"Mein Sohn fragte mich, warum ich so viele Menschen getötet habe": Lee Byung-hun wird 56

Wenn die eigenen, mörderischen Rollen zuhause am Esstisch erklärt werden müssen...

Lee Byung hun 01 Plaion Pictures
Wir kennen ihn als Aufseher der Suid Games – dabei glänzt der Schauspieler mit größerem Facettenreichtum. | © Plaion Pictures

Heute feiert Lee Byung-hun seinen 56. Geburtstag. Für viele internationale Serienfans ist er vor allem der eiskalte Frontmann aus Squid Game. Doch wer Lee Byung-hun nur auf diese Rolle reduziert, übersieht eine Karriere, die das koreanische Kino, das Fernsehen und Hollywood seit Jahrzehnten prägt.

Lee Byung-hun wurde am 12. Juli 1970 in Seoul, Südkorea, geboren. Bevor er zu einem der bekanntesten Schauspieler seines Landes wurde, studierte er Französische Literatur an der Hanyang University und später Theater und Film an der Chung-Ang University. Seine Schauspielkarriere begann Anfang der 1990er-Jahre im Fernsehen, doch schon bald wurde klar, dass Lee nicht nur ein klassischer TV-Star werden würde.

Vom koreanischen Fernsehen zum internationalen Kino

Seinen großen Durchbruch feierte Lee Byung-hun im Jahr 2000 mit Park Chan-wooks Joint Security Area. Der Film wurde zu einem wichtigen Werk des modernen südkoreanischen Kinos und machte Lee auch außerhalb klassischer Serienrollen sichtbar.

Danach folgten Filme, die heute fest mit seiner Karriere verbunden sind. In A Bittersweet Life zeigte er eine kühle, kontrollierte und zugleich verletzliche Seite. In The Good, the Bad, the Weird bewies er, dass er auch stilisierten Action-Wahnsinn tragen kann. Und mit I Saw the Devil wurde endgültig klar, dass Lee Byung-hun Rollen spielen kann, die moralisch unbequem, intensiv und psychologisch extrem fordernd sind.

Genau diese Vielseitigkeit wurde zu seinem Markenzeichen. Lee konnte romantisch sein, brutal, elegant, tragisch, bedrohlich oder komplett gebrochen. Er war nie nur der Held. Oft waren seine stärksten Rollen genau die Figuren, bei denen man nicht sofort wusste, ob man ihnen vertrauen, sie fürchten oder bemitleiden sollte.

Der Sprung nach Hollywood

Auch international wurde Lee Byung-hun immer sichtbarer. Viele westliche Zuschauerinnen und Zuschauer sahen ihn erstmals als Storm Shadow in G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra und später in G.I. Joe – Die Abrechnung. Es folgten Rollen in Terminator: Genisys und Die glorreichen Sieben.

Diese Hollywood-Auftritte waren nicht immer seine tiefsten oder komplexesten Rollen, aber sie waren wichtig. Lee Byung-hun gehörte zu den koreanischen Schauspielern, die schon vor dem weltweiten K-Drama- und K-Cinema-Boom regelmäßig in internationalen Produktionen auftauchten. Er wurde zu einer Brücke zwischen koreanischem Star-Kino und westlichem Blockbuster-System.

Während viele internationale Karrieren koreanischer Schauspieler erst durch Streaming-Plattformen richtig Fahrt aufnahmen, hatte Lee diesen Weg schon früher begonnen. Er war längst ein global bekanntes Gesicht, bevor Squid Game endgültig die Welt eroberte.

Squid Game und die Rolle, die alles noch einmal veränderte

Mit Squid Game erreichte Lee Byung-hun eine neue Generation von Zuschauerinnen und Zuschauern. In der ersten Staffel war sein Auftritt als Frontmann noch mysteriös und vergleichsweise kurz. Doch gerade diese Maske, diese Stimme und diese kontrollierte Kälte machten die Figur sofort unvergesslich.

Später wurde seine Rolle deutlich größer. Aus dem anonymen Herrscher über die Spiele wurde Hwang In-ho, ein Mann mit Vergangenheit, Verlust und einer tiefen Verachtung für menschliche Hoffnung. Besonders spannend ist, dass Lee die Figur nicht einfach als klassischen Bösewicht spielt. Der Frontmann ist grausam, aber nicht leer. Hinter der Kontrolle liegt eine kaputte Weltanschauung. Hinter der Maske steckt jemand, der selbst einmal Teil des Systems war.

Diese Mischung macht seine Darstellung so stark. Lee Byung-hun spielt den Frontmann nicht laut. Er spielt ihn ruhig, fast regungslos. Gerade dadurch wirkt er so gefährlich. Während andere Figuren in Squid Game verzweifeln, schreien oder kämpfen, reicht bei ihm oft ein Blick, um zu zeigen, wer in diesem System die Macht hat.

