Charlie Sheen wird 61: Wieso sich der Hollywoodstar umbenannte und wie er einst glaubte, einen Mord zu sehen

Die meisten kennen Two and A Half Men und eventuell ein paar seiner Skandale – aber in Sheens leben ging noch so viel mehr ab.

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Charlie Sheen: Irgendwo zwischen halben Männern und Tigerblut. | © CBS

Er war einer der größten Filmstars der 1980er- und 1990er-Jahre, wurde mit Two and a Half Men zum bestbezahlten Comedy-Star des US-Fernsehens und lieferte später einen der öffentlichsten Abstürze Hollywoods. Heute, am 3. September 2026, feiert Charlie Sheen seinen 61. Geburtstag. Dabei heißt der Schauspieler eigentlich Carlos Irwin Estévez. Und zu den kuriosesten Geschichten seines Lebens gehört ein Vorfall aus den frühen 1990er-Jahren: Sheen sah einen extrem brutalen japanischen Horrorfilm, hielt das Gezeigte für einen echten Mord und verständigte das FBI.

Charlie Sheen heißt eigentlich Carlos Irwin Estévez

Charlie Sheen wurde am 3. September 1965 in New York City als Carlos Irwin Estévez geboren. Sein berühmter Nachname ist damit genauso wenig sein ursprünglicher Familienname wie der seines Vaters.

Denn auch Martin Sheen heißt eigentlich Ramón Estévez. Charlies Vater nahm seinen Künstlernamen bereits Jahrzehnte zuvor an, nachdem er als junger Schauspieler mit seinem spanisch klingenden Namen nach eigener Aussage immer wieder Schwierigkeiten bei der Jobsuche erlebt hatte. Später bezeichnete Martin Sheen diese Entscheidung allerdings als einen seiner großen persönlichen Fehler und behielt Estévez zumindest offiziell als seinen Namen – so wie Sheens kleiner Bruder Emilio Estévez.

Bei Charlie verlief die Sache etwas anders.

Den Vornamen Charlie verwendete er bereits seit seiner Kindheit. Nach eigener Aussage wurde er ungefähr im Alter von vier Jahren so genannt, weil es innerhalb der Familie bereits einen Carlos gab und ständig beide reagierten, wenn der Name gerufen wurde. Aus Carlos wurde Charlie.

Der Nachname Sheen kam erst hinzu, als er ernsthaft Schauspieler werden wollte.

Warum aus Carlos Estévez schließlich Charlie Sheen wurde

2025 erklärte Sheen in seiner Autobiografie The Book of Sheen ausführlicher als zuvor, warum er sich für den Künstlernamen seines Vaters entschied.

Er habe Martin Sheen vorher um dessen Zustimmung gebeten und den Namen auch als eine Möglichkeit gesehen, seinen Vater zu ehren. Gleichzeitig steckte darin ein persönlicher Neustart. Sheen hatte schulische und sportliche Enttäuschungen hinter sich und wollte mit seiner Schauspielkarriere ein neues Kapitel beginnen. Der Name Sheen fühlte sich für ihn wie ein Bruch mit diesen Erfahrungen an.

Sein älterer Bruder Emilio traf dagegen die genau entgegengesetzte Entscheidung. Emilio Estevez behielt den Familiennamen und baute damit seine eigene Karriere auf.

Eine besonders schöne Ironie: 2013 tauchte Charlie Sheen plötzlich doch wieder als Carlos Estévez auf. Für Robert Rodriguez' Machete Kills, in dem er den Präsidenten der Vereinigten Staaten spielte, ließ er sich erstmals in seiner Filmkarriere unter seinem Geburtsnamen aufführen.

Schon als Jugendlicher drehte er Filme mit späteren Hollywoodstars

Hollywood war für Sheen schon früh Alltag. Die Familie zog nach Malibu, während Martin Sheens Karriere immer größer wurde, und Charlie wuchs teilweise an Filmsets auf.

Als Jugendlicher begann er selbst, mit einer Super-8-Kamera kleine Filme zu drehen. Vor der Kamera standen dabei Freunde und Familienmitglieder, deren Namen rückblickend ziemlich beeindruckend wirken: sein Bruder Emilio Estevez, Sean und Chris Penn sowie die Brüder Rob und Chad Lowe gehörten zu seinem Umfeld. Ausschnitte aus diesen privaten Jugendfilmen wurden Jahrzehnte später sogar für die Netflix-Dokumentation aka Charlie Sheen verwendet.

In der Schule lief es dagegen weniger erfolgreich.

