Zum Tod von Gene Wilder: Sein echter Name, ein Hitler-Musical und erneuter Weltruhm als Meme

Ihr kennt das Meme – aber kennt ihr den Künstler und seine Geschichte?

Gene Wilder 01 Cinema International
Als Wollie Wonker wurde er 40 Jahre später nochmal im Netz berühmt. | © Cinema International

Selbst wer noch nie bewusst einen Film mit Gene Wilder gesehen hat, kennt mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit sein Gesicht. Hellbrauner Zylinder, lockige Haare, der Kopf lässig auf eine Hand gestützt und dieser Blick, der im Internet praktisch nur eines bedeutet: Erzähl ruhig weiter, ich glaube dir sowieso kein Wort.

Das sogenannte Condescending-Wonka-Meme gehörte vor allem in den 2010er-Jahren zu den bekanntesten Meme-Vorlagen überhaupt. Zehntausende Varianten entstanden, in denen Wilder mit einem süffisanten Kommentar auf irgendeine vermeintlich dumme Aussage reagiert. 2017 landete das Motiv in einer britischen Umfrage sogar auf Platz eins der beliebtesten Memes. Das Kuriose daran: Die Szene, aus der das Bild stammt, ist im Film überhaupt nicht herablassend gemeint.

Und wahrscheinlich wissen gerade viele jüngere Menschen zwar genau, was dieses Gesicht im Internet bedeutet – aber nicht unbedingt, wer der Mann darauf eigentlich war.

Dahinter steckt einer der außergewöhnlichsten Komödiendarsteller Hollywoods. Ein Mann, der eigentlich Jerome Silberman hieß, sich Vor- und Nachnamen für seine Karriere komplett neu aussuchte, nur deshalb bewusst versuchte, Menschen zum Lachen zu bringen, weil ein Arzt es ihm als Kind aufgetragen hatte, Willy Wonkas berühmtesten Auftritt selbst erfand, gemeinsam mit Mel Brooks einige der größten Komödien seiner Zeit schrieb und nach dem Tod seiner Frau sein Leben dem Kampf gegen Eierstockkrebs widmete.

Am 29. August 2016 starb Gene Wilder im Alter von 83 Jahren. Am heutigen 29. August 2026 jährt sich sein Tod zum zehnten Mal.

Gene Wilder hieß eigentlich Jerome Silberman

Gene Wilder wurde am 11. Juni 1933 in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Nur eben nicht als Gene Wilder. Sein Geburtsname lautete Jerome Silberman. Freunde nannten ihn Jerry. Erst als er bereits erwachsen war und ernsthaft als Schauspieler arbeiten wollte, verschwand dieser Name von den Plakaten. Mit 26 Jahren nahm er den Künstlernamen Gene Wilder an.

Dabei ersetzte er nicht einfach nur seinen Nachnamen durch eine Hollywood-tauglichere Variante. Er suchte sich Vor- und Nachnamen komplett neu aus.

Gene leitete er unter anderem von Eugene Gant ab, einer Figur des Schriftstellers Thomas Wolfe. Wilder wiederum wählte er wegen seiner Bewunderung für den Dramatiker Thornton Wilder. Seine Erklärung für den Namenswechsel war deutlich weniger akademisch: Er konnte sich schlicht kein Theaterplakat vorstellen, auf dem Jerry Silberman als Macbeth angekündigt wurde.

Aus Jerome Silberman wurde also Gene Wilder.

Und wenige Jahre später stand genau dieser Name tatsächlich auf einigen der bekanntesten Filmplakate der 1970er-Jahre.

Ein Arzt sagte ihm mit 8, er solle seine Mutter zum Lachen bringen

Die vielleicht wichtigste Anweisung seiner gesamten Karriere bekam Wilder allerdings lange bevor er überhaupt Schauspieler werden wollte.

Als er acht Jahre alt war, wurde seine Mutter schwer krank. Sie litt unter rheumatischem Fieber beziehungsweise damit verbundenen Herzproblemen. Ein Arzt gab dem Jungen daraufhin einen ungewöhnlichen Auftrag: Er solle versuchen, seine Mutter zum Lachen zu bringen. Wilder erzählte später, dass dies das erste Mal gewesen sei, dass er ganz bewusst versucht habe, einen anderen Menschen zum Lachen zu bringen.

