Fast Sylvester Stallone getötet: Der Action-Star mit MIT-Stipendium Dolph Lundgren wird 69

Der Karatemeister, der auch genialer Forscher hätte werden können.

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Der Karatemeister, der auch genialer Forscher hätte werden können. | © Splendid Films

Als Ivan Drago wurde Dolph Lundgren zum Inbegriff des wortkargen Muskelbergs. Dabei hätte sein Leben ebenso gut im Forschungslabor verlaufen können. Am 3. November 2026 feiert der schwedische Schauspieler seinen 69. Geburtstag. Seine Geschichte führt vom Chemieingenieurstudium über ein Fulbright-Stipendium nach Hollywood – und zu einem Schlag, der Sylvester Stallone nach dessen eigener Darstellung beinahe das Leben gekostet hätte.

Ein angehender Ingenieur mit schwarzem Gürtel

Dolph Lundgren wurde am 3. November 1957 in Stockholm geboren. Lange bevor er vor Filmkameras kämpfte, beschäftigten ihn Naturwissenschaften und Kampfsport. Er studierte Chemieingenieurwesen an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm und setzte seine Ausbildung in Sydney fort. Parallel entwickelte er sich zu einem erfolgreichen Karatekämpfer und gewann internationale Wettbewerbe.

Seine akademische Laufbahn war weit mehr als ein kurzer Ausflug vor der Schauspielerei. Lundgren erwarb einen Masterabschluss in Chemieingenieurwesen und erhielt ein Fulbright-Stipendium für das renommierte Massachusetts Institute of Technology, kurz MIT. Damit stand ihm eine wissenschaftliche Karriere offen. Den geplanten Weg zur Promotion setzte er jedoch nicht fort. Einen Doktortitel hat er folglich nicht erworben.

Eine entscheidende Rolle bei seinem Richtungswechsel spielte die Sängerin Grace Jones. Durch die Beziehung zu ihr kam Lundgren nach New York und lernte eine Welt aus Musik, Mode und Film kennen. Aus dem angehenden Wissenschaftler wurde ein Schauspielaspirant. Seinen ersten Kinoauftritt hatte er 1985 in James Bond 007 – Im Angesicht des Todes.

Sechs Sprachen fließend? Nicht ganz

Zu den häufig wiederholten Geschichten über Lundgren gehört, dass er sechs Sprachen fließend spreche. Das klingt beeindruckend, ist in dieser Form aber nicht ausreichend belegt. Lundgren selbst beschrieb seine Sprachkenntnisse deutlich zurückhaltender.

Neben seiner Muttersprache Schwedisch spricht er fließend Englisch. In einem Interview nannte er außerdem Deutschkenntnisse und erklärte, etwas Spanisch, Französisch und Japanisch zu beherrschen. Für diese Sprachen beanspruchte er ausdrücklich keine durchgängige Sprachsicherheit. Die passende Beschreibung lautet deshalb: Lundgren hat Kenntnisse mehrerer Sprachen – die pauschale Behauptung von sechs fließend gesprochenen Sprachen übertreibt jedoch.

Ivan Drago: Eine Rolle macht ihn weltberühmt

Seinen Durchbruch erlebte Lundgren ebenfalls 1985 mit Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts. Als sowjetischer Boxer Ivan Drago trat er gegen Sylvester Stallones Rocky Balboa an. Seine Körpergröße, seine trainierte Erscheinung und die demonstrative Gefühllosigkeit der Figur machten ihn zum idealen Gegner für den amerikanischen Underdog.

Die Rolle war wirkungsvoll, aber auch eng begrenzt. Drago erscheint über weite Strecken als menschliche Kampfmaschine. Der Film nutzt ihn für ein stark vereinfachtes Kräftemessen zwischen den USA und der Sowjetunion. Lundgrens Körper erzählt dabei mehr als seine wenigen Dialogzeilen. Genau dieses Bild machte ihn berühmt – und erschwerte es zugleich, seine anderen Fähigkeiten sichtbar zu machen.

