Scherzanruf eines YouTubers löste tödliche Schüsse aus

Ein Mann aus Amsterdam soll zwei Teenager erschossen haben, nachdem er einen Scherzanruf von einem YouTuber erhalten hatte. Der YouTuber bestreitet alle Vorwürfe.

Rouand YT
Ich dachte, Scherzanrufe würden nur Kinder machen | © Rouand YT

Streichvideos auf YouTube sind berüchtigt dafür, schnell zu eskalieren und zu weit zu gehen. Der Klickrausch treibt die YouTuber zu immer gefährlicheren Streichen. Dieser Scherzanruf schien zunächst harmlos, eskalierte aber zu einem Ausmaß, das niemand hätte kommen sehen. Der YouTuber selbst bestreitet jegliche Beteiligung an dem Vorfall.

Scherzanruf geht schief

Der niederländische YouTuber Rouand YT lädt regelmäßig Streichvideos hoch und streamt live, wie er Leute auf Omegle oder am Telefon veräppelt. In seinen Streams können Zuschauer spenden und Telefonnummer angeben, damit der YouTuber eine bestimmte Person anruft.

Die niederländische Staatsanwaltschaft behauptet, dass Efe Y. einen Anruf im Rahmen eines Streichanrufs-Formats erhielt, wie es regelmäßig auf dem Kanal von Rouand YT verwendet wird. Ein Zuschauer spendete angeblich 5 €, damit Efe Y. angerufen und mit einer erfundenen Gangstergeschichte hereingelegt wird: „Sag, du bekommst Geld und kommst aus Rotterdam Süd.“ Der Influencer forderte Y. in dem Anruf, der voller Schimpfwörter war, angeblich auf, zu einer „blauen Brücke“ zu gehen.

Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass Efe Y. etwa eine halbe Stunde später zum Wiedijk-Park ging und dort drei ahnungslose syrische Jugendliche traf, die in Asylbewerberunterkünften lebten und auf dem Weg zu McDonald’s waren. Bevor auch nur ein Wort gesagt werden konnte, fielen Schüsse. Zwei der Jugendlichen starben, einer konnte fliehen. Die niederländische Staatsanwaltschaft teilte dem Gericht mit, die Opfer seien „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen.

Ermittlungen

Die Ermittlungen zu der Schießerei dauern noch an, doch Zeugen sagten aus, dass Y. einem Freund gestanden habe, der Schütze zu sein. Bei der Durchsuchung seines Hauses fand die Polizei eine Waffe sowie Schmauchspuren an seiner Hose. Er war vermutlich auch auf den Überwachungskameras des Parks zu dem fraglichen Zeitpunkt zu sehen.

Der Verdächtige leidet Berichten zufolge an mehreren psychischen Erkrankungen, darunter PTBS und Schizophrenie, hatte aber seine Medikamente seit sechs Monaten nicht mehr eingenommen.

Ist der YouTuber involviert?

Rouand YT selbst erklärte gegenüber AT5, dass er schockiert über den Vorfall gewesen sei, aber nichts damit zu tun habe.

Ich war an dem Tag gar nicht live. Es war unmöglich für mich, diesen Streich zu machen.

Die Staatsanwaltschaft hat Rouand YT als Zeugen vernommen und betont, dass er kein Verdächtiger ist.

Das Instagram-Profil RealityFBI äußert angeblich Zweifel an Rouand YTs Aussage. Es behauptet, der YouTuber habe alle Clips und Livestreams von jenem verhängnisvollen Neujahrstag gelöscht.

Und wie sich herausstellte, hatte RealityFBI damit wohl irgendwie recht. RTL Nieuws berichtete, dass der Anwalt des YouTubers nun erklärte, dessen anfängliche Bestreitung seiner Beteiligung habe auf falschen Informationen zum Datum beruht.

Gestern nahm mein Mandant, teilweise aufgrund seiner Unsicherheit bezüglich des Datums, als erste Reaktion ein Video auf, in dem er den Streich abstritt. Nach eingehender Prüfung der ihm nun bekannten Informationen muss er diese Aussage jedoch zurücknehmen. Mein Mandant bedauert die entstandene Verwirrung.

Der Anwalt Roethof betont weiterhin, dass RouandTV von der Polizei nicht als Verdächtiger, sondern als Zeuge betrachtet werde.

Es kann nicht geschlussfolgert werden, dass der Streich meines Mandanten die Erschießung verursacht hat. Dies ändert jedoch nichts daran, dass mein Mandant sein eigenes Verhalten reflektiert und den Vorfall zutiefst bedauert.

Die nächste Vorverhandlung ist für den 8. Juli angesetzt.

Obwohl die Rolle von Rouand YT hier umstritten ist, zeigt dieser Vorfall, wie weit scheinbar harmlose Streiche gehen können. Wenn man das Opfer nicht kennt, kann man dessen Reaktion nicht vorhersehen. Streichinhalte stehen zunehmend in der Kritik, da die Urheber immer häufiger in Schwierigkeiten geraten, Menschen belästigen und gefährliche Stunts durchführen. Normalerweise sind diese Influencer nur nervig und werden vielleicht verhaftet oder gebannt, aber dieser Fall zeigt, dass die Folgen sogar tödlich sein können.

Nora Weirich

Schon als Kind hat Noras Vater ihre Begeisterung für Videospiele und alles was damit zu tun hat geweckt. Dazu kommt eine viel zu hohe Bildschirmzeit, weshalb sie so gut wie alles mitbekommt, was online so passiert und eine Vorliebe für das Schreiben, die sie durch ihr Philosophiestudium entdeckt hat. So kann sie all ihre Leidenschaften bei Earlygame verwirklichen....