Für die einen ist er ganz klar Picard, für andere Professor X – für alle eine absolute Ikone – doch MUSS er noch schauspielern?
Für viele ist er für immer Captain Jean-Luc Picard aus Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert. Für andere ist er Professor Charles Xavier aus den X-Men-Filmen. Doch Patrick Stewart, der heute seinen 86. Geburtstag feiert, ist weit mehr als nur ein Sci-Fi-Gesicht. Er ist ein klassisch ausgebildeter Shakespeare-Schauspieler, ein politisch wacher Künstler, ein Aktivist gegen häusliche Gewalt und einer dieser seltenen Stars, deren Stimme allein schon nach Autorität klingt.
Vom Arbeiterkind zum Shakespeare-Schauspieler
Geboren wurde Patrick Stewart am 13. Juli 1940 in Mirfield, Yorkshire. Seine Kindheit war geprägt von einfachen Verhältnissen, aber auch von Angst. Stewart sprach später offen darüber, dass sein Vater gewalttätig gegenüber seiner Mutter war. Diese Erfahrungen begleiteten ihn sein Leben lang und wurden später ein wichtiger Grund dafür, warum er sich öffentlich gegen häusliche Gewalt engagierte.
Seine Rettung fand Stewart früh im Theater. Schon als Jugendlicher entdeckte er Shakespeare, später wurde daraus eine lebenslange künstlerische Grundlage. 1966 schloss er sich der Royal Shakespeare Company an und spielte über die Jahre zahlreiche große Bühnenrollen, darunter Figuren aus Hamlet, Macbeth, Der Sturm und Der Kaufmann von Venedig. Bevor er international berühmt wurde, war Stewart also längst ein ernstzunehmender Theaterdarsteller.
Der späte Durchbruch mit Captain Picard
Der große weltweite Durchbruch kam erst relativ spät. Als Patrick Stewart 1987 die Rolle des Jean-Luc Picard in Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert übernahm, war er bereits 47 Jahre alt. In Hollywood galt er damals für viele noch als unbekannter britischer Theaterschauspieler. Genau das wurde aber zu seiner Stärke.
Stewart spielte Picard nicht wie einen lauten Actionhelden, sondern wie einen moralischen Denker, einen Diplomaten und einen Anführer, der Worte oft stärker wirken ließ als Waffen. Dadurch wurde Picard zu einer der beliebtesten Figuren des gesamten Star Trek-Universums. Es folgten Filme wie Star Trek: Treffen der Generationen, Star Trek: Der erste Kontakt, Star Trek: Der Aufstand und Star Trek: Nemesis. Jahrzehnte später kehrte Stewart mit Star Trek: Picard noch einmal zu seiner berühmtesten Rolle zurück.
Professor X und der zweite Popkultur-Mythos
Während andere Schauspieler froh wären, eine einzige ikonische Figur gespielt zu haben, bekam Patrick Stewart gleich zwei. Ab 2000 wurde er in X-Men zu Professor Charles Xavier, dem Gründer der Mutantenschule und geistigen Gegenpol zu Magneto. Auch hier passte seine Ausstrahlung perfekt: ruhig, würdevoll, intelligent und immer mit dieser Mischung aus Macht und Menschlichkeit.
Stewart kehrte unter anderem in X-Men 2, X-Men: Der letzte Widerstand, X-Men: Zukunft ist Vergangenheit und Logan – The Wolverine zurück. Besonders Logan – The Wolverine zeigte eine verletzlichere Version von Professor X und machte aus der Figur noch einmal etwas Tragisches. Später tauchte Stewart sogar im Marvel Cinematic Universe auf, nämlich in Doctor Strange in the Multiverse of Madness. Für viele Fans war das ein kurzer, aber gewaltiger Nostalgie-Moment.
Marvel-Gerüchte: Muss Patrick Stewart wirklich noch schauspielern?
Rund um seine Rückkehr als Professor X gibt es seit einiger Zeit auch eine kuriose Gerüchteküche. Weil Patrick Stewart im Cast von Avengers: Doomsday geführt wird und gleichzeitig Berichte über ein mögliches Karriereende nach diesem Auftritt kursieren, entstand online die zugespitzte Erzählung, er sei durch seinen Marvel-Vertrag praktisch noch gezwungen, weiter zu schauspielern.
