Bud Spencer wäre heute 97: Weltruhm unter falschem Namen Dank Italo-Western-Prügeleien

Bud Spencer kennen wir alle, doch Carlo Pedersoli – der Mann hinter der Figur – ist noch so viel mehr.

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Hinter Bud Spencers mürrischem Blick steckte Carlo Pedersoli: Olympiateilnehmer, Musiker, Pilot und einer der beliebtesten Filmhelden seiner Generation. | © Tobis

Eigentlich wollte dieser Mann meistens nur seine Ruhe. Etwas essen, keinen Ärger bekommen und sich schon gar nicht von einem grinsenden Terence Hill in Schwierigkeiten ziehen lassen. Dass daraus regelmäßig eine handfeste Auseinandersetzung wurde, gehört zu den verlässlichsten Vergnügen seiner Filme. Am heutigen 31. Oktober 2026 wäre Bud Spencer 97 Jahre alt geworden. Sein Geburtstag erinnert an einen Publikumsliebling, dessen Lebenslauf weit mehr zu bieten hatte als die berühmte Faust von oben.

Bevor er unter seinem Künstlernamen Kinogeschichte schrieb, hieß er Carlo Pedersoli und vertrat Italien bei Olympischen Spielen. Später komponierte er Musik, flog Flugzeuge und gründete eine Fluggesellschaft. Die Rolle seines Lebens fand er beinahe nebenbei: als schwer aus der Ruhe zu bringender Kraftprotz, dessen Geduld irgendwann doch ein Ende hatte.

Ein Neapolitaner auf Rekordkurs

Carlo Pedersoli wurde am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren. Seine erste große öffentliche Bühne war kein Filmset, sondern das Schwimmbecken. Als Leistungssportler gehörte er zur italienischen Spitze und setzte 1950 eine besondere Marke: Er blieb als erster Italiener über 100 Meter Freistil unter einer Minute.

Die Zeit von 59,50 Sekunden war ein sportlicher Meilenstein. Es folgten mehrere nationale Meisterschaften und Teilnahmen an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki sowie 1956 in Melbourne. Auch im Wasserball war Pedersoli erfolgreich. Wer ihn später vor allem als gemütlichen Esser aus dem Fernsehen kannte, sah also einen Mann, der zuvor jahrelang auf hohem Niveau trainiert hatte.

Doch der Sport blieb nur ein Abschnitt seines Lebens. Pedersoli ging nach Südamerika und arbeitete unter anderem in Venezuela beim Straßenbau sowie für Alfa Romeo. Nach seiner Rückkehr nach Italien heiratete er 1960 Maria Amato. Das Paar bekam drei Kinder.

In den folgenden Jahren beschäftigte er sich mit Musik, schrieb Lieder und arbeitete im Produktionsbereich. Eine geradlinige Karriereplanung lässt sich darin kaum erkennen. Eher zeigt sich jemand, der bereit war, immer wieder ein anderes Arbeitsfeld auszuprobieren.

Ein neuer Name für einen unerwarteten Beruf

Der entscheidende Schritt zum Filmstar kam 1967 mit Gott vergibt – Django nie!. Regisseur Giuseppe Colizzi brauchte einen Darsteller mit eindrucksvoller körperlicher Präsenz. Pedersoli brachte diese Voraussetzung mit, auch wenn er sich damals noch keineswegs als künftige Kinolegende verstand.

Für den internationalen Markt erhielt er einen amerikanisch klingenden Künstlernamen. „Bud“ bezog sich auf die Biermarke Budweiser, „Spencer“ auf den von ihm geschätzten Schauspieler Spencer Tracy. Unter diesem Namen wurde er weltberühmt.

Sein Filmpartner war Mario Girotti, der ebenfalls einen neuen Namen annahm: Terence Hill. Ihre gemeinsame Hauptrollenkarriere begann mit einem vergleichsweise ernsten Western. Die ausgelassene Prügelkomödie, mit der man beide heute verbindet, entwickelte sich erst danach.

Der Trickser und der Mann, der nicht mitspielen wollte

Mit Die rechte und die linke Hand des Teufels und Vier Fäuste für ein Halleluja fand das Duo zu jener Mischung, die seinen Erfolg begründete. Die Westernwelt blieb erhalten, doch ihre Härte wich zunehmend dem Slapstick. Statt tödlicher Duelle gab es ausgedehnte Schlägereien, überforderte Gegner und Helden, die wenig Interesse an feierlichen Auftritten hatten.

Hill spielte den beweglichen Provokateur, der seinem Gegenüber mit einem Lächeln die Nerven raubte. Spencer hielt mit demonstrativer Unlust dagegen. Seine Figuren wirkten häufig, als hätten sie die ganze Angelegenheit lieber ausgesessen. Wenn sie schließlich eingriffen, geschah das mit umso größerer Wucht.

Das Timing zwischen beiden war entscheidend. Hills Tempo brauchte Spencers Beharrlichkeit, seine Frechheit dessen genervte Reaktion. Ein Blick konnte den nächsten Gag vorbereiten, lange bevor der erste Gegner über einen Tisch flog.

Später übertrugen Filme wie Zwei wie Pech und Schwefel, Zwei außer Rand und Band, Das Krokodil und sein Nilpferd oder Vier Fäuste gegen Rio diese Dynamik auf andere Schauplätze. Ob Western, Polizeikomödie oder Abenteuerfilm: Das Publikum kam vor allem wegen der beiden Hauptdarsteller.

