Jonathan Majors wird 37: Wie der Hoffnungsträger mit Clownsnase Marvel ins Chaos stürzte

Mit ihm sollte Kang der Eroberer der neue Thanos des MCU werden – dann kam alles anders.

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Wenn Taten endlich Konsequenzen haben. | © Warner

Jonathan Majors feiert am heutigen 7. September 2026 seinen 37. Geburtstag. Noch vor wenigen Jahren galt der US-Amerikaner als einer der spannendsten Schauspieler seiner Generation und als kommendes Zentrum des Marvel Cinematic Universe. Dann wurde er wegen eines Angriffs auf seine damalige Partnerin verurteilt. Marvel trennte sich von ihm – und aus einer nahezu beispiellosen Aufstiegsgeschichte wurde ein ebenso öffentliches Beispiel dafür, dass Talent keine Konsequenzen außer Kraft setzt.

Majors wurde am 7. September 1989 im kalifornischen Lompoc geboren. Sein Vater diente bei der US Air Force, seine Mutter ist Pastorin. Einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte er mit seiner Mutter, seiner älteren Schwester und seinem jüngeren Bruder in Texas. Sein Vater verschwand nach Majors’ eigener Schilderung für viele Jahre aus dem Leben der Familie, bevor beide später wieder Kontakt aufnahmen.

Die Jugend des späteren Schauspielers verlief schwierig. Majors sprach offen darüber, zeitweise in seinem Auto gelebt, nebenbei zwei Jobs ausgeübt und als Teenager wegen Ladendiebstahls Ärger mit dem Gesetz gehabt zu haben. Nach einer Suspendierung wegen einer Schlägerei fand er im Theater einen Ort, an dem er seine Energie und seine Erfahrungen in etwas Produktives verwandeln konnte.

Von der Schauspielschule zum gefeierten Charakterdarsteller

Majors studierte zunächst an der University of North Carolina School of the Arts und schloss anschließend die renommierte Yale School of Drama mit einem Master of Fine Arts ab. Bereits während seiner Ausbildung erhielt er eine Rolle in der Miniserie When We Rise. Darin spielte er den realen Bürgerrechtler Ken Jones, einen Schwarzen und homosexuellen Vietnam-Veteranen, den Majors zur Vorbereitung persönlich traf.

Sein Kinodebüt folgte 2017 mit dem Western Feinde – Hostiles. Nach Auftritten in White Boy Rick und Out of Blue – Tödliche Tiefe gelang ihm 2019 mit The Last Black Man in San Francisco der Durchbruch. Majors spielte Montgomery Allen nicht als klassischen Sidekick, sondern als stillen, sensiblen Künstler. Die Rolle brachte ihm eine Nominierung bei den Independent Spirit Awards ein und machte Hollywood auf seine ungewöhnliche Mischung aus körperlicher Präsenz und Verletzlichkeit aufmerksam.

2020 folgten zwei entscheidende Projekte. In Spike Lees Da 5 Bloods stand Majors neben Chadwick Boseman und Delroy Lindo vor der Kamera. In der HBO-Serie Lovecraft Country spielte er Atticus Freeman, der sich im Amerika der 1950er-Jahre nicht nur mit übernatürlichen Monstern, sondern auch mit rassistischer Gewalt auseinandersetzen muss. Für seine Leistung erhielt Majors eine Emmy-Nominierung.

Mit dem Western The Harder They Fall, dem Kriegsdrama Devotion – Die Flügelmänner und schließlich Creed III – Rocky’s Legacy stieg Majors endgültig in die erste Reihe Hollywoods auf. Besonders als Damian Anderson in Creed III – Rocky’s Legacy funktionierte er als Gegenspieler, weil er Wut, Charisma und eine fast kindliche Verletztheit gleichzeitig vermitteln konnte.

Warum Jonathan Majors eine rote Clownsnase bei sich trug

Zu Majors’ auffälligsten persönlichen Gegenständen gehörte lange eine kleine rote Clownsnase, die er auf Reisen in seiner Tasche trug und bei Interviews gelegentlich hervorholte. Sie stammte aus seiner Zeit in Yale und war kein gewöhnliches Souvenir.

