Mit eigenem Geld und fast dem Leben für die Liebe zum Rennsport zahlen: Zum Todestag von Niki Lauda

Lauda war kein einfacher Mensch, doch gerade deshalb auch ein begnadeter Rennsportler.

Niki Lauda 01 Wikipedia
Weder fehlendes Geld noch ein fehlendes Ohr konnten seine Liebe zum Rennsport schmälern. | © Wikipedia

Am 20. Mai jährt sich der Todestag von Niki Lauda. Der Österreicher war einer der größten Formel-1-Fahrer aller Zeiten, dreifacher Weltmeister, Unternehmer, TV-Experte und eine Persönlichkeit, die weit über den Motorsport hinaus Bedeutung bekam. Lauda war kein klassischer Held im romantischen Sinn. Er war kühl, direkt, analytisch, manchmal unbequem – und genau deshalb so faszinierend. Sein Leben war geprägt von Erfolg, Feuer, Schmerz, Comebacks und einem fast brutalen Willen zur Kontrolle.

Per Bankkredit in den Rennwagen

Andreas Nikolaus Lauda wurde am 22. Februar 1949 in Wien geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie, doch sein Wunsch, Rennfahrer zu werden, stieß zuhause auf wenig Begeisterung. Da sich sein eigener Großvater, der Aufsichtsratsvorsitzender einer Bank war, strikt gegen den Rennsport aussprach und eine Bankfinanzierung verhinderte, musste sich Lauda seinen Start über einen privaten Kredit bei einer anderen Bank in Höhe von zwei Millionen Schilling (ca. 145.000 Euro) erkaufen. Damit kaufte er sich in Cockpits ein und kämpfte sich als sogenannter "Pay Driver" mit einer Mischung aus Talent, Mut und Kalkül nach oben.

Anders als viele Fahrer seiner Zeit verkörperte er nicht den Draufgänger, der einfach auf Risiko fährt. Lauda war ein Denker im Rennwagen. Er analysierte Technik, Reifen, Benzinverbrauch, Strecke und Risiko. Sein Spitzname "Der Computer" kam nicht von ungefähr.

In die Formel 1 kam Lauda Anfang der 1970er-Jahre. Nach Stationen bei March und BRM wechselte er 1974 zu Ferrari. Dort begann sein Aufstieg zur Legende. 1975 wurde er erstmals Weltmeister. Lauda brachte Ferrari zurück an die Spitze und wurde zum Symbol einer neuen Art von Fahrer: weniger Show, mehr Präzision. Er war schnell, aber nicht blind. Er wusste, wann Angriff sinnvoll war – und wann Überleben wichtiger war als ein Pokal.

Der Unfall, der alles veränderte – nur nicht seinen Willen

Dann kam der 1. August 1976. Auf dem Nürburgring verunglückte Lauda schwer. Sein Ferrari prallte gegen eine Begrenzung, ging in Flammen auf, andere Fahrer zogen ihn aus dem brennenden Wrack. Lauda erlitt schwerste Verbrennungen, vor allem im Gesicht, dazu Lungenschäden durch giftige Dämpfe. Er lag im Krankenhaus, erhielt die letzte Ölung, kämpfte um sein Leben. Viele hätten nach so einem Unfall nie wieder ein Rennauto betreten.

Niki Lauda tat es nach nur 42 Tagen.

Dieses Comeback gehört zu den unglaublichsten Momenten der Sportgeschichte. Noch gezeichnet von den Verbrennungen, mit blutenden Wunden unter dem Helm, stieg er beim Großen Preis von Italien wieder ins Auto. Es war kein Hollywood-Moment mit perfektem Happy End, sondern etwas Härteres: reine Willenskraft. Lauda wollte nicht als Opfer definiert werden. Er wollte selbst entscheiden, wann seine Karriere vorbei ist.

Die Saison 1976 wurde zum Mythos, auch wegen seines Duells mit James Hunt. Hunt war der charismatische, wilde Brite; Lauda der kontrollierte, rationale Österreicher. Beim letzten Rennen der Saison in Japan regnete es extrem stark. Lauda stieg nach wenigen Runden aus. Für viele war das damals unverständlich, für ihn war es logisch: Das Risiko war zu hoch. Hunt wurde Weltmeister, Lauda verlor den Titel – aber gewann in gewisser Weise etwas Größeres. Er zeigte, dass Mut nicht bedeutet, jeden Preis zu zahlen. Manchmal ist Mut auch, Nein zu sagen.

Projekte abseits der Strecke und die Rückkehr

1977 wurde Lauda erneut Weltmeister mit Ferrari, verließ das Team aber noch im selben Jahr nach Spannungen. Später fuhr er für Brabham, trat 1979 zunächst zurück und widmete sich seiner Fluggesellschaft Lauda Air. Doch auch das war nicht das Ende. 1982 kehrte er in die Formel 1 zurück, diesmal mit McLaren. 1984 wurde er zum dritten Mal Weltmeister – mit nur einem halben Punkt Vorsprung vor seinem Teamkollegen Alain Prost. Es war der perfekte Beweis, dass Lauda nicht nur überlebt hatte. Er war noch immer einer der Besten.

