Über das Leben von einem, den seine Kollegen nicht nur wegen der Serie "Freund" nannten.
Matthew Perry wäre am heutigen 19. August 57 Jahre alt geworden. Für Millionen Menschen wird sein Name für immer mit Chandler Bing aus Friends verbunden bleiben. Hinter der schlagfertigen Serienfigur stand jedoch ein Mann, dessen Leben von enormem Erfolg, persönlichen Krisen, jahrzehntelangem Kampf gegen die Sucht und einem bemerkenswerten Engagement für andere Betroffene geprägt war. Und auch abseits Hollywoods hatte Perrys Biografie einige ungewöhnliche Kapitel zu bieten – vom hochklassigen Nachwuchstennis bis zu einer Prügelei mit einem späteren kanadischen Premierminister.
Zwischen den USA und Kanada aufgewachsen
Matthew Langford Perry wurde am 19. August 1969 in Williamstown im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Sein Vater John Bennett Perry arbeitete selbst als Schauspieler und Model, seine Mutter Suzanne Morrison als Journalistin. Nachdem sich seine Eltern trennten, als Matthew noch sehr jung war, wuchs er überwiegend bei seiner Mutter im kanadischen Ottawa auf.
Über sie kam Perry schon früh mit der kanadischen Politik in Berührung. Suzanne Morrison arbeitete zeitweise als Pressesprecherin des damaligen Premierministers Pierre Trudeau. Dessen Sohn Justin Trudeau ging wiederum auf dieselbe Schule wie Perry – eine Verbindung, aus der Jahre später eine der kuriosesten Geschichten seiner Biografie entstehen sollte.
Bevor die Schauspielerei sein Leben bestimmte, sah Perrys Zukunft allerdings zunächst ganz anders aus. Er war ein außergewöhnlich guter Tennisspieler und gehörte zeitweise zu den besten Nachwuchsspielern Kanadas. Im Einzel wurde er unter den Top 20 des Landes geführt, im Doppel sogar unter den Top 10.
Mit 15 Jahren zog Perry nach Los Angeles zu seinem Vater. Dort stellte er allerdings schnell fest, dass die Konkurrenz im Tennis wesentlich stärker war als zuvor in Kanada. Statt einer Karriere als Profisportler rückte zunehmend die Schauspielerei in den Mittelpunkt.
Der lange Weg zu Chandler Bing
Perry sammelte zunächst Erfahrungen in kleineren Fernsehrollen. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre folgten Auftritte in Serien wie Unser lautes Heim und Beverly Hills, 90210. Größere Rollen brachten ihn zunehmend in die Nähe des Durchbruchs, doch erst 1994 sollte sich sein Leben grundlegend verändern.
Perry wurde als Chandler Bing für die neue Sitcom Friends besetzt. Gemeinsam mit Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matt LeBlanc und David Schwimmer bildete er eines der bekanntesten Ensembles der Fernsehgeschichte.
Chandler wurde schnell zu einer der beliebtesten Figuren der Serie. Perrys trockenes Timing, seine schnellen Konter und der häufig selbstironische Humor prägten den Charakter entscheidend. Viele Dialoge wurden zudem bewusst auf seine Art zu sprechen und seinen Humor zugeschnitten.
Friends lief von 1994 bis 2004 über zehn Staffeln und machte seine sechs Hauptdarsteller zu internationalen Stars. Für Perry bedeutete die Serie finanziellen Erfolg und weltweite Bekanntheit. 2002 erhielt er für seine Darstellung des Chandler Bing eine Emmy-Nominierung als bester Hauptdarsteller einer Comedyserie.
Mehr als nur Friends
Obwohl Chandler Bing seine mit Abstand bekannteste Rolle blieb, arbeitete Perry parallel und nach dem Ende von Friends an zahlreichen weiteren Projekten.
1997 spielte er gemeinsam mit Salma Hayek in der romantischen Komödie Fools Rush In – Herz über Kopf. Es folgten unter anderem Fast Helden mit Chris Farley und Ein Date zu dritt mit Neve Campbell.
Einen seiner größten Kinoerfolge außerhalb von Friends feierte Perry im Jahr 2000 an der Seite von Bruce Willis in Keine halben Sachen. Vier Jahre später kehrten beide für Keine halben Sachen 2 – Jetzt erst recht! zurück.
2009 war Perry außerdem als erwachsene Version von Mike O'Donnell in 17 Again – Back to High School zu sehen, während Zac Efron die verjüngte Version der Figur spielte.
Auch dramatischere Rollen gehörten zu seiner Karriere. Für seine Gastauftritte als Anwalt Joe Quincy in The West Wing – Im Zentrum der Macht erhielt Perry weitere Emmy-Nominierungen. Insgesamt kam er im Laufe seiner Karriere auf vier Nominierungen für einen Primetime Emmy.
