Zum Tod von Tony Curtis: Wie der Mann der eigentlich Bernhard Schwartz hieß, Hitler mit Marilyn Monroe verglich

Einer, der sich wirklich von ganz, ganz unten hochgearbeitet hatte.

Tony Curtis 01 Universal Film
Aus dem einstigen Waisenkind wurde einer DER Sterne in Hollywood. | © Universal Films

Er wuchs in bitterer Armut auf, musste zeitweise in einem Waisenhaus leben und kämpfte sich schließlich bis an die Spitze Hollywoods. Tony Curtis begeisterte in Komödien wie Manche mögen’s heiß, bewies aber auch als Charakterdarsteller sein Talent. Am 29. September 2026 jährt sich sein Todestag zum 16. Mal.

Mit seinen dunklen Haaren, den auffallend blauen Augen und einem Lächeln, das perfekt auf Kinoplakate passte, gehörte Tony Curtis zu den großen Hollywoodstars der 1950er- und 1960er-Jahre. Hinter dem glamourösen Image verbarg sich jedoch ein Mann, dessen Leben von Armut, familiärer Gewalt, persönlichen Verlusten und Selbstzweifeln geprägt war.

Curtis drehte mehr als 100 Filme, arbeitete mit Regisseuren wie Billy Wilder und Stanley Kubrick und erhielt eine Oscar-Nominierung. Trotzdem hatte er zeitlebens das Gefühl, von Hollywood nicht vollständig ernst genommen zu werden.

Eine Kindheit in bitterer Armut

Tony Curtis wurde am 3. Juni 1925 als Bernard Schwartz in der New Yorker Bronx geboren. Seine Eltern Emanuel und Helen Schwartz waren jüdische Einwanderer aus Ungarn. Der Vater arbeitete als Schneider, doch sein Einkommen reichte kaum aus, um die Familie zu ernähren. Bernard wuchs gemeinsam mit seinen Brüdern Julius und Robert in beengten Verhältnissen hinter der Schneiderei seiner Eltern auf.

Zu Hause wurde überwiegend Ungarisch gesprochen. Erst als Bernard eingeschult wurde, lernte er richtig Englisch. Die wirtschaftliche Not der Familie war so groß, dass seine Eltern ihn und seinen jüngeren Bruder Julius für einige Wochen in einem Waisenhaus unterbrachten. Die Jungen waren keine Waisen, doch ihre Eltern konnten sie zeitweise nicht ausreichend versorgen. Im Heim bekamen sie wenigstens regelmäßige Mahlzeiten.

Auch das Familienleben war schwierig. Curtis beschrieb seine Mutter später als psychisch krank und gewalttätig. Bei ihr wurde schließlich Schizophrenie diagnostiziert. Sein Bruder Robert litt ebenfalls an der Erkrankung und wurde später in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Ein besonders traumatisches Erlebnis ereignete sich, als Curtis 13 Jahre alt war. Nachdem er seinen jüngeren Bruder Julius bei einem Ausflug weggeschickt hatte, wurde dieser von einem Lastwagen erfasst und getötet. Curtis trug nach eigenen Angaben noch lange Schuldgefühle mit sich herum.

Der Zweite Weltkrieg verändert sein Leben

Als Jugendlicher fiel Bernard Schwartz wiederholt durch kleinere Diebstähle und Auseinandersetzungen auf. Ein Nachbar erkannte jedoch sein Potenzial und vermittelte ihm einen Platz in einem Jugendcamp, in dem er erstmals Schauspielerfahrung sammelte.

Während des Zweiten Weltkriegs meldete sich Curtis zur US Navy. Er diente auf dem U-Boot-Begleitschiff USS Proteus und erlebte am 2. September 1945 die japanische Kapitulation in der Bucht von Tokio aus der Ferne mit.

Nach seiner Rückkehr nutzte er die Unterstützung für Kriegsveteranen, um Schauspiel zu studieren. Am City College of New York und später an der New School erhielt er Unterricht bei dem deutschen Theaterregisseur Erwin Piscator. Zu seinen damaligen Mitschülern gehörten Walter Matthau, Rod Steiger, Harry Belafonte und Beatrice Arthur.

Aus Bernard Schwartz wird Tony Curtis

Ende der 1940er-Jahre wurde ein Talentscout auf den jungen Schauspieler aufmerksam. Universal Pictures nahm ihn unter Vertrag. Da sein jüdischer Geburtsname nach Ansicht des Studios nicht zu einem zukünftigen Filmstar passte, trat er zunächst als Anthony Curtis und schließlich als Tony Curtis auf.

