Zum Todestag von Paul Gray: Das Linkshänder-"Schwein", das Slipknot zusammenhielt

Als "The Pig" spielte er den Bass mit der linken Hand und prägte damit den Sound von Slipknot maßgeblich mit.

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Als Bassist war er nicht nur wegen seines Künstlernamens in der Band die Nr. 2 von Slipknot. | © Paul Gray / Instagram

Heute, am 24. Mai 2026, jährt sich der Todestag von Paul Gray zum 16. Mal. Der Slipknot-Bassist wurde 2010 tot in einem Hotelzimmer in Urbandale, Iowa, gefunden. Er war nur 38 Jahre alt. Später ergab die Autopsie, dass Gray an einer versehentlichen Überdosis Morphin und Fentanyl starb; außerdem wurde bei ihm eine erhebliche Herzerkrankung festgestellt.

Das stille Genie mit der Schweinemaske

Geboren wurde Paul Dedrick Gray am 8. April 1972 in Los Angeles. Seine Familie zog später nach Des Moines, Iowa – ausgerechnet dorthin, wo in den 1990er-Jahren eine der radikalsten Metal-Bands der Welt entstehen sollte. Gray spielte zunächst Gitarre, wechselte aber zum Bass und wurde in der lokalen Szene aktiv. Bevor Slipknot explodierten, spielte er unter anderem in Bands wie Vexx und Body Pit.

Bei Slipknot wurde Gray zu #2, auch bekannt als "The Pig" – also das "Schwein". Er war nicht nur Bassist, sondern auch Mitgründer, Songwriter, Backing-Vocalist und einer der Menschen, die den chaotischen Kern der Band musikalisch zusammenhielten. In einer Gruppe mit neun Mitgliedern, drei Percussion-Ebenen, extremem Gesang, Samples und Gitarrenwänden war sein Bass oft das Fundament unter dem Wahnsinn: tief, drückend, körperlich und trotzdem präzise.

Slipknot wurden Ende der 1990er-Jahre zum Schockmoment der Metalwelt. Das selbstbetitelte Debütalbum Slipknot erschien 1999 und machte die Band fast über Nacht berüchtigt. Mit Iowa folgte 2001 ein noch dunkleres, brutaleres Werk, das bis heute als eines der wichtigsten Alben der modernen Metalgeschichte gilt. Danach kamen Vol. 3: The Subliminal Verses und All Hope Is Gone – Alben, auf denen Slipknot ihre Härte mit größerer Songstruktur, Melodie und massiver Stadionwirkung verbanden.

Gray war dabei nie der lauteste Charakter der Band, aber einer der wichtigsten. Während Frontmann Corey Taylor das Gesicht und die Stimme der Wut war, Joey Jordison die Songs mit irrem Tempo nach vorne prügelte und Shawn Crahan das visuelle Chaos verkörperte, stand Paul Gray für etwas Bodenständigeres: Groove, Druck, Zusammenhalt. Viele Fans und Wegbegleiter beschrieben ihn später als ruhige, verbindende Kraft innerhalb einer Band, die nach außen oft wie reine Eskalation wirkte. Das britische Metal-Magazin Metal Hammer nannte ihn rückblickend das "Quiet Genius" von Slipknot.

Mit der linken Hand am Bass

Auch optisch blieb Paul Gray unverwechselbar. Während viele Slipknot-Mitglieder ihre Masken im Laufe der Jahre immer wieder stark veränderten, blieb sein Motiv besonders konstant: die Schweinemaske, später in Varianten und Weiterentwicklungen, aber immer mit derselben animalischen, verstörenden Grundidee. Gerade dadurch wurde seine Maske zu einer der direkt erkennbaren Slipknot-Ikonen. In einer Band, deren gesamtes Image auf Verwandlung, Anonymität und Horrorästhetik beruhte, wirkte Grays Look fast wie ein Symbol für Beständigkeit im Chaos.

Ein weiteres Detail machte ihn auch musikalisch besonders: Paul Gray war Linkshänder. In einem Interview erzählte er selbst, dass er sich anfangs sogar normale Bässe umbaute beziehungsweise die Saiten umspannte, weil er als Linkshänder spielen musste. Später bekam er mit dem Ibanez PGB1L sogar ein eigenes linkshändiges Signature-Modell. In einer Rock- und Metalwelt, in der rechtshändige Instrumente klar dominieren, wurde Gray damit zu einem der bekanntesten linkshändigen Bassisten seiner Generation.

Sein Bassspiel war nie nur Begleitung. Gerade auf Songs wie Duality, Wait and Bleed oder Psychosocial gab sein Instrument den Songs Gewicht. Slipknot klangen nicht einfach nur laut, weil die Gitarren verzerrt waren. Sie klangen massiv, weil Gray die Tiefe darunterlegte. Sein Spiel war nicht auf Virtuosität im klassischen Sinn ausgelegt, sondern auf Wirkung: Jede Note sollte drücken, ziehen, schieben, weh tun.

Tod einer Legende

Als Paul Gray 2010 starb, traf das Slipknot ins Zentrum. Einen Tag nach seinem Tod trat die Band ohne Masken vor die Presse. Es war einer der seltenen Momente, in denen Slipknot nicht als Monsterkollektiv, sondern als gebrochene Freunde zu sehen waren. Sie nahmen keine Fragen an, sondern erinnerten an Gray als Bruder, Musiker und Menschen. Seine Frau Brenna war damals schwanger; die gemeinsame Tochter wurde wenige Monate nach seinem Tod geboren.

Der Verlust prägte auch die Musik der Band. Das 2014 erschienene Album .5: The Gray Chapter wurde zu einer direkten Auseinandersetzung mit seinem Tod. Schon der Titel machte klar, dass Paul Gray nicht einfach ersetzt wurde. Er blieb ein Kapitel der Bandgeschichte, das weiterwirkte – in den Songs, im Sound, in der Fan-Kultur und in der Art, wie Slipknot über Verlust, Wut und Überleben sprachen.

Auch live wurde Gray weiter geehrt. Bei späteren Konzerten standen seine Maske, sein Overall und ein Bass auf der Bühne. Für Fans war das mehr als ein Memorial. Es war ein Zeichen: Die Nummer 2 war nicht mehr physisch dabei, aber sie gehörte weiterhin zur DNA von Slipknot.

Heute, am 16. Todestag, bleibt Paul Gray eine der tragischsten Figuren des modernen Metal. Er war Mitgründer einer Band, die das Genre neu definierte, einer der wenigen wirklich prägenden linkshändigen Bassisten im harten Mainstream-Metal und ein Musiker, dessen Maske fast unverändert für eine ganze Ära stand. Er war nicht der Frontmann, nicht der größte Redner, nicht die offensichtlichste Ikone – aber ohne ihn hätte Slipknot nie so geklungen, wie Slipknot klingen mussten.

Paul Gray war der Bass unter dem Chaos. Die Tiefe unter der Wut. Und einer der Gründe, warum Slipknot nicht nur verstörend aussahen, sondern sich auch so gewaltig anfühlten.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....