Ein Charakterschauspieler, dessen harter Weg lange vor Hollywood begann.
Barry Keoghan wird heute, am 18. Oktober, 34 Jahre alt. Mit Filmen wie The Banshees of Inisherin und Saltburn hat sich der Ire einen festen Platz im internationalen Kino erspielt. Sein Weg dorthin führte durch eine Kindheit in wechselnden Pflegefamilien, den frühen Verlust seiner Mutter und eine Erkrankung, die ihn beinahe einen Arm kostete. Heute nutzt er seine Bekanntheit auch, um sich für Kinder einzusetzen, deren Lebensumstände er aus eigener Erfahrung kennt.
Eine Kindheit zwischen 13 Pflegefamilien
Geboren wurde Keoghan am 18. Oktober 1992 in Dublin. Er wuchs im Stadtteil Summerhill auf, seine Mutter kämpfte mit einer Heroinabhängigkeit. Barry und sein Bruder Eric verbrachten rund sieben Jahre in der staatlichen Fürsorge und lebten in dieser Zeit bei 13 verschiedenen Pflegefamilien. Die häufig wiederholte Darstellung, er sei durch 13 Waisenheime gegangen, trifft seine Geschichte deshalb nicht genau.
Keoghan hat öffentlich betont, dass die Familien gut zu ihnen gewesen seien. Belastend waren die wiederholten Wechsel: sich an Menschen gewöhnen, Vertrauen aufbauen und dann wieder weiterziehen müssen. Später fanden die Brüder bei ihrer Großmutter ein Zuhause; auch ihre Tante spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Erziehung. Als Barry zwölf Jahre alt war, starb seine Mutter mit nur 31 Jahren.
Über sie spricht er trotz dieser schwierigen Erfahrungen mit Zuneigung. In einem irischen Fernsehinterview erklärte er, dass er gute Erinnerungen an sie habe und stolz auf sie sei. Seine Kindheit beschreibt er als Antrieb, etwas aus seinem Leben zu machen. Mit seiner Geschichte möchte er jungen Menschen zeigen, dass schwierige Startbedingungen ihre Zukunft nicht festlegen müssen.
Vom Dubliner Nachwuchsschauspieler zum internationalen Durchbruch
Keoghans Karriere begann mit kleinen Rollen. Zu seinen frühen Filmen gehört Between the Canals; größere Aufmerksamkeit in Irland brachte ihm 2013 die Krimiserie Love/Hate. Schon damals zeigte sich eine Qualität, die später zu seinem Markenzeichen wurde: Er kann Figuren spielen, bei denen hinter einem scheinbar harmlosen Auftreten etwas Unberechenbares liegt.
Der internationale Durchbruch folgte 2017 mit zwei sehr unterschiedlichen Filmen. In Christopher Nolans Dunkirk spielte er den jungen George, der auf einem zivilen Boot bei der Evakuierung britischer Soldaten helfen will. In Yorgos Lanthimos’ The Killing of a Sacred Deer wurde er als geheimnisvoller Martin zur verstörenden Bedrohung für die Familie eines Chirurgen, gespielt von Colin Farrell.
Es folgten Auftritte in der Miniserie Chernobyl, im Marvel-Film Eternals als Druig und in The Batman als Joker. Gerade diese Bandbreite machte deutlich, dass Keoghan sowohl in großen Franchiseproduktionen als auch in ungewöhnlichen Autorenfilmen seinen Platz findet.
Ein BAFTA, eine Oscar-Nominierung und der Wirbel um Saltburn
Eine seiner berührendsten Rollen spielte Keoghan in Martin McDonaghs The Banshees of Inisherin. Als Dominic, ein einsamer und verletzlicher junger Mann, verlieh er der bitteren Geschichte über eine zerbrechende Freundschaft eine zusätzliche Tragik. Dafür gewann er 2023 den BAFTA als bester Nebendarsteller und wurde in derselben Kategorie für einen Oscar nominiert.