Der Namenswechsel war typisch für das damalige Hollywood. Schauspieler mit jüdischer oder osteuropäischer Herkunft sollten möglichst amerikanisch klingen und ihre familiären Wurzeln nicht zu deutlich zeigen. Auch seinen ausgeprägten New Yorker Akzent versuchte das Studio durch Sprachunterricht abzuschwächen.

Seine ersten Auftritte waren klein. Häufig wurde Curtis vor allem wegen seines Aussehens besetzt. In frühen Abenteuerfilmen spielte er attraktive junge Männer, Soldaten oder Draufgänger. Das Publikum nahm ihn schnell wahr, doch Kritiker betrachteten ihn lange eher als hübsches Gesicht denn als ernsthaften Schauspieler.

Der Aufstieg zum Publikumsliebling

Eine seiner ersten großen Hauptrollen erhielt Curtis 1953 in Houdini, der König des Varietés. Darin verkörperte er den berühmten Entfesselungskünstler Harry Houdini. An seiner Seite spielte Janet Leigh, mit der Curtis damals verheiratet war.

In den folgenden Jahren wurde er zu einem der populärsten Stars von Universal. Er spielte in Abenteuerfilmen, Western, Liebesgeschichten und Komödien. Sein gutes Aussehen machte ihn zu einem Teenageridol, doch Curtis wollte unbedingt beweisen, dass er mehr konnte.

1957 gelang ihm dieser Beweis mit Dein Schicksal in meiner Hand. An der Seite von Burt Lancaster spielte er den skrupellosen Presseagenten Sidney Falco, der für beruflichen Erfolg praktisch jede moralische Grenze überschreitet. Der Film war zunächst kein großer Kassenerfolg, gilt heute jedoch als einer der schärfsten und düstersten Filme über Macht, Medien und Korruption.

Die Oscar-Nominierung für Flucht in Ketten

Ein Jahr später übernahm Curtis in Stanley Kramers Drama Flucht in Ketten eine seiner wichtigsten Rollen. Gemeinsam mit Sidney Poitier spielte er einen entflohenen Häftling. Die beiden Männer sind aneinandergekettet und zur Zusammenarbeit gezwungen, obwohl Curtis’ Figur zunächst offen rassistisch eingestellt ist.

Der Film verband spannendes Unterhaltungskino mit einer deutlichen Botschaft gegen Rassismus. Sowohl Curtis als auch Poitier wurden 1959 für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Für Curtis war das Projekt auch persönlich von Bedeutung. Als Sohn jüdischer Einwanderer hatte er selbst Ausgrenzung und antisemitische Beschimpfungen erlebt. Seine Beteiligung an einem Film über Vorurteile und gegenseitige Abhängigkeit zeigte, dass er sich nicht auf sein Image als romantischer Leinwandheld reduzieren lassen wollte.

Der Welterfolg mit Manche mögen’s heiß

Seine bis heute bekannteste Rolle spielte Curtis 1959 in Billy Wilders Komödie Manche mögen’s heiß. Gemeinsam mit Jack Lemmon verkörperte er einen Musiker, der zufällig Zeuge eines Mafia-Mordes wird. Um unterzutauchen, verkleiden sich die beiden Männer als Frauen und schließen sich einem rein weiblichen Orchester an.

Curtis spielte dabei gleich mehrere Identitäten: den Saxofonisten Joe, dessen weibliches Alter Ego Josephine und einen angeblich schwerreichen Öl-Erben, für dessen Stimme er Cary Grant imitierte. Die Mischung aus Kriminalfilm, Verwechslungskomödie und romantischer Satire wurde zu einem Klassiker der Filmgeschichte.

Die Dreharbeiten waren allerdings schwierig. Marilyn Monroe, die Sängerin Sugar Kane spielte, litt unter starkem Lampenfieber, persönlichen Problemen und Medikamentenabhängigkeit. Sie erschien häufig verspätet am Set und benötigte für einzelne, scheinbar einfache Sätze teilweise Dutzende Aufnahmen.

Marilyn Monroe zu küssen sei wie Hitler zu küssen

Aus dieser angespannten Produktion stammt eine der berüchtigtsten Aussagen von Tony Curtis. Über seine Kussszenen mit Marilyn Monroe sagte er, sie zu küssen sei wie Hitler zu küssen.

