Erst zwei Tage nach ihrem Tod entdeckt: Zum Ableben von Dragqueen THE Vivienne

Ihr Tod mag nun ein Jahr her sein, doch ihre Präsenz ist weiterhin spürbar.

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Ein Leben gegen Stigmatisierung und Vorurteile. | © BBC

Heute, am 3. Januar, erinnern wir an The Vivienne – eine Künstlerin, die weit mehr war als eine Dragqueen. Sie war Entertainerin, Vorreiterin, Aktivistin und für viele Menschen ein Symbol dafür, wie kraftvoll Sichtbarkeit sein kann. Ihr früher Tod hat eine Lücke hinterlassen, die in der queeren Community und darüber hinaus bis heute spürbar ist.

Ein Leben zwischen Glamour und Ehrlichkeit

Geboren als James Lee Williams in Wales, fand The Vivienne früh zur Kunstform Drag. Inspiriert von britischem Humor, Popkultur und starken Frauenfiguren, entwickelte sie eine Bühnenpersona, die glamourös, scharfzüngig und zutiefst menschlich war. Hinter perfektem Make-up und pointierten One-Linern stand immer auch eine große Offenheit über eigene Kämpfe, Zweifel und Brüche – etwas, das sie für viele Fans besonders nahbar machte. Sie war nicht einfach Vivienne, sie war THE Vivienne.

Der große Durchbruch gelang ihr 2019 als erste Gewinnerin von RuPaul’s Drag Race UK. Ihr Sieg war nicht nur ein persönlicher Erfolg, sondern ein wichtiger Schritt für die britische Drag-Szene. Sie bewies, dass Drag im Mainstream bestehen kann, ohne an Schärfe, Intelligenz oder politischem Biss zu verlieren.

In den Jahren danach folgten Theaterrollen, Comedy-Auftritte und Fernsehformate wie Dancing on Ice, in denen sie erneut Grenzen verschob – nicht laut, sondern selbstbewusst und selbstverständlich.

Kampf gegen Vorurteile und Stigmatisierung

The Vivienne nutzte ihre Bekanntheit gezielt, um über Themen zu sprechen, die oft verdrängt werden: HIV-Stigmatisierung, mentale Gesundheit, Sucht und queere Lebensrealitäten. Als offen HIV-positive Person trat sie Aufklärungskampagnen entgegen und machte deutlich, dass ein erfülltes, erfolgreiches Leben mit HIV möglich ist.

Gerade diese Mischung aus Glamour und politischer Klarheit machte sie so bedeutend. Sie sprach nicht über Menschen, sondern mit ihnen – respektvoll, direkt und ohne Belehrung.

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The Vivienne war keine Rolle, sondern eine Persona, die Rollen spielte. | © The Vivienne / Instagram

Vivienne wird zwei Tage nach ihrem Tod erst gefunden

Entsprechend bestürzt zeigte sich die Szene, aber auch die Gesellschaft an sich, als die Familie den Tod der Dragqueen am 5. Januar 2025 verkündete. Laut ihren Angaben, sei Vivienne bereits zwei Tage zuvor verstorben, doch erst an diesem Tag aufgefunden worden – zwar wollte man keine genaueren Details zum Ableben der Künstlerin veröffentlichen, stellte allerdings klar, dass es sich um einen selbstverschuldeten Unfall gehandelt habe, der im Zusammenhang mit Viviennes Drogenkonsum stand.

Schon zuvor hatten Freunde und Kollegen davon gesprochen, dass Vivienne all ihre Stärke aufbrachte, um anderen unterdrückten Menschen zu helfen und dabei nur zu häufig über ihre eigene Zerrissenheit und ihre Probleme hinwegsah.

Nachhall des personifizierten Glamours

Der Tod von The Vivienne hat viele schockiert, doch ihr Vermächtnis lebt weiter: in einer selbstbewussteren Drag-Generation, in mehr queerer Präsenz in den Medien und in dem Mut, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn es unbequem ist.

Am heutigen Tag geht es nicht nur um Trauer, sondern auch um Dankbarkeit. Dankbarkeit für eine Künstlerin, die gelacht, provoziert, aufgeklärt und berührt hat – und die gezeigt hat, dass Drag nicht nur Unterhaltung ist, sondern Haltung.

The Vivienne hat die Bühne verlassen. Ihre Wirkung aber bleibt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....