Alle kennen Thelma & Louise oder die Piratenbraut – nur wenige wissen, dass sie auch olympiareife Bogenschützen ist.
Geena Davis: Sieben Jahrzehnte Leben, davon viele Jahre im Rampenlicht – und doch ist sie weit mehr als ein Hollywoodstar. Sie steht für eine seltene Verbindung aus Talent, Intelligenz, Beharrlichkeit und gesellschaftlicher Wirkungskraft.
Von der Liebe zur Sprache zum Spiel
Geboren 1956 in Wareham, Massachusetts, wächst Davis mit einer Leidenschaft für Musik und Sprache auf, bevor sie zur Schauspielerei findet. Nach ihrem Studium am Boston University College of Fine Arts beginnt ihre Filmkarriere zunächst leise, doch der Durchbruch lässt nicht lange auf sich warten.
Mit Filmen wie Tootsie und Die Reisen des Mr. Leary etabliert sie sich in den 1980er-Jahren als präzise Beobachterin menschlicher Unsicherheiten – warm, witzig und zugleich verletzlich. Für Die Reisen des Mr. Leary erhält sie 1989 den Oscar als beste Nebendarstellerin.
In den 1990er-Jahren wird Geena Davis zu einer Ikone. Rollen wie die von Thelma in Thelma & Louise, die Piratin Morgan Adams in Die Piratenbraut oder die Baseballspielerin Dottie Hinson in Eine Klasse für sich zeigen Frauen, die handeln, zweifeln, scheitern und gewinnen – nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Besonders Thelma & Louise wird zu einem kulturellen Wendepunkt: Der Film verändert nachhaltig, wie weibliche Figuren im Kino gedacht und erzählt werden können.
Gegen die Unterdrückung der Frau im Film
Doch Davises Einfluss reicht weit über die Leinwand hinaus. Aus der Erkenntnis heraus, dass Frauen und Mädchen in Film und Fernsehen systematisch unterrepräsentiert und stereotyp dargestellt werden, gründet sie 2004 das Geena Davis Institute on Gender in Media.
Mit wissenschaftlicher Präzision und politischer Konsequenz setzt sie sich seither für Geschlechtergerechtigkeit, Diversität und faire Repräsentation in den Medien ein. Ihr Ansatz ist dabei nicht anklagend, sondern faktenbasiert – und gerade deshalb wirkungsvoll. Für dieses Engagement wird sie international ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jean Hersholt Humanitarian Award der Academy.
Höhen, Tiefen und Bögen
Auch jenseits von Hollywood-Konventionen bleibt Geena Davis außergewöhnlich. Weniger bekannt, aber bezeichnend für ihre Persönlichkeit: In ihren Vierzigern wird sie Teil der US-amerikanischen Bogenschieß-Nationalmannschaft und qualifiziert sich beinahe für die Olympischen Spiele. Ehrgeiz, Neugier und Disziplin prägen ihr Leben ebenso wie künstlerische Sensibilität.
Natürlich blieb auch ihre Karriere nicht frei von Brüchen. Nach großen Erfolgen folgten Phasen geringerer Sichtbarkeit, kommerzielle Misserfolge und ein Hollywood, das älter werdenden Schauspielerinnen lange wenig Raum ließ. Doch Davis hat diese Zurückweisungen nie als persönliches Scheitern begriffen, sondern als strukturelles Problem – eines, dem sie aktiv entgegentreten wollte.
Mit 70 Jahren ist Geena Davis heute eine Stimme von Gewicht: als Schauspielerin, Produzentin, Aktivistin und Vorbild. Sie hat nicht nur Figuren gespielt, die Mut machen, sondern reale Veränderungen angestoßen, die weit über das Kino hinausreichen. Ihr Vermächtnis besteht nicht allein aus Filmen, sondern aus Möglichkeiten, die sie für kommende Generationen geöffnet hat.