Sheen besuchte die Santa Monica High School und spielte dort Baseball. Nur wenige Wochen vor seinem Abschluss wurde er jedoch wegen schlechter Noten und Fehlzeiten von der Schule verwiesen. Statt den klassischen Schulweg fortzusetzen, konzentrierte er sich auf die Schauspielerei.

Es sollte ziemlich schnell funktionieren.

Platoon machte ihn zum Filmstar

Nach kleineren Rollen, darunter einem Auftritt in Ferris macht blau, bekam Sheen 1986 die Hauptrolle in Oliver Stones Vietnamkriegsfilm Platoon.

Der Film gewann vier Oscars, darunter den Preis für den besten Film, und machte den damals erst 21-jährigen Sheen international bekannt.

Schon ein Jahr später arbeitete er erneut mit Oliver Stone zusammen. In Wall Street spielte Sheen den jungen Börsenmakler Bud Fox – und stand dabei gemeinsam mit seinem eigenen Vater Martin Sheen vor der Kamera.

In den folgenden Jahren wurde Charlie Sheen zu einem der gefragtesten Schauspieler Hollywoods. Er spielte unter anderem in Young Guns, der Baseballkomödie Die Indianer von Cleveland und den beiden Hot Shots!-Filmen.

Gerade die Mischung aus Actionstar und Komödiendarsteller sollte seine Karriere lange bestimmen.

Der vermeintliche Video-Mord

Eine der bizarrsten Geschichten aus Sheens Leben ereignete sich ausgerechnet während dieser erfolgreichen Phase seiner Karriere. Damals gehörte Sheen einer Gruppe von Filmesammlern an, die obskure und seltene Videos miteinander teilten – bevor dies über das Internet einfach ging, wurden sich gegenseitig Kassetten zugeschickt – oft ohne, dass genauere Hintergründe zu den Machwerken beilagen.

1991 bekam Sheen Berichten zufolge über den Filmkritiker und Film-Threat-Gründer Chris Gore eine VHS-Kassette mit einem japanischen Horrorfilm in die Hände. Der Film hieß Flowers of Flesh and Blood und war 1985 als zweiter Teil der japanischen Guinea Pig-Reihe erschienen.

Die Filme waren bewusst so inszeniert, dass das Geschehen möglichst real wirken sollte. In Flowers of Flesh and Blood wird die Entführung und brutale Tötung einer Frau dargestellt. Praktische Spezialeffekte sollten den Eindruck erwecken, man sehe tatsächlich eine reale Gewalttat. Bei Charlie Sheen funktionierte die Illusion offenbar etwas zu gut.

Sheen soll nach dem Ansehen der Kassette überzeugt gewesen sein, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Horrorfilm handelte. Er glaubte, gerade einen sogenannten Snuff-Film gesehen zu haben – also eine Aufnahme, in der ein Mensch tatsächlich vor laufender Kamera getötet worden wäre.

Statt die Sache einfach abzuhaken, meldete er die Kassette den Behörden. In zahlreichen Berichten heißt es, Sheen habe das FBI kontaktiert und dadurch Ermittlungen ausgelöst. Auch IMDb führt den Vorfall entsprechend: Die Ermittlungen seien beendet worden, nachdem nachgewiesen werden konnte, dass die vermeintliche Tötung lediglich mit Spezialeffekten inszeniert worden war.

Das passende Making-of zeigte, wie die extrem realistisch wirkenden Effekte entstanden waren.

Kurz gesagt: Charlie Sheen hatte keinen echten Mord gesehen.

Er hatte nur einen Horrorfilm gesehen, dessen Effekte für die damalige Zeit offenbar erschreckend überzeugend waren. Doch immerhin muss man ihm zugute halten, dass er moralisch richtig gehandelt hatte, als er sicherheitshalber die Behörden verständigte.

Two and a Half Men machte ihn zum bestbezahlten Comedy-Star

2003 startete Two and a Half Men. Charlie Sheen spielte Charlie Harper, einen reichen, trinkfreudigen Frauenhelden mit Haus in Malibu.

Die Rolle wirkte so passend zu Sheens öffentlichem Image, dass die Grenzen zwischen Schauspieler und Figur für Zuschauer teilweise beinahe verschwammen.

Die Serie wurde zu einem gewaltigen Erfolg. 2010 führte Sheen die Gehaltsliste amerikanischer Comedy-Stars mit offiziell berichteten 1,25 Millionen US-Dollar pro Episode an. Andere Berichte bezifferten sein Einkommen gegen Ende seiner Zeit bei der Serie inklusive weiterer Vergütungen sogar noch höher.

