Seinen Erfolgen tut seine Haltung keinen Abbruch, ignoriert darf sie deshalb aber dennoch nicht werden.

Weltmeister, begnadeter Spielmacher und einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer seiner Generation: Mesut Özil feiert heute, am 15. Oktober 2026, seinen 38. Geburtstag. Seine Pässe begeisterten Fans in Bremen, Madrid und London. Abseits des Platzes hat er dagegen Entscheidungen getroffen, die deutliche Kritik verdienen. Seine enge Verbindung zu Recep Tayyip Erdoğan, sein Engagement für dessen Partei und ein Tattoo mit rechtsextremer Symbolik gehören inzwischen ebenso zu seiner öffentlichen Geschichte wie der WM-Triumph von 2014.
Von Gelsenkirchen auf die große Fußballbühne
Özil wurde am 15. Oktober 1988 in Gelsenkirchen geboren und wuchs in einer Familie mit türkischen Wurzeln auf. Über die Jugend von Rot-Weiss Essen führte sein Weg zu Schalke 04, wo er den Sprung in den Profifußball schaffte. Seinen entscheidenden Entwicklungsschritt machte er anschließend bei Werder Bremen.
2009 gewann er mit Werder den DFB-Pokal. Schon damals zeichnete ihn aus, was später seine Weltkarriere tragen sollte: außergewöhnliche Ballkontrolle, ein Gespür für freie Räume und die Fähigkeit, einen Angriff mit einem einzigen Pass zu öffnen. Özil musste ein Spiel nicht mit körperlicher Wucht bestimmen. Oft genügte eine Bewegung, die einen Gegenspieler ins Leere laufen ließ.
Titel in Madrid, Vorlagen in London
2010 wechselte Özil zu Real Madrid. Dort spielte er an der Seite von Cristiano Ronaldo und etablierte sich als einer der herausragenden Vorbereiter des europäischen Fußballs. Mit dem spanischen Rekordmeister gewann er 2011 den Pokal, 2012 die Meisterschaft und im selben Jahr den spanischen Supercup.
2013 verpflichtete ihn der FC Arsenal als damaligen Rekordtransfer des Vereins. Mit den Londonern gewann er viermal den FA Cup. Besonders eindrucksvoll war die Premier-League-Saison 2015/16: Özil bereitete 19 Tore vor. Insgesamt stehen für ihn in der englischen Liga 184 Einsätze, 33 Treffer und 54 Torvorlagen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark er ein Spiel über seine Mitspieler gestalten konnte.
Der Höhepunkt: Weltmeister mit Deutschland
Seinen größten sportlichen Erfolg feierte Özil 2014 in Brasilien. Als Stammspieler gehörte er zur deutschen Mannschaft, die im Finale Argentinien besiegte und den vierten WM-Titel des DFB gewann. Insgesamt absolvierte er 92 A-Länderspiele und erzielte 23 Tore.
Seine Karriere endete allerdings ohne vergleichbaren Glanz. Nach Arsenal folgten Stationen bei Fenerbahçe und İstanbul Başakşehir. Verletzungen beeinträchtigten seine letzten Profijahre. Im März 2023 erklärte er seinen Rücktritt. Seine Leistungen aus den besten Jahren bleiben dennoch außergewöhnlich: Özil gehörte zu den Spielern, deren Ideen auf dem Platz manchmal schneller waren als die Reaktionen ihrer Gegner.
2018: Das Erdoğan-Foto und der Bruch mit dem DFB
Im Mai 2018 ließ sich Özil gemeinsam mit İlkay Gündoğan mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan fotografieren. Die Begegnung fand vor den türkischen Wahlen statt und löste heftige Kritik aus. Özil erklärte später, das Treffen habe dem Respekt vor dem Amt und seinen familiären Wurzeln gegolten. Die politische Wirkung der Bilder ließ sich damit jedoch nicht ausräumen: Ein international bekannter deutscher Nationalspieler bot einem autoritär regierenden Präsidenten eine öffentlichkeitswirksame Bühne.
Nach Deutschlands Vorrundenaus bei der WM erklärte Özil am 22. Juli 2018 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Er beklagte Rassismus und mangelnden Schutz durch den DFB. Der Verband wies den Rassismusvorwurf gegen seine Repräsentanten zurück, bedauerte aber, dass Özil sich gegenüber rassistischen Anfeindungen nicht ausreichend geschützt gefühlt hatte.
Für die Bewertung dieser Auseinandersetzung ist beides entscheidend: Kritik an einem Treffen mit Erdoğan war berechtigt. Angriffe auf Özils Herkunft waren es nicht. Die türkischen Wurzeln eines deutschen Nationalspielers machen seine Zugehörigkeit zu Deutschland weder fragwürdig noch von sportlichen Ergebnissen abhängig.
Aus persönlicher Nähe wurde politisches Engagement
Dass Özils Verbindung zu Erdoğan über einen einzelnen Fototermin hinausgeht, zeigte sich in den folgenden Jahren deutlich. Bei seiner Hochzeit mit Amine Gülse 2019 trat Erdoğan als Trauzeuge auf. 2023 unterstützte Özil öffentlich dessen Wiederwahl. Im Februar 2025 wurde er schließlich in den Vorstand der Regierungspartei AKP gewählt.
Damit engagiert er sich selbst für die Partei des Präsidenten. Die Kritik betrifft folglich konkrete politische Entscheidungen. Wer als prominenter ehemaliger Nationalspieler seine Bekanntheit dafür einsetzt, muss sich Fragen zu dieser Unterstützung gefallen lassen. Seine sportlichen Erfolge beantworten diese Fragen nicht.
Das Tattoo mit den Symbolen der Grauen Wölfe
Besonders schwer wiegt ein Brusttattoo, das 2023 auf einem veröffentlichten Fitnessfoto sichtbar wurde. Es zeigt einen heulenden Wolf und drei Halbmonde – Symbole, die der rechtsextremistischen Ülkücü-Bewegung, den sogenannten Grauen Wölfen, zugeordnet werden. Deren Ideologie ist von übersteigertem Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus geprägt.
Eine Tätowierung allein belegt keine formale Mitgliedschaft in einer Organisation. Die öffentliche Präsentation dieser Symbolik bleibt dennoch ein gewichtiger Anlass zur Kritik. Nach dem ZDF-Bericht vom März 2026 hatte Özil das Tattoo bislang nicht näher kommentiert. Gerade bei einem früheren sportlichen Vorbild wäre eine klare Erklärung seiner Haltung zu dieser Bewegung wichtig.
Soziale Hilfe gehört ebenfalls zu seiner Geschichte
Özil hat sich zugleich für Menschen in Not eingesetzt. Nach der WM 2014 unterstützte er Operationen für 23 Kinder in Brasilien. Anlässlich seiner Hochzeit 2019 kündigten er und seine Frau an, über die Hilfsorganisation BigShoe Operationen für 1.000 bedürftige Kinder zu finanzieren, und riefen zu weiteren Spenden auf.
Diese Hilfe verdient Anerkennung. Sie hebt die Kritik an seiner politischen Positionierung jedoch nicht auf. An seinem 38. Geburtstag bleibt deshalb ein widersprüchliches Bild: Mesut Özil hat dem Fußball große Momente geschenkt und soziale Projekte unterstützt. Mit seiner Nähe zu Erdoğan und der öffentlich gezeigten rechtsextremen Symbolik hat er zugleich selbst dazu beigetragen, dass sein Vermächtnis weit über den Sport hinaus kritisch diskutiert wird