Warum Deutschland seine eigene Spencer-Hill-Welt bekam

Hierzulande trug die Synchronisation erheblich zur Popularität bei. Die deutschen Fassungen versahen viele Szenen mit zusätzlichen Sprüchen, Wortspielen und absurden Bemerkungen. Teilweise verschob sich dadurch sogar der Ton eines Films.

Für deutsche Zuschauer gehören Stimmen und Dialoge deshalb untrennbar zu den Figuren. Ein Filmabend mit Spencer und Hill ist oft auch ein Wiederhören vertrauter Formulierungen. Die Handlung liefert den Rahmen für Begegnungen, deren Ausgang man längst kennt und trotzdem wieder sehen möchte.

Hinzu kommt die eigenwillige Geräuschkulisse der Kämpfe. Die Schläge klingen übertrieben, die Gegner purzeln in Gruppen, und die Zerstörung folgt ihrer eigenen Choreografie. Gewalt wird zur körperlichen Nummer, deren Künstlichkeit jederzeit sichtbar bleibt.

Ganz zeitlos ist dieses Kino dennoch nicht. Manche Figuren bleiben grobe Karikaturen, Frauen bekommen häufig wenig Raum, und einige Witze wirken heute deutlich gealtert. Die besondere Chemie der Hauptdarsteller erklärt, warum viele Fans auch mit diesen Schwächen immer wieder zu den Filmen zurückkehren.

Auch ohne Terence Hill ein Publikumsliebling

So eng beide Namen miteinander verbunden sind: Bud Spencer konnte einen Film auch allein tragen. In Reihen wie Sie nannten ihn Mücke, Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen oder den Abenteuern um Kommissar Rizzo, genannt Plattfuß, entwickelte er Varianten seiner vertrauten Leinwandfigur.

Oft stand dabei ein widerwilliger Beschützer im Mittelpunkt. Er konnte ungeduldig und grob sein, stellte sich aber auf die Seite derer, die gegen stärkere Gegner wenig ausrichten konnten. Gerade im Zusammenspiel mit Kindern bekam sein brummiges Auftreten eine weichere Seite.

Diese Rollen machten seine körperliche Überlegenheit sympathisch: Sie richtete sich im entscheidenden Moment gegen Rücksichtslosigkeit, Gier und Einschüchterung. Das Publikum durfte darauf vertrauen, dass der große Mann irgendwann eingreifen würde.

Vom Filmflugzeug ins echte Cockpit

Spencers Neugier endete nicht an der Studiotür. Im Zusammenhang mit Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle entwickelte er ein ernsthaftes Interesse am Fliegen. Er erwarb Fluglizenzen und sammelte umfangreiche Erfahrung mit Flugzeugen und Hubschraubern.

1981 gründete er die Fluggesellschaft Mistral Air. Das war mehr als ein prominentes Hobby: Aus einer neuen Begeisterung wurde ein unternehmerisches Projekt.

Daneben schrieb und sang er weiter, veröffentlichte Bücher und beschäftigte sich mit Erfindungen. Seine offizielle Biografie führt mehrere Patente auf, darunter praktische Alltagsideen. Hinter dem scheinbar wortkargen Filmriesen steckte ein Mensch mit ausgesprochen vielseitigen Interessen.

Eine Filmfigur ersetzt keine politische Biografie

Sein öffentliches Bild war überwiegend von Sympathie geprägt. Dennoch lohnt es sich, zwischen dem Schauspieler und seinen Rollen zu unterscheiden. Dass Spencer im Kino häufig Schwächere beschützte, ist zunächst eine Eigenschaft seiner Figuren und kein Beleg für ein bestimmtes gesellschaftliches Engagement.

Einen konkreten Ausflug in die Politik unternahm er 2005. Für Silvio Berlusconis Partei Forza Italia kandidierte er bei der Regionalwahl in Latium, gewann jedoch kein Mandat. Diese Entscheidung gehört ebenfalls zu seiner Lebensgeschichte und lässt sich politisch beurteilen, unabhängig von der Zuneigung zu seinen Filmen.

Gerade bei beliebten Stars verschwimmen solche Ebenen leicht. Carlo Pedersoli war ein eigenständiger Mensch mit persönlichen Überzeugungen. Bud Spencer war die Leinwandpersönlichkeit, in der Millionen Zuschauer Verlässlichkeit, Stärke und einen trockenen Humor fanden.

Ein Geburtstag voller gemeinsamer Erinnerungen

Am 27. Juni 2016 starb Bud Spencer im Alter von 86 Jahren in Rom. Die Nachricht löste große Anteilnahme aus. Für viele Menschen war mit ihm ein Darsteller gestorben, dessen Filme sie mit Eltern, Geschwistern oder Freunden gesehen hatten und dessen Auftritte zu festen Erinnerungen geworden waren.

Auch an seinem 97. Geburtstag reicht diese Verbindung über einzelne Generationen hinaus. Die Filme werden weitergegeben, gemeinsam geschaut und bei Fanveranstaltungen gefeiert. Wer eine Szene bereits kennt, wartet oft gerade deshalb auf den Moment, in dem Spencers Geduld endgültig aufgebraucht ist.

Sein Lebenslauf bleibt dabei eine Entdeckung wert: Der Mann aus den Prügelkomödien war auch Olympionike, Musiker, Pilot und Unternehmer. Jede dieser Tätigkeiten hätte eine eigene Biografie füllen können.

Als Bud Spencer hinterließ Carlo Pedersoli etwas besonders Beständiges: eine Figur, bei der ein mürrischer Blick bereits Gelächter auslösen konnte. Am heutigen 31. Oktober 2026 wäre er 97 Jahre alt geworden. Ein Teller Bohnen und ein alter Film dürften für viele Fans eine passende Art sein, an ihn zu erinnern.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....