Über eine erfundene Ballonfahrt und die Hochzeit mit seiner 13jährigen Cousine.
Heute vor 177 Jahren, am 7. Oktober 1849, starb Edgar Allan Poe. Seine Geschichten machten ihn zu einem Wegbereiter der Detektivliteratur und des psychologischen Horrors. Doch auch abseits seiner Bücher gibt sein Leben Anlass, genauer hinzusehen: Poe heiratete seine 13-jährige Cousine und brachte eine erfundene Ballonreise als Nachricht in die Zeitung.
Ein Schriftsteller, der vom Schreiben leben musste
Edgar Allan Poe wurde 1809 in Boston geboren. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs er bei der Familie Allan in Richmond auf, wurde jedoch nie offiziell adoptiert. Er studierte kurzzeitig, diente in der Armee und arbeitete später für Zeitschriften. Er schrieb Gedichte, Erzählungen und Literaturkritiken – und kämpfte trotz seiner wachsenden Bekanntheit immer wieder mit Geldproblemen.
Mit Geschichten wie Der Untergang des Hauses Usher, Das verräterische Herz und Die schwarze Katze zeigte Poe, dass Schrecken auch im Kopf entstehen kann: durch Schuld, Angst und eine Wahrnehmung, der man nicht mehr trauen kann. In Die Morde in der Rue Morgue ließ er den scharfsinnigen C. Auguste Dupin einen rätselhaften Fall lösen. Die Figur wurde zu einem Vorbild für spätere literarische Detektive. Das Gedicht Der Rabe machte Poe 1845 schließlich einem breiten Publikum bekannt.
Die Ehe mit seiner 13-jährigen Cousine
Ein Teil seiner Biografie lässt sich nicht vom Werk trennen und sollte auch nicht romantisiert werden: Am 16. Mai 1836 heiratete der 27-jährige Poe in Richmond seine Cousine Virginia Clemm. Sie war erst 13 Jahre alt. In einer Erklärung für die Eheschließung wurde ihr Alter mit 21 Jahren angegeben. Wie die Beziehung im Privaten aussah, lässt sich aus den erhaltenen Quellen nicht sicher rekonstruieren; das erhebliche Altersgefälle bleibt dennoch ein verstörender Fakt.
Virginia erkrankte später an Tuberkulose und starb 1847 im Alter von 24 Jahren. Ihr Tod traf Poe schwer. Zwei Jahre später starb auch er.
Eine Atlantiküberquerung, die nie stattfand
Poe verstand es nicht nur in seinen Gruselgeschichten, Wirklichkeit und Erfindung zu vermischen. Am 13. April 1844 veröffentlichte die New Yorker Zeitung The Sun einen von ihm verfassten Bericht über eine angeblich geglückte Atlantiküberquerung im Ballon. Das Luftfahrzeug Victoria habe die Strecke in nur 75 Stunden zurückgelegt. Die Meldung war frei erfunden.
Der später als The Balloon Hoax bekannte Text war als Nachricht aufgemacht und mit technischen Einzelheiten versehen. Gerade diese Genauigkeit machte die Geschichte glaubhaft. Poe nutzte die Form des Zeitungsberichts, um Leser für kurze Zeit eine unmögliche Sensation glauben zu lassen – ein Spiel mit Vertrauen und Täuschung, das zu seinen literarischen Interessen passte.
Vier ungeklärte Tage in Baltimore
Auch Poes letzte Tage sind nur lückenhaft dokumentiert. Ende September 1849 verließ er Richmond. Wo er sich danach mehrere Tage lang aufhielt, ist nicht belegt. Am 3. Oktober wurde er in Baltimore in verwirrtem Zustand gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb er vier Tage später, am 7. Oktober, mit nur 40 Jahren. Seine genaue Todesursache ist bis heute ungeklärt.
Poes Tod braucht keine erfundene Auflösung. Sein bleibender Einfluss liegt in den Geschichten, mit denen er Angst und Zweifel so präzise beschrieb, dass Leser ihnen bis heute folgen – selbst wenn sie längst wissen, dass der Autor ihnen nicht immer die Wahrheit erzählt.