Nach seiner aktiven Karriere blieb Lauda eine feste Größe im Motorsport. Er arbeitete als Berater, Teamchef, Funktionär und TV-Experte. Besonders bekannt wurde seine Rolle bei Mercedes, wo er als Aufsichtsratsvorsitzender des Formel-1-Teams entscheidend daran beteiligt war, Lewis Hamilton zu Mercedes zu holen. Diese Entscheidung prägte eine ganze Ära der Formel 1. Lauda hatte ein außergewöhnliches Gespür für Fahrer, Teams und Machtverhältnisse. Er redete nicht schön, er redete klar. Genau das machte ihn so wertvoll.

Auch als Unternehmer war Lauda bemerkenswert. Mit Lauda Air, später Niki und weiteren Luftfahrtprojekten baute er sich ein zweites Leben neben dem Rennsport auf. Die Luftfahrt war für ihn nicht bloß ein Investment, sondern eine echte Leidenschaft. Besonders schwer traf ihn 1991 der Absturz einer Lauda-Air-Maschine in Thailand, bei dem 223 Menschen starben. Lauda reiste selbst zum Unglücksort, kämpfte um Aufklärung und stellte sich der Öffentlichkeit. Auch hier zeigte sich sein Charakter: keine Flucht vor Verantwortung, keine PR-Phrasen, sondern direkte Konfrontation mit der Realität.

Ein Leben für den Rennsport

Zu den Besonderheiten seiner Person gehörte seine radikale Ehrlichkeit. Lauda sagte, was er dachte, oft ohne diplomatischen Filter. Er konnte hart, trocken und verletzend wirken, aber selten unecht. In einer Welt voller Inszenierung war er fast brutal authentisch. Seine rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen, ebenso wie sein von den Verbrennungen gezeichnetes Gesicht. Lauda versteckte seine Narben nicht vollständig. Sie wurden Teil seiner öffentlichen Figur – nicht als Opferzeichen, sondern als Beweis dafür, was er überlebt hatte.

Trotzdem war sein Leben nicht frei von Schatten. Lauda konnte egozentrisch, kühl und kompromisslos sein. Seine Beziehungen, seine geschäftlichen Entscheidungen und sein Umgang mit Menschen wurden nicht immer nur positiv beschrieben. Er selbst romantisierte sein Leben selten. Er wusste, dass er hart war. Vielleicht musste er das auch sein. Lauda war kein Mann, der in weichen Bildern dachte. Er dachte in Entscheidungen, Konsequenzen und Ergebnissen.

Seine Geschichte wurde 2013 durch den Film Rush – Alles für den Sieg einem neuen Publikum erzählt. Der Film konzentriert sich vor allem auf das Duell zwischen Lauda und James Hunt in der Saison 1976. Auch wenn Kino immer zuspitzt, traf der Film einen wichtigen Kern: Lauda war kein klassischer Sympathieträger, aber eine unfassbar starke Figur. Einer, der nicht gewinnen wollte, weil es glamourös war, sondern weil es logisch, verdient und richtig sein musste.

Tod eines Mannes – nicht aber der Legende

Niki Lauda starb am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren. In den Jahren zuvor hatte er gesundheitlich immer wieder schwer gekämpft, unter anderem mit den Folgen seiner alten Verletzungen und späteren Transplantationen. Sein Tod löste weltweit Trauer aus – nicht nur in der Formel 1. Denn Lauda war längst mehr als ein Rennfahrer. Er war ein Symbol für Überlebenswillen, Disziplin und die Fähigkeit, nach einem Bruch nicht in der eigenen Tragödie stehenzubleiben.

Sein Vermächtnis ist bis heute enorm. In der Formel 1 gilt er als einer der intelligentesten Fahrer der Geschichte. Als Unternehmer zeigte er, dass Risikobereitschaft nicht nur auf der Rennstrecke existiert. Als TV-Persönlichkeit wurde er zur Stimme der Klarheit in einem Sport, der oft von Pathos lebt. Und als Mensch blieb er eine Erinnerung daran, dass Heldentum nicht immer laut, warm oder makellos sein muss.

Niki Lauda war kein Märchenheld. Er war kantig, rational, widersprüchlich und manchmal unbequem. Aber genau das macht ihn bis heute so groß. Er überlebte das Feuer, kehrte zurück, wurde wieder Weltmeister und baute sich danach immer wieder neu auf. Sein Leben war keine einfache Geschichte vom Sieg über den Tod. Es war die Geschichte eines Mannes, der dem Tod ins Gesicht sah – und danach weiterarbeitete.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....