Instagrams neue KI-Funktion greift auf öffentliche Beiträge zu und erstellt daraus neue Inhalte – Datenschützer warnen
Meta hat sein neues KI-Tool „Muse Image“ vorgestellt. Damit können Nutzer Bilder generieren und dabei Beiträge öffentlicher Instagram-Profile als Vorlage verwenden. Die KI greift auf öffentlich zugängliche Fotos, Reels und sogar Profilbilder zurück, um neue Inhalte zu erstellen. Besonders kritisch: Standardmäßig werden alle öffentlichen Profile volljähriger Nutzer automatisch in die Funktion einbezogen – eine Voreinstellung, die Datenschützer als problematisch einstufen
Laut Meta betrifft die Funktion ausschließlich Inhalte öffentlicher Konten von Erwachsenen. Private Accounts sowie Profile Minderjähriger sollen ausgeschlossen sein. Datenschützer kritisieren jedoch, dass auf den Beiträgen Erwachsener häufig Kinder, Familienangehörige oder Freunde zu sehen sind, die einer solchen Nutzung nie zugestimmt haben.
Warum Experten vor Instagrams neuer KI-Funktion warnen
Die KI kann öffentliche Beiträge verwenden, ohne dass Nutzer aktiv zustimmen müssen. Viele sehen darin einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Selbst wenn Inhalte genutzt werden, erhalten die betroffenen Accountbesitzer keine Benachrichtigung. Das Tool geht sogar so weit, dass bereits erstellte Inhalte bestehen bleiben, selbst wenn die Funktion später deaktiviert wird.
Es handelt sich dabei um ein klassisches „Opt-out-Modell“ von Meta. Das bedeutet, dass jeder Nutzer standardmäßig in die Funktion einbezogen wird und die Voreinstellung manuell deaktivieren muss. Datenschützer kritisieren dieses Modell und warnen gleichzeitig vor Deepfakes, Cyberkriminalität und Identitätsmissbrauch.
Die Funktion betrifft jeden Nutzer – nicht nur Creator
Familien, die voller Stolz Bilder vom Urlaub, von Einschulungen oder Geburtstagsfeiern posten, könnten besonders betroffen sein. Was durch die zunehmende Cyberkriminalität im Zusammenhang mit KI und Deepfakes ohnehin bereits problematisch ist, könnte durch „Muse Image“ noch riskanter werden. Großeltern, die Fotos ihrer Enkelkinder hochladen, wissen möglicherweise nicht einmal von der neuen Voreinstellung und setzen ihre Familien damit unbewusst zusätzlichen Risiken aus.
Das gilt auch dann, wenn die Kinder kein eigenes Profil besitzen oder ihre Konten eigentlich von der Funktion ausgeschlossen sein sollten, weil sie minderjährig sind.
Die meisten Menschen möchten mit ihren Beiträgen lediglich schöne Erinnerungen festhalten oder Freunde und Familie an ihrem Leben teilhaben lassen. Beim Hochladen denken die wenigsten an KI – und erst recht nicht daran, ihre Bilder Fremden als Grundlage für neue Inhalte zur Verfügung zu stellen. Das Problem sind deshalb nicht die einzelnen Fotos, sondern die Frage, wer künftig Zugriff auf sie haben könnte.
So könnt ihr eure Bilder schützen
Die einfachste Möglichkeit, die Funktion zu umgehen, besteht darin, das eigene Profil auf privat zu stellen. Experten empfehlen außerdem, in den Einstellungen unter „Teilen und Wiederverwenden“ die Optionen zu deaktivieren, die Beiträge und Reels für Metas KI-Funktionen freigeben.
Grundsätzlich sollten Kinderfotos nur eingeschränkt geteilt werden. Vor jedem Upload sollte man sich bewusst fragen, ob das Bild dauerhaft öffentlich sichtbar sein muss.
Datenschützer erinnern zudem daran, ältere Beiträge zu überprüfen. Viele dieser Fotos stammen aus einer Zeit, in der kaum jemand damit gerechnet hätte, dass sie eines Tages als Rohmaterial für KI-generierte Inhalte dienen könnten.
Es geht nicht darum, nie wieder Bilder zu posten. Ein bewussterer Umgang mit persönlichen Aufnahmen erscheint jedoch sinnvoll. Die Debatte zeigt, wie stark KI unseren Umgang mit Privatsphäre verändert. Instagram ist längst nicht mehr nur eine Plattform, um Erinnerungen zu teilen und Kontakte zu pflegen – und genau das sollte jedem Nutzer bewusst sein.
Die eigentliche Frage lautet heute nicht mehr: Kann KI meine Bilder nutzen? Sondern vielmehr: Welche Bilder möchte ich KI und der Öffentlichkeit überhaupt zugänglich machen?
Was haltet ihr von dem neuen Feature? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
