Zum Todestag von Vlad III. Drăculea – Graf Dracula zwischen Geschichte und Mythos

Wenn wahrer Horror zu Hollywood-Spuk umgemünzt wird.

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Der Mythos des vermeintlichen Vampirgrafen beeinflusst die Horrorkultur damals wie heute. | © Wikipedia / Leonine

Der Tod von Vlad III., besser bekannt als Vlad der Pfähler, liegt im Dunkel der Geschichte – einer Geschichte zwischen Realität und Fiktion, einem mörderischen Herrscher und einer der berühmtesten Horrorfiguren aller Zeiten. Bis heute konnte nie eindeutig geklärt werden, wann genau er starb.

Zeitgenössische Quellen widersprechen sich, Berichte sind fragmentarisch oder propagandistisch gefärbt. Dennoch haben sich viele Historiker im Laufe der Zeit auf ein Datum verständigt: den 1. Januar, vermutlich im Jahr 1476 oder 1477. Dieses Datum hat sich als symbolischer Todestag eines Mannes etabliert, der wie kaum ein anderer zwischen Realität und Legende steht.

Herrscher einer zerrissenen Zeit

Vlad III. wurde um 1431 geboren, wobei es unterschiedliche Quellen gibt, die entweder besagen, dass er bei Nürnberg oder in Siebenbürgen zur Welt kam und regierte mehrfach als Woiwode der Walachei – einer Region, die im 15. Jahrhundert zwischen den Machtinteressen des Osmanischen Reiches, Ungarns und des Heiligen Römischen Reiches zerrieben wurde. Seine Herrschaft war geprägt von Instabilität, Verrat und nahezu permanentem Krieg.

Um seine Macht zu sichern, setzte Vlad auf eine Politik der radikalen Abschreckung. Grausame Strafen, allen voran das Pfählen von Gegnern, Verrätern und Kriminellen, machten ihn gefürchtet. Für seine Feinde war er ein Monster, für Teile der lokalen Bevölkerung jedoch ein Herrscher, der Ordnung schuf, Korruption bekämpfte und äußere Bedrohungen kompromisslos zurückdrängte.

Der Pfähler und die Strategie der Grausamkeit

Das Pfählen war nicht bloß sadistische Willkür, sondern ein kalkuliertes Instrument politischer Machtdemonstration. Zeitgenössische Berichte schildern Wälder aus Pfählen, auf denen Tausende starben – Bilder, die sich tief in das kollektive Gedächtnis Europas eingebrannt haben. Schon zu Lebzeiten kursierten Flugschriften, die Vlad als blutrünstigen Tyrannen darstellten. Sie gelten als frühe Formen medialer Propaganda.

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Die Erzählungen Draculas reichen von grausamen Holzschnitten bis zur fast gentlemanhaften Darstellung durch Christopher Lee. | © Wikipedia / Atlas

Jahrhunderte später wurde Vlad der Pfähler zur literarischen Unsterblichkeit verurteilt. Der irische Schriftsteller Bram Stoker griff Ende des 19. Jahrhunderts den Namen Dracula auf – abgeleitet von Drăculea, "Sohn des Drachen". Zwar ist Stokers Romanfigur Graf Dracula keine direkte historische Darstellung Vlads, doch die Verbindung aus realer Grausamkeit, osteuropäischem Fürstentum und düsterer Aura war entscheidend.

Mit Stokers Roman Dracula (1897) wurde Vlad posthum zur Quelle des modernen Vampirmythos – und damit zu einem der Grundpfeiler des heutigen Horrorgenres.

Ursprung des modernen Horrors Dracula steht am Anfang einer kulturellen Entwicklung, die bis heute anhält: Vampire, Untote und düstere Antihelden bevölkern Literatur, Film, Serien und Games. Themen wie Unsterblichkeit, Macht, Angst und moralische Ambivalenz gehen letztlich auf diese Figur zurück. Ohne Vlad als historische Inspiration wäre der moderne Horror kaum denkbar – zumindest nicht in der Form, wie wir ihn heute kennen.

Ein Vermächtnis zwischen Blut und Bedeutung

Vlad der Pfähler bleibt eine der ambivalentesten Gestalten der Geschichte. Nationalheld, Tyrann, Freiheitskämpfer, Sadist – all diese Zuschreibungen existieren nebeneinander. Zu allen Zeiten wurde er gefürchtet, egal ob aus ganz realen Gründen oder als Ursprung heutigen Filmschreckens und wenn ihr euch das nächste mal vor einem glitzernden Highschool-Vampir ekelt oder euch ein wirklich guter Dracula-Streifen einen Schauer über den Rücken jagt, denkt daran, dass auch ihr euch wegen Vlad III. gruselt. Sein Tod mag im Unklaren liegen, doch sein Nachwirken ist unbestreitbar.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....