Der deutsche Jugendschutz warnt vor dem "Junkofication"-Trend, der sich über Opfer sexueller Gewalt lustig macht.
Memes sind ein wichtiger Bestandteil der Popkultur und das wohl viralste Internetphänomen. Sie prägen unseren Humor und oft übernehmen wir sie sogar in unserem Sprachgebrauch im Alltag. Dass die Meme-Kultur aber auch ihre Schattenseiten hat und die “Witze” oft klare Grenzen überschreiten zeigt ein neuer Report des deutschen Jugendschutzes, der sich mit dem Trend der “Junkofication” befasst – einem Trend, der klar frauenverachtend ist.
Die “Junkofication” – Wer war Junko Furuta?
In seinem Report beschreibt der deutsche Jugendschutz den Trend der “Junkofication” als ein Beispiel dafür, “wie Frauenverachtung und Antifeminismus aus randständigen Online-Szenen auf Mainstream-Plattformen wie TikTok, Instagram und Co. überschwappen.”
Der Begriff bezieht sich auf Junko Furuta, eine junge Japanerin, der im Jahr 1989 das Leben genommen wurde. Die 17-Jährige wurde Ende des Jahres 1988 von vier High School Schülern entführt und 44 Tage lang vergewaltigt und auf brutalste Weise gefoltert. Nach ihrem Tod aufgrund des Schocks durch die schwerwiegende körperliche Misshandlung steckten ihre Mörder ihren Körper in ein Rollreifenfass und füllten es mit Beton.
Aufgrund seiner Brutalität zählt Junkos Geschichte zu den bekanntesten Kriminalfällen weltweit. Die Täter erhielten wegen ihres jungen Alters nur eine geringe Haftstrafe, was zu öffentlicher Empörung führte. Einige von ihnen wurden später erneut straffällig.
Der Online-Trend der “Junkofication” macht sich über Junkos Leidensgeschichte durch Bilder, Memes und KI-Videos lustig. Auf ihr Martyrium wird mit Sharepics oder Videos angespielt, wobei “reale Aufnahmen genutzt, bearbeitet und in neue Kontexte gestellt werden.” Laut jugendschutz.net sei dies nicht nur eine “geschmacklose Grenzverletzung, sondern auch Ausdruck einer misogynen und antifeministischen, teils auch rechtsextremen Ideologie.”
Ursprünglich entstand der Trend als Reaktion von rechtsextremen Kreisen auf die “Kirkification”, bei der sich über den rechtspopulistischen Influencer Charlie Kirk lustig gemacht wurde. Kirk wurde im September 2025 bei einer öffentlichen Veranstaltung erschossen.
Jenseits der rechten Szene werden die “Junkofication”-Inhalte auch für Ragebait und Trolling verwendet, um gezielt zu provozieren und dadurch Aufmerksamkeit zu bekommen.
Die Kodierung von Junko Furutas Leiden, getarnt als “schwarzer Humor”
Die “Junkofication” nimmt verschiedene Formen an und jede davon ist gleichermaßen geschmacklos und Opfern sexueller Gewalt gegenüber verhöhnend.
In vielen Fällen wird Junko in Verbindung mit dem pädokriminellen Straftäter Jeffery Epstein gebracht. Die beiden werden beispielsweise als Liebespaar dargestellt, obwohl es sich in der Realität um einen Täter und ein Opfer handelt. Auch die “Epstein-Island” – ein Ort an dem zahlreiche Frauen und Kinder missbraucht wurden – wird online oft als Aufhänger für “Witze” und “Memes” verwendet.
Andere Inhalte rücken Junkos tragische Geschichte in den Kontext von populären Medieninhalten wie Roblox, GTA oder Fortnite. Beispielsweise wird sie als tanzende Roblox-Figur, umringt von oberkörperfreien Männern, die ihre Mörder symbolisieren sollen, dargestellt. Derartige Posts werden mit Bezeichnungen wie “My raping squad” (“Mein Vergewaltigungstrupp”) versehen. Dies bringt die verstörenden Inhalte außerdem einem jungen Publikum näher.
Zwar werden die Misshandlungen, die Junko ertragen musste, nicht bildlich gezeigt, es werden aber Anspielungen gemacht und Kodierungen verwendet. Zum Beispiel wird sie häufig mit Trauben gezeigt, die in der Online-Sprache oft symbolisch für Vergewaltigung stehen. (Das englische Wort für Traube “grape” klingt ähnlich zum Wort für Vergewaltigung “rape”)
Auch die Zahl 44 lässt sich häufig finden. Jene wird als Anspielung auf Junkos 44 Tage lange Folter verwendet. Durch Captions wie “44 days of joy” (“44 Tage der Freude”) wird “zynischer Menschenverachtung als erfreuliche Erfahrung dargestellt.”
Frauenfeindlichkeit und Verhöhnung von Opfern sexueller Gewalt im Netz
Frauenfeindliche Inhalte sind auf Social Media leider nichts Neues, durch die “Junkofication” nehmen sie aber eine extreme Form an.
Der deutsche Jugendschutz warnt davor, dass “Hass und Gewalt dabei trivialisiert, normalisiert werden und frauenverachtende Einstellungen bei jungen User*innen befördern können.” Viele Inhalte auf die jugendschutz.net vor allen Dingen über Plattformen wie TikTok traf, seien nicht nur als problematisch, sondern als “entwicklungsbeeinträchtigend” und “jugendgefährdend” einzuordnen. Bei Minderjährigen könnten Trends wie die “Junkofication” “sozialschädigende Einstellungen bzw. sexistische Abwertungs- und Ungleichwertigkeitsvorstellungen fördern.”
Jugendschutz.net weist Erziehende und pädagogische Fachkräfte daraufhin, “dass das Problem hinter Trends wie der Junkofication über bösen Humor hinausgeht. Es reicht bis zu einer Normalisierung und Verharmlosung von Frauenhass als Ideologie, bis zu toxischer Männlichkeit und misogyner Gewalt in Sozialen Medien. Junge Menschen sollten unterstützt werden, frauenfeindliche Narrative der sogenannten Manosphere und Incel-Subkultur als solche zu erkennen und zu hinterfragen. Das beinhaltet auch, für die Folgen von geschlechterbasierter Gewalt zu sensibilisieren.”
