Daniel Radcliffe wird 37: Warum der einstige Harry Potter-Star seine Schuhe nicht binden kann

Auch wenn Radcliffe untrennbar mit dem Zauberschüler verbunden bleiben wird, beeindruckt er seit Jahren mit zahlreichen anderen Rollen

Daniel Radcliffe 01 Leonine
Du bist ein Zauber... nein, du bist ein Multitalent, Daniel! | © Leonine

Heute, am 23. Juli 2026, feiert Daniel Radcliffe seinen 37. Geburtstag. Für Millionen Menschen wird er vermutlich immer mit Harry Potter verbunden bleiben. Längst hat der britische Schauspieler jedoch bewiesen, dass seine Karriere wesentlich mehr umfasst als Zauberstäbe, Hogwarts und eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten.

Radcliffe wurde zum gefragten Charakterdarsteller, Broadway-Star und Unterstützer junger LGBTQ+-Menschen. Gleichzeitig spricht er offen über persönliche Schwierigkeiten – darunter eine Koordinationsstörung, wegen der er teilweise nicht einmal seine eigenen Schuhe binden kann.

Daniel Radcliffe gehört zu den wenigen Kinderstars, denen es gelungen ist, sich nach einer weltbekannten Rolle langfristig als vielseitiger Schauspieler zu etablieren. Statt nach dem Ende von Harry Potter möglichst schnell den nächsten Blockbuster zu suchen, entschied er sich bewusst für Theaterstücke, Independent-Filme, schräge Komödien und Figuren, die kaum weiter von dem jungen Zauberer entfernt sein könnten.

Im Jahr 2024 gewann er seinen ersten Tony Award. 2026 folgte eine weitere Nominierung für eine Broadway-Produktion, in der er nahezu allein auf der Bühne stand. Radcliffes Karriere zeigt damit, dass er seine berühmteste Rolle nicht verleugnen muss, um trotzdem immer wieder etwas Neues auszuprobieren.

Eine Kindheit in London

Daniel Jacob Radcliffe wurde am 23. Juli 1989 in London geboren. Er ist das einzige Kind des Literaturagenten Alan Radcliffe und der Casting-Agentin Marcia Gresham. Durch seine Eltern kam er früh mit Film, Theater und Literatur in Berührung, obwohl sie einer Schauspielkarriere ihres Sohnes zunächst skeptisch gegenüberstanden.

Radcliffe wollte bereits im Kindesalter Schauspieler werden. Seinen ersten größeren Auftritt hatte er 1999 im Alter von zehn Jahren in der BBC-Verfilmung David Copperfield. Darin spielte er die jüngere Version der Titelfigur. Sein Kinodebüt folgte 2001 in dem Spionagethriller Der Schneider von Panama an der Seite von Pierce Brosnan und Geoffrey Rush.

Zu diesem Zeitpunkt war Radcliffe bereits für eine Rolle ausgewählt worden, die sein gesamtes weiteres Leben verändern sollte.

Der Junge, der Harry Potter wurde

Für die Verfilmung von Joanne K. Rowlings Roman Harry Potter und der Stein der Weisen suchten die Produzenten nach einem jungen britischen Schauspieler, der Harrys Verletzlichkeit, Mut und eigensinnigen Humor verkörpern konnte. Regisseur Chris Columbus und Produzent David Heyman wurden auf Radcliffe aufmerksam und überzeugten schließlich auch seine Eltern davon, ihm die Rolle zu erlauben.

Als Harry Potter und der Stein der Weisen 2001 in die Kinos kam, wurde der damals zwölfjährige Radcliffe praktisch über Nacht weltweit bekannt. Gemeinsam mit Rupert Grint als Ron Weasley und Emma Watson als Hermine Granger wuchs er vor den Augen eines Millionenpublikums auf.

Zwischen 2001 und 2011 spielte Radcliffe die Hauptrolle in allen acht Filmen der Reihe. Vom zunächst schüchternen Schüler in Harry Potter und der Stein der Weisen bis zum erwachsenen Kämpfer in Heiligtümer des Todes wurde er zu einem der bekanntesten Schauspieler seiner Generation.

Die Filme machten ihn finanziell unabhängig und eröffneten ihm nahezu jede berufliche Möglichkeit. Gleichzeitig bedeutete die Rolle, dass Radcliffe während eines Großteils seiner Kindheit und Jugend unter öffentlicher Beobachtung stand. Normale Fehler konnten zu Schlagzeilen werden, während er parallel Schule, Dreharbeiten, Interviews und weltweite Promotiontermine bewältigen musste.

Aufwachsen unter enormem Erfolgsdruck

Radcliffe hat später offen darüber gesprochen, dass ihm der frühe Ruhm nicht immer leichtfiel. Besonders gegen Ende der Harry Potter-Zeit entwickelte er nach eigenen Aussagen ein problematisches Verhältnis zu Alkohol. Der Gedanke, permanent erkannt und beobachtet zu werden, habe dazu beigetragen, dass er zeitweise versuchte, sich durch Alkohol weniger bewusst mit seiner eigenen Situation auseinandersetzen zu müssen.

