Was als Kritik an Ebay begann, endete in einer bizarren Stalkingkampagne – mit toten Tieren und Drohungen.
Bei Ebay etwas zu bestellen gehört für viele inzwischen zum Alltag. Egal ob es um besonders seltene Sammlerstücke, Gebrauchtes oder darum geht, auf einer Plattform unterschiedlichste Produkte zu finden – der Marketplace ist aus unserem Alltag nur noch schwer wegzudenken. Was aber, wenn man statt der bestellten Ware plötzlich tote Tiere oder blutige Masken zugesendet bekommt – und sich dann auch noch herausstellt, dass die Mitarbeiter des Unternehmens selbst dafür verantwortlich sind?
Was wie die Handlung eines Thrillers klingt, ist bei eBay tatsächlich passiert:
Mitarbeiter des Unternehmens verfolgten und terrorisierten ein Ehepaar, weil es
in einem Newsletter kritisch über den Konzern berichtet hatte. Nun zahlen eBay
und mehrere ehemalige Führungskräfte insgesamt rund 56 Millionen US-Dollar.
Kritische Berichte führten zu einer Einschüchterungskampagne
Ina und David Steiner betreiben den Newsletter EcommerceBytes, der über eBay und andere Online-Marktplätze berichtet. Darin äußerten sie sich immer wieder kritisch über Entscheidungen und Entwicklungen innerhalb des Unternehmens.
Diese Berichterstattung sorgte offenbar bei mehreren eBay-Führungskräften für großen Unmut. Im Jahr 2019 begann eine Gruppe von Mitarbeitern schließlich damit, das Ehepaar gezielt einzuschüchtern.
Die Aktionen gingen dabei weit über aggressive Nachrichten im Internet hinaus. Den Steiners wurden unter anderem lebende Kakerlaken, eine blutverschmierte Schweinemaske, ein Trauerkranz und ein Ratgeber über den Verlust des Ehepartners zugeschickt.
Gleichzeitig wurde das Paar persönlich überwacht. Beteiligte Mitarbeiter reisten dafür bis zum Wohnort der Steiners im US-Bundesstaat Massachusetts. Außerdem soll geplant gewesen sein, einen GPS-Sender am Auto des Ehepaars anzubringen.
Mitarbeiter wollten sich als Helfer inszenieren
Besonders bizarr war der Plan hinter der Kampagne: Die Verantwortlichen wollten zunächst Angst und Chaos verursachen und anschließend selbst als vermeintliche Helfer auftreten.
Auf diese Weise sollte das Ehepaar dazu gebracht werden, Kontakt zu eBay aufzunehmen und künftig weniger kritisch über den Konzern zu berichten. Damit versuchten die Beteiligten offenbar, journalistische Berichterstattung durch gezielte Einschüchterung zu beeinflussen.
Die Aktion flog jedoch auf. Insgesamt bekannten sich sieben ehemalige eBay-Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Belästigungs- und Stalkingkampagne schuldig. Mehrere Beteiligte wurden zu Haftstrafen verurteilt. Dennoch fragen sich viele, ob die Mitarbeiter nur die Bauernopfer einer Aktion sind, die aus der Chefetage des Konzerns heraus geplant wurde.
Vergleich über rund 56 Millionen Dollar
Ina und David Steiner verklagten eBay und mehrere frühere Führungskräfte anschließend auf Schadensersatz. Der Rechtsstreit endet nun mit einem Vergleich in Höhe von insgesamt rund 55,7 Millionen US-Dollar.
eBay zahlt davon 46,15 Millionen Dollar direkt an das Ehepaar und weitere sechs Millionen Dollar an gemeinnützige Organisationen. Der frühere eBay-Chef Devin Wenig beteiligt sich persönlich mit zwei Millionen Dollar an der Entschädigung und spendet zusätzlich eine Million Dollar an eine Organisation, die sich für Presse- und Meinungsfreiheit einsetzt.
Auch zwei weitere ehemalige Führungskräfte leisten eigene Zahlungen. Wenig selbst wurde im Zusammenhang mit der Stalkingkampagne allerdings nicht strafrechtlich angeklagt.
Bereits 2024 hatte eBay wegen des Falls eine Strafzahlung von drei Millionen Dollar akzeptiert. Das Unternehmen bezeichnete das Verhalten seiner ehemaligen Mitarbeiter inzwischen als falsch und verwerflich.
Ein extremer Fall von Machtmissbrauch
Der Fall zeigt, wie weit Mitarbeiter eines Großkonzerns gingen, um kritische Berichterstattung zum Schweigen zu bringen. Aus der Verärgerung über einen Newsletter entwickelte sich eine organisierte Kampagne aus Überwachung, Drohungen und psychischer Einschüchterung.
Für Ina und David Steiner endet damit zwar der jahrelange Zivilprozess. Die
Folgen der Ereignisse begleiten das Ehepaar nach eigenen Angaben jedoch bis heute.
