YouTuber soll wegen Pfefferspray-Attacke Millionen-Strafe zahlen

Der selbsternannte „First Amendment Auditor“ Richard Maza wurde verhaftet und sieht sich nun einer Klage wegen des Einsatzes von Pfefferspray gegenüber.

Richard Maza Reddit
Kämpfen für die "Freiheit der Presse"... | © _MambaForever Reddit

In Südkalifornien wurde Richard Maza verhaftet, weil er auf dem Parkplatz eines Costco-Supermarkts in Mountain View einen Mann mit Pfefferspray besprüht hatte, um online Klicks zu generieren. Das Opfer bereitet sich nun auf eine Klage vor, in der es um mehr als eine Million Dollar gehen könnte.

"First Amendment"

Richard Maza ist ein 51-jähriger YouTuber mit dem Kanal „Freedom of the Press“. Auf diesem filmt und provoziert er regelmäßig Menschen im öffentlichen Raum und setzt in vielen Videos Pfefferspray ein. Er gehört zu einer Gruppe, die sich selbst „First Amendment Auditors“ nennt und deren Inhalte ausschließlich aus dem Filmen von Menschen im öffentlichen Raum und dem Hochladen des Materials auf YouTube bestehen.


Das First Amendment (Erster Zusatzartikel) der US-Verfassung schützt fundamental die Meinungs-, Presse-, Religions-, Versammlungs- und Petitionsfreiheit.

Das First Amendment erlaubt grundsätzlich Filmaufnahmen an öffentlichen Orten, an denen kein berechtigter Anspruch auf Privatsphäre besteht. Diese selbsternannten „Auditoren“ missbrauchen dieses Recht, um Menschen zu belästigen und Reaktionen zu provozieren und so Klicks und Content zu generieren.

Der Pfefferspray-Vorfall

Am 28. März filmten Maza und seine Gruppe von „Auditoren“ (der YouTuber Richard Troyan, dessen Kanal „True North Transparency“ heißt, sowie Conrad Rankin und sein Sohn Nick Rankin, die iiMPACT MEDIA betreiben) vor dem Costco in Mountain View wie gewohnt Passanten und produzierten ihre Inhalte. Da sie sich unverschämt verhielten, Leute belästigten und wahllos Kunden provozierten, gingen mehrere Anrufe bei der Polizei ein. Diese konnte jedoch aufgrund des Rechts auf Meinungs- und Pressefreiheit – genau das, was Maza und seine Crew ausnutzen – nicht eingreifen.

Die Situation eskalierte jedoch, als die Gruppe einen Mann ansprach, der gerade seine Einkäufe einlud. Der Mann fragte, warum er gefilmt werde, woraufhin die selbsternannten „Auditoren“ ihn verspotteten und beleidigten. Laut Polizeibericht, der von Mountain View Voice wiedergegeben wurde, gab das Opfer an, er habe gezuckt, um die Belästiger zum Zurückweichen zu bewegen, was die Gruppe als Angriff wertete. Der Mann stieg daraufhin in sein Auto, als Maza seine Kamera durch das Fenster hielt. Das Opfer beschreibt im Bericht, wie er aus Angst gegen die Kamera schlug, woraufhin Maza Pfefferspray in das Fahrzeug und in das Gesicht des Mannes sprühte.


Maza behauptet natürlich, er habe in Notwehr gehandelt, da der Mann ihn angegriffen habe. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass die Konfrontation absichtlich herbeigeführt wurde. Im Polizeibericht heißt es, der YouTuber habe Menschen „absichtlich provoziert“, um viralen Content zu erstellen. Daher könne der Angriff nicht als Notwehr gerechtfertigt werden.

Der Polizist Andrew Wong von der Polizei Mountain View erklärte gegenüber Mountain View Voice, dass die Videos auf Mazas Kanal, die den Einsatz von Pfefferspray zeigten, deutlich mehr Aufrufe erzielten. Wong behauptet außerdem, das Verhalten der Gruppe, die sich erst lustig machte und dann nicht zurück trat, sei „nicht typisch für Opfer, die sich tatsächlich verteidigen“. In seinem Bericht schreibt der Beamte:

Maza und seine Gruppe filmten nicht einfach nur Leute; sie versuchten auch, sie durch persönliche Angriffe wütend zu machen. Offenbar waren sie so konfrontativ, um die Leute so wütend zu machen, dass diese die Gruppe angreifen.

Die Gruppe provozierte also absichtlich Menschen, damit diese sich zur Wehr setzen, um sie mit Pfefferspray besprühen zu können und anschließend Notwehr vorzutäuschen, nur um Content und Klicks zu generieren. Das ist Mazas übliche Masche – nur dass diesmal das Opfer seine Stimme erhob.

Das Opfer saß in seinem Fahrzeug fest und machte keinerlei Anstalten, auszusteigen. Hätte Maza sich tatsächlich bedroht gefühlt, hätte er einfach in jede beliebige Richtung weggehen können.

schrieb Wong.

Maza wurde wegen schwerer Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe und des gefährlichen Einsatzes von Tränengas angeklagt. Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs fanden Beamte drei Pfefferspraydosen. Nach seiner Anklageverlesung am 2. April wurde Maza ohne Kaution freigelassen, ihm wurde jedoch ein Mindestabstand von circa 50 Metern zum Costco in Mountain View auferlegt.

Die Klage

Der Mann, der mit Pfefferspray angegriffen wurde, lehnte zunächst eine ärztliche Behandlung ab, litt aber später unter ernsthaften Symptomen wie einer schweren Sehbeeinträchtigung, die möglicherweise dauerhaft sein wird.

Der Anwalt Andrew Watters vertritt das Opfer und plant, gegen Maza Klage einzureichen. Es wird erwartet, dass diese Klage einen Schadensersatz von über einer Million Dollar fordern wird. Der Anwalt möchte wegen "Racketeering" und Körperverletzung klagen und erklärt, sein Mandant könne möglicherweise nicht mehr arbeiten, sollte sich seine Sehbehinderung als dauerhaft erweisen.

Die nächste Anhörung in diesem Fall ist für den 19. Mai vor dem Superior Court des Santa Clara County angesetzt.

Nora Weirich

Schon als Kind hat Noras Vater ihre Begeisterung für Videospiele und alles was damit zu tun hat geweckt. Dazu kommt eine viel zu hohe Bildschirmzeit, weshalb sie so gut wie alles mitbekommt, was online so passiert und eine Vorliebe für das Schreiben, die sie durch ihr Philosophiestudium entdeckt hat. So kann sie all ihre Leidenschaften bei Earlygame verwirklichen....