Steve Carell wird 64: Warum der Office-Star, keine einzige Folge der Original-Serie gesehen hat

Der vielleicht einzige Mensch der Welt, für den es sich gelohnt hat, The Office nicht zu sehen..

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Der vielleicht einzige Mensch der Welt, für den es sich gelohnt hat, The Office nicht zu sehen... | © NFP


Es gibt Rollen, bei denen ein Schauspieler möglichst genau das Ausgangsmaterial studiert. Steve Carell machte das Gegenteil.

Als NBC eine amerikanische Version der britischen Erfolgsserie The Office plante, hätte es kaum eine naheliegendere Vorbereitung gegeben, als Ricky Gervais als David Brent anzusehen.

Carell entschied sich bewusst dagegen.

Das Ergebnis wurde Michael Scott – und beide werden heute 64.

Steve Carell feiert heute, am 16. August 2026, seinen 64. Geburtstag. Als Michael Scott in The Office schuf er eine der bekanntesten Comedyfiguren des 21. Jahrhunderts, mit Jungfrau (40), männlich, sucht … wurde er zum Kinostar und für Foxcatcher schließlich zum Oscar-Kandidaten.

Dabei begann seine Karriere vergleichsweise spät – und ausgerechnet auf seine wichtigste Rolle bereitete er sich auf ungewöhnliche Weise vor: Carell hat bis heute keine einzige vollständige Folge des britischen Originals von The Office gesehen.

Steve Carell wollte eigentlich gar kein Schauspieler werden

Steven John Carell wurde am 16. August 1962 in Concord im US-Bundesstaat Massachusetts geboren und wuchs als jüngster von vier Brüdern auf. Sein Vater Edwin arbeitete als Elektroingenieur, seine Mutter Harriet als Krankenschwester. Die Familie seines Vaters hatte italienische Wurzeln und trug ursprünglich den Namen Caroselli.

Carell war als Jugendlicher sportlich, spielte unter anderem Eishockey und beschäftigte sich zunächst keineswegs mit einem konkreten Plan für Hollywood. Nach der Schule studierte er an der Denison University in Ohio Geschichte. Dort wurde Improvisation und Theater allerdings zunehmend wichtiger.

Kurioserweise dachte Carell zeitweise sogar über ein Jurastudium nach. Dann scheiterte dieser Plan an einer ziemlich einfachen Frage: Bei der Bewerbung für die Law School sollte er erklären, warum er eigentlich Anwalt werden wollte. Doch Carell konnte keine überzeugende Antwort finden.

Als seine Eltern ihn fragten, was er stattdessen wirklich gerne mache, landete er wieder beim Schauspiel.

In Chicago lernt er Improvisation – und seine spätere Ehefrau

Nach seinem Abschluss 1984 führte Carells Weg schließlich nach Chicago. Dort schloss er sich The Second City an, einer der wichtigsten Comedy- und Improvisationsinstitutionen der USA.

Carell stand nicht nur selbst auf der Bühne, sondern unterrichtete später auch Improvisation. Zwischen 1991 und 1994 gehörte er zu mehreren Mainstage-Produktionen des Ensembles. Zu seinem damaligen Umfeld gehörte auch Stephen Colbert, der zeitweise sogar Carells Ersatzdarsteller bei Second City war.

Und dort lernte Carell noch jemanden kennen. Nancy Walls besuchte einen seiner Improvisationskurse.

Carell fand sie attraktiv, war aber offenbar zu schüchtern, um sie einfach nach einem Date zu fragen. Beide flirteten stattdessen über längere Zeit miteinander, bis schließlich doch etwas daraus wurde.

1995 heirateten Steve Carell und Nancy Walls. Im August 2026 feiern die beiden bereits ihren 31. Hochzeitstag und haben gemeinsam zwei erwachsene Kinder.

Der Durchbruch lässt lange auf sich warten

Carell war keineswegs einer jener Schauspieler, die mit Anfang 20 nach Los Angeles kommen und kurz darauf Hauptrollen bekommen. Seine Karriere entwickelte sich langsam.

1991 hatte er eine kleine Filmrolle in Curly Sue – Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel. Später arbeitete er unter anderem für The Dana Carvey Show.

Der entscheidende Schritt kam 1999.

Carell wurde Korrespondent bei The Daily Show with Jon Stewart. Dort entwickelte er seinen trockenen Interviewstil und spielte regelmäßig Reporter, die mit absolutem Selbstvertrauen völlig absurde Fragen stellten.

