Von Wehrhaftigkeit ohne Gewalt und Verehrung ohne Idealisierung.
Heute, am 30. Januar 2026, jährt sich der Todestag von Mahatma Gandhi zum 78. Mal. Kaum eine historische Persönlichkeit wird weltweit so sehr mit Gewaltlosigkeit, moralischer Autorität und zivilem Widerstand verbunden wie er. Zugleich ist Gandhi eine Figur, die heute differenzierter betrachtet wird als noch vor einigen Jahrzehnten – bewundert, aber auch kritisch hinterfragt.
Ein Leben im Zeichen des Widerstands
Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar, Indien, geboren. Nach einem Jurastudium in London und prägenden Jahren in Südafrika entwickelte er seine politische und ethische Grundhaltung: den gewaltlosen Widerstand. Diese Philosophie verband moralische Selbstdisziplin mit politischer Aktion.
Zurück in Indien wurde Gandhi zur zentralen Figur der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft. Aktionen wie der Salzmarsch von 1930 machten ihn weltweit bekannt. Sein Ziel war nicht nur politische Freiheit, sondern auch soziale Reform: die Überwindung des Kastendenkens, religiöse Toleranz und ein selbstbestimmtes, einfaches Leben.
Globaler Einfluss
Gandhis Einfluss reichte weit über Indien hinaus. Seine Methoden inspirierten spätere Bürgerrechtsbewegungen, unter anderem in den USA und Südafrika. Gewaltloser Protest wurde durch ihn zu einer ernstzunehmenden politischen Strategie – nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als bewusste moralische Entscheidung.
Seine Ideen prägten nicht nur die Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 und das globale Verständnis von zivilem Ungehorsam, sondern auch das Verhältnis von Ethik und Politik zu- und miteinander. Bis heute gilt Gandhi vielen als moralischer Kompass in Zeiten von Unterdrückung und Gewalt und als Beweis dafür, dass die Gesellschaft das politische Geschehen über vermeintlich mächtige Politiker hinaus beeinflussen kann.
Flecken auf einer weißen Weste
Doch Gandhi war kein makelloser Heiliger. Gerade in der heutigen historischen Aufarbeitung treten widersprüchliche und problematische Aspekte seines Lebens deutlicher hervor.
Besonders oft wird kritisiert, dass er seiner Ehefrau Kasturba Gandhi medizinische Hilfe verweigerte, als sie schwer erkrankte, weil er auf alternative Heilmethoden bestand. Gleichzeitig nahm er selbst später durchaus medizinische Behandlungen in Anspruch. Diese Doppelmoral wirft Fragen nach Macht, Kontrolle und moralischer Konsequenz auf.
Auch seine strengen, teils rigiden moralischen Vorstellungen, die keinerlei Grauzonen oder Diskurs zuließen, werden heute noch kritisch gesehen, ebenso wie sein patriarchales Denken in Fragen von Ehe und Sexualität.
Diese Kritik schmälert nicht automatisch seine historischen Leistungen, zwingt aber zu einer ehrlicheren, menschlicheren Betrachtung seiner Person.
Vorsichtiges Vorbild
Gerade in einer Zeit globaler Krisen, wachsender Polarisierung und zunehmender Gewalt stellt sich die Frage: Was bleibt von Gandhi?
Sein Leben lehrt uns, dass politische Ziele ohne Entmenschlichung verfolgt werden können und moralische Autorität nicht aus Macht, sondern aus Haltung entsteht.
Gleichzeitig mahnt sein Beispiel zur Vorsicht vor Idealisierung. Auch moralische Vorbilder sind Kinder ihrer Zeit – mit blinden Flecken, Fehlern und Widersprüchen. Aus Gandhis Leben können wir lernen, Ideen von Personen zu trennen, Vorbilder kritisch zu hinterfragen und Verantwortung nicht an Ikonen zu delegieren.