Olaf Schubert wird 59: Der Mensch hinter der Kunstfigur und dem Rautenpullunder

Wo die Grenzen zwischen Olaf Schubert und Michael Haubold verschwimmen, weiß am Ende wohl nur er.

Olaf Schubert 01 Wikipedia
Wo die Grenzen zwischen Olaf Schubert und Michael Haubold verschwimmen, weiß am Ende wohl nur er. | © WIkipedia

Sächsischer Dialekt, ein unverwechselbarer Pullunder und Gedankengänge, die zuverlässig falsch abbiegen: Olaf Schubert gehört zu den bekanntesten Figuren der deutschen Comedy. Am heutigen 7. November 2026 wird sein Erfinder und Darsteller Michael Haubold 59 Jahre alt. Denn Olaf Schubert ist keine Privatperson, sondern eine konsequent gespielte Kunstfigur.

Er erklärt die Welt mit einer Überzeugung, die seine Argumente nicht immer rechtfertigen. Er wirkt unsicher und hält sich trotzdem für einen außergewöhnlichen Denker. Und wenn sich ein Satz hoffnungslos verheddert, behandelt er das Ergebnis gern wie eine bedeutende Erkenntnis. Olaf Schubert hat aus solchen Widersprüchen eine unverwechselbare Bühnenpersönlichkeit gemacht.

Zum Geburtstag lohnt sich deshalb ein genauer Blick: Wer ist der Mann hinter dem Rautenpullunder? Wie entstand seine Karriere? Und weshalb sollte man nicht alles, was Olaf Schubert über sich erzählt, für eine biografische Tatsache halten?

Michael Haubold wird 59 – Olaf Schubert ist seine Erfindung

Geboren wurde Michael Haubold am 7. November 1967 in Plauen im Vogtland. Bekannt wurde er allerdings unter einem anderen Namen: Olaf Schubert.

Dabei handelt es sich um mehr als einen Künstlernamen. Olaf Schubert ist eine fiktive Figur mit eigener Sprechweise, eigener Körpersprache und einem ausgesprochen großzügigen Bild von den eigenen Fähigkeiten. Haubold spielt diesen selbst ernannten Weltverbesserer auf der Bühne, im Fernsehen und auch bei vielen öffentlichen Auftritten.

Wer Olaf Schubert sieht, erlebt deshalb nicht automatisch Michael Haubold als Privatmenschen. Die vermeintliche Unsicherheit, die übertriebene Selbstbewunderung und die sprachlichen Verrenkungen gehören zur Darstellung.

Vom Wirtschaftskaufmann zur Kleinkunst

Haubolds Weg führte ihn noch vor dem Fernsehen zu einer Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann. Später studierte er Architektur und Musik, zeitweise in Berlin und Minsk. Das Studium schloss er nicht ab.

Musik blieb jedoch ein wichtiger Teil seiner Arbeit. In den 1990er-Jahren entwickelte sich sein künstlerisches Profil in der sächsischen Musik- und Kleinkunstszene. Mit Auftritten und eigenen Programmen machte er sich zunächst vor allem im Osten Deutschlands einen Namen.

Dresden wurde dabei zu einem zentralen Ort seiner Karriere. Lange bevor Olaf Schubert bundesweit im Fernsehen auftauchte, war die Figur bereits vor einem Livepublikum erprobt worden.

Der Pullunder ist nur der Anfang

Optisch ist Olaf Schubert sofort zu erkennen: der eng sitzende Strickpullunder mit Rautenmuster, die überkämmten Haare und eine Körperhaltung, die selten ganz entspannt wirkt. Doch das Kostüm allein würde die Figur nicht tragen.

Entscheidend ist ihre Sprache. Schubert verwendet Fremdwörter an ungewöhnlichen Stellen, verwechselt Bedeutungen und baut Sätze, die mit großem Anspruch beginnen und an der eigenen Logik scheitern. Dabei spricht er mit einer Ernsthaftigkeit, die den Unsinn häufig noch verstärkt.

Die Komik entsteht aus dem Abstand zwischen Selbstbild und Wirkung. Olaf hält sich für einen bedeutenden Denker, während das Publikum verfolgen kann, wie seine Erklärungen auseinanderfallen. Seine Verletzlichkeit verhindert zugleich, dass aus ihm bloß ein überheblicher Besserwisser wird.

Der sächsische Dialekt gehört zu diesem Gesamtbild. Er ersetzt allerdings nicht die Pointe: Schuberts Humor lebt vor allem von Wortspielen, falschen Schlussfolgerungen und genau gesetzten Pausen.

Musiker mit mehreren Bühnenidentitäten

Hinter der scheinbar unbeholfenen Figur steckt auch ein vielseitiger Musiker. Haubold spielte unter anderem Schlagzeug bei der Band DEKAdance. Dort trat er als Gabi Schubert auf – innerhalb der erfundenen Figurenwelt die Schwester von Olaf.

Bei der Band Die Rockys verwendete er wiederum den Namen Michael Rock. Die Arbeit mit verschiedenen Identitäten zieht sich damit durch seine Karriere.

