Wie der Schauspieler hinter Ramsay Bolton wegen seiner Rolle im Privatleben attackiert wurde: Iwan Rheon wird 41

Als Ramsay Bolton erntete er Weltbekanntheit, aber auch den einen oder anderen bösen Blick.

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Die Rolle des Ramsay Bolton hat Iwan Rheon inzwischen hinter sich gelassen. | © S4C

Iwan Rheon feiert heute seinen 41. Geburtstag. Geboren wurde er am 13. Mai 1985 in Carmarthen in Wales und wuchs in Cardiff auf. Dass er später einmal weltweit als Ramsay Bolton, einer der verhasstesten Bösewichte aus Game of Thrones, bekannt werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Rheon kam aus der walisischen Sprache, aus Musik, Theater und einer eher stillen, künstlerischen Neugier — nicht aus der Pose des Schurken. Seine Muttersprache ist Walisisch, und gerade diese Herkunft ist bis heute ein wichtiger Teil seiner öffentlichen Identität.

Von der Soap zum Fantasy-Epos

Seine Karriere begann früh im walisischen Fernsehen, unter anderem in der Seifenoper Pobol y Cwm. Danach studierte er an der London Academy of Music and Dramatic Art und machte auch auf der Bühne Eindruck. 2010 gewann er den Olivier Award für seine Rolle als Moritz Stiefel im Musical Spring Awakening — ein früher Hinweis darauf, dass Rheon nicht nur ein Fernsehgesicht, sondern auch ein ernstzunehmender Theater- und Musikkünstler war.

Der erste große TV-Durchbruch kam mit Misfits. Als Simon Bellamy spielte Rheon einen unsicheren, verletzlichen jungen Mann, dessen Fähigkeit zur Unsichtbarkeit fast schon wie eine Metapher für seine soziale Isolation wirkte. Die Serie verband Superkräfte, Sozialdrama und schwarzen Humor — und Rheon zeigte darin eine Sensibilität, die später oft von seiner berühmtesten Rolle überdeckt wurde.

Dann kam Game of Thrones. Ab 2013 spielte Rheon Ramsay Snow, später Ramsay Bolton: Folterer, Manipulator, Sadist. Die Figur wurde zu einem der meistgehassten Charaktere der Serie. Rheon spielte Ramsay nicht als lauten Superschurken, sondern als unberechenbaren, fast freundlich lächelnden Albtraum. Gerade diese Kälte machte ihn so effektiv. Seine Szenen mit Theon Graufreud und Sansa Stark gehören zu den brutalsten und meistdiskutierten Momenten der Serie.

Der Hass des Ramsay Bolton

Doch wie viel Hass bekam Iwan Rheon im echten Leben ab? Die Antwort ist differenzierter, als man vermuten könnte. Ja, Fans sprachen ihn offenbar immer wieder mit Sätzen wie "Ich hasse dich" an – aber Rheon selbst beschrieb das meist als augenzwinkernd. Dennoch gestand er auch, dass es einige Situationen gab, die brenzlig schienen und bei dem ihm nicht ganz klar war, ob die Menschen, die ihm da begegneten, wirklich zwischen Fakt und Fiktion unterschieden und sich ihre Abneigung nicht am Ende gegen ihn, statt seine Figur richteten.

In einem Interview sagte er sinngemäß, die Leute wüssten im Allgemeinen aber, dass er Schauspieler sei; Bemerkungen seien meistens nicht ernsthaft bedrohlich gemeint. Er sagte auch, er bekomme eigentlich keinen echten Ärger.