Im zweiten Ausbildungsjahr belegten die Schauspielstudierenden dort einen Clown-Kurs. Dabei ging es nicht einfach darum, albern zu sein. Die Übungen sollten den Darstellenden helfen, Kontrolle und Eitelkeit abzulegen, körperlicher zu spielen und sich ohne Schutz vor einem Publikum zu zeigen. Die rote Nase musste man sich nach Majors’ Erzählung verdienen. Einer seiner Lehrer und engen Wegbegleiter überreichte sie ihm schließlich als Zeichen dafür, dass er bereit für die Welt außerhalb der Schauspielschule sei.

Für Majors wurde die Nase damit zu einer Erinnerung an Offenheit, Spielfreude und Verletzlichkeit. Rückblickend wirkt dieses Symbol beinahe tragisch: Ein Gegenstand, der für das Ablegen von Masken stand, gehörte ausgerechnet zu einem Schauspieler, dessen öffentliche Selbstdarstellung später immer stärker von Widersprüchen geprägt war.

Politische Rollen und soziales Engagement

Majors’ Karriere war früh mit Stoffen verbunden, die sich mit Schwarzer Geschichte, Rassismus und Bürgerrechten beschäftigten. Das gilt für When We Rise ebenso wie für Da 5 Bloods und Lovecraft Country. Während der Proteste gegen Polizeigewalt im Jahr 2020 verstand er die letztgenannte Serie nach eigener Aussage als Teil des damaligen gesellschaftlichen Konflikts und nahm selbst an Demonstrationen teil.

Seine politischen Positionen trug Majors allerdings nie in Form eines dauerhaft sichtbaren parteipolitischen Aktivismus nach außen. Sein öffentlicher Beitrag bestand vor allem in der Wahl seiner Rollen, in Gesprächen über Schwarze Identität und Männlichkeit sowie in einzelnen konkreten Gesten. Beim Sundance Film Festival 2023 setzte er sich beispielsweise dafür ein, dass ein Schwarzer queerer Reporter auf dem roten Teppich nicht übergangen wurde.

Nach seiner Verurteilung verlagerte sich sein öffentliches Engagement stärker auf mentale Gesundheit, Heilung und Gemeinschaft. Gemeinsam mit seiner heutigen Ehefrau Meagan Good rief er 2025 Honor Culture ins Leben, eine Wellness-Initiative, die körperliches Training mit psychischer Gesundheit und gemeinschaftlicher Unterstützung verbinden soll. Zudem beteiligte er sich an Wounds to Wisdom, einem Projekt über die psychische Gesundheit Schwarzer Männer. Der dazugehörige Kurzfilm wurde 2026 beim Martha’s Vineyard African American Film Festival vorgestellt.

Im Januar 2026 erhielten Majors und Good nach einem Abstammungstest die guineische Staatsbürgerschaft. Beide erklärten, damit eine Brücke zwischen der afrikanischen Diaspora und Guinea schlagen zu wollen. Im Sommer sprachen sie außerdem über eine Initiative zur Förderung aufstrebender afrikanischer Filmschaffender.

Diese Projekte können gesellschaftlich wertvoll sein. Sie ersetzen jedoch keine persönliche Verantwortung. Gerade Begriffe wie Heilung und Verantwortungsübernahme dürfen nicht dazu dienen, eine verurteilte Person zum Mittelpunkt einer Geschichte zu machen, in der die Folgen für das Opfer an den Rand gedrängt werden.

Marvel plante seine Zukunft um Kang herum

Majors’ größter Karriereschritt begann 2021 mit Loki. Im Finale der ersten Staffel trat er als Jener, der bleibt auf, einer Variante des Marvel-Schurken Kang. In Ant-Man and the Wasp: Quantumania übernahm er 2023 die Rolle des Kang der Eroberer. Weitere Varianten folgten in der zweiten Staffel von Loki.

Marvel hatte große Pläne mit ihm. Kang sollte nach Thanos zum zentralen Gegenspieler einer ganzen MCU-Phase werden. Der damals angekündigte Film Avengers: The Kang Dynasty trug die Figur sogar im Titel. Majors stand damit kurz davor, über Jahre hinweg in einigen der größten Kinoproduktionen der Welt aufzutreten.

