Melissa McCarthy wird 56: Zwischen Polit-Comedy und einem Kostüm, damit sie hochschwanger tanzen gehen konnte

McCarthy scheute sich nie davor, sich lächerlich zu machen – doch gerade darin steckt ihre großartige Kunst.

Melissa Mc Carthy 01 Warner Bros
McCarthy hat aus dem Talent sich nicht selbst ernst zunehmen eine Karriere gemacht. | © Warner Bros.

Melissa McCarthy gehört seit Jahren zu den bekanntesten Comedy-Stars Hollywoods. Heute, am 26. August 2026, feiert die Schauspielerin, Komikerin, Drehbuchautorin und Produzentin ihren 56. Geburtstag. Hinter ihr liegt eine Karriere, die von kleinen Stand-up-Auftritten über Gilmore Girls bis zu Oscar-Nominierungen führte – und in der sie immer wieder bewies, dass sie sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt.

Von Illinois nach New York

Melissa Ann McCarthy wurde am 26. August 1970 in Plainfield im US-Bundesstaat Illinois geboren und wuchs auf einer Farm in einer großen Familie auf. Bevor Hollywood überhaupt ein Thema wurde, interessierte sie sich vor allem für Mode. Anfang der 1990er-Jahre zog sie nach New York und beschäftigte sich zunächst mit der Idee, Modedesignerin zu werden.

Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wagte sie sich auf die Bühne und probierte Stand-up-Comedy aus. Dabei zeigte sich früh eine Eigenschaft, die später zu einem Markenzeichen ihrer Karriere werden sollte: McCarthy hatte wenig Angst davor, sich optisch und körperlich komplett in eine Figur zu verwandeln.

In New York trat sie zeitweise sogar als Drag-Persona Miss Y auf. Mit großer Perücke, auffälligem Make-up, falschen Wimpern und extravaganten Outfits stand sie gemeinsam mit Freunden aus der New Yorker Drag-Szene auf der Bühne und besuchte unter anderem das legendäre Wigstock-Festival. McCarthy erklärte später, dass ihr diese Zeit viel Selbstvertrauen gegeben habe.

Nach ihrem Umzug nach Los Angeles schloss sie sich schließlich der bekannten Improvisations- und Comedygruppe The Groundlings an. Dort lernte sie auch Ben Falcone kennen, der später nicht nur ihr Ehemann, sondern auch einer ihrer wichtigsten kreativen Partner werden sollte.

Gilmore Girls bringt den Durchbruch

Im Jahr 2000 erhielt McCarthy schließlich die Rolle, mit der sie einem großen Fernsehpublikum bekannt wurde. In Gilmore Girls spielte sie Sookie St. James, die chaotische Köchin, beste Freundin von Lorelai Gilmore und spätere Mitinhaberin des Dragonfly Inn.

Sie blieb der Serie bis zu ihrem ursprünglichen Ende im Jahr 2007 erhalten und kehrte Jahre später auch für die Netflix-Fortsetzung Gilmore Girls: Ein neues Jahr zurück.

2005 heiratete McCarthy Ben Falcone. Zwei Jahre später kam die gemeinsame Tochter Vivian zur Welt. Die Schwangerschaft wurde damals sogar in die Handlung von Gilmore Girls integriert. 2010 folgte die zweite Tochter Georgette.

Nach Gilmore Girls war McCarthy unter anderem in Samantha Who? zu sehen. Den nächsten großen Karriereschritt machte sie ab 2010 mit der Sitcom Mike & Molly. Ihre Darstellung der Molly Flynn brachte ihr 2011 den Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie ein.

Brautalarm macht sie zum Kinostar

Im selben Jahr erschien der Film, der McCarthys Karriere endgültig veränderte. In Brautalarm spielte sie Megan, eine selbstbewusste und vollkommen unberechenbare Hochzeitsgästin, die sich schnell zu einer der auffälligsten Figuren des Films entwickelte.

