Steve Irwin: Vor 20 Jahren starb der Crocodile Hunter bei einem der seltensten Tierunfälle überhaupt

Er gehört wohl zu den bekanntesten Tierschützern auf der ganzen Welt – doch hatte auch seine Kontroversen.

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Er liebte Tiere und sein Erbe macht sich dies bis heute zur Aufgabe. | © Wikipedia

Er rang mit Krokodilen, näherte sich Giftschlangen und brachte Millionen Menschen mit einem begeisterten Crikey! die Tierwelt näher. Doch ausgerechnet ein Tier, das normalerweise als vergleichsweise friedlich gilt, kostete Steve Irwin das Leben. Am 4. September 2006 wurde der australische Tierfilmer während Unterwasseraufnahmen von einem Stachelrochen in die Brust getroffen. Er war gerade einmal 44 Jahre alt. Heute, genau 20 Jahre später, lebt sein Vermächtnis nicht nur durch alte Fernsehaufnahmen weiter: Seine Frau Terri, seine Kinder Bindi und Robert, der Australia Zoo und zahlreiche Naturschutzprojekte führen seine Arbeit bis heute fort.

Steve Irwin wuchs praktisch zwischen Krokodilen auf

Stephen Robert Irwin wurde am 22. Februar 1962 im australischen Bundesstaat Victoria geboren. Ein gewöhnliches Verhältnis zu Tieren hatte er allerdings schon als Kind nicht. Seine Eltern Bob und Lyn Irwin waren selbst leidenschaftliche Tierfreunde. 1970 zog die Familie nach Beerwah im Bundesstaat Queensland und eröffnete dort den Beerwah Reptile Park – einen kleinen Tierpark, aus dem Jahrzehnte später der weltbekannte Australia Zoo entstehen sollte.

Steve verbrachte damit einen großen Teil seiner Kindheit zwischen Schlangen, Echsen, Kängurus und Krokodilen. Mit sechs Jahren fing er laut Australia Zoo bereits seine erste giftige Schlange, eine östliche Braunschlange. Seine Mutter musste auf Autofahrten regelmäßig anhalten, weil Steve Tiere von der Straße retten wollte. Und mit neun Jahren half er seinem Vater bereits dabei, kleinere Problemkrokodile einzufangen und umzusiedeln.

Was bei anderen Kindern vermutlich einen sehr besorgten Anruf bei den Eltern ausgelöst hätte, war in der Familie Irwin Teil des Alltags.

In den 1980er-Jahren fing er mehr als 100 Krokodile

Aus der Faszination wurde schließlich ein Beruf.

In den 1980er-Jahren arbeitete Irwin freiwillig beim East-Coast Crocodile Management Program in Queensland mit. Dabei wurden Krokodile eingefangen, die sich in der Nähe von Menschen angesiedelt hatten und deshalb als Gefahr betrachtet wurden.

Irwin fing im Rahmen dieser Arbeit deutlich mehr als 100 Krokodile. Viele wurden umgesiedelt, andere fanden im Tierpark seiner Familie ein neues Zuhause. Die von ihm mitentwickelten Techniken zur Untersuchung und zum Umgang mit Krokodilen werden laut Australia Zoo bis heute in der Forschung eingesetzt.

Dabei war Irwins Ansatz grundsätzlich anders als das Bild, das der Begriff Crocodile Hunter später teilweise vermittelte.

Er wollte die Tiere nicht töten. Er wollte verhindern, dass sie getötet werden.

Dann kam Terri

1991 übernahm Steve die Leitung des Tierparks seiner Eltern.

Kurz darauf besuchte die Amerikanerin Terri Raines den Park. Terri arbeitete selbst mit verletzten Wildtieren und hatte in den USA eine eigene Auffangstation aufgebaut. Die beiden verliebten sich, heirateten am 4. Juni 1992 – und verzichteten anschließend auf eine gewöhnliche Hochzeitsreise.

Stattdessen fuhren Steve und Terri nach Nord-Queensland, um ein Problemkrokodil einzufangen und umzusiedeln. Und sie ließen sich dabei filmen.

Aus dem Material entstand der Anfang von The Crocodile Hunter. Was ursprünglich nur eine Wildlife-Dokumentation war, entwickelte sich zu einem internationalen Fernsehphänomen. Steve und Terri drehten später Hunderte Episoden verschiedener Tierformate; Australia Zoo spricht von mehr als 500 Millionen Zuschauern weltweit.

