Von Beetlejuice zur Fast-Frau von Keanu Reeves zu Stranger Things.
Als Lydia Deetz wurde sie zur Identifikationsfigur für Außenseiter, als Joyce Byers erreichte sie eine neue Generation: Winona Ryder gehört zu den unverwechselbaren Gesichtern Hollywoods. Heute, am 29. Oktober 2026, feiert die Schauspielerin ihren 55. Geburtstag. Zu ihrer Geschichte gehören zwei Oscar-Nominierungen, ein bemerkenswertes Comeback und einige der bekanntesten Anekdoten der Filmwelt – von Johnny Depps verändertem Liebestattoo bis zu einer möglicherweise echten Trauungszeremonie mit Keanu Reeves.
Aus Winona Laura Horowitz wird Winona Ryder
Geboren wurde die Schauspielerin am 29. Oktober 1971 im US-Bundesstaat Minnesota als Winona Laura Horowitz. Ihren Vornamen erhielt sie nach der Stadt Winona. Sie wuchs in einem literarisch und künstlerisch geprägten Elternhaus auf und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in einer kalifornischen Kommune.
Als Jugendliche fand sie zur Schauspielerei. Für ihr Filmdebüt in Lucas von 1986 brauchte sie schließlich den Namen, unter dem das Publikum sie kennenlernen sollte. Die Inspiration für Ryder lieferte der Musiker Mitch Ryder, dessen Musik ihr Vater mochte.
Der häufig erzählten Entstehungsgeschichte zufolge lief gerade eine seiner Platten, als entschieden werden musste, welcher Name im Abspann stehen sollte. Aus Horowitz wurde Ryder – ein Künstlername, der bald weltweit bekannt war.
Die Außenseiterin wird zum Star
Bereits 1988 gelang Ryder mit Tim Burtons Beetlejuice ein prägender Auftritt. Als schwarz gekleidete Lydia Deetz begegnete sie der Geisterwelt mit einer Selbstverständlichkeit, die den Erwachsenen um sie herum fehlte. Die Figur machte sie zur Heldin für Jugendliche, die sich selbst nicht in den gängigen Vorstellungen von Normalität wiederfanden.
Auch Heathers passte zu diesem frühen Profil. Die bitterböse Highschool-Satire blickte hinter Beliebtheitswettbewerbe und die Grausamkeit vermeintlich perfekter Jugendwelten. Ryder verkörperte keine makellose Musterschülerin, sondern eine junge Frau, deren Wunsch nach Zugehörigkeit gefährliche Folgen hat.
Mit Edward mit den Scherenhänden folgte 1990 eine weitere Zusammenarbeit mit Burton. An der Seite von Johnny Depp spielte sie Kim, die hinter dem befremdlichen Äußeren des künstlich geschaffenen Edward einen empfindsamen Menschen erkennt. Im selben Jahr stand sie für Meerjungfrauen küssen besser neben Cher vor der Kamera.
Johnny Depp und das Versprechen für immer
Ryder und Depp waren bereits ein Paar, als sie gemeinsam Edward mit den Scherenhänden drehten. Ihre Beziehung begann 1989, 1990 verlobten sie sich. Die beiden wurden zu einem der bekanntesten jungen Hollywoodpaare ihrer Zeit.
Depp ließ sich seine Liebeserklärung auf den rechten Oberarm tätowieren: "Winona Forever", also "Winona für immer". Das Versprechen hielt als Beziehung allerdings nicht dauerhaft. 1993 trennten sich die beiden.
Das Tattoo verschwand anschließend nicht vollständig. Depp ließ den Namen kürzen: Aus "Winona Forever" wurde "Wino Forever". Wino ist eine umgangssprachliche englische Bezeichnung für einen starken Trinker. Aus der romantischen Widmung wurde damit eine selbstironische Formulierung – und eine der berühmtesten Tattoo-Geschichten der Popkultur.
Hat sie Keanu Reeves tatsächlich geheiratet?
Eine andere Geschichte begleitet Ryder seit den Dreharbeiten zu Bram Stoker’s Dracula von 1992. Darin spielen sie und Keanu Reeves das Liebespaar Mina und Jonathan Harker. Für deren Hochzeit ließ Regisseur Francis Ford Coppola nach den späteren Schilderungen der Beteiligten eine vollständige Zeremonie mit einem echten rumänischen Priester durchführen.
2018 erklärte Ryder deshalb in einem Interview, sie glaube, mit Reeves möglicherweise tatsächlich verheiratet zu sein. Coppola bestätigte den Hintergrund der Szene. Auch Reeves griff die Geschichte später auf und scherzte, sie seien wohl vor Gott verheiratet.
Die Anekdote beruht auf der am Filmset durchgeführten religiösen Zeremonie und den Aussagen der Beteiligten. Ob daraus eine kirchlich anerkannte Verbindung entstand, ist damit ebenfalls nicht abschließend geklärt.