Warum seine eigenen Kinder ihn plötzlich für böse hielten

So beeindruckend diese Rollen für Fans sind, so seltsam können sie natürlich zu Hause wirken. Lee Byung-hun ist Vater von zwei Kindern. Mit seiner Frau, der Schauspielerin Lee Min-jung, hat er einen Sohn, Joon-hoo, der 2015 geboren wurde, und eine Tochter, die Ende 2023 zur Welt kam.

Besonders süß wurde es, als Lee in einem Talkshow-Auftritt erzählte, wie sein Sohn auf seine Rollen reagierte. Eigentlich sollte ein Kind in diesem Alter Squid Game natürlich nicht schauen. Doch offenbar bekam sein Sohn durch Freunde in der Schule mit, was sein Vater in der Serie macht.

Die Reaktion war ziemlich direkt. Sein Sohn fragte ihn traurig, warum er so gemein sei. Als Lee wissen wollte, was er meinte, erklärte sein Sohn sinngemäß: Du hast so viele Menschen getötet.

Für Fans ist das natürlich eine lustige Anekdote. Für Lee Byung-hun zeigt sie aber auch, wie stark seine Rollen wirken. Auf der Leinwand und im Stream ist er der bedrohliche Frontmann, der über Leben und Tod entscheidet. Zu Hause ist er einfach Vater. Und genau dieser Kontrast macht die Geschichte so menschlich.

Noch absurder wurde es, weil sein Sohn auch seine Verbindung zu T.O.P kannte, der in Squid Game die Figur Thanos spielt. Dass sein eigener Vater auf der Leinwand so brutal mit dieser Figur umgeht, war für ihn offenbar schwer einzuordnen. Für Erwachsene ist das Schauspiel. Für ein Kind kann es erstmal so aussehen, als wäre Papa wirklich der Böse.

Familie, Privatsphäre und ein Leben abseits der Rollen

Lee Byung-hun und Lee Min-jung gehören zu den bekanntesten Schauspielpaaren Südkoreas. Die beiden heirateten 2013 und wurden zwei Jahre später Eltern ihres Sohnes. 2023 kam ihre Tochter zur Welt.

Trotz ihrer Bekanntheit halten beide ihr Familienleben vergleichsweise privat. Genau deshalb wirken die seltenen Einblicke oft besonders charmant. Sie zeigen einen Star, der international gefeiert wird, auf roten Teppichen steht und in düsteren Rollen glänzt, aber zu Hause mit denselben Dingen konfrontiert wird wie viele Eltern: Kinder nehmen Dinge manchmal sehr wörtlich.

Gerade bei einem Schauspieler wie Lee Byung-hun ist dieser Kontrast besonders groß. Er spielt Männer, die töten, manipulieren, kämpfen oder innerlich zerbrechen. Gleichzeitig ist er privat Ehemann und Vater. Dass sein Sohn seine Rollen mit der echten Person verwechselt hat, macht ihn nicht weniger beeindruckend. Es macht ihn eher greifbarer.

Mehr als nur der Frontmann

Auch wenn Squid Game für viele jüngere Fans der erste große Kontakt mit Lee Byung-hun war, ist sein Werk deutlich größer. In Masquerade spielte er eine Doppelrolle, die in Südkorea riesigen Erfolg hatte. In Inside Men zeigte er eine härtere, politischere Seite. In Mr. Sunshine kehrte er erfolgreich ins Serienformat zurück und bewies, dass er auch große historische Dramen tragen kann.

Später folgten weitere viel beachtete Projekte wie Concrete Utopia, in dem er erneut eine Figur spielte, die zwischen Führungsstärke, moralischem Abgrund und Überlebensinstinkt schwankt. Genau solche Rollen passen zu ihm: Menschen, die nicht einfach gut oder böse sind, sondern irgendwo dazwischen stehen.

Lee Byung-hun hat sich nie auf einen Figurentyp verlassen. Vielleicht ist das der Grund, warum seine Karriere so lange relevant geblieben ist. Er konnte romantischer Hauptdarsteller sein, Action-Star, Psychothriller-Gesicht, historischer Held, Hollywood-Ninja und Streaming-Bösewicht. Und trotzdem wirkt seine Filmografie nicht beliebig, sondern wie eine dauernde Suche nach neuen Seiten menschlicher Abgründe.

Auch abseits der Kamera engagiert

Lee Byung-hun ist außerdem immer wieder durch Spenden aufgefallen. An seinem Geburtstag 2021 spendete er eine große Summe an ein Kinderkrankenhaus in Seoul, um junge Patientinnen und Patienten sowie ihre Familien zu unterstützen. Auch für Kinder aus einkommensschwächeren Familien und für Betroffene von Waldbränden in Südkorea spendete er in der Vergangenheit.

Dieses Engagement passt zu einem Schauspieler, der öffentlich oft eher ruhig und kontrolliert wirkt. Lee Byung-hun inszeniert sich nicht permanent als nahbarer Star, aber seine sozialen Gesten zeigen, dass hinter der internationalen Karriere auch ein Bewusstsein für Verantwortung steht.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....