Später übernahm er Hauptrollen in Serien wie Studio 60 on the Sunset Strip, Go On und The Odd Couple. 2021 stand er für Friends: The Reunion noch einmal gemeinsam mit seinen fünf ehemaligen Co-Stars vor der Kamera.
Der Erfolg hatte eine dunkle Seite
Während Perry auf dem Bildschirm einen der bekanntesten Comedycharaktere der 1990er-Jahre spielte, kämpfte er privat über Jahrzehnte mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.
Bereits als Jugendlicher hatte er regelmäßig Alkohol konsumiert. Nach einem Unfall mit einem Jetski im Jahr 1997 bekam Perry das Schmerzmittel Vicodin verschrieben und entwickelte eine schwere Abhängigkeit von Opioiden. Es folgten zahlreiche Entzüge, Klinikaufenthalte und Rückfälle.
Zeitweise nahm seine Abhängigkeit extreme Ausmaße an. Perry berichtete später offen darüber, dass er sich an mehrere Jahre seiner Arbeit an Friends kaum erinnern konnte. Seine körperlichen Veränderungen während der Serie – starke Gewichtsschwankungen eingeschlossen – standen teilweise unmittelbar mit seinem gesundheitlichen Zustand und seinen Suchtproblemen in Verbindung.
2018 schwebte Perry schließlich in akuter Lebensgefahr. Infolge jahrelangen Opioidmissbrauchs erlitt er einen Darmdurchbruch. Er lag zwei Wochen im Koma, verbrachte mehrere Monate im Krankenhaus und musste zeitweise mit einem künstlichen Darmausgang leben.
Statt diese Vergangenheit später zu verschweigen, machte Perry sie zu einem zentralen Teil seiner öffentlichen Arbeit. In seiner 2022 veröffentlichten Autobiografie beschrieb er seinen Kampf mit Alkohol, Medikamenten und der eigenen psychischen Verfassung außergewöhnlich offen.
Vom eigenen Kampf zum politischen Engagement
Perrys Engagement gegen Suchterkrankungen ging weit über Interviews über seine eigene Vergangenheit hinaus. Er versuchte zunehmend, seine Bekanntheit zu nutzen, um konkrete Veränderungen im Umgang mit Suchtkranken zu erreichen.
Dabei bewegte er sich sogar direkt auf politischer Ebene. Als prominenter Botschafter der National Association of Drug Court Professionals setzte er sich für sogenannte Drug Courts ein. Diese spezialisierten Gerichte sollen bei geeigneten Fällen Menschen mit Suchterkrankungen stärker in Therapie- und Rehabilitationsprogramme führen, anstatt ausschließlich auf klassische Haftstrafen zu setzen.
Perry sprach für dieses Anliegen unter anderem vor politischen Entscheidungsträgern in Washington und unterstützte die Finanzierung entsprechender Programme. 2013 besuchte er das Weiße Haus, um über eine Reform der amerikanischen Drogenpolitik und alternative Gerichtsprogramme zu sprechen.
Für dieses Engagement erhielt er im selben Jahr vom Office of National Drug Control Policy des Weißen Hauses den Champion of Recovery Award.
Parteipolitisch trat Perry dagegen kaum in Erscheinung. Sein politischer Einsatz konzentrierte sich vor allem auf ein Thema, das sein eigenes Leben geprägt hatte: Sucht als Krankheit zu behandeln und Betroffenen einen realistischen Weg zurück in ein stabiles Leben zu ermöglichen.
Perry House: Sein eigenes Zuhause wurde zur Einrichtung für Suchtkranke
Perry beließ es nicht bei öffentlichen Auftritten. Gemeinsam mit dem Suchtexperten Earl Hightower wandelte er sein damaliges Haus in Malibu in eine Einrichtung für Männer um, die nach einer Suchtbehandlung Unterstützung auf dem Weg zurück in den Alltag benötigten.
Das sogenannte Perry House sollte Betroffenen ein kontrolliertes, nüchternes Umfeld und Hilfe bei der langfristigen Stabilisierung bieten. Die Einrichtung bestand bis 2015, anschließend wurden die entsprechenden Angebote an einen anderen Standort verlagert.
Auch während der Corona-Pandemie verband Perry seine enorme Bekanntheit mit wohltätigen Aktionen. Unter anderem verkaufte er eine von Friends inspirierte Kleidungskollektion und ließ einen Teil der Einnahmen der COVID-19-Hilfe der Weltgesundheitsorganisation zugutekommen.
Immer wieder machte er deutlich, dass dieser Teil seines Lebens für ihn langfristig wichtiger war als seine Schauspielkarriere. Er wollte nicht ausschließlich als Chandler Bing in Erinnerung bleiben, sondern auch als jemand, der anderen Menschen beim Kampf gegen ihre Abhängigkeit geholfen hatte.
