Monster, Mythos, Medienstar: Zum Todestag von Ted Bundy

Von der grauenhaften Faszination an Mord und Gewalt...

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Ein Mörder, dessen Grauen niemals glorifiziert werden sollten. | © Wikipedia

Heute jährt sich der Todestag von Ted Bundy. Kaum ein Name steht so sinnbildlich für das dunkle Kapitel der amerikanischen Kriminalgeschichte der 70er – und kaum ein Fall wirft bis heute so viele Fragen über Gewalt, Medien, Faszination und Verantwortung auf.

Ein Leben mit trügerischer Normalität

Theodore Robert Bundy wurde 1946 (als Cowell) in Vermont, geboren und wuchs unter schwierigen familiären Umständen auf. Nach außen führte er lange ein scheinbar angepasstes Leben: Er studierte, engagierte sich politisch, galt als intelligent, höflich und charismatisch. Genau diese äußere Normalität machte ihn so gefährlich – und später so verstörend für die Öffentlichkeit.

Bundy nutzte gezielt das Vertrauen anderer aus. Er inszenierte sich als hilfsbedürftig oder sympathisch, um Nähe herzustellen. Dieses doppelte Gesicht wurde später zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung seines Falls.

Realität statt Mythos

Zwischen 1974 und 1978 verübte Bundy eine Serie von schweren Gewaltverbrechen an jungen Frauen in mehreren US-Bundesstaaten. Die genaue Zahl seiner Opfer ist bis heute nicht abschließend geklärt; Bundy selbst machte kurz vor seinem Tod widersprüchliche Angaben.

Wichtig ist: Hinter jeder Zahl standen reale Menschen, zerstörte Leben und trauernde Angehörige. Die mediale Fokussierung auf Bundys Persönlichkeit drohte schon damals, das Leid der Opfer in den Hintergrund zu drängen – ein Problem, das sich bis heute fortsetzt.

Prozess, Öffentlichkeit und Tod

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Bundy nutzte selbst Prozesse und Anhörungen zur Selbstdarstellung. | © Wikipedia

Bundys Gerichtsverfahren in Florida wurden erstmals umfassend im Fernsehen übertragen. Der Täter wurde damit zu einer medialen Figur, die sich selbst inszenierte, Zeugen befragte und die Aufmerksamkeit suchte. 1980 wurde er zum Tode verurteilt.

Am 24. Januar 1989 wurde Ted Bundy im Bundesstaat Florida hingerichtet. Vor dem Gefängnis feierten Menschen seinen Tod – ein Bild, das zeigt, wie sehr dieser Fall die amerikanische Gesellschaft polarisiert hatte.

Die anhaltende Faszination an Serienkillern

Auch 2026 üben Serienkiller wie Ted Bundy eine ungebrochene Anziehungskraft aus. Dokumentationen, Podcasts, Serien und Filme erreichen Millionenpublikum. Psychologisch erklärt sich diese Faszination aus mehreren Faktoren: der Versuch, das Böse zu verstehen, die Angstlust, aber auch die Illusion, durch Wissen Kontrolle zu gewinnen.

Besonders Bundy wird oft als "charmant" oder "intelligent" beschrieben – Zuschreibungen, die gefährlich nahe an eine Romantisierung heranreichen. Sie verschieben den Fokus vom Verbrechen auf die Person des Täters und verzerren die Realität.

Die Popularisierung von Serienkillern birgt erhebliche Risiken. Sie kann Täter glorifizieren, Nachahmer motivieren und das Leid der Opfer relativieren. Zudem entsteht ein verzerrtes Bild von Gewaltverbrechen, das spektakuläre Einzelfälle überbetont und strukturelle Ursachen wie gesellschaftliche Gewalt, Misogynie oder institutionelles Versagen ausblendet.

Kriminologen und Medienethiker fordern daher seit Jahren einen bewussteren Umgang mit True-Crime-Inhalten: weniger Täterzentrierung, mehr Opferperspektive, mehr Kontext.

Erinnerung mit Verantwortung

An seinem Todestag erinnert der Fall Ted Bundy nicht an ein "Monster", sondern an die Notwendigkeit von Wachsamkeit, Aufklärung und Empathie. Er zeigt, wie trügerisch äußere Normalität sein kann – und wie wichtig es ist, Gewalt nicht zu mystifizieren.

Ein verantwortungsvoller Blick auf solche Biografien bedeutet, den Täter nicht zu vergessen, aber ihm auch nicht die Bühne zu überlassen. Die eigentliche Erinnerung gilt denen, deren Stimmen durch seine Taten zum Schweigen gebracht wurden – und der Aufgabe, daraus zu lernen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....