Das ist ein entscheidender Punkt: Rheon wurde für Ramsay Bolton gehasst, aber eher als Figur, nicht als Mensch. Der Hass war ein Beweis für die Wirkung seiner Darstellung. Gleichzeitig blieb er in Interviews auffallend reflektiert. Er sprach offen darüber, dass die Industrie nach Game of Thrones dazu neige, ihn erneut als "bösen Mann" zu besetzen. 2024 sagte er zu Those About to Die, er habe gezögert, wieder eine rücksichtslose Figur zu spielen, weil Ramsay so groß gewesen sei und manche Produzenten offenbar dächten: "Das kann er, also mehr davon." Über seine neue Figur Tenax betonte er jedoch, sie sei anders: kein Psychopath, sondern ein Produkt ihrer Umgebung.

Danach suchte Rheon deshalb sichtbar nach Vielfalt. Er spielte in Vicious, Inhumans, American Gods. In The Dirt verkörperte er Mötley-Crüe-Gitarrist Mick Mars. 2024 trat er in Roland Emmerichs Antikenserie Those About to Die auf, an der Seite von Anthony Hopkins. 2025 veröffentlichte er außerdem sein zweites Musik-Album I Just Wish I’d Never Gone to Space, sein erstes Album seit rund zehn Jahren.

Walisische Musik und das Gute als inneres Bedürfnis

Seine Musik ist mehr als ein Nebenprojekt. Rheon singt und schreibt seit seiner Jugend, und gerade das Walisische scheint für ihn eine emotionale Rückverbindung zu sein. In einem Interview 2025 sagte er, das Singen in seiner Muttersprache gebe ihm Zugang zu einem jüngeren, unschuldigeren Teil seiner selbst. Das wirkt fast wie das Gegenbild zu Ramsay Bolton: Dort die grausame Maske, hier die private Herkunft, die Stimme, das Land, die Erinnerung.

Auch sein Engagement ist eher kulturell, sozial und ökologisch geprägt. Besonders deutlich wurde das 2019, als er sich als Naturbotschafter für Wales an die Future Generations Commissioner for Wales wandte und forderte, Natur und Artenvielfalt stärker ins Zentrum der Zukunftspolitik zu stellen. Er sprach davon, Wales als Land voller Wildtiere und Naturschönheit bewahren zu wollen — auch für seinen Sohn.

Auch sozial hat Rheon seinen Namen wiederholt für gute Zwecke eingesetzt. Für Maggie’s Cardiff, ein Zentrum zur Unterstützung von Menschen mit Krebs und ihren Angehörigen, half er 2021 bei einer Spendenaktion. Die Organisation beschrieb ihn damals als Unterstützer, der beim Sammeln dringend benötigter Mittel half. Außerdem war er im Umfeld von Red Nose Day/Comic Relief zu sehen; 2016 trat er gemeinsam mit Danny Trejo und Steve Buscemi in einem humorvollen Scary Guys-Sketch auf, der gerade mit seinem Ramsay-Image spielte.

Ein Mensch, weit weg von seinen Rollen

Zu seinem sozialen Profil gehört auch seine Verbindung zu Wales und zur walisischen Sprache. Rheon ist kein Schauspieler, der seine Herkunft nur als biografische Fußnote behandelt. Er kehrt in walisische Stoffe zurück, arbeitet in walisischen Produktionen und spricht über das Gefühl, beim Wegzug aus Wales einen Teil von sich zurückgelassen zu haben. Das ist nicht Parteipolitik, aber es ist kulturelle Haltung: eine Verteidigung von Sprache, Herkunft und regionaler Identität.

An seinem 41. Geburtstag steht Iwan Rheon deshalb für einen reizvollen Widerspruch: Er wurde weltberühmt, weil er einen Menschen ohne Mitgefühl spielte — und wirkt gerade deshalb im echten Leben umso stärker als Künstler mit leiser, nachdenklicher Präsenz. Ramsay Bolton brachte ihm den Ruhm, den Fan-Hass und das Etikett des perfekten Bösewichts. Aber Iwan Rheon ist mehr als dieser Schatten aus Winterfell: Waliser, Musiker, Theaterdarsteller, Charakterkopf und jemand, der offenbar genau weiß, wie gefährlich es ist, wenn eine Rolle zu gut funktioniert.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....