Arbeiter filmt sich selbst, wie er seinen gesamten Arbeitsplatz in Brand setzt, um Aufmerksamkeit zu erregen

Ein Arbeiter zündete ein Lagerhaus an, um ein Zeichen zu setzen, und lud alles auf Facebook hoch. Nun wurde er verhaftet.

Warehouse Fire abc 7
Was ein toller Plan | © abc7

Am Dienstag, den 7. April, brach in einem 111.000 Quadratmeter großen Lagerhaus in Ontario ein Feuer aus. Nachdem Chamel Abdulkarim ein Video veröffentlicht hatte, in dem er in diesem Lagerhaus Papier in Brand setzte, wurde er wegen Brandstiftung verhaftet. Die Hintergründe der Art schockieren.

Das Feuer

Am Dienstag, dem 7. April, um 0:30 Uhr, wurden Feuerwehrleute zu einem brennenden Lagerhaus in Ontario gerufen. Das Lagerhaus diente als Vertriebszentrum des Unternehmens Kimberly-Clark und enthielt unter anderem Toilettenpapier, Taschentücher und Windeln. Rund 175 Feuerwehrleute waren im Einsatz, mussten das Gebäude jedoch aufgrund der extrem schnellen Brandausbreitung hastiig wieder verlassen. Der Schaden belief sich auf über 600 Millionen Dollar, wobei Papierprodukte im Wert von 500 Millionen Dollar und das Lagerhaus selbst im Wert von 150 Millionen Dollar zerstört wurden.

Zum Glück wurde niemand verletzt. Als das Feuer ausbrach, befanden sich 20 Personen in dem Gebäude und wurden evakuiert. Ein Mitarbeiter wurde zunächst als vermisst gemeldet, wie die Los Angeles Times berichtete. Bei dem Vermissten handelte es sich um den 29-jährigen Chamel Abdulkarim.

Brandstiftung

Zunächst herrschte offenbar Einigkeit darüber, dass die Roboter im Gebäude möglicherweise den Brand verursacht hatten, sagte ein Arbeiter gegenüber KABC.

Es gab keinen Verdacht, dass er es war – er war ja sogar vermisst. Also suchten alle nach ihm. Zuerst gaben alle den Robotern die Schuld. Wir waren uns fast hundertprozentig sicher, dass es die Roboter waren, bis zu dem, was im Video zu sehen war, natürlich.

Bei dem fraglichen Video handelt es sich um einen Clip, in dem sich Abdulkarim selbst filmt und den er auf seiner nicht-öffentlichen Facebook-Seite teilte. Abc7 berichtet, dass die Polizei das belastende Video aus jener Nacht in der Lagerhalle fand. Es zeigt den verärgerten Arbeiter, wie er Toilettenpapier und andere brennbare Materialien im Gebäude anzündet. Mehrere kleine Feuer brennen, während er sagt:

Wisst ihr, wenn ihr uns schon nicht genug zahlt, um davon leben zu können, dann zahlt uns wenigstens genug, um das hier nicht zu tun.

Die Anklagepunkte

Das 1,2 Millionen Quadratfuß große Lagerhaus wurde zerstört. Infolgedessen wurde Abdulkarim wegen schwerer Brandstiftung und sechsfacher Brandstiftung an Gebäuden angeklagt, wie abc7 berichtet. Ihm drohen nun zehn Jahre bis lebenslange Haft, sollte er in allen Anklagepunkten verurteilt werden. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Der neue Luigi Mangione?

Nachdem er das Feuer gelegt hatte, rief Abdulkarim einen Arbeitskollegen an und verglich sich mit Luigi Mangione, dem 27-Jährigen, der mutmaßlich den Vorstandsvorsitzenden von UnitedHealthcare ermordet hatte und für manche zu einer antikapitalistischen Ikone und einem Helden wurde.

Er soll außerdem anderen Personen geschrieben haben:

Ich habe diesen **** gerade Milliarden gekostet.

Abdulkarims Botschaft enthält eine antikapitalistische Rhetorik, in der er die niedrigen Löhne kritisiert, die er und seine Kollegen im Vergleich zu hohen Lebenshaltungskosten verdienen, was dazu führt, dass sie nicht genug Geld haben, um komfortabel leben zu können.

Dieser Vergleich zeigt, dass Abdulkarim sich als eine Art Märtyrer inszenieren will, der seine Freiheit geopfert hat, um eine Botschaft zu senden und sich am kapitalistischen System und seinen Unternehmen zu rächen.

Die Sache ist: Tatsächlich arbeitete er nicht für Kimberly-Clark, den Eigentümer des Lagers, sondern für NFI Industries, ein Vertriebsunternehmen für Kimberly-Clark-Produkte. Dieses Unternehmen zahlte ihm seinen Lohn, weshalb sein ganzer Angriff auf denjenigen, der ihm zu wenig zum Leben zahlte, nicht einmal dem eigentlichen Arbeitgeber schadete.

Seine Frustration ist absolut verständlich, und er hat (mehr oder weniger) sein Ziel erreicht. Obwohl er nicht das richtige Unternehmen getroffen hat, hat er doch die Aufmerksamkeit auf das Problem gelenkt: Arbeiter, die zu wenig zum Leben verdienen. Doch auch wenn die Botschaft richtig ist – Arbeiter sollten genug verdienen, um gut leben zu können – ist dies nicht der richtige Weg. Das Problem ist in der Gesellschaft bekannt, nichts Neues, was er entdeckt hat. Er hat viele Menschen in Gefahr gebracht, und viele haben seinetwegen ihre Arbeit verloren. Er hat schwere Verletzungen und den Tod unschuldiger Menschen – Arbeiter wie er selbst – riskiert, um eine Botschaft zu verbreiten, die längst bekannt ist.

Nora Weirich

Schon als Kind hat Noras Vater ihre Begeisterung für Videospiele und alles was damit zu tun hat geweckt. Dazu kommt eine viel zu hohe Bildschirmzeit, weshalb sie so gut wie alles mitbekommt, was online so passiert und eine Vorliebe für das Schreiben, die sie durch ihr Philosophiestudium entdeckt hat. So kann sie all ihre Leidenschaften bei Earlygame verwirklichen....