Der Mann, der Miss Piggy und Kermit eine Seele gab: Zum 36. Todestag von Jim Henson

Henson machte das fast altbackene Puppenspiel wieder zu einem Hollywoodreifen Kunstwerk.

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Ohne Henson hätte es das kinotaugliche Puppenspiel wohl nie gegeben. | © Wikipedia

Heute vor 36 Jahren starb Jim Henson, der Schöpfer der Muppets, im Alter von nur 53 Jahren in New York. Sein Tod am 16. Mai 1990 kam plötzlich, nach einer kurzen schweren Erkrankung. Zurück blieb ein Werk, das bis heute weltweit verstanden wird: Kermit der Frosch, Miss Piggy, Ernie und Bert, das Krümelmonster, die Fraggles — Figuren aus Stoff, Schaumstoff und Stimme, die menschlicher wirken konnten als manche echten Fernsehstars.

Der Vater der Muppets

James Maury Henson wurde am 24. September 1936 in Greenville, Mississippi, geboren und wuchs später unter anderem in Maryland auf. Schon als Student an der University of Maryland begann er mit dem Fernsehen zu experimentieren. Mitte der 1950er Jahre entwickelte er mit Sam and Friends eine kurze Puppensendung, in der bereits eine frühe Version von Kermit auftauchte. Henson begriff früher als viele andere, dass Puppenspiel im Fernsehen anders funktionieren musste als auf der Theaterbühne: näher, schneller, filmischer, mit Figuren, die direkt für die Kamera lebten.

Seine große Erfindung waren die Muppets — ein Begriff, den Henson selbst prägte und der häufig als Verbindung von "marionettes" und "puppets" erklärt wird. Entscheidend war aber weniger das Wort als die Technik: Henson nutzte weiche Materialien, expressive Münder, große Augen und präzise Stimmen. Seine Puppen konnten blinzeln, zweifeln, träumen, schreien, scheitern und wieder aufstehen. Damit schuf er eine neue Sprache des Fernsehens.

Sesamstraße und Muppetsshow

Der Durchbruch für ein Millionenpublikum kam 1969 mit der Sesamstraße. Hensons Figuren wurden dort zu vertrauten Begleitern ganzer Generationen. Ernie und Bert, Grobi, Oscar aus der Mülltonne, das Krümelmonster und Big Bird machten Lernen nicht trocken, sondern spielerisch, komisch und emotional. Die Reihe verband Bildung, Humor und urbane Alltagswelt — und Hensons Figuren halfen entscheidend dabei, dass Kinderfernsehen intelligenter, wärmer und mutiger wurde.

Mit Die Muppet Show, die 1976 startete, gelang Henson dann der Sprung vom Kinderfernsehen zur Familien- und Erwachsenenunterhaltung. Die Serie war Varieté, Chaoskomödie und Backstage-Satire zugleich. Kermit versuchte, Ordnung in eine Bühne voller Eitelkeit, Explosionen und absurder Gastauftritte zu bringen; Miss Piggy wurde zur Diva mit Karatehieb; Fozzie Bär kämpfte tapfer gegen schlechte Pointen. Die Sendung lief international erfolgreich und machte Henson zu einem der einflussreichsten Fernsehschöpfer seiner Zeit.

Puppen in Hollywood

Doch Henson wollte nie nur der "Mann mit den lustigen Puppen" sein. Mit Der dunkle Kristall und Die Reise ins Labyrinth wandte er sich dem Fantasykino zu. Beide Filme zeigten eine dunklere, märchenhafte Seite seines Denkens: Welten voller Kreaturen, Mythen, Gefahren und Melancholie. Später kamen Projekte wie Die Fraggles, Der Geschichtenerzähler und die Arbeit von Jim Henson’s Creature Shop hinzu, der Puppenspiel, Animatronik und Spezialeffekte weiterentwickelte.

Privat war Henson eng mit seiner Arbeit verwoben. Seine Ehefrau Jane Henson war nicht nur Partnerin, sondern auch frühe kreative Mitstreiterin; die beiden gründeten 1958 gemeinsam Muppets Inc. und hatten fünf Kinder. Auch nach ihrer späteren Trennung blieb die Familie mit Hensons künstlerischem Erbe verbunden. Mehrere seiner Kinder arbeiteten später in der Jim Henson Company weiter.

Der Tod des Puppenvaters

Die Umstände seines Todes machten die Nachricht 1990 besonders erschütternd. Henson hatte zunächst Symptome, die wie eine gewöhnliche Erkältung wirkten, doch daraus entwickelte sich eine schwere bakterielle Infektion, die zu einem toxischen Schocksyndrom führte. Am 16. Mai 1990 starb er im New York-Presbyterian Hospital in Manhattan.

Seine Trauerfeiern wurden selbst zu einem Ausdruck seines Lebenswerks. Henson hatte sich gewünscht, dass niemand Schwarz tragen solle. Bei der Gedenkfeier in New York sang Big Bird Kermits Lied Bein’ Green, und Freunde, Weggefährten und Puppenspieler verabschiedeten sich mit Musik, Farbe und Humor. Es war kein Abschied von einer Marke, sondern von einem Künstler, der Millionen Menschen beigebracht hatte, dass Sanftheit und Albernheit keine Gegensätze zur Kunst sind.

Heute, am 16. Mai 2026, bleibt Jim Hensons Vermächtnis lebendig. Die Muppets gehören inzwischen zu Disney, die Sesamstraße ist längst ein globales Bildungsphänomen, und die Jim Henson Company führt Teile seines kreativen Erbes weiter. Noch immer wirken seine Figuren deshalb so stark, weil sie nie nur Gags waren. Sie waren verletzlich, widersprüchlich, komisch und voller Sehnsucht.

Jim Henson gab Puppen keine Illusion von Leben — er gab ihnen Persönlichkeit. Genau deshalb spricht Kermit bis heute nicht nur zu Kindern, sondern zu allen, die wissen, wie schwer es manchmal ist, grün zu sein.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....