Charlie Sheen stand damit beruflich an einem Punkt, den nur wenige Fernsehschauspieler je erreichen. Und dann zerstörte er innerhalb weniger Monate beinahe alles.

2011 wurde sein Absturz zum weltweiten Medienspektakel

Sheens jahrelange Probleme mit Alkohol und Drogen waren längst öffentlich bekannt. Anfang 2011 eskalierte die Situation jedoch.

Nach Krankenhausaufenthalten und einer erneuten Behandlungspause wurde die Produktion von Two and a Half Men zunächst gestoppt. Gleichzeitig begann Sheen, Produzent Chuck Lorre sowie Verantwortliche von CBS und Warner Bros. öffentlich anzugreifen.

Es folgte eine Reihe von Fernseh- und Radiointerviews, aus denen Begriffe wie Winning und Tiger Blood zu weltweiten Internet-Memes wurden.

Im März 2011 zog Warner Bros. schließlich die Konsequenz und kündigte seinen Vertrag. Das Studio verwies unter anderem auf sein selbstzerstörerisches Verhalten und die Schwierigkeiten bei der Fortsetzung der Produktion.

Für Sheen bedeutete es das Ende einer Rolle, die ihn zum höchstbezahlten Comedy-Darsteller des amerikanischen Fernsehens gemacht hatte.

Es folgten weitere Serien – aber die Skandale blieben größer als die Rollen

Bereits 2012 kehrte Sheen mit Anger Management ins Fernsehen zurück. Die Serie lief zwei Jahre und brachte es auf 100 Episoden. Doch während seine Karriere weiterging, bestimmten zunehmend seine persönlichen Probleme die Schlagzeilen.

Im November 2015 machte Sheen öffentlich, dass bei ihm mehrere Jahre zuvor HIV diagnostiziert worden war. Er erklärte später, dass Menschen in seinem Umfeld von der Diagnose erfahren hätten und er unter anderem mit Drohungen konfrontiert worden sei, die Information öffentlich zu machen.

Parallel kämpfte er weiterhin gegen seine Abhängigkeiten.

Seine Kinder brachten ihn schließlich dazu, nüchtern zu werden

Der entscheidende Wendepunkt kam Ende 2017.

Sheen erzählte später, dass er eines Tages eine seiner Töchter nicht zu einem Termin fahren konnte, weil er bereits Alkohol getrunken hatte. Ein Freund musste übernehmen. Für ihn sei dieser Moment besonders beschämend gewesen. Er wollte für seine Kinder wieder zuverlässig sein – und hörte schließlich mit Alkohol und Drogen auf.

2025 feierte Sheen acht Jahre Nüchternheit. Auch 2026 beschreibt er sein Leben weiterhin aus dieser Perspektive. Seine Kinder und Enkel hätten ihn nach eigener Aussage inzwischen über Jahre ausschließlich nüchtern erlebt.

Sogar mit Chuck Lorre versöhnte er sich wieder

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem spektakulären Zerwürfnis bei Two and a Half Men meldete sich ausgerechnet Chuck Lorre wieder bei Sheen. Für seine neue Serie Bookie suchte Lorre einen prominenten Gaststar, der eine fiktionalisierte Version seiner selbst spielen sollte. Ihm fiel Charlie Sheen ein – und der sagte zu.

Lorre beschrieb das Wiedersehen später als überraschend herzlich. Beide konnten inzwischen offenbar mit Distanz auf einen Konflikt zurückblicken, der 2011 noch weltweit Schlagzeilen produziert hatte.

2026 startet Charlie Sheen noch einmal etwas komplett Neues

Und kurz vor seinem heutigen 61. Geburtstag hat Sheen bereits sein nächstes Projekt angekündigt.

Anfang August 2026 wurde bekannt, dass er mit Red Seat Ventures den wöchentlichen Interview-Podcast Mostly Sheenius startet. Dort soll ausgerechnet der Mann, der jahrzehntelang selbst in Interviews über sein Leben ausgefragt wurde, erstmals regelmäßig auf der anderen Seite sitzen und Gespräche mit Persönlichkeiten aus Entertainment, Sport, Musik und Popkultur führen.

Sheen machte bereits beim Titel klar, dass er sich selbst inzwischen mit etwas mehr Distanz betrachtet. Seine bevorzugte Variante sei ursprünglich Pure Sheenius gewesen – die sei allerdings wegen angeblich irreführender Werbung abgelehnt worden.

Einen endgültigen Starttermin hatte Red Seat Ventures bei der Ankündigung Anfang August noch nicht genannt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....