Der Krebs nahm ihm die Stimme, nicht aber die Aussage: Zum Gedenken an Val Kilmer

Bis zu seinem Tod und darüber hinaus zählt Kilmer zu den prägendsten Künstlern Hollywoods.

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Kilmers kurzer Auftritt in der Top Gun-Fortsetzung berührte Fans allen Alters. | © Paramount

Das Jahr 2025 geht zu Ende – und mit ihm ein Jahr des Abschieds von Val Kilmer, einem Schauspieler, der das amerikanische Kino über Jahrzehnte hinweg auf unverwechselbare Weise geprägt hat. Sein Tod im Frühjahr 2025 markierte nicht nur das Ende eines außergewöhnlichen Lebens, sondern auch den Beginn einer neuen Auseinandersetzung mit seinem Werk, seiner Haltung und seiner menschlichen Tiefe.

Innere Unruhe

Val Edward Kilmer wurde am 31. Dezember 1959 in Los Angeles geboren. Früh zeigte sich sein künstlerisches Talent: Bereits mit 17 Jahren wurde er als jüngster Student seiner Zeit an der renommierten Juilliard School aufgenommen. Diese frühe Exzellenz ging jedoch mit persönlicher Zerrissenheit einher. Der Verlust seines jüngeren Bruders prägte Kilmer tief und beeinflusste sein Leben wie auch seine Kunst nachhaltig.

Schon früh war klar, dass Kilmer kein einfacher, aber ein kompromissloser Künstler war – jemand, der Intensität über Anpassung stellte und sich nie mit Oberflächlichkeit zufriedengab.

Ikone einer Filmgeneration

Val Kilmers Filmkarriere nahm in den 1980er-Jahren rasant Fahrt auf. Weltweite Bekanntheit erlangte er als Tom "Iceman" Kazansky in Top Gun (1986), wo er Coolness und innere Spannung meisterhaft verband. Es folgten Rollen, die seine enorme Bandbreite zeigten: der charismatisch-exzentrische Jim Morrison in The Doors, der düstere Titelheld in Batman Forever oder der lakonische Revolverheld Doc Holliday in Tombstone – für viele bis heute seine eindrucksvollste Leistung.

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Seine Interpretation von Batman zählt bis heute zu den spannendsten. | © Warner Bros

Kilmer war bekannt dafür, vollkommen in seinen Rollen aufzugehen. Diese Intensität brachte ihm ebenso Bewunderung wie den Ruf eines schwierigen Schauspielers ein. Doch rückblickend wird immer deutlicher: Sein kompromissloser Ansatz war Ausdruck eines tiefen Respekts vor der Kunst.

Neue Ausdrucksformen

In den 2010er-Jahren veränderte eine Krebserkrankung sein Leben grundlegend. Der Verlust seiner Stimme bedeutete für einen Schauspieler einen beinahe existenziellen Einschnitt. Doch Kilmer fand neue Wege, sich auszudrücken – durch Schreiben, Malerei und Poesie.

Der Dokumentarfilm Val aus dem Jahr 2021 offenbarte der Öffentlichkeit erstmals schonungslos seine Verletzlichkeit und seine reflektierte Sicht auf Ruhm, Fehler und Vergänglichkeit. Sein kurzer, emotionaler Auftritt in Top Gun: Maverick wurde zu einem der bewegendsten Kinomomente des Jahrzehnts.

Stimme für andere

Auch jenseits der Leinwand engagierte sich Val Kilmer. Er setzte sich für Krebsaufklärung ein, unterstützte Bildungs- und Kunstprojekte und sprach offen über Krankheit, Heilung und Akzeptanz. Besonders wichtig war ihm, jungen Menschen Mut zu machen, ihre Kreativität ernst zu nehmen – unabhängig von Konventionen oder Marktlogik.

Seine Offenheit im Umgang mit körperlichen Einschränkungen trug dazu bei, das Bild von Stärke neu zu definieren: nicht als Unverletzlichkeit, sondern als Ehrlichkeit.

Nach seinem Tod wurde Val Kilmer vielfach neu entdeckt. Kritiker und Publikum würdigten ihn zunehmend als einen Schauspieler, der seiner Zeit oft voraus war – sensibel, eigenwillig, unbequem. Sein Werk wirkt heute wie ein Gegenentwurf zum kalkulierten Starkino: roh, leidenschaftlich, manchmal widersprüchlich, aber immer authentisch.

Val Kilmer hinterlässt kein glattes, sondern ein zutiefst menschliches Vermächtnis. Er erinnert uns daran, dass Kunst nicht perfekt sein muss, um wahrhaftig zu sein – und dass Verletzlichkeit eine Form von Stärke ist.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....