Die Bemerkung verfolgte beide Stars über Jahrzehnte. Sie wurde häufig als Ausdruck persönlicher Abneigung interpretiert, entstand aber offenbar vor allem aus Curtis’ Frustration über die vielen Wiederholungen und Verzögerungen am Set. Später relativierte er die Aussage und erklärte, sie sei als sarkastischer Scherz gemeint gewesen.

Curtis sprach in späteren Interviews durchaus anerkennend über Monroes Wirkung vor der Kamera. Unabhängig von den schwierigen Dreharbeiten wusste er, dass sie eine besondere Leinwandpräsenz besaß. Zudem behauptete er in seinen Memoiren, bereits Jahre vor dem Film eine Affäre mit Monroe gehabt zu haben. Einzelne Details seiner Darstellung wurden allerdings von anderen Beteiligten bezweifelt.

Monroe selbst hatte den Hitler-Vergleich nicht vergessen. In einem Interview kurz vor ihrem Tod reagierte sie noch immer sichtbar verletzt und abweisend auf den namentlich nicht genannten Kollegen, der diese Bemerkung gemacht hatte.

Von Spartacus bis zum Frauenmörder von Boston

Nach Manche mögen’s heiß folgte 1959 mit Unternehmen Petticoat eine weitere erfolgreiche Komödie. Curtis spielte darin an der Seite von Cary Grant, dessen Stimme er kurz zuvor noch parodiert hatte.

1960 war Curtis in Stanley Kubricks Monumentalfilm Spartacus zu sehen. Als junger Sklave Antoninus schließt er sich dem von Kirk Douglas gespielten Gladiator an. Curtis soll außerdem dazu beigetragen haben, dass der wegen seiner politischen Vergangenheit auf Hollywoods Schwarzer Liste stehende Drehbuchautor Dalton Trumbo öffentlich genannt wurde.

Weitere Erfolge waren Das große Rennen rund um die Welt und die schwarze Komödie Arrivederci, Baby!. Eine seiner ungewöhnlichsten Leistungen zeigte Curtis 1968 in Der Frauenmörder von Boston. Darin verkörperte er den mutmaßlichen Serienmörder Albert DeSalvo und brach radikal mit seinem bisherigen Image.

Anfang der 1970er-Jahre feierte er mit Roger Moore einen großen Fernseherfolg. In der britischen Serie Die 2 spielten sie zwei wohlhabende Abenteurer, die gemeinsam Kriminalfälle lösen. Die Serie wurde insbesondere in Europa populär und entwickelte sich in Deutschland dank ihrer ungewöhnlich freien Synchronisation zum Kult.

Absturz, Drogen und persönliche Verluste

Mit dem Ende des klassischen Studiosystems veränderte sich auch Curtis’ Karriere. Große Hauptrollen wurden seltener, während persönliche Probleme zunahmen. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren kämpfte er mit Alkohol- und Kokainabhängigkeit.

1984 wurde Curtis wegen einer schweren Leberzirrhose behandelt. Anschließend ließ er sich in der Betty-Ford-Klinik therapieren und schaffte es, seine Sucht unter Kontrolle zu bringen. Später sprach er offen über diesen Teil seines Lebens.

Ein schwerer Schicksalsschlag traf ihn 1994, als sein Sohn Nicholas im Alter von 23 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Curtis bezeichnete den Verlust später als eines der schlimmsten Erlebnisse seines Lebens.

Auch gesundheitlich war er zunehmend angeschlagen. Nach einem Herzinfarkt musste er sich einer Bypass-Operation unterziehen. In seinen letzten Lebensjahren litt er an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD und war zeitweise auf einen Rollstuhl sowie zusätzlichen Sauerstoff angewiesen.

Sechs Ehen und eine berühmte Tochter

Tony Curtis war insgesamt sechsmal verheiratet. Seine erste Ehe mit Janet Leigh machte die beiden zu einem der bekanntesten Hollywoodpaare der 1950er-Jahre. Aus der Verbindung gingen die Schauspielerinnen Kelly Curtis und Jamie Lee Curtis hervor.

Die Ehe zerbrach Anfang der 1960er-Jahre. Während der Dreharbeiten zu Taras Bulba begann Curtis eine Beziehung mit seiner deutlich jüngeren Kollegin Christine Kaufmann, die anschließend seine zweite Ehefrau wurde. Auch diese Ehe endete nach wenigen Jahren.