Der Schlag, der Stallone beinahe getötet haben soll

Die berühmteste Geschichte vom Dreh klingt wie eine Fortsetzung des Films im echten Leben. Stallone zufolge traf Lundgren ihn bei den Kampfszenen so heftig an der Brust, dass er anschließend auf der Intensivstation behandelt werden musste. Stallone schilderte später, er habe seinen Kollegen zuvor aufgefordert, für die Aufnahme richtig zuzuschlagen. Erst nach dem Dreh habe er bemerkt, wie ernst die Verletzung gewesen sei.

Nach seiner Darstellung stieg sein Blutdruck gefährlich an; er wurde aus Kanada zur Behandlung nach Kalifornien geflogen und verbrachte vier Tage auf der Intensivstation. Die Aussage, Lundgren habe ihn beinahe getötet, geht damit auf Stallones eigene Schilderung zurück. Sie sollte nicht als unabhängig bestätigte medizinische Diagnose wiedergegeben werden.

Lundgren erinnerte sich zurückhaltender. Er bestätigte die harten Dreharbeiten und Stallones Krankenhausaufenthalt, erklärte aber, nicht sicher zu wissen, ob seine Schläge oder die enorme Gesamtbelastung dafür verantwortlich gewesen seien. Stallone war schließlich zugleich Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor. Zwischen beiden blieben nach Lundgrens Aussage keine persönlichen Verstimmungen zurück.

He-Man, Universal Soldier und die Grenzen des Muskelimages

Nach dem Erfolg als Drago übernahm Lundgren die Rolle des He-Man in Masters of the Universe. Es folgten Actionfilme wie The Punisher und Universal Soldier. Später wurde er mit The Expendables Teil eines Ensembles, das die Actionstars vergangener Jahrzehnte zusammenbrachte. In Creed II – Rocky’s Legacy kehrte er 2018 als Ivan Drago zurück.

Nicht jeder dieser Filme war ein großer Erfolg. Ein erheblicher Teil seiner Laufbahn spielte sich außerhalb prestigeträchtiger Kinoproduktionen ab. Lundgren arbeitete dennoch kontinuierlich weiter und übernahm auch Aufgaben als Regisseur und Drehbuchautor. Die Reduktion auf den schlagkräftigen Hünen wird seiner beruflichen Entwicklung deshalb ebenso wenig gerecht wie die nachträgliche Verklärung jedes seiner Actionfilme zum Klassiker.

Ein offener Umgang mit Krankheit

Abseits des Films unterstützt Lundgren die Mentor Foundation USA als Botschafter. Die Organisation arbeitet mit jungen Menschen und setzt auf Förderung sowie Suchtprävention. Seine Verbindung zu ihr besteht seit vielen Jahren.

Eine andere Seite zeigte er mit der öffentlichen Schilderung seiner Krebserkrankung. Nach eigenen Angaben erhielt er 2015 erstmals eine entsprechende Diagnose; später wurden weitere Tumoren entdeckt. Ende 2024 berichtete er im Zusammenhang mit einer weiteren Behandlung, krebsfrei zu werden beziehungsweise keine Krebszellen mehr im Körper zu haben. Diese Aussagen beschreiben seinen damaligen Bericht und erlauben keine pauschale Prognose für die Zukunft.

Auch die 2026 erschienene Dokumentation Dolph: Unbreakable beschäftigt sich mit seiner Erkrankung und persönlichen Verletzlichkeit. Darin liegt ein bemerkenswerter Gegenentwurf zu jener Unverwundbarkeit, die seine Filmrollen so oft behaupten.

Zu seinem 69. Geburtstag zeigt sich deshalb ein vielseitigeres Bild als das des schweigsamen Actionriesen. Lundgren hat eine anspruchsvolle wissenschaftliche Ausbildung absolviert, sich im Kampfsport bewiesen und über Jahrzehnte im Filmgeschäft behauptet. Dafür braucht seine Biografie weder übertriebene Sprachrekorde noch eine zur Gewissheit erklärte Hollywood-Anekdote

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....