Zum Todestag von Franz Beckenbauer – Lichtgestalt mit Schatten

Auch Lichtgestalten werfen Schatten – dennoch bleibt seine Bedeutung für deutschen Fußball ungetrübt.

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Beckenbauer verschrieb sein gesamtes Leben dem aktiven Fußball all seinen Hintergründen. | © Wikipedia

Heute jährt sich der Tod von Franz Beckenbauer. Mit ihm verlor der deutsche und internationale Fußball eine seiner prägendsten Figuren – einen Spieler, Trainer und Funktionär, der den Sport nicht nur erfolgreich, sondern grundlegend anders dachte. Zugleich bleibt Beckenbauer eine Persönlichkeit, an der sich Bewunderung und Kritik bis heute reiben.

Vom Münchner Jungen zur "Lichtgestalt"

Franz Beckenbauer wurde 1945 in München geboren und begann seine Karriere beim FC Bayern München – einem Verein, den er wie kaum ein anderer mitgeformt hat. Schon früh zeichnete sich ab, dass Beckenbauer kein gewöhnlicher Fußballer war: elegant, spielintelligent, mit einem nahezu aristokratischen Auftreten auf dem Platz.

Sein Spitzname "Der Kaiser" war mehr als eine Marketingformel. Er stand für Souveränität, Übersicht und eine Selbstverständlichkeit im Spiel, die im Fußball jener Zeit neu war.

Der Libero als Revolution

Beckenbauers größter sportlicher Einfluss liegt in der Neudefinition der Libero-Rolle. Statt nur abzusichern, eröffnete er das Spiel, schaltete sich ins Mittelfeld ein und bestimmte Tempo und Rhythmus. Er machte aus einer defensiven Position ein kreatives Zentrum.

Mit dem FC Bayern gewann er unter anderem drei Europapokale der Landesmeister in Folge (1974–1976) und prägte eine goldene Ära des Vereins. Auch international setzte er Maßstäbe – sowohl spielerisch als auch taktisch.

Weltmeister als Spieler und Trainer

Mit der deutschen Nationalmannschaft erreichte Beckenbauer den sportlichen Gipfel und wurde 1974 als Kapitän auf heimischem Boden Weltmeister und bescherte seiner Mannschaft als Teamchef 1990 von der Seitenlinie aus nochmal den Titel.

Damit gehört er zu einem äußerst exklusiven Kreis von Persönlichkeiten, die den WM-Titel als Spieler und als Trainergewonnen haben. Besonders 1990 verkörperte er einen modernen Führungsstil: ruhig, strategisch, mediengewandt – und stets kontrolliert.

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Direkt oder indirekt war Beckenbauer an mehreren WM-Titeln beteiligt. | © DFB Datenbank

Nach seiner aktiven Trainerkarriere blieb Beckenbauer eine der einflussreichsten Figuren des Weltfußballs. Als Präsident des FC Bayern und als Repräsentant des deutschen Fußballs war er bestens vernetzt – national wie international, auch innerhalb der FIFA.

Er war Gesicht und Galionsfigur der WM 2006 in Deutschland, die sportlich wie atmosphärisch als "Sommermärchen" in Erinnerung blieb. Lange Zeit galt Beckenbauer als nahezu unangreifbar – beliebt, charismatisch, über jeden Zweifel erhaben.

Kritik, Affären und der Bruch mit dem Mythos

Doch genau dieses Bild bekam im Laufe der Jahre Risse. Im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 geriet Beckenbauer in den Fokus von Korruptions- und Geldflussvorwürfen. Auch wenn juristisch vieles ungeklärt blieb oder Verfahren eingestellt wurden, beschädigte die Affäre seinen Ruf nachhaltig.

Hinzu kam Kritik an seiner Rolle als Funktionär: zu große Nähe zu Machtstrukturen, zu wenig Transparenz, zu selten klare Worte zu Problemen im Weltfußball. Für viele Fans markierte diese Phase den Moment, in dem aus der unantastbaren Lichtgestalt ein widersprüchlicher Mensch wurde.

Vermächtnis: größer als die Kontroverse

Trotz aller Kritik bleibt Franz Beckenbauers sportlicher Einfluss unbestritten. Er veränderte das Spiel auf dem Platz, prägte Generationen von Spielern und machte den deutschen Fußball international anschlussfähig – stilistisch wie strukturell.

Sein Leben steht exemplarisch für die Ambivalenz großer Figuren: Genie und Machtmensch, Visionär und Funktionär, Idol und Projektionsfläche.

Der Kaiser ist gegangen. Sein Einfluss bleibt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....