McCarthy erhielt für ihre Performance eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin – eine außergewöhnliche Anerkennung für eine derart kompromisslos komödiantische Rolle.

Danach folgten zahlreiche große Hollywood-Komödien. In Voll abgezockt stand sie neben Jason Bateman vor der Kamera, in Taffe Mädels bildete sie mit Sandra Bullock ein chaotisches Ermittlerduo und in Spy – Susan Cooper Undercover verwandelte sie eine unscheinbare CIA-Mitarbeiterin in eine Actionheldin.

Hinzu kamen Filme wie Tammy – Voll abgefahren, The Boss, Ghostbusters und How to Party with Mom. Bei mehreren dieser Produktionen arbeitete sie gemeinsam mit Ben Falcone, mit dem sie auch die Produktionsfirma On the Day Productions gründete.

McCarthy kann nicht nur Comedy

Dass McCarthy deutlich mehr kann als körperbetonte Comedy, zeigte spätestens Can You Ever Forgive Me?. In dem 2018 veröffentlichten Drama verkörperte sie die reale Schriftstellerin Lee Israel, die damit begann, Briefe berühmter Persönlichkeiten zu fälschen und zu verkaufen.

Die wesentlich ruhigere und düsterere Rolle brachte McCarthy ihre zweite Oscar-Nominierung ein – diesmal als beste Hauptdarstellerin.

Später war sie unter anderem in der Miniserie Nine Perfect Strangers, dem Drama Der Vogel und der Netflix-Serie God's Favorite Idiot zu sehen. 2023 übernahm sie als Ursula eine der prominentesten Rollen in Disneys Realverfilmung von Arielle, die Meerjungfrau. 2024 folgten unter anderem Unfrosted und ein Gastauftritt in Only Murders in the Building.

Auch zuletzt blieb McCarthy äußerst aktiv. Im Dezember 2025 kehrte sie zum sechsten Mal als Gastgeberin zu Saturday Night Live zurück. 2026 übernahm sie zudem einen Gastauftritt in Law & Order: Special Victims Unit und stand für den Thriller Turpentine vor der Kamera.

Eine besonders ernste Rolle steht ebenfalls bevor: In der für Winter 2026 angekündigten Netflix-Miniserie The Murder of JonBenét Ramsey spielt McCarthy Patsy Ramsey, die Mutter der 1996 getöteten JonBenét Ramsey. Clive Owen verkörpert deren Vater John Ramsey.

Politische Satire mit großer Wirkung

Politisch tritt McCarthy nicht als klassische Aktivistin oder Wahlkämpferin auf. Ihre Haltung hat sie dennoch mehrfach deutlich gemacht. In einem Interview bezeichnete sie sich selbst politisch klar als links, betonte dabei aber gleichzeitig, sich nicht als Extremistin zu verstehen.

Besonders große Aufmerksamkeit erhielt ihr politischer Humor während der ersten Amtszeit von Donald Trump. 2017 verwandelte sie sich für Saturday Night Live mehrfach in dessen damaligen Pressesprecher Sean Spicer. Mit zurückgekämmten Haaren, aggressiven Pressekonferenzen und einem Rednerpult, das teilweise selbst zur Waffe wurde, entwickelte sich die Parodie innerhalb kürzester Zeit zum viralen Phänomen.

McCarthy äußerte sich darüber hinaus kritisch über die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung in den USA. Besonders Rassismus, Homophobie und die wachsende Feindseligkeit zwischen politischen Lagern beschäftigten sie. Dabei betonte sie wiederholt die Bedeutung von Empathie und persönlichem Austausch.

Engagement für Frauen, LGBTQ+-Personen und soziale Projekte

Auch gesellschaftlich nutzt McCarthy ihre Reichweite immer wieder für verschiedene Projekte. Gemeinsam mit Ben Falcone und HBO Max startete sie 2020 beispielsweise die Aktion 20 Days of Kindness. Über einen Zeitraum von 20 Tagen wurden täglich unterschiedliche Organisationen und soziale Projekte unterstützt.

