Vom Kind des Krieges zum Vater des Animationsfilms: Hayao Miyazaki wird 84

Aus den Schrecken des Krieges macht Miyazaki etwas, was die Welt bereichert.

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Mit "Prinzessin Mononoke" veränderte sich die weltweite Wahrnehmung von Anime. | © Wikipedia

Am heutigen 5. Januar 2025 feiert Hayao Miyazaki seinen 84. Geburtstag. Kaum ein anderer Filmemacher hat die Welt der Animation so nachhaltig geprägt wie er. Seine Filme sind nicht nur Meisterwerke des japanischen Anime, sondern universelle Erzählungen über Menschlichkeit, Natur, Krieg und Hoffnung – Geschichten, die Generationen und Kulturen verbinden.

Krieg: Schrecken und Faszination

Hayao Miyazaki wurde 1941 in Tokio geboren, in einer Zeit, in der Japan vom Krieg gezeichnet war. Diese frühen Erfahrungen – insbesondere die Ambivalenz von Technik, Fliegerei und Zerstörung – ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft und Volkswirtschaft begann er seine Karriere bei Toei Animation, wo sich früh zeigte, dass er mehr wollte als bloße Unterhaltung: Animation als ernsthafte Kunstform.

In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte Miyazaki seine unverwechselbare Handschrift: detailverliebte Welten, starke weibliche Figuren, moralische Grauzonen statt klarer Gut-und-Böse-Schemata. 1985 gründete er gemeinsam mit Isao Takahata Studio Ghibli – ein kreativer Gegenentwurf zur industriellen Massenproduktion von Animation.

Oscargekrönte Meisterwerke

Filme wie Nausicaä aus dem Tal der Winde, Prinzessin Mononoke oder Das wandelnde Schloss sind längst Teil des globalen Kulturerbes. Sie erzählen von Umweltzerstörung und Versöhnung, von individueller Verantwortung und gesellschaftlichem Wandel – ohne je belehrend zu wirken.

Mit Chihiros Reise ins Zauberland gewann Miyazaki 2003 als erster Anime-Regisseur den Oscar für den besten Animationsfilm und öffnete damit endgültig die Tore des westlichen Mainstreams für japanische Animation. Sein jüngstes Werk, Der Junge und der Reiher, wirkte wie ein persönliches Vermächtnis: melancholisch, poetisch und zutiefst reflektierend über Leben, Verlust und Kreativität.

Miyazaki 02 Universum Film
Die Schönheit der Natur und die Abgründe des Krieges sind Eckpfeiler seiner Kunst. | © Universum Film

Studio Ghibli und die globale Wahrnehmung von Anime

Vor Ghibli galt Anime im Westen oft als Nischenphänomen oder Kinderunterhaltung. Studio Ghibli änderte das grundlegend. Die Filme wurden auf internationalen Festivals gezeigt, in Programmkinos diskutiert und in Universitäten analysiert. Anime wurde plötzlich als ernstzunehmende Filmkunst wahrgenommen.

In Hollywood bekannten sich Regisseure wie Guillermo del Toro, John Lasseter oder Greta Gerwig offen zu Miyazakis Einfluss. Pixar, Disney und DreamWorks übernahmen nicht seinen Stil, wohl aber seine Haltung: Respekt vor dem Publikum, emotionale Tiefe und Vertrauen in visuelles Erzählen ohne permanente Erklärung.

Die bleibende Wirkung

Miyazaki selbst hat sich immer wieder kritisch gegenüber Kommerz, Digitalisierung und moderner Produktionslogik geäußert. Und doch ist sein Einfluss heute überall spürbar: in westlichen Animationsfilmen, in Videospielen, in Illustrationen, ja sogar in der Art, wie über Natur und Verantwortung erzählt wird.

An seinem 84. Geburtstag feiern wir nicht nur einen Regisseur, sondern einen Humanisten der Animation. Hayao Miyazaki hat bewiesen, dass gezeichnete Bilder Wahrheiten transportieren können, die manchmal tiefer gehen als jede reale Aufnahme. Seine Filme erinnern uns daran, langsamer zu schauen, genauer zu fühlen – und die Welt mit Staunen zu betrachten.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....