Jugendlichem droht Gefängnisstrafe, nachdem er unschuldigen Seelöwen mehrmals getreten hat

Wenn Konsequenzen ausgeblendet werden...

Das neugierige, friedfertige Tier wurde einfach vom 18-jährigen attackiert. | © YouTube

Man stelle sich vor, nachts an der kalifornischen Küste entlang zu spazieren und auf einer kleinen Mauer plötzlich einen Seelöwen zu erblicken. Ein echtes Tier, das viele sonst wohl nur hinter Plexiglas gefangen aus dem Tiergarten kennen. Für die meisten wäre dies wohl ein ganz besonderer Moment, einige würden ihn sicherlich auch mit dem Handy festhalten wollen – ein paar dächten eventuell sogar daran, dass ein Video davon auf Social Media einige Likes bringen würde.

Einer hatte die Idee, das Tier zu attackieren.

18-jähriger tritt Seelöwen

Der 18-jährige Tyler Muehl ging am 22. Juli 2026 auf das Tier zu, welches aufmerksam aber friedfertig auf der Mauer an der Bucht von La Jolla bei San Diego saß, ballte die Fäuste und hielt sie vor sich, als wäre er in einem Boxkampf, bezeichnete sich selbst als UFC-Kämpfer Max Holloway und trat viermal nach dem Tier.

Zweimal traf er es im Gesicht. Der Seelöwe wich zurück, versuchte zu fliehen und wurde weiter verfolgt. Erst über die Mauer gelangte er an den Strand.

Gefilmt wurde das Ganze von seinen Freunden, die sich köstlich darüber zu amüsieren schienen, wie Muehl das Tier misshandelte. Kurz danach landete der Clip im Netz – vermutlich weil die Jugendlichen glaubten, dass die Internetgemeinde die Aktion ebenso unterhaltsam finden würde. Tat sie zum Glück nicht.

Das Video verbreitete sich im Netz, wurde tausendfach kritisiert und der Vorfall an die Behörden gemeldet. Während das Internet sich auf die Suche nach dem Täter machte und zuerst einen falschen Verdächtigen und dessen Mutter in die Öffentlichkeit zerrte, weil dieser einen dummen Kommentar zum Video machte, meldete sich Muehl kurz darauf selbst bei der Polizei.

Am 13. August bekannte er sich schuldig, gegen den US-amerikanischen Marine Mammal Protection Act verstoßen zu haben. An den Küsten werden Meeresbewohner durch besondere Gesetze geschützt, die über reguläre Tierquälerei-Gesetze hinausgehen. Das Strafmaß stand zum Zeitpunkt der Ankündigung noch aus; die Verkündung ist für den 20. Oktober angesetzt. Möglich sind bis zu ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 100.000 US-Dollar.

Wenn die Kamera wichtiger wird als das Gegenüber

Was Muehl zu seinem Angriff bewogen hat, ist damit nicht geklärt. Dass es ein Video gibt, beweist weder, dass er die Tat für Klicks geplant hat, noch, dass Social Media die Ursache war. Trotzdem wirft der Fall eine Frage auf, die weit über La Jolla hinausgeht: Was passiert, wenn Jugendliche eine Begegnung mit einem Menschen oder Tier zuerst als mögliche Szene für einen Clip wahrnehmen?

Online kann eine Provokation wie ein kurzer Gag aussehen. Vor Ort gibt es keinen Schnitt und keinen Neustart. Ein Tier gerät in Panik oder wird verletzt. Ein Mensch wird bedrängt, bloßgestellt oder angegriffen. Wer filmt, lacht oder anfeuert, kann die Hemmschwelle zusätzlich senken. Die erhofften Views sind abstrakt; die Folgen für das Gegenüber sind real.

Immer wieder lassen sich solche Trends und die teils schrecklichen Konsequenzen erkennen. Klingelstreiche, die Menschen in Todesangst versetzen sollen und sogar Leben fordern, vermeintliche Tierschützerinnen, die Schildkröten in Mülltonnen legen, nur um dann ein Video zu fingieren, in welchem sie die Tiere retten oder etwa Jack Doherty, der eine ganze grauenhafte Internetkarriere daraus schuf, unschuldig Menschen zu belästigen und das Ganze im Netz zu veröffentlichen.

Internetruhm ohne negative Konsequenzen?

Für viele Zuschauer zählt dabei nur der Clip. Die Provokation oder Tat wird als Einleitung in einen lustigen Moment angesehen. Als Ergebnis werden keine verstörten oder verletzten Lebewesen angesehen, keine Situation die eventuell sogar in Gewalt oder einer Festnahme endet, sondern Klickzahlen, Likes und vermeintliche Berühmtheit im Internet.

Erfolg der vermeintlich völlig ohne negative Konsequenzen erzielt wird, findet Nachahmer, die sogar noch weitergehen, schließlich fordert das Internet immer krassere Trends und die Frage nach Opfern solcher Videos enden für viele in dem Moment, wenn der Clip vorbei ist.

Ob Muehler selbst auf der Jagd nach Likes war, kann natürlich nicht gesagt werden, dass aber auch hier eine Entkopplung von Konsequenzen und Videomaterial erfolgt ist, zeigt der Fakt, dass er oder seine Freunde das Video ins Netz stellten - die sinkende Hemmschwelle trifft damit also nicht nur – angehende und etablierte – Influencer und Content Creator, sondern alle Konsumenten dieser Clips und sollte, genau wie in diesem Fall gesellschaftlich und von der Justiz wieder klarer mit Reaktionen und Strafen in Verbindung gebracht werden.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....