Zu den im Rahmen der Initiative hervorgehobenen Organisationen gehörten unter anderem Planned Parenthood, The Trevor Project, Girls Who Code und World Central Kitchen. Nachdem sich herausstellte, dass zunächst auch eine Organisation ausgewählt worden war, deren Gründer mit queerfeindlichen und gegen Abtreibung gerichteten Positionen in Verbindung gebracht wurde, entschuldigte sich McCarthy öffentlich und ließ die Organisation aus der Kampagne entfernen.

2021 beteiligte sie sich außerdem an der von Meghan, Herzogin von Sussex, gestarteten 40x40-Initiative. Ziel der Aktion war es, Frauen nach den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie beim Wiedereinstieg in das Berufsleben zu unterstützen.

Ein weiteres Thema begleitet McCarthy bereits deutlich länger: der Umgang mit Körperbildern. Über Jahre sprach sie offen darüber, wie anders Frauen mit größeren Konfektionsgrößen von Hollywood, Medien und der Modeindustrie behandelt werden. 2015 brachte sie deshalb mit Melissa McCarthy Seven7 eine eigene Modelinie auf den Markt, die Kleidung in einem deutlich größeren Größenspektrum anbot als viele klassische Fashion-Marken.

McCarthy kritisierte insbesondere die Vorstellung, Frauen müssten ab einer bestimmten Kleidergröße versteckt, anders gekleidet oder in gesonderte Abteilungen abgeschoben werden. Auch ihre eigenen Erfahrungen mit Bodyshaming machte sie immer wieder öffentlich.

Hochschwanger, mit Perücke – und mitten auf der Tanzfläche

Dass Melissa McCarthy trotz ihrer Bekanntheit selbst eher ungern im Mittelpunkt steht, führt gelegentlich zu ziemlich absurden Situationen. Eine davon erzählte sie Jahre später in der US-Talkshow von Ellen DeGeneres.

Als sie mit ihrer ersten Tochter Vivian bereits im achten Monat schwanger war, wollte McCarthy offenbar einfach einmal unerkannt ausgehen und tanzen. Also setzte sie eine sehr glatte Perücke auf, veränderte ihren Look und ging so in einen Club.

Der Plan funktionierte zumindest in ihrer eigenen Wahrnehmung hervorragend. McCarthy erzählte, dass sie sich mitten auf die Tanzfläche stellte und so intensiv tanzte, wie sie nur konnte – schließlich war sie überzeugt, dass niemand wusste, wer sie war.

Mit einem acht Monate alten Babybauch, einer auffälligen Perücke und voller Energie mitten in einem Club zu stehen, dürfte vermutlich zu den passendsten Melissa-McCarthy-Geschichten überhaupt gehören.

Von Sookie St. James zur zweifachen Oscar-Nominierten

Heute blickt Melissa McCarthy auf eine Karriere zurück, die sich kaum auf ein Genre reduzieren lässt. Sie wurde mit Gilmore Girls zum Publikumsliebling, gewann mit Mike & Molly einen Emmy, wurde durch Brautalarm zum internationalen Kinostar und bewies mit Can You Ever Forgive Me?, dass sie auch dramatische Rollen tragen kann.

Dazu kommen ihre Arbeit als Produzentin und Autorin, ihre politische Satire, ihr Einsatz gegen Bodyshaming und für gesellschaftliche Projekte – und eine inzwischen mehr als drei Jahrzehnte dauernde Karriere, in der sie ihre Figuren fast nie halbherzig spielt.

Heute, am 26. August 2026, feiert Melissa McCarthy ihren 56. Geburtstag. Und mit mehreren neuen Projekten in Arbeit sieht es nicht danach aus, als würde es rund um die Schauspielerin in nächster Zeit ruhiger werden.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....