Die Prophezeiungen von Alexander Prinz sind wohl wahr: Wie Wackens neuer Sponsor zeigt, wird das Festival zunehmenden kommerzieller.
Dass das Wacken Openair unter Metalheads längst kein Geheimtipp mehr ist, dürfte jedem einleuchten. Allerdings hat sich das Festival von einer nischigen Veranstaltung zu einem Millionengeschäft gemausert. Zahlreiche Content-Creator, darunter auch der als Dunkle Parabelritter bekannte Alexander Prinz, haben bereits vor den Einflüssen großer Sponsoren gewarnt. Nun macht Wacken nicht einmal mehr Halt vor dem geliebten Bier.
Flüssiges Gold
Mit Anheuser Busch haben die Wacken-Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner den vorigen Sponsor Krombacher durch ein echtes Schwergewicht abgelöst. Dies ist kein Zufall, denn die Marke wird seit der vergangenen Fußball WM immer präsenter auf dem deutschen Markt. Der 5-Jahres-Vertrag mit der AB InBev, dem weltgrößten Brauereikonzern, garantiert Planungssicherheit und Investitionskraft. Dies ist essentiell für die Infrastruktur, da so eine lückenlose Versorgung über die 1 Kilometer lange Bier-Pipeline sichergestellt wird. Obgleich das berühmte Bud beim vergangenen Wacken zum ersten Mal ausgeschenkt wurde, ist die Partnerschaft mit AB InBev an und für sich ein alter Hut. Der Konzern war bereits von 2007-2021 Hauptlieferant - allerdings zu dieser Zeit noch mit Beck's.
Der deutsche Gaumen ist nicht erfreut
Was die beiden Gründer als Frischzellenkur für das Festival verkaufen, sehen viele Fans kritisch. Bei dem Bud, das wegen einem Namensstreit in der EU nicht als Budweiser geführt werden darf, handelt es sich um ein mit Reis eingebrautes Lagerbier, dem durch Filtration sämtliche Trübstoffe entzogen werden. Aufgrund des daraus resultierenden leichten Körpers, fühlt sich der deutsche Gaumen geschmacklich eher an Sprudel erinnert. Dass sich das Land mit dem weltweit dritthöchsten Bierkonsum damit nicht abspeisen lässt, dürfte wenig überraschend sein. So meldeten sich auf Social Media zahlreiche Stimmen zu Wort, die das Bier regelrecht in der Luft zerrissen. Was hierbei besonders ins Auge sticht, ist auch die diskussionswürdige Preisgestaltung von 13,80€ pro Liter Bier. Der Dunkle Parabelritter verleiht der Sache einen interessanten Blickwinkel, da er laut eigenen Angaben seine "Arbeitszeit mit Essenskosten" gegenrechne. Dementsprechend gab er zu Bedenken, dass man sich überlegen solle, ob "ein Liter Bier umgerechnet eine Stunde Arbeit wert" sei.
Konzernstrukturen statt familiärer Umgebung
Nicht nur den Fans stoßen die Preise sauer auf: Festivalbetreiber schlagen sich nämlich seit Jahren mit der stetigen Teuerung herum. Aus der Vogelperspektive betrachtet, ist Sponsoring daher ein notwendiger Schritt, um den wachsenden Kosten und Erwartungen an Festivals gerecht zu werden. Laut dem Dunklen Parabelritter herrscht zudem derzeit ein "massives Festivalsterben", da sich ein kostendeckender Betrieb, zusammen mit der Buchung immer größerer Headliner, zunehmend schwieriger gestaltet. Da Wacken mehrheitlich der US-Investmentfirma KKR gehört, werden Partner primär nach Finanzkraft ausgesucht, was erneut die Brücke zum als gewagt angesehenen Bier-Sponsoring schlägt.
Nun seid ihr gefragt: ist Wacken immer noch ein Stück Kulturgut oder verkommt das Festival zu einem Werbe-Event?