Mit Emerald Fennells Saltburn stand er anschließend selbst im Zentrum eines Films, der heftige Diskussionen auslöste. Sein Oliver Quick dringt in die Welt einer wohlhabenden Familie ein; die Geschichte verbindet Begehren, soziale Ungleichheit und Manipulation. Keoghan trägt den Film mit einer Darstellung, die zwischen Unsicherheit und berechnender Kontrolle wechselt.
Weitere Stationen sind Andrea Arnolds Bird, in dem er einen jungen Vater spielt, und die Kriegsserie Masters of the Air. 2026 gehört er zudem zur Besetzung von Peaky Blinders – The Immortal Man. Seine Karriere lebt dabei weiterhin von Figuren, die sich selten auf Anhieb durchschauen lassen.
Die Infektion, die ihn beinahe einen Arm kostete
Dass Keoghan überhaupt in The Banshees of Inisherin mitspielen konnte, war kurz vor den Dreharbeiten keineswegs selbstverständlich. Er erkrankte an einer nekrotisierenden Fasziitis, einer schweren bakteriellen Infektion, die Gewebe zerstören kann. Wie er später im Magazin GQ berichtete, stand eine Amputation seines Arms im Raum. Auch sein Überleben war nach seiner Schilderung zeitweise ungewiss.
Regisseur Martin McDonagh besuchte ihn wenige Tage vor dem geplanten Drehbeginn im Krankenhaus und zweifelte daran, ob sein Schauspieler rechtzeitig wieder vor der Kamera stehen könnte. Keoghan erholte sich, behielt seinen Arm und übernahm die Rolle. Eine auffällige Narbe erinnert bis heute an die Erkrankung.
Einsatz für Camps erkrankter Kinder
Seit 2022 ist Keoghan Botschafter der irischen Kinderhilfsorganisation Barretstown. Sie bietet kostenlose, speziell angepasste Camps und Programme für schwer erkrankte Kinder und ihre Familien an. Bei der Eröffnung der Aladina Studios unterstützte er ein Angebot, das auch Kindern eine Teilnahme aus der Ferne ermöglicht, die wegen ihrer Erkrankung nicht selbst ins Camp kommen können.
Auch Pflegekinder stehen im Mittelpunkt seines Einsatzes. 2024 wurde ein gemeinsamer Aktionstag mit Actors Studio in den Pinewood Studios angekündigt. Kinder aus Pflegefamilien sollten Keoghan treffen, Einblicke in die Filmbranche erhalten und mögliche Wege in kreative Berufe kennenlernen. Seine eigene Laufbahn liefert dafür ein besonders greifbares Beispiel.
Im Januar 2025 unterstützte Keoghan gemeinsam mit dem damaligen britischen Außenminister David Lammy eine internationale Kampagne zur Reform der Kinderfürsorge. Bei einer Reise nach Bulgarien rückten familienbasierte Betreuung und die Vermeidung unnötiger Trennungen von Kindern und ihren Eltern in den Mittelpunkt.
Die Initiative soll dazu beitragen, die Unterbringung von Kindern in großen Institutionen schrittweise durch sichere familiäre Betreuung zu ersetzen. Dazu gehören die Unterstützung von Herkunftsfamilien sowie geeignete Pflegefamilien. Keoghans Beteiligung verbindet seine persönliche Erfahrung mit einer konkreten politischen Forderung: Kinder brauchen verlässliche Beziehungen und ein Umfeld, in dem sie geschützt aufwachsen können.
Am Tag seines 34. Geburtstags steht Barry Keoghan damit für mehr als eine bemerkenswerte Filmkarriere. Er hat sich als Schauspieler mit eigenwilligen, oft riskanten Rollen etabliert. Gleichzeitig nutzt er die Aufmerksamkeit, um Kindern eine Stimme zu geben, deren Erfahrungen im öffentlichen Leben häufig übersehen werden