Aus einem ärztlichen Rat wurde irgendwann sein Beruf.

Mit elf Jahren sah Wilder seine ältere Schwester auf der Bühne und wollte anschließend selbst Schauspielunterricht nehmen. Später studierte er Theater an der University of Iowa und ging anschließend nach England an die Bristol Old Vic Theatre School.

Neben Schauspiel lernte er ausgerechnet professionelles Fechten

In England entwickelte Wilder noch eine zweite Fähigkeit, die man nicht unbedingt mit Willy Wonka verbindet. Er wurde ziemlich gut im Fechten.

An der Bristol Old Vic Theatre School gewann er als neuer Student sogar die schulinterne Fechtmeisterschaft. Später verdiente er sich in New York neben seiner Schauspielausbildung zeitweise Geld als Fechtlehrer und arbeitete bei Theaterproduktionen auch als Fechtchoreograf.

Zwischendurch wurde Wilder zur US-Armee eingezogen und diente von 1956 bis 1958. Danach konzentrierte er sich endgültig auf die Schauspielerei, studierte in New York unter anderem Method Acting und wurde Mitglied des berühmten Actors Studio.

Und genau in dieser Phase entstand schließlich auch Gene Wilder.

Mel Brooks lernte ihn über seine spätere Frau kennen

Den Mann, der Wilders Filmkarriere entscheidend verändern sollte, lernte er zunächst hinter der Bühne kennen. 1963 spielte Wilder am Broadway in Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. Eine seiner Kolleginnen war Anne Bancroft. Deren damaliger Partner und späterer Ehemann war ein noch nicht sonderlich bekannter Autor namens Mel Brooks.

Bancroft stellte die beiden einander vor. Brooks erkannte ziemlich schnell, dass an dem zurückhaltend wirkenden Schauspieler etwas Besonderes war. Später beschrieb er Wilder sinngemäß als ein Schaf, das von Wölfen umgeben sei – ein scheinbar sanfter Mensch, bei dem jederzeit komplette Hysterie ausbrechen konnte.

Diese Mischung sollte zu Wilders Markenzeichen werden.

Dann sollte er in einem Musical über Hitler auftreten

Nach einem kleinen Filmauftritt in Bonnie und Clyde bekam Wilder von Brooks eine der Rollen, die seine Karriere veränderten. In Frühling für Hitler spielte er den neurotischen Buchhalter Leo Bloom. Die Geschichte dreht sich um zwei Broadway-Produzenten, die absichtlich den größten Flop aller Zeiten produzieren wollen und dafür ein vollkommen geschmackloses Musical über Adolf Hitler auswählen.

Das Problem: Das Publikum hält die Katastrophe für brillante Satire.

Bei seiner Veröffentlichung war der Film keineswegs sofort ein großer Erfolg und wurde von Teilen der Kritik äußerst skeptisch aufgenommen. Wilder erhielt für seine Rolle trotzdem eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. Über die Jahre entwickelte sich Frühling für Hitler zu einem Klassiker und bildete den Anfang seiner legendären Zusammenarbeit mit Brooks.

Willy Wonka spielte er nur, weil er die Zuschauer belügen durfte

1971 folgte die Rolle, die sein Gesicht endgültig unsterblich machte. Gene Wilder wurde Willy Wonka in Charlie und die Schokoladenfabrik. Wilder war allerdings nicht bereit, die Figur einfach so zu spielen, wie sie ihm angeboten wurde. Vor seiner Zusage bestand er auf einer ganz bestimmten Szene.

Bei Wonkas erstem öffentlichen Auftritt sollte der geheimnisvolle Fabrikbesitzer mit einem Stock langsam auf die wartende Menschenmenge zulaufen. Er sollte gebrechlich wirken. Dann sollte sein Stock zwischen den Pflastersteinen hängen bleiben, Wonka scheinbar nach vorne stürzen – und plötzlich eine perfekte Rolle vorwärts machen.

