Im Gespräch mit Putin, Trump und Marlon Brando: Zum Geburtstag von Larry King

Über einen, der mit den Mächtigen sprach, aber sich nicht für ihre Macht, sondern den Mensch dahinter interessierte.

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Als King mit Putin sprach, stellte er dem Menschen, nicht dem Politiker Fragen. | © Wikipedia

Heute jährt sich der Todestag von Larry King zum fünften Mal. Kaum ein Journalist hat das Fernsehinterview so nachhaltig geprägt wie er. Mit Hosenträgern, ruhiger Stimme und einer fast altmodischen Höflichkeit wurde King zu einer Institution des amerikanischen Journalismus – und zu einem Chronisten der Macht, der Prominenz und der Widersprüche seiner Zeit.

Ein Leben für das Gespräch

Larry King wurde 1933 in Brooklyn, New York, als Lawrence Zeiger geboren. Seine Karriere begann im Radio, wo er früh lernte, dass Zuhören oft wichtiger ist als Reden. Diese Haltung sollte sein Markenzeichen werden. Als er 1985 mit Larry King Live bei CNN startete, konnte niemand ahnen, dass daraus eine der langlebigsten Talkshows der Fernsehgeschichte entstehen würde.

Über mehr als 25 Jahre führte King Interviews mit Politikern, Schauspielern, Sportlern und Zeitzeugen – stets ohne Skript, ohne aggressive Zuspitzung, aber mit einer unerschütterlichen Neugier. Er verstand das Interview nicht als Tribunal, sondern als Bühne, auf der sich Menschen selbst entlarven konnten.

Interviews mit den Mächtigen

Besondere Aufmerksamkeit erlangten Kings Gespräche mit politischen Schwergewichten. Seine Interviews mit Donald Trump wirkten oft überraschend entspannt – und genau darin lag ihre Brisanz. King ließ Trump reden, widersprach selten frontal, stellte einfache Fragen. Das Ergebnis war ein ungeschönter Blick auf Trumps Selbstverständnis, lange bevor dieser Präsident wurde.

Ähnlich zurückhaltend, aber wirkungsvoll verliefen Kings Gespräche mit Wladimir Putin. King begegnete dem russischen Präsidenten ohne Pathos, stellte Fragen, die eher menschlich als geopolitisch wirkten. Gerade diese scheinbare Harmlosigkeit legte Machtmechanismen offen und machte das Interview international beachtet.

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King sprach mit Trump – wirkte aber ungewöhnlich unkritisch und ließ Trump mehr sagen, als dieser wohl wollte. | © Larry King / YouTube

Das einzigartige Gespräch mit Marlon Brando

Einen besonderen Platz in Kings Karriere nimmt das Interview mit Marlon Brando ein – einem Mann, der Interviews eigentlich verachtete. Brando, bekannt für seine Abneigung gegen Medienrummel, fand in King einen Gesprächspartner, der nicht dominierte.

Das Interview wurde legendär, weil es weniger einem klassischen Fernsehauftritt glich als einem intimen Dialog. Brando sprach über Einsamkeit, Hollywood, Politik und Schuld – Themen, die er sonst mied. Kings Zurückhaltung machte dieses Gespräch möglich und gilt bis heute als Musterbeispiel journalistischer Gesprächsführung.

Stil statt Sensation

In einer Medienwelt, die zunehmend von Zuspitzung und Konfrontation lebt, wirkte Larry King fast aus der Zeit gefallen. Keine Einspielfilme, keine Unterbrechungen, keine „Gotcha“-Momente. Seine Macht lag im Schweigen, im Nachfragen, im Raumlassen.

King selbst sagte einmal, er habe nie jemanden "besiegen" wollen – nur verstehen. Diese Haltung machte ihn angreifbar, aber auch vertrauenswürdig. Gäste wussten: Bei Larry King durften sie reden.

Larry King starb am 23. Januar 2021 im Alter von 87 Jahren. Sein Tod markierte das Ende einer Ära, in der Interviews noch Zeit hatten. Doch sein Einfluss wirkt fort – in Podcasts, Langform-Gesprächen und Formaten, die wieder auf Tiefe statt Tempo setzen.

An seinem Todestag erinnern wir uns an einen Journalisten, der bewies, dass echte Neugier revolutionär sein kann. Larry King hat nicht laut gefragt – aber so, dass man zuhören musste.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....