Die Erwartungen waren hoch genug, dass selbst sie nicht ganz erfüllen zu können, zu keinem schlechten Battle führten.
Im März 2025 erlebte die deutsche Livebattle-Szene ein Highlight, dessen Nachbeben noch heute spürbar ist. YouTuber und Streamer Taddl gab sich unter seinem Künstler-AlterEgo BeastBoydie Ehre. Damals trat er, wie wir berichteten, gegen einen kontroversen Veteranen der Plattform DLTLLY ("Don't let the label label you") – der Speerspitze des Livebattleraps in Deutschland – an: Davie Jones.
Beastboys Leistung bei dem Event war so überzeugend, dass die Szene auf eine baldige Rückkehr seinerseits hoffe und auch wenn dieser sich zunächst unsicher war ob und gegen wen er antreten sollte, wurde vor kurzem ein Battle zwischen Beastboy und Ssynic angekündigt.
Dissember und große Erwartungen
Spannend war das Ganze aus mehreren Gründen: Beastboy war bereits zuvor lange bekennender Ssynic-Fan, dieser widerum schwärmte seit dem Davie Jones-Battle auch in höchsten Tönen von Taddl. Der eine zählt zu den YouTube-Urgesteinen, rappte schon auf riesigen Bühnen und hat Millionen von Hörern, der andere ist einer der größten Namen innerhalb der Szene und bekannt dafür, Battle von Gegnern und Kollegen zu analysieren oder sie mit seinem eigen zynischen Humor auseinanderzunehmen.
Stattgefunden hat das Battle im Rahmen des DLTLLY-Events Dissember, das traditionell für hochkarätige Matchups und eine volle Cypher am Ende des Jahres steht. Entsprechend hoch war der Druck auf beide Rapper: Für SSYNIC ging es darum, seinen Status als erfahrener Acapella-Battle-Rapper zu untermauern. Für Beastboy hingegen war es der nächste große Schritt, um sich in der Battlerap-Szene ernsthaft zu etablieren.
Zwei Stile, zwei Rollen
SSYNIC trat mit genau dem auf, wofür ihn die Szene kennt: bitterbösem Humor, klaren Punchlines, starker Präsenz und viel Erfahrung im Lesen und Reagieren auf den Gegner. Seine Runden wirkten routiniert, selbstbewusst und in vielen Momenten deutlich überlegen – nicht zuletzt, weil er sich entsprechend vorbereitet hatte. Beastboy hatte bisher nur ein einziges Battle, damit waren die meisten seiner Angriffsflächen noch unberührt und Ssynic konnte sich daran nach Lust und Laune bedienen – dass er dabei auch noch reichlich Selbstironie an den Tag legte, machte ihn zunächst so gut wie unangreifbar. So machte er sich etwa über eine alte Rapzeile Beastboys lustig, in welcher dieser behauptete "cooler als ein Häagen-Dazs zu sein" erwähnte dabei aber auch eine eigene Strophe, in der er von sich als "cooler als drei, vier Huskys" redete.
Besonders hart trafen dabei wohl Vorwürfe, die auf die Narzismus-Thematik rund um Taddl anspielten und davon erzählten, dass der Rapper, statt sich um familiäre Probleme zu kümmern, lieber battlen würde. So warf Ssynic ihm vor, dass Beastboy "so gut Silben aber keine Prioritäten setzen" könne und statt "einem Battletext lieber mal ein gesundes Umfeld für seine Familie gestalten" solle.
Beastboy dagegen hatte deutlich härter mit seiner Performance zu kämpfen. Während der routinierte Rapper es gewohnt ist, sich am Beat orientieren zu können, fiel es ihm bei diesem Acapella-Battle deutlich schwerer, textsicher zu bleiben und seine Zeilen überzeugend abliefern zu können. Mehrere Texthänger, die eine oder andere deplatzierte Punchline und eine weitaus weniger aggressivere Haltung während seiner Darbietung zeigten deutliche Unterschiede zu seinem On-Beat-Battle mit Jones im März.
Dennoch wurde auch sein Auftritt als eine durchaus solide Leistung wahrgenommen und etwa die Darstellung Ssynics als "Mario Barth in böse" komboiniert mit einer Acapella-Darbietung des 20th Century Fox Themes erzeugten einige Lacher. Das Publikum war Beastboy gegenüber wohlwollend, schließlich waren sie gleichermaßen begeistert von seiner vergangenen Leistung wie hungrig darauf zu sehen, ob der Rapper seine Leistung beibehalten konnte.
Reaktionen und Siegerdebatte
Nach dem Battle war die Meinungslandschaft vergleichsweise eindeutig: Ein Großteil der Community sah SSYNIC vorne, häufig mit einem 2:1 oder sogar klareren Ergebnis. Ausschlaggebend waren vor allem seine Durchschlagskraft, seine Point-Dichte und seine Erfahrung auf der Bühne.
Beastboy ging trotz der Niederlage nicht als Verlierer im klassischen Sinne aus dem Battle hervor. Viele Kommentare hoben hervor, dass er bewiesen habe, dass er im Battlerap bestehen kann – auch wenn der Abstand zur Spitze noch sichtbar sei.
Letztlich verstanden die meisten Zuschauer das Battle wohl durchaus auf ein Duell auf Augenhöhe, nur eben mit Kontrahenten aus verschiedenen Welten. Klar war, dass sich Ssynic bei einemOn-Beat-Battle nicht Ansatzweise so gut geschlagen hätte, wie Taddl Acapella, dass dies seinem Sieg aber wenig Abbruch tut steht dennoch auch außer Frage.
Bedeutung für die Szene
SSYNIC vs. Beastboy steht exemplarisch für ein zentrales Thema im modernen Battlerap: den Clash zwischen Szene-Veteranen und Quereinsteigern mit großer Reichweite. Das Battle zeigte, dass Popularität allein nicht reicht, um gegen erfahrene Acapella-Rapper zu bestehen – aber auch, dass neue Gesichter der Szene frischen Gesprächsstoff liefern können.