Wilder erklärte den Grund dahinter später selbst: Von diesem Moment an sollte das Publikum nie wieder sicher wissen können, ob Wonka gerade die Wahrheit erzählt oder lügt. Für ihn war die Szene so wichtig, dass er die Rolle nach eigener Aussage nicht angenommen hätte, wenn die Filmemacher sie abgelehnt hätten.

Es ist eine erstaunlich kleine Idee. Aber sie erklärt praktisch die komplette Figur.

Die Rückkehr als Meme nach 40 Jahren

Dann geschah etwas, das Wilder selbst bei den Dreharbeiten 1971 unmöglich hätte vorhersehen können. Etwa 40 Jahre später wurde Willy Wonka zum Internet-Meme.

Um 2011 verbreitete sich ein Standbild aus Charlie und die Schokoladenfabrik, auf dem Wilder seinen Kopf auf die Hand stützt und scheinbar amüsiert auf sein Gegenüber blickt. Frühe Versionen wurden teilweise als Creepy Wonka bezeichnet und mit zweideutigen Texten versehen. Daraus entwickelte sich schließlich Condescending Wonka.

Das Prinzip war simpel. Oben stand häufig sinngemäß eine Aussage wie: Du glaubst also, dass ... Unten folgte die komplett herablassende Pointe.

Das Bild wurde zu einer der großen Meme-Vorlagen der frühen 2010er-Jahre und in unzähligen Varianten verbreitet. Ironischerweise ist Wonka in der eigentlichen Filmszene überhaupt nicht herablassend. Der süffisante Ton wurde dem Bild erst durch das Internet gegeben. Dadurch entstand eine ziemlich ungewöhnliche zweite Karriere für Wilders Gesicht.

Menschen, die 30 oder 40 Jahre nach dem Film geboren wurden, benutzen bis heute seine Mimik als Reaktion im Internet – teilweise ohne jemals seinen Namen gehört zu haben.

Der wilde wilde Westen und Frankenstein Junior

1974 arbeitete Wilder erneut mit Mel Brooks zusammen. Und auch diese Rolle bekam er auf ungewöhnliche Weise.

Für die Westernparodie Der wilde wilde Westen sollte ursprünglich Gig Young den alkoholkranken Revolverhelden Waco Kid spielen. Young hatte jedoch während der Dreharbeiten massive Probleme und musste ersetzt werden. Brooks wandte sich kurzfristig an Wilder.

Der sprang ein, spielte den vollkommen entspannten Revolverhelden und schuf damit die nächste seiner bekanntesten Figuren. Danach ging es für Wilder praktisch direkt zum nächsten Film weiter.

Und dieser nächste Film war eigentlich seine eigene Idee. Wilder hatte schon länger über eine Geschichte nachgedacht, in der ein Nachfahre von Victor Frankenstein verzweifelt versucht, nichts mit seinem berühmten Vorfahren zu tun zu haben – und am Ende natürlich selbst ein Monster erschafft.

Aus dieser Grundidee entstand gemeinsam mit Mel Brooks Frankenstein Junior.

Wilder schrieb am Drehbuch mit und spielte Dr. Frederick Frankenstein. Brooks führte Regie. Die beiden wollten dabei nicht einfach nur einen alten Horrorfilm verspotten. Der Film sollte aussehen, als könnte er tatsächlich aus der klassischen Universal-Monster-Ära stammen.

Streit mit Brooks über die berühmteste Szene des Films

Eine Szene lag Wilder besonders am Herzen. Dr. Frankenstein und sein Monster sollten vor Publikum gemeinsam Irving Berlins Puttin' on the Ritz aufführen.

Brooks hielt die Nummer zunächst für zu albern und für einen Bruch mit dem Stil des restlichen Films. Wilder wiederum war überzeugt davon, dass sie unbedingt hineinmusste. Der Streit zwischen den beiden wurde ungewöhnlich heftig.

Am Ende gab Brooks nach. Die Szene wurde gedreht – und entwickelte sich zu einer der berühmtesten Sequenzen des gesamten Films.

Mit Richard Pryor zum ungewöhnlichen Comedy-Duo

Nach Mel Brooks wurde Richard Pryor zu Wilders zweitem großen kreativen Partner.

1976 standen beide für Trans-Amerika-Express gemeinsam vor der Kamera. Wilder hatte sich sogar dafür ausgesprochen, Pryor zu besetzen, weil er überzeugt war, dass dessen Figur nur mit ihm richtig funktionieren würde. Die Kombination war ungewöhnlich.