Die Verurteilung und das berechtigte Ende seiner Marvel-Karriere

Am 25. März 2023 wurde Majors nach einer Auseinandersetzung mit seiner damaligen Partnerin Grace Jabbari in New York festgenommen. Im anschließenden Prozess schilderte Jabbari eine von Kontrolle, Angst und Wutausbrüchen geprägte Beziehung. Die Staatsanwaltschaft legte unter anderem Nachrichten vor, in denen Majors sie nach einer früheren Kopfverletzung davon abzuhalten versuchte, ein Krankenhaus aufzusuchen, weil dort Fragen gestellt und Ermittlungen ausgelöst werden könnten.

Am 18. Dezember 2023 befand eine Jury Majors der fahrlässigen Körperverletzung dritten Grades und der Belästigung zweiten Grades für schuldig. Von zwei weiteren Vorwürfen – vorsätzlicher Körperverletzung und schwerer Belästigung – wurde er freigesprochen. Im April 2024 verurteilte ihn das Gericht zu einem 52-wöchigen, persönlich zu absolvierenden Interventionsprogramm gegen häusliche Gewalt, zur Fortsetzung seiner psychologischen Beratung und zu einem Kontaktverbot gegenüber Jabbari. Eine Haftstrafe erhielt er als Ersttäter nicht.

Noch am Tag des Schuldspruchs beendeten Marvel und Disney die Zusammenarbeit mit Majors. Diese Entscheidung war nicht übereilt und nicht ungerecht. Ein Studio ist nicht verpflichtet, das Gesicht eines Milliarden-Franchise weiterzubeschäftigen, nachdem dieses rechtskräftig wegen eines gewalttätigen Übergriffs und Belästigung verurteilt wurde. Marvel setzte eine notwendige Grenze – gegenüber Majors, gegenüber dem Publikum und vor allem mit Blick auf Betroffene häuslicher Gewalt.

Majors beteuerte auch nach dem Urteil, er habe Jabbari niemals körperlich verletzt. Diese Darstellung wurde 2025 durch eine veröffentlichte Audioaufnahme zusätzlich erschüttert. In dem mutmaßlich aus dem Jahr 2022 stammenden Gespräch konfrontiert Jabbari ihn damit, sie gewürgt und gegen ein Auto gedrückt zu haben. Die Majors zugeschriebene Stimme bestätigt darin, ihr gegenüber körperlich aggressiv geworden zu sein. Seine Vertreter äußerten sich damals nicht zu der Aufnahme.

Auch weitere berufliche Folgen blieben nicht aus. Seine Agentur und seine PR-Firma trennten sich von ihm, mehrere Projekte wurden gestrichen oder neu besetzt. Das bereits 2023 beim Sundance Film Festival gefeierte Drama Magazine Dreams verschwand zunächst aus dem Veröffentlichungskalender von Searchlight und kam erst im März 2025 über einen anderen Verleih in die Kinos. Der angekündigte Kang-Film wurde später zu Avengers: Doomsday umgebaut; Doctor Doom ersetzte Kang als zentrale Bedrohung.

Ein Comeback mit offenen Fragen

Vollständig beendet ist Majors’ Karriere nicht. Neben der verspäteten Veröffentlichung von Magazine Dreams übernahm er neue Rollen in kleineren Produktionen. Zu seinen Projekten zählen der angekündigte Actionfilm True Threat und Run Hide Fight: Infidels. Von der Position, die er Anfang 2023 in Hollywood innehatte, ist er dennoch weit entfernt.

Majors spricht inzwischen häufig über Glauben, Therapie, Heilung und den Wiederaufbau seines Lebens. Das kann Teil echter Veränderung sein. Glaubwürdig wird eine solche Entwicklung aber nicht durch Preise für Durchhaltevermögen, emotionale Interviews oder eine sorgfältig inszenierte Comeback-Erzählung. Sie zeigt sich durch langfristiges Verhalten, klare Verantwortungsübernahme und dadurch, dass nicht der eigene Karriereverlust als größte Tragödie dargestellt wird.

Jonathan Majors bleibt ein außergewöhnlich begabter Schauspieler. Seine vielversprechende Marvel-Karriere verlor er trotzdem zu Recht. Der Fall zeigt, dass künstlerisches Talent Erklärung für Erfolg sein kann, aber niemals Entschuldigung für Gewalt. An seinem 37. Geburtstag ist seine Geschichte deshalb keine klassische Erzählung vom gefallenen Star, der nur auf eine zweite Chance wartet. Sie ist vor allem eine Erinnerung daran, dass eine zweite Chance verdient werden muss – und dass Verantwortung mehr verlangt als eine neue Rolle.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....