Gemeinsam mit seinem alten Second-City-Kollegen Stephen Colbert entstand unter anderem das Segment Even Stevphen, in dem sich beide regelmäßig gegenseitig anschrieen und versuchten, Diskussionen auf möglichst kindische Weise zu gewinnen.

Carell blieb bis 2004 bei The Daily Show with Jon Stewart. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits über 40. Der größte Teil seiner Karriere lag trotzdem noch vor ihm.

Mit Bruce Allmächtig stiehlt er Jim Carrey kurzzeitig die Show

2003 spielte Carell in Bruce Allmächtig den Nachrichtensprecher Evan Baxter. Eigentlich war es nur eine Nebenrolle. Eine Szene machte ihn jedoch für ein wesentlich größeres Publikum bekannt.

Jim Carreys Bruce erhält göttliche Kräfte und manipuliert während einer Live-Nachrichtensendung Evans Stimme. Carell muss daraufhin vor laufender Kamera scheinbar unkontrollierbare Geräusche und Wortfetzen produzieren.

Die Szene wurde zu einem der bekanntesten Momente des Films. 2007 bekam Carell mit Evan Allmächtig schließlich sogar seinen eigenen Ableger. Doch vorher kam eine andere Rolle.

2004 steht Steve Carell plötzlich vor zwei Karriereentscheidungen

Während der Dreharbeiten zu Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy hörte Carell von einem Projekt, das in Hollywood ausgesprochen skeptisch betrachtet wurde. NBC wollte The Office neu auflegen.

Das britische Original von Ricky Gervais und Stephen Merchant galt bereits als moderner Comedyklassiker. Eine amerikanische Kopie erschien vielen beinahe automatisch wie eine schlechte Idee. Einer von Carells Kollegen machte ihm das sogar persönlich deutlich.

Paul Rudd zog ihn während der Arbeiten an Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy beiseite und riet ihm davon ab, überhaupt vorzusprechen. Carell erinnerte sich 2026 an Rudds Warnung: "Mach es nicht. Geh nicht zum Casting".

Praktisch jeder habe damals angenommen, dass eine amerikanische Version nicht funktionieren könne. Carell ging trotzdem hin.

Für The Office schaut er das Original absichtlich nicht

Mindestens genauso ungewöhnlich war seine Vorbereitung. Carell wollte Ricky Gervais als David Brent nicht studieren. Er wollte ihn vermeiden.

2023 erzählte er im Podcast seiner früheren The Office-Kolleginnen Jenna Fischer und Angela Kinsey, dass er bewusst darauf verzichtet habe, die britische Serie anzusehen. 2026 wurde er erneut danach gefragt und konkretisierte die Geschichte. Er habe irgendwann angefangen, einen winzigen Ausschnitt anzusehen. Nach weniger als einer Minute hörte er wieder auf.

Der Grund war ausgerechnet, wie gut er Ricky Gervais fand. Gervais' Interpretation von David Brent sei so spezifisch gewesen, dass Carell sofort befürchtete, sie automatisch zu imitieren.

Also blieb es dabei. Steve Carell hat bis heute keine einzige vollständige Folge des britischen The Office gesehen. Obwohl genau diese Serie die Vorlage für den wichtigsten Teil seiner eigenen Karriere darstellt.

Michael Scott sollte kein amerikanischer David Brent werden

Diese Entscheidung war für die Serie wahrscheinlich entscheidender, als es zunächst klingt. Die erste Staffel des amerikanischen The Office orientierte sich noch stark am britischen Original. Auch Michael Scott ähnelte David Brent stärker. Er war unangenehm. Selbstverliebt. Unfähig zu erkennen, wie sehr seine Mitarbeiter unter ihm litten. Doch die amerikanische Serie begann ihre Figur anschließend umzubauen.

Michael blieb unfassbar ungeschickt und egozentrisch. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass hinter seinem Verhalten ein beinahe kindliches Bedürfnis steckte, von allen geliebt zu werden.

Regisseur Paul Feig beschrieb später eine Szene aus der zweiten Staffel als wichtigen Moment. In der Episode Office Olympics schenken Michaels Mitarbeiter ihm eine selbst gebastelte Goldmedaille.

Carell spielte die Reaktion überraschend emotional. Plötzlich war Michael Scott nicht mehr nur der unangenehme Chef. Er war ein einsamer Mann, für den diese absurde Papiermedaille tatsächlich etwas bedeutete.

Genau diese Mischung wurde zum Kern der Figur.

