Der selbsternannte magische Detektiv steht nun unter anderem wegen Belästigung eines Kindes vor Ort.
Ein Mann spricht über die Videotürklingel seines Hauses mit einem sichtlich verwirrten 30-jährigen, der von sich behauptet ein Zauberer aus einer Jugendbuchreihe zu sein. Der Ungebetene Gast scheint aufgebracht, wird vom Hausbewohner allerdings ignoriert – zumindest solange, bis der angebliche Magier nach der Tochter des Mannes fragt und plötzlich im Haus steht.
Türklingeln als Symbol von Sicherheit?
Videotürklingeln erfreuen sich – vor allem in den USA immer größerer Beliebtheit. Die smarten Türklingeln mit Kamera kommen vor allem deshalb so gut an, weil sie Sicherheit und Komfort verbinden. Man kann per App jederzeit sehen, wer vor der Tür steht, mit Besuchern oder Paketboten sprechen, auch wenn man nicht zuhause ist, und wird bei Bewegungen automatisch benachrichtigt.
Und sollte es doch mal zu einer Situation kommen, die letztlich bis in einen Gerichtssaal führt, kann man die von der Kamera aufgenommenen Sequenzen auch als Beweismaterial vorlegen.
In dem vorliegenden Fall hat der Besitzer einer solchen Videotürklingel das Material zusätzlich im Internet hochgeladen, vermutlich, weil er davon ausgegangen war, dass niemand ihm die Geschichte glauben würde, wenn er sie nur erzählen würde.
Im Zentrum des Falls steht Jason Thomas Nichols, dem vorgeworfen wird, unbefugt in ein fremdes Haus eingedrungen zu sein – während er von sich zu diesem Zeitpunkt behauptete, ein magischer Detektiv zu sein.
Ein selbsternannter "Zauberer" vor der eigenen Tür
Was zunächst wie eine seltsame Begegnung an der Haustür wirkte, entwickelte sich innerhalb weniger Minuten zu einem erschreckenden Einbruchsversuch. Die Kamera zeichnete auf, wie Nichols zunächst verwirrt, später erbost mit dem Hausbesitzer sprach. Der befand sich gerade nicht zuhause, machte sich aber unmittelbar auf den Heimweg, als Nichols sich plötzlich nach seiner Tochter erkundigte und versuchte, in das Haus einzudringen.
Besonders beunruhigend wirkte, dass Nichols Verhalten zwischen ruhig, wirr und aggressiv schwankte. Im Video bezeichnet er sich selbst als Harry Dresden – eine fiktive Figur aus der bekannten Fantasy-Buchreihe The Dresden Files , weswegen Beobachter davon ausgehen, dass Nichols in diesem Moment eine Psychose durchlitten habe. Immer wieder redete er davon, besagter Zaubererdetektiv zu sein, der auf der Suche nach seinem Erzfeind wäre. Diese surreal wirkenden Aussagen machten das Video später zusätzlich zum viralen Gesprächsthema.
Zwischen Eskalation und Ruhe
Was zunächst wie ein verstörender Zwischenfall wirkte, eskalierte rasch. Nichols soll gegen die Eingangstür getreten, Eigentum beschädigt und schließlich versucht haben, über einen anderen Zugang in das Haus einzudringen. Er schob die Glastür, die in den Garten der Familie führte auf und randalierte im Inneren des Hauses weiter – weswegen der Hausbesitzer keine weitere Sekunde zögerte und sich schnellstens auf den Weg machte. Berichten zufolge befanden sich zu diesem Zeitpunkt eine Frau und ein Kind im Haus.
Als der Ehemann zurückkehrte und sich mit einer Schaufel bewaffnet dem Eindringling entgegenstellte, drohte die Situation endgültig zu eskalieren – endete aber plötzlich genauso unwirklich, wie sie begonnen hatte.
Denn als der Hausbesitzer Nichols fragte, ob er (im Militär) gedient habe, wirkte dieser urplötzlich erstaunlich gefasst und ruhig und bejahte die Frage. Als er daraufhin in aller Ruhe aufgefordert wurde, das Haus bitte zu verlassen, tat er dies umgehend und wurde kurz darauf von der Polizei festgenommen. Die Beamten stellten unter anderem fest, dass Nichols nie beim Militär gewesen war.
Ermittlungen wegen Belästigung eines Kindes
Gegen Nichols wurden mehrere schwere Vorwürfe erhoben, darunter Einbruch, Sachbeschädigung und weitere Delikte im Zusammenhang mit dem Vorfall. Doch auch abseits dieser Situation scheint Nichols Weste alles andere als weiß: In einem anderen Fall wird wegen Belästigung eines Kindes gegen ihn ermittelt. Ein finaler Urteilsspruch wurde zwar noch nicht verkündet, doch in Anbetracht von insgesamt 5 Vergehen könnten bis zu 19 Jahre Haft auf Nichols warten. Gleichzeitig warfen Beobachter Fragen nach seinem psychischen Zustand auf, wobei hierzu bislang vieles spekulativ bleibt.
Der Fall löste auch Diskussionen über Heimüberwachung, Sicherheitstechnik und die Rolle von Doorbell-Kameras aus. Für Befürworter zeigt der Vorfall, wie wertvoll solche Systeme zur Abschreckung und Beweissicherung sein können. Kritiker verweisen dagegen auf Fragen von Datenschutz und Überwachung.
Der Fall Jason Thomas Nichols steht inzwischen nicht nur für einen mutmaßlichen Einbruchsversuch, sondern auch für ein Phänomen unserer Zeit: Verbrechen werden immer häufiger nicht erst im Nachhinein rekonstruiert, sondern live dokumentiert – oft von privaten Sicherheitskameras.
Für die betroffene Familie dürfte das virale Interesse nebensächlich sein. Für sie begann alles mit einer Klingel – und endete in einem Kampf um Sicherheit im eigenen Zuhause.
