München war die erste Station der steilen Disco-Queen-Karriere.
Heute vor 14 Jahren starb Donna Summer in Naples, Florida. Sie wurde 63 Jahre alt. Als „Queen of Disco“ ging sie in die Musikgeschichte ein, doch ihre Karriere begann nicht in New York, Los Angeles oder Nashville, sondern in Deutschland. Genauer: in München, wo aus Donna Gaines erst Donna Sommer und schließlich Donna Summer wurde.
Aus Boston nach München
Geboren wurde sie am 31. Dezember 1948 in Boston als Donna Adrian Gaines. Ihre ersten musikalischen Erfahrungen sammelte sie in der Kirche, später sang sie in Clubs und schloss sich einer Rockband an. Der entscheidende Schritt kam 1968: Noch sehr jung ging sie nach Europa, um in der deutschen Produktion des Musicals Hair aufzutreten. München wurde für mehrere Jahre ihr Lebensmittelpunkt. Dort sang und spielte sie nicht nur, sondern lernte auch Deutsch und trat in weiteren Musicalproduktionen wie Godspell und Show Boat auf.
Deutschland war für Donna Summer deshalb weit mehr als eine frühe Station. Es war der Ort, an dem sie professionell reifte. In München arbeitete sie als Sängerin, Backgroundvokalistin und Studiomusikerin. Dort begegnete sie auch dem Produzenten Giorgio Moroder und dem Songwriter und Produzenten Pete Bellotte – eine Zusammenarbeit, die den Sound der 1970er Jahre entscheidend prägen sollte. Bellotte erinnerte später daran, Summer in den 1970er Jahren in München kennengelernt zu haben, als sie zu jenen amerikanischen Sängerinnen gehörte, die mit Hair nach Europa gekommen waren und blieben.
Künstlername mit deutschen Wurzeln
Auch ihr Künstlername ist eng mit dem deutschsprachigen Raum verbunden. Donna Gaines heiratete den österreichischen Schauspieler Helmuth Sommer. Nach der Trennung behielt sie den Namen in anglisierter Form bei: Aus Sommer wurde Summer. Damit trug sie ihre deutsche und österreichische Lebensphase dauerhaft in ihrer künstlerischen Identität weiter.
1974 erschien ihr erstes Album Lady of the Night, das vor allem für den europäischen Markt entstand. Die frühen Erfolge kamen zunächst nicht aus den USA, sondern aus Europa. Songs wie The Hostage und Lady of the Night erreichten in mehreren Ländern Aufmerksamkeit, darunter auch Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt war Donna Summer in ihrer Heimat noch längst kein Superstar – in Europa aber begann sich ihr Profil bereits zu formen.
Der Durchbruch kam 1975 mit Love to Love You Baby, aufgenommen in den Münchner Musicland Studios. Der Song verband erotische Inszenierung, Disco-Groove und europäische Studioproduktion zu einem Stück, das weltweit Aufsehen erregte. In den USA wurde es ihr erster großer Hit, doch seine Entstehung war ein Produkt des sogenannten Munich Sound: internationale Musiker, deutsche Studios, europäische Produzenten und eine amerikanische Sängerin, deren Stimme plötzlich die Tanzflächen der Welt beherrschte.
Mehr als "nur" Disco
Noch einflussreicher wurde 1977 I Feel Love. Der Song, produziert von Moroder und Bellotte, gilt bis heute als Meilenstein elektronischer Pop- und Tanzmusik. Die synthetische, treibende Klangarchitektur wies weit über Disco hinaus und beeinflusste später House, Techno, Synthpop und elektronische Clubmusik. Dass einer der wichtigsten Zukunftsentwürfe der Popmusik aus München kam, gehört zu den faszinierendsten Kapiteln in Donna Summers Karriere.
Nach ihrem internationalen Aufstieg wurde Summer zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen der späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Last Dance, Bad Girls und zahllose weitere Songs, machten sie zu einer Sängerin, die weit mehr konnte als Disco. Sie gewann mehrere Grammys, wechselte zwischen Dance, Pop, Rock, R&B und Gospel und wurde 2013 posthum in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.
Ihr Verhältnis zu Deutschland blieb dabei ein besonderer Teil ihrer Geschichte. München war nicht nur der Ort ihres künstlerischen Anfangs, sondern auch ein kreatives Labor, in dem sie mit Moroder und Bellotte zu einer internationalen Stimme der Moderne wurde. Wer Donna Summer nur als amerikanische Disco-Diva sieht, übersieht diesen europäischen Ursprung: Bevor sie weltweit als "Queen of Disco" gefeiert wurde, war sie eine junge Sängerin in Deutschland, die in Musicals, Studios und Clubs ihre Form fand.
Donna Summer starb am 17. Mai 2012 an Krebs. Ihre Musik aber blieb lebendig, nicht als nostalgischer Discoklang, sondern als Grundlage moderner Pop- und Clubkultur. Zum 14. Todestag erinnert ihr Leben daran, dass Weltkarrieren manchmal an überraschenden Orten beginnen. Bei Donna Summer begann sie in Deutschland: auf einer Musicalbühne in München, in Studios an der Isar und in einem Sound, der von dort aus die Welt veränderte.
