat er sich inzwischen eine Filmografie aufgebaut, die weit über Albuquerque hinausgeht.
Und wahrscheinlich dürfte Paul ziemlich froh darüber sein, dass Vince Gilligan seinen ursprünglichen Plan damals doch noch einmal überdacht hat