Im Jahr 2010 hörte er auf zu trinken. Radcliffe betonte mehrfach, dass seine Familie, enge Freunde und ein vergleichsweise geschütztes Umfeld am Filmset entscheidend dafür gewesen seien, dass er die schwierigen Seiten des Kinderstar-Daseins bewältigen konnte.

Anders als viele ehemalige Kinderstars versuchte er nach dem Ende der Filmreihe nicht, sein bisheriges Image durch provokante öffentliche Auftritte abzuschütteln. Stattdessen setzte er auf ungewöhnliche Rollen, intensive Theaterarbeit und Projekte, bei denen er schauspielerisch neue Fähigkeiten entwickeln musste.

Eine Karriere mit möglichst ungewöhnlichen Rollen

Nach dem Ende von Harry Potter entschied sich Radcliffe auffällig häufig für Projekte, die kaum nach einem sicheren Karriereplan aussahen. 2012 spielte er im Horrorfilm Die Frau in Schwarz einen verwitweten Anwalt, der in einem abgelegenen Haus mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert wird.

In Kill Your Darlings – Junge Wilde verkörperte er den Dichter Allen Ginsberg. Es folgten Rollen in der düsteren Fantasygeschichte Horns, dem Thriller Imperium und dem Heist-Film Die Unfassbaren 2.

Besonders deutlich wurde seine Freude an ungewöhnlichen Projekten 2016 mit Swiss Army Man. Darin spielte Radcliffe eine Leiche, deren körperliche Funktionen einem gestrandeten Mann beim Überleben helfen. Die groteske Rolle hätte für einen ehemaligen Kinderstar leicht zu einem reinen Internetwitz werden können. Radcliffe spielte sie jedoch mit einer Mischung aus körperlicher Komik, Naivität und emotionaler Ernsthaftigkeit.

Auch in Guns Akimbo präsentierte er sich als überforderter Internetnutzer, dem Waffen an die Hände geschraubt werden. In The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt übernahm er dagegen die Rolle eines exzentrischen und skrupellosen Milliardärs.

Seine wahrscheinlich ungewöhnlichste Verwandlung gelang ihm in Weird: Die Al Yankovic Story. Radcliffe spielte darin den Musiker und Parodisten Weird Al Yankovic. Der Film erzählte dessen Leben absichtlich nicht wahrheitsgetreu, sondern verwandelte es in eine übertriebene Parodie klassischer Musikerbiografien. Für seine Darstellung erhielt Radcliffe 2023 seine erste Emmy-Nominierung.

Warum Daniel Radcliffe seine Schuhe manchmal nicht binden kann

Zu den überraschendsten persönlichen Details über Daniel Radcliffe gehört, dass er Schwierigkeiten mit scheinbar einfachen feinmotorischen Aufgaben hat. Der Schauspieler lebt mit einer milden Form von Dyspraxie.

Dyspraxie ist eine neurologisch bedingte Entwicklungs- und Koordinationsstörung. Sie kann sich darauf auswirken, wie Bewegungen geplant und ausgeführt werden. Betroffene Menschen können unter anderem Schwierigkeiten mit ihrer Handschrift, dem Gleichgewicht, sportlichen Bewegungen oder mehrstufigen alltäglichen Abläufen haben.

Bei Radcliffe zeigt sich die Dyspraxie unter anderem darin, dass ihm das Binden von Schnürsenkeln schwerfallen kann. Die häufig verbreitete Aussage, Daniel Radcliffe könne seine Schuhe grundsätzlich nicht selbst binden, ist allerdings etwas verkürzt. Seine Erkrankung ist mild, kann aber in schwierigeren Situationen dazu führen, dass er eine solche feinmotorische Aufgabe tatsächlich nicht problemlos ausführen kann.

Auch seine Handschrift sei nach eigenen Angaben stark beeinträchtigt. Radcliffe berichtete, dass er sich während seiner Schulzeit teilweise für untalentiert hielt, weil ihm verschiedene alltägliche und schulische Aufgaben schwerfielen.

Mit seinem typischen Humor fragte er später sinngemäß, warum sich Schuhe mit Klettverschluss eigentlich nie dauerhaft als modischer Standard durchgesetzt hätten.

Die Dyspraxie hinderte ihn jedoch weder an komplexen Choreografien am Broadway noch an körperlich anspruchsvollen Filmrollen. Gegenüber jungen Menschen mit ähnlichen Schwierigkeiten vermittelte er deshalb die Botschaft, dass eine solche Diagnose ihre Fähigkeiten und beruflichen Möglichkeiten nicht festlegen müsse.

Gesellschaftliches Engagement für LGBTQ+-Jugendliche

Daniel Radcliffe tritt nicht ständig als klassischer politischer Aktivist auf. Bei Themen, die ihm besonders wichtig sind, bezieht er jedoch deutlich Stellung. Im Zentrum seines gesellschaftlichen Engagements steht seit vielen Jahren die Unterstützung von LGBTQ+-Jugendlichen.