Matthew Perry verprügelte den späteren Premierminister Justin Trudeau
Eine besonders ungewöhnliche Verbindung zwischen Perrys Kindheit und der Politik wurde erst Jahrzehnte später öffentlich.
2017 erzählte Perry in einer Talkshow, dass er gemeinsam mit einem Freund während seiner Schulzeit ausgerechnet Justin Trudeau verprügelt habe – den Sohn des damaligen Premierministers Pierre Trudeau und später selbst Premierminister von Kanada.
Perry und Trudeau waren als Kinder gemeinsam in Ottawa zur Schule gegangen. Mit einem politischen Konflikt hatte die Prügelei allerdings nichts zu tun. Perry erklärte später, Trudeau sei ihnen sportlich überlegen gewesen und die Attacke sei aus Eifersucht entstanden. Er bezeichnete sein damaliges Verhalten selbst als dumm und machte deutlich, dass er keineswegs stolz darauf war.
Trudeau reagierte Jahre später mit Humor auf die Geschichte und forderte Perry öffentlich scherzhaft zu einer Revanche heraus. Perry lehnte ebenfalls scherzhaft ab – schließlich verfüge Trudeau inzwischen über eine ganze Armee.
Nach Perrys Tod erinnerte sich Trudeau wiederum öffentlich an seinen ehemaligen Schulkameraden und würdigte den Humor und die Freude, die Perry Menschen auf der ganzen Welt gebracht hatte.
Warum Matthew Perry ein Stück seines Fingers fehlte
Aufmerksamen Zuschauern von Friends dürfte zudem ein kleines körperliches Detail aufgefallen sein: An Perrys rechter Hand fehlte ein Teil seines Mittelfingers.
Die Ursache lag ebenfalls weit vor seiner Schauspielkarriere. Als Perry ungefähr drei Jahre alt war, geriet sein Finger bei einem Unfall in eine Tür beziehungsweise Autotür. Die Verletzung war so schwer, dass er einen Teil der Fingerspitze verlor.
Perry versuchte später nicht, das Merkmal vor der Kamera zu verstecken. Entsprechend lässt sich der verkürzte Finger in zahlreichen Szenen von Friends erkennen.
Sein Tod mit nur 54 Jahren
Am 28. Oktober 2023 wurde Matthew Perry im Alter von nur 54 Jahren leblos in seinem Haus in Los Angeles aufgefunden.
Die Gerichtsmedizin von Los Angeles stellte später als Todesursache die akuten Auswirkungen von Ketamin fest. Als weitere Faktoren wurden Ertrinken, eine koronare Herzkrankheit sowie die Wirkung von Buprenorphin genannt, einem Medikament, das unter anderem zur Behandlung einer Opioidabhängigkeit eingesetzt wird. Sein Tod wurde als Unfall eingestuft.
Die Nachricht löste weltweit große Anteilnahme aus. Besonders seine fünf ehemaligen Friends-Kollegen Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matt LeBlanc und David Schwimmer verabschiedeten sich öffentlich von einem Menschen, mit dem sie zehn Jahre lang gemeinsam eine der erfolgreichsten Serien ihrer Generation gedreht hatten.
Ein Vermächtnis weit über Chandler Bing hinaus
Kurz nach Perrys Tod wurde die Matthew Perry Foundation gegründet. Sie führt einen Teil jener Arbeit weiter, die Perry selbst begonnen hatte, und konzentriert sich auf Hilfe für Menschen mit Suchterkrankungen sowie darauf, die gesellschaftliche Stigmatisierung von Abhängigkeit zu reduzieren.
Auch 2026 wird dieses Vermächtnis weitergeführt. Im Juni wurden zahlreiche persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke aus Perrys Nachlass versteigert, darunter Material aus seiner Zeit bei Friends. Die Auktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der Matthew Perry Foundation und unterstützte deren Arbeit.
Matthew Perry wäre heute 57 Jahre alt geworden. Seine Karriere wird untrennbar mit Chandler Bing verbunden bleiben – mit Sarkasmus, perfektem Comedy-Timing und einer Figur, die Jahrzehnte nach ihrem ersten Auftritt noch immer neue Zuschauer findet.
Sein eigenes Leben war wesentlich komplizierter. Perry war Schauspieler, ehemaliger Tennisnachwuchsspieler, Suchtkranker, Aktivist für eine andere Drogenpolitik und Unterstützer von Menschen, die denselben Kampf führten wie er selbst. Er verprügelte als Kind einen zukünftigen Premierminister, verlor bei einem Unfall einen Teil seines Fingers und wurde später zu einem der bekanntesten Fernsehstars seiner Generation.
Gerade diese Widersprüche gehören zu Matthew Perrys Geschichte. Und an seinem Geburtstag erinnert sein Vermächtnis daran, dass hinter Chandler Bing ein Mensch stand, der am Ende vor allem dafür in Erinnerung bleiben wollte, anderen geholfen zu haben.