Mit "Crikey!" wurde er weltweit bekannt

Steve Irwin sah nicht aus wie ein typischer Fernsehmoderator.

Fast immer trug er khakifarbene Shorts und ein passendes Hemd. Er sprach laut, schnell und mit einem extrem ausgeprägten australischen Akzent. Wenn ihn ein Tier begeisterte, konnte aus einer gewöhnlichen Begegnung innerhalb weniger Sekunden ein emotionaler Ausnahmezustand werden.

Sein berühmtestes Wort: "Crikey!"

Gerade diese ungefilterte Begeisterung machte ihn international populär. Irwin erklärte Tiere nicht aus sicherer Entfernung. Er lag neben Krokodilen im Schlamm, hielt Schlangen vor die Kamera und näherte sich Tieren so nah, dass Zuschauer teilweise kaum unterscheiden konnten, ob sie gerade eine Naturdokumentation oder eine Actionszene sahen.

Darin steckte allerdings eine klare Strategie.

Irwins Grundidee lautete Conservation Through Exciting Education: Menschen sollten Tiere erst spannend finden – und dadurch anschließend bereit sein, sie zu schützen. Dieses Prinzip wird im Australia Zoo bis heute als Teil seiner Mission weitergeführt.

Hollywood bekam seinen eigenen Crocodile Hunter

Die Popularität der Fernsehsendung führte 2002 schließlich zu einem Kinofilm.

In Crocodile Hunter – Auf Crash-Kurs spielten Steve und Terri praktisch Versionen ihrer selbst. Während sie versuchen, ein Krokodil zu retten, geraten sie unwissentlich in eine Geschichte um amerikanische Geheimagenten und einen abgestürzten Satelliten.

Der Film wurde zwar kein großes Kritikerereignis, zeigte aber, welchen Bekanntheitsgrad Irwin inzwischen erreicht hatte. Der Mann, der ursprünglich in einem kleinen Reptilienpark aufgewachsen war, war zu einer der international bekanntesten Persönlichkeiten Australiens geworden.

Bei Steve Irwin war die Unterhaltung allerdings nie vollständig vom Naturschutz getrennt.

Steve und Terri beschlossen nach Angaben des Australia Zoo, Einnahmen aus ihren Produktionen und Merchandise wieder in Naturschutzprojekte zu investieren. 2002 gründeten sie die Organisation Wildlife Warriors. Zudem entstand das Australia Zoo Wildlife Hospital, das verletzte australische Wildtiere behandelt und rehabilitiert. Nach aktuellen Angaben des Zoos werden dort jedes Jahr Tausende Tiere versorgt.

Irwin kaufte außerdem Land, um Lebensräume dauerhaft vor Bebauung oder wirtschaftlicher Nutzung zu schützen.

Nach seinem Tod wurde auf der Cape-York-Halbinsel ein rund 135.000 Hektar großes Schutzgebiet nach ihm benannt: das Steve Irwin Wildlife Reserve.

Sein wichtigstes Vermächtnis sollten trotzdem seine Kinder sein

Steve und Terri bekamen zwei Kinder. 1998 wurde ihre Tochter Bindi geboren, 2003 folgte Sohn Robert. Und selbst Bindis Name hatte mit Tieren zu tun: Sie wurde unter anderem nach Bindi benannt, einem von Steves Lieblingskrokodilen. Das Tier lebt bis heute im Australia Zoo.

Steve erklärte zu Lebzeiten mehrfach, dass ihm seine Rolle als Vater besonders wichtig sei. Laut dem National Film and Sound Archive of Australia sagte er sogar, dass er, wenn man sich an etwas über ihn erinnern solle, gerne als guter Vater in Erinnerung bleiben würde.

Genau deshalb gehört eine Szene aus dem Jahr 2004 allerdings auch zu den größten Kontroversen seiner Karriere.

2004 hielt er seinen einen Monat alten Sohn in einem Krokodilgehege

Bei einer öffentlichen Vorführung im Australia Zoo hielt Irwin seinen damals nur einen Monat alten Sohn Robert auf dem Arm und fütterte gleichzeitig ein großes Krokodil. Die Bilder gingen um die Welt.

Behörden erhielten Beschwerden, Politiker kritisierten Irwin und internationale Medien verglichen die Szene mit Michael Jacksons berüchtigtem Balkonmoment mit seinem Baby. Irwin bestand darauf, dass zwischen ihm und dem Krokodil ein sicherer Abstand bestanden habe und dass er seine Kinder bewusst früh über den richtigen Umgang mit Krokodilen unterrichten wolle.