Bereits 2009 begann er, mit The Trevor Project zusammenzuarbeiten. Die US-amerikanische Organisation bietet Krisenberatung und Suizidprävention für lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche, queere und weitere junge Menschen an.

Radcliffe beteiligte sich an Informationskampagnen, unterstützte die Organisation finanziell und nutzte seine Bekanntheit, um auf deren Beratungsangebote aufmerksam zu machen. 2011 wurde er für seinen Einsatz mit dem Trevor Hero Award ausgezeichnet.

Im Jahr 2020 bezog er öffentlich Stellung, nachdem Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling mit Aussagen über transgeschlechtliche Menschen eine internationale Debatte ausgelöst hatte. Radcliffe erklärte unmissverständlich, dass trans Frauen Frauen seien und dass die Identität und Würde transgeschlechtlicher Menschen respektiert werden müsse.

Seine Reaktion war auch deshalb bemerkenswert, weil Rowling als Schöpferin von Harry Potter einen entscheidenden Anteil an seiner Karriere hatte. Radcliffe machte jedoch deutlich, dass persönliche Dankbarkeit ihn nicht daran hindere, bei grundlegenden gesellschaftlichen Fragen eine andere Haltung einzunehmen.

2023 moderierte er für The Trevor Project außerdem ein Gesprächsformat mit jungen trans und nichtbinären Menschen. Dabei stellte er nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern gab den Jugendlichen Raum, über Identität, Pronomen, Akzeptanz und glaubwürdige Unterstützung zu sprechen.

Daniel Radcliffe als Partner und Vater

Seit 2012 ist Radcliffe mit der US-amerikanischen Schauspielerin Erin Darke liiert. Kennengelernt hatten sich die beiden bei den Dreharbeiten zu Kill Your Darlings – Junge Wilde. Im April 2023 wurden sie Eltern eines Sohnes.

Das Paar hält sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Radcliffe spricht zwar gelegentlich über seine Freude am Vatersein, veröffentlicht jedoch kaum private Aufnahmen seines Kindes. Seine eigene Erfahrung als weltberühmter Kinderdarsteller dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Radcliffe erklärte 2026, dass sein Sohn bislang kaum verstehe, wie bekannt sein Vater ist. Auch bei der Auswahl neuer Projekte sei für ihn inzwischen entscheidend, ausreichend Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.

Seine Karriere im Jahr 2026

Neben seiner Tony-nominierten Broadway-Rolle war Radcliffe 2026 in der Comedyserie The Fall and Rise of Reggie Dinkins zu sehen. Darin spielt er den britischen Dokumentarfilmer Arthur Tobin, der einem in Ungnade gefallenen ehemaligen Footballstar bei dessen öffentlichem Comeback helfen soll.

Die Serie mit Tracy Morgan wurde im Februar 2026 in den USA gestartet und bereits für eine zweite Staffel verlängert. Diese soll im November 2026 beim US-Sender NBC anlaufen.

Das Projekt passt zu Radcliffes bisheriger Karriere nach Harry Potter. Er bevorzugt Figuren, die nervös, eigenartig, überfordert oder bewusst unglamourös wirken. Statt sein Image als klassischer Hollywood-Hauptdarsteller zu pflegen, sucht er weiterhin nach Rollen, die ihm selbst interessant oder unterhaltsam erscheinen.

Mehr als der Junge mit der Narbe

Auch an seinem 37. Geburtstag bleibt Daniel Radcliffe untrennbar mit Harry Potter verbunden. Die Rolle machte ihn weltberühmt und wird vermutlich dauerhaft ein Teil seiner öffentlichen Identität bleiben.

Seine Karriere zeigt jedoch, dass ein Schauspieler seine bekannteste Figur nicht vollständig hinter sich lassen muss, um sich weiterzuentwickeln. Radcliffe spricht respektvoll über die Filmreihe und ihre Fans, ohne jeden späteren Karriereschritt an Hogwarts auszurichten.

Er spielte Leichen, Dichter, Bösewichte, Musiker, verzweifelte Familienväter und überforderte Dokumentarfilmer. Er sang und tanzte am Broadway, gewann einen Tony Award und stellte sich in einem interaktiven Solostück jeden Abend einem unberechenbaren Publikum.

Gleichzeitig nutzt er seine Bekanntheit, um junge Menschen zu unterstützen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Ausgrenzung erleben. Seine Offenheit über Dyspraxie zeigt außerdem, dass Schwierigkeiten mit alltäglichen Aufgaben nichts über die Intelligenz, Kreativität oder beruflichen Möglichkeiten eines Menschen aussagen.

Daniel Radcliffe kann an manchen Tagen vielleicht keine Schnürsenkel binden. Auf der Bühne und vor der Kamera gehört er dafür längst zu den vielseitigsten Schauspielern seiner Generation.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....