Belegt ist das aber nicht. Öffentlich bekannt ist vor allem, dass Stewart in Avengers: Doomsday auftauchen soll. Alles darüber hinaus, also angebliche Vertragszwänge, Pflichtauftritte oder die Idee, dass Marvel ihn gegen seinen eigentlichen Willen vor die Kamera holt, bleibt Spekulation. Gerade bei Patrick Stewart sollte man mit endgültigen Aussagen ohnehin vorsichtig sein: Nach Logan – The Wolverine wirkte sein Abschied als Professor X schon einmal final, und trotzdem kehrte er später wieder zurück.
Mehr als Picard und Xavier
Natürlich besteht Patrick Stewarts Karriere nicht nur aus Star Trek und X-Men. Er war in David Lynchs Der Wüstenplanet zu sehen, spielte in Excalibur, hatte Auftritte in Robin Hood – Helden in Strumpfhosen und zeigte später auch seine komödiantische Seite, etwa in Ted. Dazu kamen viele Sprechrollen, Gastauftritte und Bühnenarbeiten, die zeigen, wie breit sein Spektrum wirklich ist.
Besonders spannend ist, dass Stewart nie nur als Filmstar funktionierte. Seine Wurzeln im Theater blieben immer spürbar. Selbst wenn er auf einem Raumschiff stand oder in einem Rollstuhl Mutanten unterrichtete, hatte sein Spiel oft diese klassische Bühnen-Präzision. Jede Pause, jeder Blick, jede Betonung wirkte kontrolliert, aber nie leer.
Die Sache mit der Pizza
Eine der charmantesten Patrick-Stewart-Anekdoten hat nichts mit Shakespeare, Raumschiffen oder Mutanten zu tun, sondern mit Pizza. 2013 ging ein Foto viral, auf dem Stewart mit 72 Jahren seine erste New Yorker Pizza-Slice isst. Viele verstanden das zunächst so, als hätte er noch nie in seinem Leben Pizza gegessen. Das stimmte so nicht ganz.
Stewart stellte später klar: Er hatte natürlich schon Pizza gegessen, aber offenbar noch nie eine klassische einzelne New Yorker Slice auf die Hand. Als ihm das Stück serviert wurde, fragte er erst nach Messer und Gabel. Dann lernte er den typischen New York Fold, also das Zusammenklappen des Pizzastücks, und aß sie wie ein echter New Yorker. Ausgerechnet Captain Picard musste also mit 72 noch lernen, wie man Pizza richtig auf die Hand nimmt.
Politisches und soziales Engagement
Patrick Stewart nutzt seine Bekanntheit seit vielen Jahren auch politisch und sozial. Besonders wichtig ist sein Einsatz gegen häusliche Gewalt. Weil er selbst als Kind miterleben musste, wie seine Mutter Gewalt erfuhr, spricht er bis heute offen über dieses Thema. Er unterstützte unter anderem Refuge, eine britische Organisation für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
Auch politisch meldete sich Stewart immer wieder zu Wort. Er sprach sich gegen den Brexit aus, unterstützte die Kampagne für ein zweites Referendum und kritisierte politische Entwicklungen, die er als Rückschritt empfand. Dabei wirkt sein Engagement nie wie ein PR-Anhängsel. Bei Stewart hat man oft das Gefühl, dass seine öffentlichen Positionen direkt mit seiner Biografie verbunden sind: Krieg, Armut, Gewalt, Demokratie, Würde und Verantwortung sind für ihn keine abstrakten Begriffe.
Ein Schauspieler mit Haltung
2010 wurde Patrick Stewart für seine Verdienste um die Schauspielkunst zum Ritter geschlagen. Doch sein Vermächtnis lässt sich nicht nur an Titeln und Auszeichnungen messen. Er hat Figuren geprägt, die für Generationen wichtig wurden. Picard steht für Vernunft, Diplomatie und moralische Klarheit. Professor X steht für Hoffnung, Toleranz und den Glauben daran, dass Menschen trotz aller Unterschiede zusammenleben können.
Am 13. Juli 2026 wird Patrick Stewart 86 Jahre alt. Seine Karriere reicht vom Shakespeare-Theater bis zu Marvel, von Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert bis Avengers: Doomsday, von großen Bühnen bis zu viralen Pizza-Momenten. Und vielleicht ist genau das sein besonderer Zauber: Patrick Stewart kann königlich wirken, ohne abgehoben zu sein. Er kann Popkultur spielen, ohne beliebig zu werden. Und er kann mit einer einzigen Stimme einen Raum füllen, als würde gleich jemand sagen: Energie.