Insgesamt hatte Curtis sechs Kinder. Sein Verhältnis zu ihnen war teilweise schwierig. Kurz vor seinem Tod änderte er sein Testament und schloss seine Kinder vom Erbe aus. Der Großteil seines Vermögens ging an seine sechste Ehefrau Jill Vandenberg Curtis. Die Entscheidung führte nach seinem Tod zu öffentlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Familie.

Einsatz für jüdische und ungarische Erinnerungskultur

Im Laufe seines Lebens setzte sich Curtis verstärkt mit seinen jüdisch-ungarischen Wurzeln auseinander. Gemeinsam mit seiner Tochter Jamie Lee Curtis unterstützte er die Emanuel Foundation for Hungarian Culture.

Die Stiftung half dabei, die Große Synagoge in Budapest zu restaurieren. Curtis unterstützte außerdem ein Holocaust-Mahnmal auf dem Gelände der Synagoge. Die metallene Trauerweide erinnert mit den Namen auf ihren Blättern an ungarische Jüdinnen und Juden, die während des Holocaust ermordet wurden.

Dieses Engagement besaß für Curtis eine besondere persönliche Bedeutung. Angehörige seiner Familie waren während der nationalsozialistischen Verfolgung in Europa ums Leben gekommen. Nachdem er seinen Geburtsnamen und seine Herkunft zu Beginn seiner Karriere möglichst verbergen sollte, bekannte er sich im Alter immer deutlicher zu seiner Familiengeschichte.

Tierschutz und ein neues Leben als Maler

Gemeinsam mit Jill Vandenberg engagierte sich Curtis zudem für misshandelte und vernachlässigte Pferde. Das Paar gründete in Nevada die Shiloh Horse Rescue and Sanctuary, die gefährdete Tiere aufnahm und versorgte.

Neben der Schauspielerei widmete sich Curtis intensiv der Malerei. Was zunächst als Ausgleich begonnen hatte, entwickelte sich zu einer zweiten künstlerischen Karriere. Seine farbenfrohen, häufig von Matisse und Picasso beeinflussten Bilder wurden in Galerien ausgestellt und teilweise für hohe Summen verkauft.

Curtis erklärte später sogar, die Malerei sei ihm wichtiger geworden als das Filmgeschäft. Anders als in Hollywood konnte er dabei selbst bestimmen, was entstand und wann ein Werk abgeschlossen war.

Sein Tod am 29. September 2010

Tony Curtis starb am 29. September 2010 in seinem Haus in Henderson im US-Bundesstaat Nevada. Als Todesursache wurde ein Herzstillstand angegeben. Der Schauspieler wurde 85 Jahre alt.

Bei seiner Beerdigung wurden ihm mehrere persönliche Gegenstände mit ins Grab gegeben, darunter ein Stetson, ein Armani-Schal, Fahrhandschuhe, Fotos, Medaillen und sein iPhone. Selbst sein Abschied besaß damit etwas von der sorgfältig inszenierten Extravaganz, die ihn während seiner gesamten Karriere begleitet hatte.

Mehr als nur ein hübsches Gesicht

Tony Curtis verbrachte einen großen Teil seines Lebens damit, gegen das Bild anzukämpfen, das Hollywood von ihm geschaffen hatte. Das Studio sah in ihm zunächst einen attraktiven jungen Star. Curtis selbst wollte als ernsthafter Schauspieler anerkannt werden.

Filme wie Dein Schicksal in meiner Hand, Flucht in Ketten und Der Frauenmörder von Boston bewiesen seine dramatische Stärke. Gleichzeitig zeigte Manche mögen’s heiß, wie präzise und mutig er Komödie spielen konnte.

Seine Biografie blieb voller Widersprüche. Curtis konnte charmant, witzig und großzügig sein, galt aber ebenso als eitel, impulsiv und verletzend. Er erlebte Armut und Weltruhm, familiäre Gewalt und öffentliches Familienglück, Sucht und spätere Abstinenz.

16 Jahre nach seinem Tod bleibt vor allem das Bild eines Mannes, der sich aus einem New Yorker Waisenhaus bis in die erste Reihe Hollywoods kämpfte. Seine berühmteste Komödie gilt noch immer als einer der besten Filme aller Zeiten – und Tony Curtis als Star, dessen tatsächliches schauspielerisches Können lange hinter seinem makellosen Äußeren unterschätzt wurde.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....