Wilder spielte häufig den nervösen, scheinbar kontrollierten Mann, der langsam die Fassung verliert. Pryor war unberechenbarer, schneller und explosiver. Gemeinsam funktionierten sie so gut, dass weitere Filme folgten.

1980 kam Zwei wahnsinnig starke Typen, später Die Glücksjäger und schließlich Das andere Ich. Insgesamt drehten Wilder und Pryor vier Filme gemeinsam.

Hinter den Kulissen war die Zusammenarbeit jedoch nicht immer einfach. Pryor kämpfte mit einer schweren Drogenabhängigkeit, die Dreharbeiten erheblich erschweren konnte. Wilder sprach später trotzdem mit großer Bewunderung über dessen Talent und beschrieb die Zusammenarbeit als extrem wechselhaft: Wenn Pryor gut gewesen sei, sei er außergewöhnlich gewesen.

Seine große Liebe und ihr Tod

1981 beziehungsweise während der Produktion des 1982 erschienenen Der Geisterflieger Hanky Panky lernte Wilder Gilda Radner kennen. Radner gehörte zu den ursprünglichen Stars von Saturday Night Live und war selbst eine der bekanntesten Komikerinnen der USA.

Zwischen beiden entstand sehr schnell eine enge Verbindung. Radner beschrieb später, dass sich ihr Leben nach der Begegnung mit Wilder von Schwarz-Weiß zu Technicolor verändert habe. 1984 heirateten sie in Südfrankreich. Gemeinsam drehten sie weitere Filme wie Die Frau in Rot und Hochzeitsnacht im Geisterschloß.

Dann wurde Radner schwer krank.

Bei Gilda Radner wurde Eierstockkrebs diagnostiziert. Nach Behandlungen kam es zunächst zu einer Remission, doch die Krankheit kehrte zurück.

Am 20. Mai 1989 starb Radner im Alter von nur 42 Jahren. Wilder beschäftigte anschließend besonders die Frage, ob ihre Erkrankung früher hätte erkannt werden können. Er machte aus seiner Trauer ein öffentliches Engagement für bessere Aufklärung und Forschung zu Eierstockkrebs.

1991 sagte er vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses über die Krankheit aus. Im Anschluss wurden erhebliche zusätzliche Mittel für die Eierstockkrebsforschung zugesagt. Wilder half außerdem beim Aufbau des Gilda Radner Ovarian Detection Center und gehörte zu den Mitbegründern von Gilda's Club, einem Unterstützungsnetzwerk für Menschen mit Krebs sowie deren Familien und Freunde.

Die erste Gilda's-Club-Einrichtung öffnete 1995 in New York. Aus der Initiative entwickelte sich später ein wesentlich größeres Netzwerk zur psychosozialen Unterstützung von Krebspatienten.

Damit gehört zu Gene Wilders Vermächtnis nicht nur eine Reihe von Filmen. Ein Teil davon existiert bis heute in der Krebsberatung und Patientenhilfe weiter.

Seine Alzheimer-Erkrankung hielt er drei Jahre lang geheim

Etwa drei Jahre vor seinem Tod wurde bei Gene Wilder Alzheimer diagnostiziert. Die Öffentlichkeit wusste davon nichts. Das war eine bewusste Entscheidung.

Nach seinem Tod erklärte seine Familie, Wilder habe die Krankheit insbesondere deshalb geheim halten wollen, weil Kinder ihn noch immer auf der Straße als Willy Wonka erkannten. Er wollte nicht, dass aus ihrer Freude über die Begegnung plötzlich Sorge oder Traurigkeit wurde.

Seine Familie fasste seine Motivation mit einem Gedanken zusammen: Wilder konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass wegen seiner Krankheit auch nur ein Lächeln weniger existieren würde.

Für einen Mann, dessen Karriere als Achtjähriger mit der Anweisung begonnen hatte, seine kranke Mutter zum Lachen zu bringen, ist das ein bemerkenswerter Kreis.

Am 29. August 2016 starb Gene Wilder in seinem Haus in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut an Komplikationen seiner Alzheimer-Erkrankung. Er war 83 Jahre alt.