Ausgerechnet der angebliche Flop wird zu seiner wichtigsten Rolle

Der Erfolg war anfangs alles andere als sicher. Carell erzählte 2026 sogar, der Pilot habe bei NBC katastrophale Testwerte erzielt. Zuschauer hätten die Serie regelrecht gehasst. Dann passierte etwas Entscheidendes außerhalb des Fernsehens. Im Sommer 2005 kam Jungfrau (40), männlich, sucht … ins Kino. Und Steve Carell wurde plötzlich ein Filmstar.

Carell entwickelte den Film gemeinsam mit Judd Apatow und spielte Andy Stitzer, einen zurückhaltenden Elektronikverkäufer, der seinen Kollegen gestehen muss, mit 40 noch nie Sex gehabt zu haben.

Die Grundidee hätte problemlos in einer derben Sexkomödie enden können. Carell und Apatow machten Andy jedoch nicht zur Witzfigur. Er ist unbeholfen, aber gleichzeitig freundlich und emotional glaubwürdig.

Genau diese Mischung aus Fremdscham und Menschlichkeit wurde später auch für Michael Scott entscheidend.

Der Film spielte weltweit rund 179 Millionen Dollar ein und machte Carell mit 43 Jahren endgültig zum Hollywoodstar.

The Office wird vom Sorgenkind zum Comedyklassiker

Nach dem Kinoerfolg von Jungfrau (40), männlich, sucht … bekam auch The Office deutlich mehr Aufmerksamkeit. Die Serie fand zunehmend ihren eigenen Ton. John Krasinski als Jim Halpert. Jenna Fischer als Pam Beesly. Rainn Wilson als Dwight Schrute. Mindy Kaling als Kelly Kapoor. B.J. Novak als Ryan Howard.

Und mittendrin Michael Scott, der sich für den besten Chef der Welt hielt und gleichzeitig fast täglich bewies, dass er es nicht war. Carell spielte Michael von 2005 bis 2011 als Hauptdarsteller und kehrte 2013 noch einmal für das Serienfinale zurück.

2006 gewann er für die Rolle den Golden Globe. Bei den Emmys wurde er für Michael Scott mehrfach als Bester Hauptdarsteller nominiert. Gewonnen hat er dort kein einziges Mal.

Dass eine der inzwischen berühmtesten Comedyfiguren des amerikanischen Fernsehens Carell nie einen Schauspiel-Emmy einbrachte, gilt bis heute als eine der auffälligsten Auslassungen der Preisgeschichte.

2011 verabschiedet er sich von Michael Scott

Nach sieben Staffeln verließ Carell The Office. Sein Abschied fiel dabei bewusst ungewöhnlich leise aus. Michael Scott verlässt Scranton, um mit Holly ein neues Leben in Colorado zu beginnen. Keine riesige letzte Katastrophe. Kein spektakulärer Gag.

Stattdessen verabschiedet sich eine Figur, die jahrelang zwanghaft Aufmerksamkeit gesucht hatte, schließlich fast heimlich. Carell erklärte später, genau diese Entwicklung habe ihm gefallen. Michael musste am Ende nicht mehr Mittelpunkt jedes Raumes sein.

Er hatte endlich jemanden gefunden, bei dem er das nicht mehr brauchte.

Parallel zu Michael Scott zeigt Carell längst, dass er mehr als Comedy kann

Schon während The Office baute Carell eine ungewöhnlich vielseitige Filmkarriere auf.

2006 spielte er in Little Miss Sunshine Frank Ginsberg, einen depressiven Literaturwissenschaftler, der nach einem Suizidversuch vorübergehend bei seiner Schwester und deren chaotischer Familie einzieht. Der Film wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet und zeigte früh, dass Carell auch sehr stille Figuren spielen konnte. Es folgten Filme wie Dan – Mitten im Leben!, Get Smart, Date Night – Gangster für eine Nacht und Crazy, Stupid, Love..

Mit Ryan Gosling entwickelte er in letzterem eine Dynamik, die wieder stark auf Carells Spezialität setzte: Ein Mann versucht verzweifelt, souverän zu wirken, während sein Leben vollständig auseinanderfällt.

Als Gru wird Carell auch für Kinder zu einer der bekanntesten Stimmen der Welt

2010 begann parallel noch eine zweite außergewöhnlich langlebige Rolle. In Ich – Einfach unverbesserlich sprach Carell den Superschurken Gru. Die Figur mit schwarzem Mantel, riesiger Nase und einem bewusst schwer einzuordnenden osteuropäischen Akzent wollte zunächst den Mond stehlen.

Dann bekam er drei Adoptivtöchter. Aus dem Superschurken wurde Familienvater. Carell sprach Gru anschließend in mehreren Fortsetzungen und Ablegern. Noch 2024 kehrte er für Ich – Einfach unverbesserlich 4 zurück. Damit kennen mehrere Generationen Carell inzwischen aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen.