Auch bei Olaf Schuberts Auftritten ist Musik ein fester Bestandteil. Gemeinsam mit Bert Stephan und Jochen Barkas verbindet er komische Texte mit musikalischen Einlagen. Was nebenbei oder absichtlich ungelenk erscheinen kann, beruht auf langjähriger Bühnenerfahrung.

Vom Quatsch Comedy Club zur heute-show

Deutschlandweite Aufmerksamkeit gewann Schubert durch Fernsehauftritte, unter anderem im Quatsch Comedy Club. Besonders seine Beiträge in der heute-show machten ihn einem breiten Publikum vertraut.

Die Figur passt gut in ein Format, das politische Aussagen und gesellschaftliche Widersprüche satirisch zuspitzt. Olaf kann mit großer Sicherheit eine Erklärung präsentieren, die bei genauerem Hinhören das Gegenteil ihrer ursprünglichen Behauptung beweist.

Sein Erfolg wurde mehrfach ausgezeichnet. 2008 erhielt er den Deutschen Comedypreis als bester Newcomer, 2010 den Deutschen Kleinkunstpreis und 2013 den Deutschen Comedypreis als bester Komiker. 2018 folgte der Musikpreis des Bayerischen Kabarettpreises.

Eigene Shows und ein Gipfeltreffen der Abschweifungen

Mit eigenen Formaten wie Olaf verbessert die Welt! bekam die Figur zusätzlichen Raum. In Olafs Klub übernimmt Schubert die Gastgeberrolle und präsentiert andere Comedians.

Eine besondere Konstellation entstand mit Das Gipfeltreffen. Gemeinsam mit Torsten Sträter und Johann König beantwortet er dort Publikumsfragen. Die Antworten führen allerdings häufig auf ausgedehnte Umwege.

Gerade die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Trios machen den Reiz aus. Schuberts eigenwillige Logik trifft auf Sträters Erzählweise und Königs trockene Einwürfe. Aus einer überschaubaren Frage kann so eine Diskussion entstehen, deren Ausgang niemand zuverlässig vorhersagen kann.

Olaf Schubert im Kino: Auch die Familiengeschichte ist erfunden

Die Kunstfigur funktioniert nicht nur in kurzen Fernsehauftritten. In Schubert in Love – Vater werden ist (nicht) schwer übernahm Schubert 2016 eine Kinohauptrolle. Die Komödie erzählt von einem Olaf, der auf Drängen seines Vaters eine Partnerin finden und für Nachwuchs sorgen soll.

Noch deutlicher spielt Olaf Jagger mit der Grenze zwischen Wirklichkeit und Erfindung. Der 2023 veröffentlichte Film folgt Schubert bei der Suche nach einem möglichen berühmten Vater: Mick Jagger.

Ausgangspunkt ist die angebliche frühere Begegnung seiner Mutter mit dem Rolling-Stones-Sänger. Daraus entwickelt sich eine Spurensuche mit Gesprächen, vermeintlichen Beweisen und absurden Wendungen.

Das ist keine Enthüllung über Michael Haubolds tatsächliche Abstammung. Olaf Jagger ist eine Mockumentary, also ein fiktionaler Film, der die Erzählweise eines Dokumentarfilms verwendet. Die vermeintliche Familiengeschichte gehört zur Inszenierung rund um Olaf Schubert.

Privat bleibt Michael Haubold im Hintergrund

Während die Figur ausführlich über sich und ihre vermeintliche Bedeutung sprechen kann, hält sich Haubold als Privatperson weitgehend zurück. Öffentliche Auftritte liefern deshalb nur begrenzt Einblicke in sein Leben außerhalb der Rolle.

Diese Distanz gehört zum Konzept. Das Publikum kennt den Pullunder, die Stimme und die typischen Bewegungen. Wie viel davon dem Menschen hinter der Figur entspricht, lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch die politischen oder gesellschaftlichen Aussagen eines Auftritts müssen im satirischen Zusammenhang gelesen werden. Ein absurder Gedankengang der Figur ist nicht automatisch eine persönliche Überzeugung ihres Darstellers.

Eine feste Größe auf der Bühne

Neben dem Fernsehen bleibt das Liveprogramm ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Sein Programm Jetzt oder now! trägt den typischen Widerspruch bereits im Titel: Zwei scheinbare Möglichkeiten, die bei näherer Betrachtung dasselbe bedeuten.

Mit der Dresdner HumorZone, deren Schirmherr und Gastgeber er seit 2015 ist, verbindet sich sein Name außerdem mit einem Festival, das zahlreiche andere Künstler zusammenbringt. Seine Karriere ist damit eng mit der regionalen Bühnenkultur verbunden geblieben, aus der sie hervorging.

59 Jahre Michael Haubold, unverwechselbar Olaf Schubert

Am heutigen Geburtstag wird vor allem sichtbar, wie konsequent Haubold seine Figur entwickelt hat. Olaf Schubert ist längst mehr als der Mann im auffälligen Pullunder: Seine Sprache und sein Verhalten sind so charakteristisch, dass wenige Sekunden für den Wiedererkennungseffekt reichen.

59 Jahre alt wird heute Michael Haubold. Dass viele Menschen zuerst an Olaf Schubert denken, zeigt den Erfolg seiner Erfindung – eines Weltverbesserers, dessen größte Gewissheit meist die eigene Bedeutung ist.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....