Gleichzeitig entschuldigte er sich dafür, Menschen mit der Situation erschreckt zu haben, und sagte, er würde einige Dinge im Nachhinein anders machen. Rechtliche Konsequenzen gab es nicht.

So beliebt Irwin war, sein Ansatz war nie unumstritten.

Kritiker warfen ihm vor, Tieren für spektakuläre Fernsehbilder zu nahe zu kommen. 2004 wurde beispielsweise untersucht, ob er bei Dreharbeiten in der Antarktis geltende Regeln verletzt hatte, nachdem Aufnahmen unter anderem seine Nähe zu Walen und anderen geschützten Tieren zeigten.

Irwin bestritt Fehlverhalten und argumentierte, dass solche Bilder Menschen überhaupt erst emotional für den Schutz dieser Tiere erreichen würden. Die Diskussion begleitet sein Vermächtnis bis heute: War seine extreme Nähe zu Wildtieren pädagogisch wertvoll oder manchmal unnötig riskant? Wahrscheinlich war sie beides.

Kaum jemand machte Krokodile, Schlangen und andere häufig gefürchtete Tiere einer so großen Zuschauerschaft sympathisch. Gleichzeitig basierte ein wesentlicher Teil seiner Fernsehpersönlichkeit darauf, Grenzen auszureizen, die für normale Menschen ausdrücklich nicht als Vorbild gedacht waren.

Eine Meeresdoku beendet sein Leben

Anfang September 2006 befand sich Irwin mit einem Filmteam am Great Barrier Reef vor der Küste Queenslands. Die Crew arbeitete an einer Dokumentation über gefährliche Meerestiere.

Das Wetter machte einen Teil der ursprünglich geplanten Aufnahmen unmöglich. Deshalb nutzte Irwin die freie Zeit, um zusätzlich Material für eine neue Kindersendung seiner damals achtjährigen Tochter Bindi aufzunehmen.

Gemeinsam mit Kameramann Justin Lyons ging er am Batt Reef bei Port Douglas ins flache Wasser. Dort entdeckten sie einen großen Stachelrochen.

Die geplante Aufnahme war vergleichsweise unspektakulär. Irwin sollte sich hinter dem Rochen befinden, während die Kamera filmte, wie das Tier davonschwimmt. Doch der Rochen reagierte plötzlich defensiv. Sein Schwanz schlug mehrfach nach oben. Einer der Stacheln traf Irwin in die Brust und verletzte sein Herz schwer.

Die Crew brachte ihn sofort zurück zum Boot und versuchte, ihn wiederzubeleben. Rettungskräfte konnten anschließend nur noch seinen Tod feststellen.

Steve Irwin war 44 Jahre alt.

Der Stachelrochen hatte ihn nicht gejagt oder gezielt angegriffen

Gerade wegen Irwins Ruf entstand unmittelbar nach seinem Tod die Frage, ob er das Tier provoziert oder ein unnötiges Risiko eingegangen war. Die Polizei sichtete die Videoaufnahmen des Unfalls. Ihr Ergebnis: Es gab keine Hinweise darauf, dass Irwin den Rochen bedroht oder absichtlich gereizt hatte. Er habe das Tier beobachtet.

Auch Meerestierexperten betonten damals, wie außergewöhnlich der Unfall war.

Stachelrochen vermeiden Menschen normalerweise und schwimmen bei einer wahrgenommenen Gefahr eher davon. Ihr mit einem Stachel versehener Schwanz dient vor allem der Verteidigung. Irwin hatte schlicht enormes Pech: Der Stachel traf ihn genau an einer Stelle, an der die Verletzung unmittelbar lebensbedrohlich war.

Der Unfall wurde von einer Kamera aufgezeichnet Das führte schon kurz nach seinem Tod zu Spekulationen darüber, ob das Material irgendwann veröffentlicht werden könnte. Dazu kam es nie.

2007 erklärte der zuständige Queensland-Coroner, dass Kopien der Aufnahme vernichtet worden seien. Das Original wurde Terri Irwin übergeben, um sicherzustellen, dass die Bilder nicht öffentlich ausgestrahlt werden.

Auch Kameramann Justin Lyons sprach sich später klar dagegen aus, das Material jemals zu zeigen.

Damit gehört einer der wohl bekanntesten tödlichen Unfälle eines Fernsehstars gleichzeitig zu den wenigen Fällen, bei denen die entsprechenden Bilder trotz enormen öffentlichen Interesses nicht veröffentlicht wurden.