Seine Familie war bei ihm. Im Hintergrund lief Musik. Nach Angaben seines Neffen spielte ausgerechnet eine seiner Lieblingsaufnahmen: Ella Fitzgeralds Version von Over the Rainbow.

Seine Witwe Karen Boyer erzählte Jahre später für die Dokumentation Remembering Gene Wilder noch mehr über seine letzten Stunden. Die letzten Worte, die sie von ihrem Mann hörte, waren demnach eine Vertrauensbekundung und eine Liebeserklärung.

Selbst seine Krankheit wollte er nicht mit Willy Wonka verbinden

Vielleicht zeigt kaum etwas besser, wie sehr Wilder verstanden hatte, was Willy Wonka für andere Menschen bedeutete. Er selbst war nie einfach nur Wonka gewesen.

Er war Leo Bloom in Frühling für Hitler. Der Waco Kid in Der wilde wilde Westen. Frederick Frankenstein in Frankenstein Junior. Er war Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller. Er arbeitete mit Mel Brooks, Richard Pryor und Gilda Radner und erhielt im Laufe seiner Karriere zwei Oscar-Nominierungen.

Aber er wusste, dass Generationen von Kindern ihn auf der Straße nicht als Gene Wilder erkennen würden. Sie würden Willy Wonka sehen. Und diesen Moment wollte er ihnen nicht nehmen. Heute ist sein Vermächtnis deshalb ziemlich ungewöhnlich aufgeteilt.

Filmfans kennen ihn als einen der wichtigsten Komödiendarsteller der 1970er- und 1980er-Jahre. Mel Brooks bezeichnete Wilder nach dessen Tod als einen enorm wichtigen Teil seines eigenen Lebens. Ihre gemeinsamen Filme gehören weiterhin zu den Klassikern amerikanischer Komödie.

Fans von Willy Wonka kennen die violette Jacke, den Zylinder, Pure Imagination und den Mann, bei dem man vom ersten Moment an nie ganz wusste, was ernst gemeint war.

Und Millionen Internetnutzer kennen diesen einen Blick. Den Kopf auf die Hand gelegt. Das leichte Lächeln. Die perfekte Vorlage für irgendeinen arroganten Kommentar.

Dass dieser Gesichtsausdruck inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat, ist vielleicht das seltsamste Kapitel seiner gesamten Karriere. Das Condescending-Wonka-Meme entstand erst Jahrzehnte nach dem Film und wurde schließlich selbst zu einem dauerhaften Bestandteil von Wilders popkulturellem Vermächtnis.

Zehn Jahre nach seinem Tod ist Gene Wilder immer noch überall

2024 widmete ihm die Dokumentation Remembering Gene Wilder noch einmal ein ausführliches Porträt. Darin kommen Freunde, Weggefährten und seine Witwe zu Wort, während Wilder über Archivmaterial und Passagen aus seiner Autobiografie teilweise selbst durch seine Lebensgeschichte führt.

Auch moderne Wonka-Verfilmungen kommen an seiner Interpretation kaum vorbei. Regisseur Paul King erklärte vor seinem Film Wonka, er habe bestimmte Elemente der 1971er-Verfilmung gerade deshalb nicht komplett neu erfinden wollen, weil Wilders Film für ihn so prägend gewesen sei.

Vielleicht passt das perfekt zu Gene Wilder. Jerome Silberman erfand zunächst einen neuen Namen für sich.

Dann erfand er gemeinsam mit anderen einige der bekanntesten Comedy-Momente seiner Generation.

Bei Willy Wonka bestand er darauf, dass seine Figur schon beim ersten Auftritt das Publikum täuscht. Bei Frankenstein Junior riskierte er einen Studiodeal für Schwarz-Weiß und stritt für eine Musicalnummer mit einem Monster. Nach dem Tod seiner Frau nutzte er seine Bekanntheit, um Geld und Aufmerksamkeit in die Krebsforschung zu bringen.

Viele Menschen kennen heute vielleicht nicht einmal seinen Namen. Aber sie kennen sein Gesicht.

Und zehn Jahre nach seinem Tod bringt es Menschen immer noch zum Lachen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....