Für Ryder und Reeves wurde die Geschichte jedenfalls zum liebevollen Running Gag ihrer langjährigen Freundschaft. Noch Jahrzehnte später berichtete Ryder, dass sie sich in Nachrichten gegenseitig als Ehemann und Ehefrau ansprechen. 2018 standen sie für Destination Wedding erneut gemeinsam vor der Kamera.
Zwei Oscar-Nominierungen und ein eigener Platz im Kino
In den 1990er-Jahren entwickelte Ryder ihr Rollenprofil deutlich weiter. Für Martin Scorseses Zeit der Unschuld von 1993 gewann sie einen Golden Globe und erhielt eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Ihre scheinbar sanfte May Welland erwies sich als wesentlich aufmerksamer und entschlossener, als ihre Umgebung wahrhaben wollte.
Bereits im folgenden Jahr spielte sie Jo March in Betty und ihre Schwestern. Die Rolle der eigensinnigen jungen Schriftstellerin brachte ihr eine weitere Oscar-Nominierung ein, diesmal als Hauptdarstellerin.
Mit Reality Bites – Voll das Leben wurde sie zugleich zu einem Gesicht der jungen Erwachsenen jener Zeit: Menschen, die zwischen beruflicher Unsicherheit, Beziehungsproblemen und dem Anspruch auf ein authentisches Leben ihren Platz suchten.
Später folgten unter anderem Alien – Die Wiedergeburt und Durchgeknallt. Besonders letzterer Film beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Erwartungen und psychischen Krisen – Themen, die immer wieder in Ryders Rollen auftauchen.
Eine öffentliche Krise und der lange Weg zurück
2001 wurde Ryder nach einem Ladendiebstahl in einem Kaufhaus in Beverly Hills festgenommen. 2002 folgte eine Verurteilung. Der Fall löste enorme mediale Aufmerksamkeit aus und überschattete ihre schauspielerische Arbeit.
In den folgenden Jahren wurde es beruflich ruhiger um sie. Einzelne Rollen, etwa in Star Trek und Black Swan, hielten sie im Blickfeld des Publikums. Das große neue Kapitel begann jedoch erst mit einer Fernsehserie.
Mit Stranger Things zu einer neuen Generation
Ab 2016 spielte Ryder in Stranger Things Joyce Byers, eine Mutter, die nach dem Verschwinden ihres Sohnes gegen die Zweifel ihrer Umgebung ankämpft. Ihre Verzweiflung, Entschlossenheit und Bereitschaft, scheinbar Unmögliches ernst zu nehmen, bildeten einen emotionalen Mittelpunkt der Serie.
Die Rolle brachte ihr eine weitere Golden-Globe-Nominierung und machte sie einem jungen Publikum bekannt, das ihre frühen Filme teilweise erst danach entdeckte. Mit der inzwischen abgeschlossenen fünften Staffel gehört Joyce zu den Figuren, die die gesamte Geschichte entscheidend geprägt haben.
2024 kehrte Ryder außerdem in Beetlejuice Beetlejuice als Lydia Deetz zurück. Aus der jugendlichen Außenseiterin war selbst eine Mutter geworden. Die Fortsetzung verband damit zwei Phasen ihrer Karriere, zwischen denen mehr als drei Jahrzehnte liegen.
Engagement für ein verschwundenes Mädchen
Ein besonders persönliches Kapitel ihres gesellschaftlichen Engagements begann 1993. Damals wurde die zwölfjährige Polly Klaas aus ihrem Zuhause in Petaluma entführt – jener kalifornischen Stadt, in der Ryder einen Teil ihrer Jugend verbracht hatte.
Ryder unterstützte die Suche öffentlich und bot 200.000 Dollar für Pollys sichere Rückkehr an. Das Mädchen wurde jedoch ermordet. Der Fall und das Leid der Familie beschäftigten die Schauspielerin nachhaltig.
Später erklärte sie, dass diese Erfahrungen auch ihren Zugang zu Rollen beeinflusst hätten. Bei Joyce Byers war das Verschwinden eines Kindes für sie deshalb keine bloße Voraussetzung für eine spannende Handlung. Sie kannte die Verzweiflung einer betroffenen Familie aus unmittelbarer Nähe und wollte dieser Erfahrung gerecht werden.
Mit 55 mehr als eine Ikone der Neunziger
Winona Ryders Karriere lässt sich weder auf ihre frühen Kultrollen noch auf ihre öffentliche Krise reduzieren. Sie hat eigensinnige Jugendliche, gesellschaftlich angepasste Frauen und verzweifelt kämpfende Mütter gespielt – oft mit einer Mischung aus Empfindsamkeit und Widerstandskraft.
Zu ihrem 55. Geburtstag steht deshalb eine Schauspielerin im Mittelpunkt, deren Werk mehrere Generationen verbindet. Johnny Depps Tattoo und die rätselhafte Filmhochzeit mit Keanu Reeves bleiben unterhaltsame Begleitgeschichten. Ihre Figuren haben längst ein eigenes, beständigeres Leben im Gedächtnis des Publikums gefunden.
