Einer, der die Grenzen zwischen Kunstfigur und dem Mensch dahinter strapazierte wie kein anderer – und das mit Erfolg!
Am 7. Mai 2026 jährt sich der Tod von Xatar zum ersten Mal. Kaum eine Figur im deutschen Rap vereinte Mythos, Realität und Selbstinszenierung so stark wie er – und zwei Elemente seines Lebens stehen dabei besonders im Fokus: der spektakuläre Goldraub und sein späterer Kultstatus rund um Köftespieße.
Der Goldraub – Vom Verbrechen zur Legende
Der Überfall auf einen Goldtransporter im Jahr 2009 gilt bis heute als einer der spektakulärsten Raubzüge der deutschen Kriminalgeschichte. Xatar und seine Komplizen hatten sich als Kontrolleure getarnt, stoppten den Transport auf der Autobahn und entwendeten Zahngold und Schmuck im Wert von mehreren Millionen Euro.
Was den Fall besonders machte, war nicht nur die Dreistigkeit der Tat, sondern auch ihre fast filmreife Durchführung. Der Raub wirkte minutiös geplant – gleichzeitig aber auch riskant und von einer gewissen Hybris geprägt.
Nach der Tat setzte sich Xatar ins Ausland ab, wurde jedoch kurze Zeit später im Irak festgenommen und schließlich nach Deutschland ausgeliefert. Die Geschichte seiner Flucht, Festnahme und Inhaftierung trug erheblich zu seiner späteren Legendenbildung bei.
Der Baba aller Babas
Im Gefängnis begann er, sich stärker auf Musik zu konzentrieren. Genau dieser Bruch – vom Schwerverbrecher zum erfolgreichen Rapper – wurde zum Kern seiner öffentlichen Identität. Seine Texte wirkten nicht konstruiert, sondern wie direkte Berichte aus einem Leben, das viele nur aus Filmen kannten.
Mit Alben wie Alles oder Nix und Baba aller Babas etablierte sich Xatar als feste Größe der Szene. Seine Musik war roh, direkt und geprägt von Authentizität – ein Spiegel seines eigenen Lebens. Gleichzeitig bewies er ein außergewöhnliches Gespür für Talent: Mit seinem Label Alles oder Nix Records förderte er Künstler wie SSIO, Schwesta Ewa oder Mero und prägte damit eine ganze Generation des deutschen Hip-Hop.
Auch abseits der Musik war Xatar unternehmerisch aktiv. Er baute ein Netzwerk aus Labels, Marken und Gastronomieprojekten auf und wurde zu einer Art Selfmade-Unternehmerfigur innerhalb der Szene. Sein Leben wurde schließlich sogar verfilmt: In Rheingold wurde seine Geschichte einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Diese außergewöhnliche Biografie wurde später auch im Film Rheingold verarbeitet, der seinen Aufstieg und Fall sowie die Hintergründe des Raubes einem breiten Publikum näherbrachte.
Köftespieße und Haval Grill und der Weg zum Meme
Gefragt, was das erste sei, was er nach der Haftentlassung machen werde, antwortete Xatar damals "Ich glaub', ich gib mir 'n schönen Kebab. So 'n schönen Köfte Spieß, weißt du?"und legte damit den Grundstein für eine Karriere weit über die Rapszene hinaus.
Denn nach seiner Haft wandelte sich Xatar zunehmend vom reinen Rapper zum Unternehmer. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür war seine Gastronomiemarke Haval Grill, mit der er sich auf orientalische Küche – insbesondere Köfte – spezialisierte.
Was zunächst wie ein klassisches Geschäftsprojekt wirkte, entwickelte sich schnell zu einem kulturellen Phänomen. Xatar verstand es, Essen, Lifestyle und Rap miteinander zu verbinden. Köftespieße wurden dabei zu einem wiederkehrenden Symbol – in Interviews, Social Media und Musikvideos.
Mit seinem typischen Auftreten, seiner Sprache und seinem Humor schuf er rund um das Thema eine eigene Ästhetik. Die Inszenierung von Köfte als Statussymbol verbreiteten sich viral. Fans griffen diese Motive auf, es entstanden Memes, Clips und Running Gags, die weit über die eigentliche Musik hinausgingen.
So wurde aus einem einfachen Gericht ein Stück Popkultur – eng verknüpft mit Xatars Persönlichkeit. Die Köftespieße standen dabei sinnbildlich für seinen Wandel: vom kriminellen Image hin zum Geschäftsmann mit eigenem Branding, ohne dabei seine Herkunft und seinen Stil zu verleugnen.
Zwischen Realität und Selbstinszenierung
Sowohl der Goldraub als auch das Köfte-Meme zeigen exemplarisch, was Xatar so besonders machte: die Fähigkeit, reale Ereignisse in eine Erzählung zu verwandeln, die größer wirkte als das Leben selbst.
Er war nicht nur Teil seiner Geschichte – er kontrollierte sie. Aus einem Verbrechen wurde ein Mythos, aus einem Imbiss ein kulturelles Symbol. Diese Mischung aus Authentizität, Überhöhung und Humor machte ihn zu einer einzigartigen Figur im deutschen Rap.
Am 7. Mai 2025 endete sein Leben überraschend. Als er am folgenden Tag tot aufgefunden wurde, ging ein Schock durch die deutsche Rap-Szene. Die Umstände seines Todes blieben unklar, doch es gab keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.
Die Reaktionen auf seinen Tod waren gewaltig. Künstler wie Haftbefehl, Farid Bang oder Fler äußerten öffentlich ihre Trauer und würdigten ihn als prägende Figur des Deutschrap. Fans versammelten sich bei seiner Beerdigung in Bonn, wo Hunderte Menschen Abschied nahmen.
Ein Jahr nach seinem Tod bleibt Xatar vor allem als jemand in Erinnerung, der Extreme vereinte: Härte und Charisma, Straße und Geschäftssinn, Ernst und Ironie. In einem kürzlich erschienenen Interview spricht auch Xatars Witwe davon, wie froh sie sich schätzt, dass ihr Mann und sein komplexes Wesen von den Medien genau so vielschichtig widergespiegelt wird, wie er war, da seine Kinder so auch lange nach seinem Ableben noch erkennen würden, wie warmherzig und stark er war.
Der Goldraub machte ihn berüchtigt – die Köftespieße machten ihn unvergesslich