Australien und 300 Millionen Menschen nehmen Abschied

Die Reaktion auf Irwins Tod zeigte, wie groß seine Bedeutung inzwischen geworden war.

Der damalige australische Premierminister John Howard bezeichnete ihn als australische Ikone. Die Regierung bot der Familie sogar ein Staatsbegräbnis an. Sein Vater Bob lehnte ab.

Steve hätte sich selbst als gewöhnlichen Australier betrachtet und kein großes Staatsbegräbnis gewollt, erklärte er damals. Die Familie verabschiedete Irwin deshalb zunächst in einer privaten Zeremonie. Für die Öffentlichkeit folgte wenig später allerdings eine wesentlich größere Gedenkfeier.

Am 20. September 2006 versammelten sich rund 5.000 Menschen im Crocoseum des Australia Zoo. Die Gedenkveranstaltung wurde weltweit übertragen. ABC berichtete anschließend von geschätzt rund 300 Millionen Fernsehzuschauern.

Der emotionalste Moment gehörte seiner achtjährigen Tochter Bindi. Sie erklärte vor dem Publikum, ihr Vater sei ihr Held gewesen und sie wolle dafür sorgen, dass seine Leidenschaft für Tiere nicht verschwinde. Damals klang das wie das Versprechen eines Kindes. 20 Jahre später ist daraus ziemlich genau das geworden, was passiert ist.

Bindi und Robert führen die Arbeit ihres Vaters weiter

Terri Irwin entschied sich nach Steves Tod dafür, den Australia Zoo weiterzuführen.

Auch Bindi und Robert machten Tiere und Naturschutz zu einem zentralen Teil ihres Lebens.

Bindi arbeitet als Naturschützerin und Medienpersönlichkeit und hat inzwischen selbst eine Tochter. Robert ist Tierfotograf, Fernsehmoderator und regelmäßig bei den Krokodilvorführungen des Australia Zoo zu sehen.

Gemeinsam mit Terri führten die Geschwister ihre Arbeit später auch in der Serie Die Irwins – Crocodile Hunter Family vor der Kamera weiter.

Gerade Robert wird aufgrund seines Aussehens, seiner Stimme und seiner Begeisterung für Tiere immer wieder mit seinem Vater verglichen.

Doch Terri betont, dass beide Kinder ihren eigenen Weg gefunden haben. Robert nutzt unter anderem Fotografie und klassische Unterhaltungsshows, um ein neues Publikum zu erreichen – während seine eigentliche Arbeit weiterhin im Australia Zoo und im Naturschutz liegt. Noch 2026 bezeichnete er die Arbeit mit Wildtieren als seinen eigentlichen Beruf.

Auch der Ort, an dem alles begann, zeigt am deutlichsten, was von Steve Irwin geblieben ist.

Der ursprüngliche Beerwah Reptile Park seiner Eltern bestand 1970 aus gerade einmal zwei Hektar Land. Heute erstreckt sich der Australia Zoo nach eigenen Angaben über mehr als 700 Hektar. Dort leben über 1.200 Tiere. Zusätzlich betreibt die Familie Wildlife Warriors, das Wildlife Hospital und internationale Schutzprojekte.

Die Krokodilforschung, die Steve bereits in den 1980er-Jahren begonnen hatte, läuft ebenfalls weiter. Gemeinsam mit Wissenschaftlern werden Krokodile gefangen, vermessen, markiert und anschließend wieder freigelassen.

Bis Ende der Forschungssaison 2024 waren laut Australia Zoo 296 Krokodile im Wenlock River in das Forschungsprogramm aufgenommen worden und mehr als zehn Millionen Datensätze gesammelt.

Eine Schildkröte als letztes Erbe

Irwins Name findet sich nicht nur auf Gebäuden und Naturschutzgebieten. 1997 entdeckte er gemeinsam mit seinem Vater eine bis dahin wissenschaftlich nicht beschriebene Schildkröte. Die Art wurde später als Irwins Schildkröte beziehungsweise "Elseya irwini" bekannt. Nach seinem Tod wurden weitere Tierarten nach ihm benannt. 2009 erhielt beispielsweise eine australische Landschnecke den bemerkenswert passenden wissenschaftlichen Namen Crikey steveirwini.

Selbst wenn irgendwann niemand sich mehr an Irwin den Mensch erinnern sollte, wird sein Name von der Tierwelt weitergetragen werden.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....