Die einen hören seine Stimme und denken an Gru. Die anderen sehen einen Regional Manager einer Papierfirma in Scranton.

Foxcatcher verändert sein Image ein zweites Mal

2014 zeigte Carell eine Seite, die selbst viele langjährige Fans überraschte. In Bennett Millers Foxcatcher spielte er den Millionär John du Pont. Für die Rolle veränderten Prothesen seine Nase und sein Gesicht, Carell sprach deutlich tiefer und reduzierte praktisch sämtliche Merkmale seiner bekannten Comedy-Persona.

Du Pont wirkt ruhig. Kontrolliert. Und zunehmend bedrohlich.

Die wahre Geschichte um den exzentrischen Millionär und das amerikanische Wrestling-Team endete schließlich mit dem Mord an Olympiasieger Dave Schultz. Carells Performance brachte ihm 2015 seine erste Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein. Gewonnen hat Eddie Redmayne für Die Entdeckung der Unendlichkeit.

Für Carell bedeutete die Nominierung trotzdem einen Wendepunkt. Hollywood musste ihn spätestens jetzt nicht mehr automatisch als Komiker besetzen.

2025 spielt Carell gleichzeitig einen normalen Freund und einen Tech-Milliardär

Auch mit über 60 blieb Carell ungewöhnlich produktiv. 2025 gehörte er zum Ensemble von Netflix' The Four Seasons. Die Serie von Tina Fey, Lang Fisher und Tracey Wigfield erzählt von drei langjährigen befreundeten Paaren, deren gemeinsame Urlaube durch eine Trennung durcheinandergeraten.

Carell spielte Nick, der seine Ehe mit Anne beendet und damit die gesamte Dynamik des Freundeskreises verändert.

Die erste Staffel wurde zum Streaming-Erfolg. Seine Figur erlebt allerdings noch vor dem Ende der Staffel einen tödlichen Autounfall, wodurch sich die zweite Staffel 2026 mit den Folgen seines Todes beschäftigt.

Fast gleichzeitig zeigte Carell 2025 eine wesentlich düsterere Seite.

In Jesse Armstrongs Mountainhead spielte er Randall, einen extrem reichen Tech-Unternehmer, der sich gemeinsam mit drei weiteren Männern in einem Luxushaus trifft, während eine durch Technologie und Desinformation verschärfte internationale Krise eskaliert.

Der Film stammt vom Schöpfer von Succession und machte aus Carell erneut eine Figur, bei der Humor und moralische Abgründigkeit kaum voneinander zu trennen sind.

2026 bekommt Steve Carell wieder eine Emmy-Chance

Im Juli wurde Carell für seine Rolle als Greg Russo in Rooster für den Emmy als Bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie nominiert. Die Preisverleihung findet erst im September statt.

Damit hat der Schauspieler, der während seiner gesamten Zeit als Michael Scott nie einen Emmy gewann, 2026 erneut die Chance auf seine erste Schauspiel-Auszeichnung der Television Academy.

Die Ironie ist kaum zu übersehen.

Mehr als 15 Jahre nach seinem Abschied von Dunder Mifflin könnte ausgerechnet eine andere Comedyserie Carell den Preis bringen, den The Office ihm nie brachte.

Michael Scott bleibt trotzdem die Rolle seines Lebens

Heute wird Steve Carell 64 Jahre alt.

Seine Karriere umfasst inzwischen Blockbuster, Animationsfilme, Dramen, Satiren und eine Oscar-Nominierung.

Er war Gru. John du Pont. Donald Rumsfeld. Bobby Riggs. Mark Baum. Und trotzdem wird wahrscheinlich keine Figur stärker mit ihm verbunden bleiben als Michael Scott.

Das Bemerkenswerteste daran ist, dass Carell gerade für diese Rolle auf die eigentlich offensichtlichste Vorbereitung verzichtete.

Denn Carell erkannte offenbar früh das größte Problem einer amerikanischen Version von The Office: Ein zweiter David Brent würde immer nur wie eine Kopie wirken.

Michael Scott musste jemand anderes werden.

Aus einer Serie, vor der Paul Rudd ihn sogar gewarnt hatte und deren Pilot nach Carells Erinnerung bei NBC katastrophal testete, entstand schließlich eine der langlebigsten Comedy-Erfolgsgeschichten seiner Generation.

Und aus dem Schauspieler, der mit Anfang 40 noch vor allem als Korrespondent aus The Daily Show with Jon Stewart bekannt war, wurde innerhalb weniger Jahre einer der größten Comedy-Stars Hollywoods.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....