Der leise Beatle – Zum Todestag von George Harrison

Harrison wäre inzwischen 82 Jahre alt, wäre er nicht heute vor 24 Jahren gestorben.

George Harrison
George Harrison galt als "der stille Beatle" doch sein Klang halt heute noch nach. | © George Harrison

Am heutigen 29. November jährt sich der Todestag von George Harrison zum 24. Mal. Während die Erinnerung an die” Fab Four” nie verblasste, wirkt Harrisons Vermächtnis mehr denn je wie ein stilles, aber helles Licht – gerade, weil er nie nach greller Aufmerksamkeit strebte. Er war der Beatle, der sich nicht nur für die Musik, sondern für das Innere des Menschen interessierte. Der „leise Beatle“, der die Welt lauter veränderte, als viele es zu seinen Lebzeiten bemerkten.

Zwischen Liverpool und spiritueller Suche

George Harrison wurde am 25. Februar 1943 in Liverpool geboren. Er stieß als jüngstes Mitglied zu The Beatles und traf dort früh auf John Lennon und Paul McCartney, die zunächst den kreativen Ton vorgaben. Doch Harrison, anfangs schüchtern und dem Blues und Rock ’n’ Roll verfallen, arbeitete sich beharrlich in eine Rolle hinein, die er später entscheidend prägen sollte: Er war der Klangsucher.

Seine Liebe zur indischen Musik wurde zu einem Wendepunkt. Mit der Sitar, erlernt beim indischen Meister Ravi Shankar, brachte Harrison nicht nur ein neues Instrument, sondern ein neues Weltverständnis in die Popkultur. Songs wie "Within You Without You" oder "Love You To" öffneten westlichen Hörern musikalische und philosophische Horizonte, die bis dahin kaum berührt worden waren.

Pionier der "Nach-Beatles"-Zeit

Nach der Trennung der Beatles im Jahr 1970 überraschte Harrison mit All Things Must Pass, einem Werk, das heute zu den wichtigsten Soloalben der Popgeschichte zählt. Dass sich darin Songs fanden, die in der Band-Zeit keinen Platz bekommen hatten, zeigt rückblickend, welch kreatives Potenzial in ihm steckte.

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Harrison liebte die indische Kultur und ihre Musik. | © Wikipedia

Sein Weg führte ihn nicht in die schrille Superstar-Karriere, sondern in bewusst gewählte musikalische und menschliche Projekte. 1971 organisierte er das "Concert for Bangladesh", das erste große Benefizkonzert der Musikgeschichte – ein Vorläufer dessen, was später mit Live Aid zur globalen Institution wurde. Harrison zeigte, wie Kunst gesellschaftliche Verantwortung tragen kann, ohne moralischen Zeigefinger, sondern aus Mitgefühl.

Musik mit Licht

Harrisons Musik war nie nur Klang, sondern Botschaft. Dabei ging es nicht um Belehrung, sondern um eine Haltung. Spiritualität war für ihn kein Image, sondern Lebensweg. Er praktizierte Meditation, lebte vegetarisch, predigte aber nicht. Seine Aussagen waren humorvoll, oft ironisch, trotz einer tiefen Ernsthaftigkeit gegenüber dem Geistigen. Sein bekanntestes Credo: "Be Here Now".

Sein wohl zeitlosestes Lied, "Here Comes the Sun", steht wie ein musikalischer Sonnenstrahl in der Weltgeschichte. Geschrieben in einem Moment, in dem er einen Bürokratie-Termin schwänzte, verkörpert es bis heute: Das Licht kommt nicht vom Außen, sondern aus dem Inneren.

Ein Vermächtnis, das weiter wächst

In einer Zeit, die oft laut, hektisch und rastlos wirkt, bekommt Harrison heute eine neue Aktualität. Sein Wirken erinnert daran, dass Kunst nicht schneller, größer, greller werden muss, um bedeutend zu sein. Er zeigte, dass Musik trösten, verbinden und heilen kann, ohne Spektakel.

Viele Musikerinnen und Musiker nennen ihn heute als Inspirationsquelle für Klang-Experimente, Weltmusik oder spirituelle Popkultur. Und Generationen von Hörerinnen und Hörern finden in seiner Musik nicht nur Unterhaltung, sondern Orientierung, Ruhe und Wärme. George Harrison starb am 29. November 2001 in Los Angeles an den Folgen einer Krebserkrankung. Doch sein Wunsch, die Welt etwas friedlicher zu hinterlassen, lebt weiter – nicht nur in Songs, sondern in Haltungen, Initiativen und in der Erkenntnis, dass jeder Einzelne etwas beitragen kann.

"All Things Must Pass" – und dennoch: Manches bleibt für immer. Heute erinnern wir uns nicht nur an den Musiker, sondern an den Menschen, der der Welt etwas Liebe, Stille und Licht geschenkt hat.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....