Die Rolle des Falco war für Hölzels Kunst essentiell – am Ende aber auch tödlich.
Heute wäre Falco 69 Jahre alt geworden – ein Anlass, sich an einen Künstler zu erinnern, der die deutschsprachige Popmusik geprägt hat wie kaum ein anderer. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod bleibt sein Einfluss spürbar. Er war nicht nur ein exzentrischer Star, sondern ein Visionär, der seiner Zeit oft Jahre voraus war.
Vom Wiener Außenseiter zur Kunstfigur
Falco wurde am 19. Februar 1957 in Wien als Johann „Hans“ Hölzel geboren. Früh zeigte sich sein musikalisches Talent, ebenso früh aber auch sein Drang zur Abgrenzung. Wien war für ihn Inspiration und Reibungsfläche zugleich – eine Stadt, die er liebte und kritisierte, die ihn prägte und zugleich einengte.
Seine ersten Schritte machte er als Bassist in der Punk- und New-Wave-Szene, unter anderem bei der Band Drahdiwaberl. Doch schnell wurde klar: Falco war keine Begleitfigur. Er war Konzept, Haltung, Pose – und Provokation.
Karriere zwischen Genie und Größenwahn
Mit Songs wie "Der Kommissar" und "Rock Me Amadeus" schrieb Falco Musikgeschichte. 1986 wurde er als bislang einziger deutschsprachiger Künstler mit einem Song auf Platz eins der US-Charts geführt. Seine Texte waren kühl, ironisch, schnell gesprochen – halb Gesang, halb Sprechgesang.
Damit nahm Falco eine Rolle ein, die ihm rückblickend einen besonderen Titel einbrachte: Urvater des deutschsprachigen Rap. Lange bevor Hip-Hop im deutschen Sprachraum kommerziell Fuß fasste, nutzte er Rhythmus, Reim und Attitüde auf eine Weise, die eindeutig rap-affin war – kombiniert mit Pop, Funk und einer bewusst inszenierten europäischen Kunstfigur.
Falco war mehr als Musik. Er erschuf eine Persönlichkeit: arrogant, verletzlich, narzisstisch, ironisch gebrochen. Der Gegensatz zwischen Hans Hölzel und Falco wurde mit den Jahren immer größer – und belastender. Alkohol- und Drogenprobleme, kreative Krisen und das Gefühl, dem eigenen Mythos nicht mehr gerecht zu werden, prägten seine späteren Jahre.
Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Falco starb am 6. Februar 1998 im Alter von nur 40 Jahren bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Sein früher Tod schockierte Fans weit über Österreich hinaus. Doch sein künstlerisches Nachwirken wurde dadurch nicht kleiner – im Gegenteil.
Seine Musik blieb präsent, wurde neu entdeckt, gecovert und analysiert. Jüngere Generationen von Rap- und Popkünstlern verweisen bis heute auf ihn als Einfluss – nicht nur wegen seines Sounds, sondern wegen seiner Haltung: Deutschsprachige Musik muss sich nicht erklären, nicht anpassen, nicht entschuldigen.
Falco steht bis heute für den Beweis, dass Pop intelligent, arrogant, unbequem und international sein kann – auch auf Deutsch. Er hat Grenzen verschoben: sprachlich, kulturell, ästhetisch. Ohne ihn wäre vieles im deutschsprachigen Pop und Rap kaum denkbar.
An seinem heutigen, eigentlich 69. Geburtstag bleibt vor allem diese Erkenntnis: Falco ist nicht Vergangenheit. Er ist Referenz, Maßstab und Mythos zugleich.